Dancing Queen – Kapitel 4

caskett_by_slaveformusic-d5gxm3n - Bearbeitet

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Kapitel 4

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„Wieso hast du gesagt, Kate, dass du glaubst mit ihm geschlafen zu haben?“, fragte Lanie vorsichtig, ahnend, dass etwas im Spiel sein könnte.

„Lanie … Kommst du mir jetzt wirklich mit Semantik?“

Ihr Mund fühlte sich immer noch trocken an. Während sie ihre gute Freundin warten ließ, trank sie ein großes Glas Wasser.

„Kate?“

„Nicht, Lanie“, erklärte die Polizistin mahnend.

„Sag es, Kate! Was hast du genommen?“, schrie Lanie sie beinahe an.

Kate vernahm ein lautes Klopfen an ihrer Eingangstüre. Sie erschrak. Rasch drehte sie sich um. Wer konnte es sein? Rick?

Vorsichtig ging sie in Richtung Türe, öffnete sie vorsichtig – Lanie. Wie war sie so schnell hergekommen? Hatte sie die verdächtigen Geräusche denn nicht mitbekommen?

Lanie warf die Türe mit Wut in die Angeln, drehte sich um, warf ihre dünne Jeansjacke über das Sofa und starrte Kate an.

„Was verdammt noch einmal hast du genommen, Katherine Houghton Beckett?“

„Lanie …“, fluchte sie zurück. Was hatte sie gemacht, um sich zu verraten? Nein, sie war nicht Stolz darauf, war es schon in ihrer Jugend nicht gewesen, aber damals hatte es ihr über den Tod ihrer Mutter hinweggeholfen – eine Mischung davon und Ricks Büchern, eine guten Dosis Alkohol und diversen Männern, die sie alles vergessen ließen.

„Lüg mich nicht an, Kate.“

„Marihuana … nicht regelmäßig … ab und an bevor ich tanzen gehe.“

„Seit wann gehst du tanzen?“, fragte Lanie verwundert. Die Kate, die sie kannte, verbrachte ihre freien Abende zuhause bei einer Flasche Rotwein. Einem guten Buch. Einem heißen Bad. Vielleicht einem Film.

„Seit Mai … fast jeden Freitag, wenn wir keinen komplexen Fall haben“, gab Kate zu.

„Kate … Gras? War das notwendig?“

„Möchtest du mir jetzt Moralpredigten halten? Nachdem er in die Hamptons gefahren war … Lanie, ich glaubte, ich würde ihn nie wieder sehen. Damals hat es geholfen, als … als du weißt, als Mom ermordet war.“ Ihre Stimme war immer leiser geworden, immer leiser. Kate setzte sich auf die Couch, stützte ihre Ellbogen auf ihre Knie und legte ihren Kopf in ihre Hände. „Damals schien es die perfekte Lösung, gab mir die Möglichkeit, für kurze Zeit alles zu vergessen … niemals hat es Konsequenzen gegeben. Niemals.“

Tränen lagen in ihrer Stimme und liefen nun ihre warmen Wangen hinunter.

„Gott, Lanie, was habe ich getan?“

Die dunkelhäutige Frau setzte sich neben Kate, legte einen Arm um ihre Schulter und ließ sie sich anlehnen. Tröstete sie. Ließ sie einfach weinen. Wenn dies ihr Bedürfnis war, sollte sie dabei aufgefangen, unterstützt werden.

„Ach Kate …“, murmelte die Ärztin nur, als sie ihrer besten Freundin über das Haar strich, sie tröstete, versuchte ihr zu helfen, auch wenn ihr keine rechte Lösung einfiel.

Und sie weinte. Sie weinte aus Verzweiflung, weil sie nicht recht wusste, wie es weitergehen sollte. Einmal in der Woche einen halbe Joint zu rauchen war zu einer Angewohnheit geworden, einer schlechten, aber es half ihr abzuschalten –  freitags ließ sie ihren Beruf, all die Morde, die trauernden Angehörigen, die Mörder und nicht rechtmäßig Freigesprochenen, die Trauer um ihre Mutter, die Angst, dass ihr Vater rückfällig werden könnte hinter sich. Alles. An diesen Abenden flirtete sie, tanzte sie, hatte sie einfach eine gute Zeit. Sie wusste aus Erfahrung, wie viel sie rauchen durfte, um nicht komplett außer Kontrolle zu geraten. Im Gegensatz zu vielen andere Menschen wurde sie nicht müde, nein, Marihuana putschten sie auf, ließen sie tanzen, wirkten wie ein Aphrodisiakum. Ein halber Joint und sie hatte die komplette Kontrolle über sich selbst, nur war die Welt weniger brutal, weniger grausam.

Doch gestern war es kein halber gewesen, es war beinahe ein ganzer. Wieso, das wusste sie nicht. Ja, sie hatte begonnen Richards Buch zu lesen, welches er ihr einfach hatte schicken lassen, die ersten 100 Seiten und sie war zu dieser ersten Szene gekommen, hatte sie in sich aufgesogen und sich gefragt, wie es sein konnte, dass er so viele Details wusste – über den Club, das Kleid, welche sie tatsächlich besaß, die Person, mit der sie getanzt hatte. Obwohl sie intoxikiert war, war ihr bildhaftes Gedächtnis niemals außer Kraft getreten – jeden einzelnen Mann konnte sie beschreiben. Vielleicht verließ sie der Job doch nicht immer so, wie erhofft?

„Habt ihr danach miteinander gesprochen?“, fragte Lanie vorsichtig, um die aktuelle Lage abschätzen zu können. Doch Beckett schüttelte nur den Kopf.

„Ihr habt überhaupt nicht geredet?“

„Nein … ich bin auf die Toilette gegangen und dann durch den Hinterausgang raus.“

„Plötzlich warst du wieder vollkommen nach der Sache? Nach dem Sex plötzlich?“

„Lanie, wenn es nur so einfach wäre. Hast du sein Buch gelesen? Nein … da gibt es eine Stelle und dann hat er dazu geschrieben … als wäre er dort gewesen … und dann hat er als Notiz dazugeschrieben – nur wir zwei, selber Ort, selbe Zeit.“

„Wieso hast du mir davon nichts erzählt?“ Lanie fragte sich, was noch alles zwischen ihnen vorgefallen war, von dem Kate niemals ein Wort verloren hat.

„Du hättest mitkommen wollen.“ Und wahrscheinlich hatte Kate damit Recht, sie hätte sich nicht abwimmeln lassen.

„Ich hatte Angst … wusste nicht … du weißt Lanie … Es war nicht nur ein halber Joint, fast ein ganzer. Und Gott, Lanie … es war herrlich. Ich dachte anfänglich, dass ich träumen würde. Doch er war so real. Nicht wie die Freitage zuvor, Lanie. Flirten war jedes Mal in Ordnung, doch mehr nicht. Niemals.“

„Wieso dann dieses Mal?“ Sie versuchte vorsichtig an die Materie heranzugehen, herauszufinden, wieso ihre beste Freundin so gehandelt hatte, wie sie gehandelt hatte.

Lanie hatte erkannt, dass sich Kate und Rick in den letzten Monaten näher gekommen waren, auf ihre spezielle Art. Besonders als er sie aus ihrem brennenden Apartment, das kurze Zeit zuvor explodiert war, gerettet hatte. Persönlich hatte er ihr seine Jacke gegeben, ihr noch Vorort etwas zum Anziehen besorgt, da er nicht wollte, dass jemand ihre perfekten Beine sah, sie beinahe nackt vor ihren Kollegen stehen musste. Dann war er es gewesen, der ihre Arme persönlich verbunden hatte, die eine oder andere Wunde gereinigt hatte – wortlos. Wortlos hatten sie agiert, waren einander gegenüber gesessen.

Auch die Zeit, die sie in seiner Wohnung verbracht hatte, hatte sie gemeinschaftlich gestärkt. Auf freundschaftlicher Basis war alles verlaufen, doch die Vertrauensbasis war gestärkt worden. Doch dann war plötzlich Demming in ihr Leben getreten und hatte alles zerstört  -diese perfekte, komplexe und fragile Beziehung. Demming war es gewesen, der Rick dazu getrieben hatte, Gina zu fragen – Lanie hatte es einmal angemerkt, Kate gegenüber, und für dieses Kommentar nur böse Blicke geerntet.

„Weil es so irreal wirkte … so irreal perfekt. Er ließ mich mit den anderen Männern weiterflirten, markierte aber sein Territorium“, umschrieb Kate die Ereignisse. „Er schien genau zu wissen, was ich brauchte. Roch wie Castle und verhielt sich so anders. Nicht der aufdringliche Castle, den wir kennen, der immer den Mund offen haben muss. Nein …“

„Vielleicht ist das der Mann, der er wirklich ist? Vielleicht ist er immer so … im Privaten?“

Antwort wurde keine formuliert. Kate hingegen ging zur Abwasch und schenkte sich ein frisches Glas Wasser ein, trank es in großen Schlucken aus.

„Ich kann mit ihm darüber nicht sprechen.“

„Hat Rick sich gemeldet?“ Die Frage musste irgendwann gestellt werden, lag offen am Tisch.

„Nein.“

„Hast du ihn irgendwie wissen lassen, dass du gegangen bist?“

„Nein.“

„Du bist einfach, heimlich verschwunden?“

„So … du bist einfach verschwunden, nachdem ihr heißen Sex hattet?“ In ihrer Stimme lag etwas Spott, vielleicht sogar ein Hauch Sarkasmus.

„Mach dich nicht über mich oder das, was passiert ist, lustig.“

Wieder erfüllte eine lange Stille den Raum, nur das Ticken der Uhr an der Küchenwand war zu hören, die Lanie selbst dort befestigt hatte. Sie legte ihren Arm um ihre Schulter.

„Wir bekommen das schon wieder hin, Katie.“

Die Verkleinerungsform ihres Namens war eine Seltenheit geworden, eine Rarität, seitdem ihre Mutter verstorben war. Für sie war sie immer nur Katie gewesen, Katherine, wenn sie nicht das tat, was sie wollte. Katherine Houghton bei Ermahnungen, Bestrafungen und heftigen Moralpredigten. Im Jahr vor ihrer Ermordung war sie mit ihrer Mutter an einem Samstagnachmittag vor dem Fernseher gesessen und gemeinsam hatten sie sich eine Katherine Hepburn Marathon angesehen – ihre Johanna hatte darauf bestanden, ihr all die wichtigen Filme. „Die Nacht vor der Hochzeit“, „Die Frau des Jahres“, „Die Frau von der man spricht“, „Am goldenen See“, „African Queen“ und „Die Löwin im Winter“, nur zu „Rat mal wer zum Essen kommt“, waren sie an diesem Tag nicht mehr gekommen und genauso stand die Videokassette nun seit Jahren in einer speziellen Box in ihrem Kasten stehen, hatte ihn sich niemals angesehen. Alle anderen Katherine Hepburn Filme besaß Kate. War es doch diese Schauspielerin, nach der sie benannt wurde, die Liebe ihrer Mutter zu ihren Filmen, der Person, ihrer Stärke  – Stärke in einer Zeit, in der sich Frauen an strenge Regeln halten musste, in der es unterschiedliche Gesetze gab für Schwarze und Weiße. Ihre Mutter hatte ihr erzählt, dass Katherine Hepburn in einem sehr kreativen Elternhaus aufgewachsen war – ihre Mutter hatte für die Rechte der Frauen gekämpft, und jeden einzelnen Tag war sie von ihrem Mann unterstützt worden, niemals war er von ihrer Seite gewichen.

Und genau das war es gewesen, was Kate ebenfalls imponiert hatte. Katherine Hepburn war ihr Vorbild geworden, ihr Idol. Diese Frau war stark gewesen, hatte sich ihren Platz im Filmbusiness hart erkämpft, jeden einzelnen Tag alles gegeben, keinen Tag geschwächelt. Und so war Kate geworden – es gab nur 100 Prozent, niemals weniger. Um den Opfern eine Stimme zu verleihen tat sie alles. Ihr Stapel an ungelösten Fällen war der geringste am Revier, natürlich gab es den einen oder anderen – so auch der ihrer Mutter.

Und nun hatte sie ihr Leichtsinn in eine Situation gebracht, über die man nicht einfach hinwegsehen konnte. Sie konnte es zumindest nicht, würde es niemals können. Nur konnte sie auch nicht mit ihm darüber sprechen, ihm die Wahrheit sagen, dass es Drogen gewesen waren, die sie so  …. Wie hatten sie sie gemacht? Sie hatten dazu geführt, dass sie zu ihren tief verborgenen Gefühlen nun einmal gestanden hatte, die aufgestaute Lust ans Tageslicht gebracht hatte, die sie ihm gegenüber empfand und normalerweise gut unter Kontrolle hatte.

„Und wie wirst du ihm begegnen, wenn er am Montag aufs Revier kommt?“, fragte Lanie.

Kate blickte sie nur unsicher an und es war deutlich, dass sie wirklich überlegte, wie sie vorgehen sollte. Sie verzog ihr Gesicht, ging im Zimmer auf und ab, trank mehr und mehr Wasser, um ihren trockenen Mund und ihren pochenden Kopf unter Kontrolle zu bekommen.

„Ich werde nichts sagen, Lanie. Kein Wort. Ich werde so tun, als wäre nichts passiert. Wer weiß, ob er am Montag kommen wird? Wer weiß, ob er überhaupt noch einmal kommen wird? Alles was er jemals wollte, vom ersten Tag an, hat er nun bekommen.“

„Stopp, Kate!“, schrie Lanie sie beinahe an. „Das wollte er nie. Er will viel mehr, er will das komplette Paket, Kate!“

„Nein … das geht nicht, du weißt ….“

„Wieso sollte es nicht gehen Kate? Wieso? Demming hättest du auch soweit kommen lassen.“

„Nein …“

„Lüg dich nicht selbst an.“

„Es wäre nie so weit gekommen. Es wäre so und so rasch zu nichts gekommen. Ja, er hat mich gedrängt, aber ich konnte einfach nicht, konnte ihn nicht so nahe an mich herankommen lassen. Lanie, ich kann einfach keine Beziehungen führen. Ich zerstöre jeden, der …“

„Doch war in all den Jahren, die wir uns nun kennen, Katie, jemals ein Mann so hartnäckig wie Richard Castle?“ Lanie wusste, als sie diese Worte aussprach, dass sie Recht hatte, Kate ihr nicht widersprechen konnte. „Castle hast du ordentlich eifersüchtig mit Demming gemacht. Du hättest seine Blicke sehen müssen.“

„Dann hat er einmal erfahren, wie es mir immer wieder geht, wenn seine Frauengeschichten …“

„Wirklich Kate? Ich hätte nicht gedacht, dass du wirklich … Nur weil er ein Privatleben hat, es nicht versteckt, hast du dir einen Kollegen ausgesucht, diesem Hoffnungen gemacht, um Rick eifersüchtig zu machen? Nein, Kate, das bist nicht du.“ Lanie schüttelte den Kopf „Nein, du bist vieles, aber das nicht.“

„Vielleicht nicht“, gab Kate zu. Vielleicht hatte sie sich wirklich eine Zukunft mit Demming ausgemalt gehabt, auch wenn diese irreal gewesen wäre. Kleine Schritte. Doch rasch hatte sie erkannt, dass es aussichtlos war, sie nur Gefühle für einen Mann hatte und mit diesem auch den Feiertag hatte verbringen wolle.

Doch im Endeffekt kam alles anders, als erhofft.

„Du wirst nicht schweigen können, Kate. Rick ist nicht der Typ von Mann, der genießt und dann kommentarlos vergisst.“

Kate sah Lanie nur an, wissend, dass sie vorraussichtlich richtig lag, sie sich irgendwann der Situation stellen musste – nur nicht heute oder morgen. Vielleicht nur, wenn er sie darauf ansprach. Vielleicht nur, wenn er sie im richtigen Moment und an einem privaten Ort darauf ansprach.

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Ende Kapitel 4

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About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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