Dancing Queen – Kapitel 10

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Kapitel 10

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„Nein, Alexis“, ertönte es quer durch das Loft. „Du rufst sie nicht an.“

„Dad was soll das?“

„Ich sagte nein und es ist nein.“

„Aber …“

„Ich habe gesagt, du bleibst hier und kümmerst dich mit mir um deine Großmutter, wenn sie heute entlassen wird. Du brauchst Kate nicht zu besuchen.“

„Sie hat mir versprochen, ich kann vorbeikommen, wann immer ich möchte.“

„Alexis …“, Rick wurde allmählich wütend. Nun waren vier Tage vergangen, seitdem er aus Europa zurückkehrt war und das Einzige, das er hörte, war Kate dies und Kate das – egal ob es seine Mutter oder seine Tochter war. Es war einfach unerträglich. Immerhin war er abgereist, um etwas Distanz zwischen sich und diese Frau zu bekommen, die in den letzten Jahren sein Leben beherrscht hatte, egal ob sie es wollte oder nicht.

„Du hast keine Ahnung, Dad. Wirklich keine Ahnung!“, schrie Alexis ihn nun wütend an. So hatte er sie noch nie erlebt. „Du reist einfach ab, meldest dich nicht. Großmutter bricht zusammen und wen hätte ich denn kontaktieren sollen? Dich? Ach, das ging ja nicht, du warst ja nicht erreichbar und meilenweit entfernt. Dann habe ich natürlich Kate angerufen und sie hat sofort die Rettung verständig, hat Gina aufgesucht und auf sie eingeredet.“

Rick war nicht verwundert über den Inhalt von Alexis Aussage, zu oft hatte man ihm schon mitgeteilt, wie egoistisch sein Handeln im Moment war, doch er bevorzugte all dies zu ignorieren. Er sagte sich, dass niemand verstehen könne, was in ihm vorginge, der in dieser Nacht im Club nicht dabei gewesen war. Eine kurze Zeitspanne war sie Feuer und Flamme, die Frau, in die er sich vor Jahren verschaut hatte und im anderen Moment kalt wie Marmor, und nicht mehr anwesend.

Hätte sie ihn am darauffolgenden Tag angerufen, irgendeine noch so fadenscheinige Erklärung abgeliefert, wieso sie einfach die Flucht ergriffen hatte, dann hätte er ihr wahrscheinlich vergeben, hätte vielleicht sogar vergessen, was an diesem Abend gewesen war. Nun waren Wochen vergangen und nichts war geschehen, gar nichts. Kein Anruf, keine SMS, keine Email. Nichts. Kein Lebenszeichen. Und dann bekommt Rick von Gina einen Anruf, seine Mutter läge im Spital. Sie sagte nichts von oder über Beckett. Das war erst Martha gewesen, die quasi davon schwärmte, wie vorzüglich sich die junge Frau um ihr Enkelkind kümmere, während sie an das Bett gefesselt sei.

„Du hast keine Ahnung, wovon du sprichst und wenn ich sage, dass du zuhause bleibst, dann bleibst du hier. Oder du packst deine Sachen und ziehst zu deiner Mutter und …“, doch bevor er den Satz vollenden konnte, bereute er den Inhalt bereits, wissend, dass Meredith eine Freundin sein konnte, doch niemals eine Mutter. Dass er überhaupt diese Option in den Raum gestellt hatte, bedrückte ihn zugleich. Wie hatte das passieren können? Brachte Kate ihn so weit, solche Sachen auszusprechen?

„Das ist also deine Lösung?“, schrie Alexis zurück, harsch, forsch, wütend.

„Ich meinte das nicht so, Alexis.“

Sie lachte laut auf. „Dann kannst du endlich problemlos nach Europa gehen, hast niemanden, um den man sich kümmern muss. Ich war wahrscheinlich schon zu viele Jahre eine Last für dich.“

Starr stand Rick mitten im Wohnbereich und sah, wie seine Tochter wutentbrannt die Stufen zu ihrem Zimmer erklomm. Niemals hatte er auch nur ein Wort, das er gerade eben ausgesprochen hatte, auch nur so gemeint. Aber sie waren einfach über seine Lippen gekommen, als hätte ein schlechter Drehbuchautor diese Szene geschrieben. Als wären diesem die Ideen ausgegangen.

Vorsichtig ging er nach ihr die Stufen hinauf, klopfte an die Türe, die weit offen stand und sah, wie seine Tochter, immer noch vor Wut schäumend, Kleidungsstücke in eine Reisetasche warf.

„Alexis, ich meinte es nicht so.“

„Aber du hast es gesagt …“, entgegnete sie ihm und blickte ihn nicht einmal an.

„Wirklich Alexis, ich würde niemals auf die Idee kommen, dich zu Meredith zu schicken.“

„Wer sagt, dass ich vorhabe zu Mum zu gehen? Mum?“, sagte sie mit einem ironischen Lachen in der Stimme. „Dort würde ich nur die dritte oder vierte Geige spielen, neben den aktuellen Liebhabern.“ Und sie warf ein weiteres Shirt in die Tasche.

„Und wohin gehst du dann?“

„Das kann dir egal sein. Du möchtest deine Freiheit. Dann hast du sie. Stell für Großmutter eine Pflegerin für die ersten Wochen ein und dann kannst du deine Koffer wieder packen und gehen. Wohin auch immer du möchtest. Es scheint dich ja nicht zu kümmern, wie es allen anderen Menschen rund um dich geht.“

„Das stimmt nicht!“, erklärte er hart.

„Wirklich? Wo warst du dann, als Großmutter am Boden lag? Wo warst du, als ich nicht wusste, wie es weitergehen soll? Wo warst du, als ich am Spitalsbett saß und wartete, dass sie aufwacht?“, sie hielt kurz inne. „Ich bin vielleicht erst 15 Jahre alt, aber ich weiß, wo ich willkommen bin und wo nicht. Seitdem du wieder da bist, bist du ein anderer Mensch. Unfreundlich. Unkommunikativ. Und wenn du sprichst, dann schreist du herum. Ich rufe Lanie an, ob ich bei ihr übernachten kann.“

„Lanie Parish?“, fragte Rick verwundert.

„Ja“, sagte sie rasch, zippte ihre Tasche zu und ging an Rick vorbei. „Es gibt Leute, die mir nicht vorschreiben wollen …“

Und dann schritt er doch ein, wütend und das erst Mal in seinem Leben musste er wirklich die Vaterrolle übernehmen, sie in ihre Schranken weisen.

„Du wirst diese vier Wände nicht verlassen und das ist mein letztes Wort, Alexis“, sagte er forsch, riss ihr die Tasche aus der Hand und  führte sie am Oberarm wieder zurück in ihr Zimmer. „Du kannst nicht machen, was du möchtest, du bist keine Erwachsene, du bist ein Kind. Und bei Gott, bisher hattest du alle erdenklichen Freiheiten und einmal funktioniert etwas nicht so, wie du es dir vorstellst und du möchtest davonlaufen? Das hast du scheinbar von deiner Mutter geerbt.“

Rick holte einmal tief Luft, nahm ihr Handy vom Nachttisch, steckte den Laptop aus und ging mit beiden Elektrogeräten in der Hand in die Küche zurück.

„Denk über all das, was gerade gesagt wurde, nach. Deine Großmutter kommt gegen 15 Uhr mit der Pflegerin und dann werden wir sehen, wie es weitergeht.“

„Du kannst mir nicht …“

„Und doch Alexis, das kann ich“, und seine Stimme zeugte von Überzeugung und Ernst, „immerhin bin ich dein Vater!“

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Als Martha gebracht wurde, war eine junge kanadische Pflegerin bei ihr. Carolina hatte blondes langes Haar, welches zu einem dicken Zopf geflochten war, einen lustigen Akzent und war klein, sehr klein, vielleicht nur 155cm groß, doch hatte sie ein herzliches und freundliches Lachen und wusste, wie sie Martha aus der Reserve locken konnte.

„Ach Carolina, es freut mich sehr, sie hier zu haben. Eine Woche werde ich ihre Hilfe benötigen, dann sollten wir wieder so weit alleine einsatzfähig sein.“

Eigentlich ging es der alternden Schauspielerin gut. Die Logopädin hatte ihr erklärt, dass ihre Sprache in keiner Art und Weise beeinträchtigt sei, sie allerdings im Moment einen Schritt kürzer treten und somit Erholung und nicht Karriere an erster Stelle stehen sollte. Sie hatte zugestimmt, es ruhiger angehen zu lassen.

In diesen Tagen im Spital war sich Martha bewusst geworden, dass ihr Leben eventuell doch dem Ende zuging und sie so viele Sachen, die sie einst vorhatte, noch nicht gemacht hat. Sie wollte vor dem Kreml stehen, die Reste der Berliner Mauer sehen, die berühmte Wiener Ringstraße entlanggehen. Sie wollte in Rio Neujahr feiern und einmal ihr Urenkelkind in Händen halten, Rick glücklich sehen. Nicht dieses scheinbare glücklich, das er so gerne vorspielte, sondern wieder Hals über Kopf verliebt.

Doch hatte sie in all den Tagen nichts mehr von Kate gesehen, gelesen oder gehört, abgesehen von Alexis Schwärmerei für die dunkelhaarige junge Frau. In Ricks Augen konnte sie Trauer erkennen, sobald ihr Name ausgesprochen wurde. Was auch immer vorgefallen war, quälte ihn zutiefst. Oder es war Wut und Ärger – bei Rick konnte man sich nicht immer so sicher sein.

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Castle saß an seinem Schreibtisch vor dem Laptop und die leere, weiße Seite des Dokumentes quälte ihn. Kein Satz kam ihm in den Sinn, der es wert zu sein schien, niedergeschrieben zu werden. Nicht ein einziger.

Plötzlich vibrierte sein Handy. Eine Kurznachricht. „Rick – wir müssen reden. Morgen 1800 @Remys?“

Zweimal las er über die wenigen Zeichen, die sie ihm gesandt hatte, unwissend, wie er reagieren sollte. Was er in diesem Augenblick empfand, konnte man nicht beschreiben. Auf der einen Seite freute er sich über ihr Lebenszeichen und dass sie den Wunsch verspürte, mit ihm zu reden. Auf der anderen hingegen, war es Zorn, dass sie wirklich glaubte, dass er springen würde, wenn sie ihn um ein Gespräch mit fixer Datumsvorgabe bitte. Doch konnte er nicht aus seiner Haut und schrieb distanziert und kalt zurück: „Wenn du meinst.“

Als er abermals auf das Display blickte, konnte er noch ein „Bitte“ lesen, bevor er das Handy abschaltete und am liebsten durch das Zimmer geworfen hätte. Wieder einmal war es ihr gelungen, das zu bekommen, was sie wollte. Er hätte absagen sollen oder noch besser, die Kurznachricht ignorieren müssen. Aber nein! Sobald Katherine Beckett auch nur andeutete, dass er springen sollte, tat er dies. Ohne zu fragen wie hoch, er sprang einfach.

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Kate war nervös, furchtbar nervös, als sie an diesem Samstag in ihrer Wohnung stand und überlegte, was sie anziehen sollte.  Im Endeffekt entschied sie sich für ein einfaches blaues Shirt, darüber einen Pullover mit einem tiefen V-Ausschnitt und ihre mittelblaue Lederjacke, dazu ein Tuch, da seit Tagen ein starker Wind blies. Bei den Hosen hatte sich ihre Auswahl auf eine dunkelblaue Jeans beschränkt, in mehr passte sie im Moment nicht so recht hinein und verheimlichen wollte sie auch nichts vor ihm.

Sah man sie von der Seite und sie stand etwas eigen da, war das Bäuchlein gut zu erkennen, trug sie die Jacke und das Tuch – beides lenkte von ihrer Taille vorteilhaft ab – war das Gegenüber chancenlos.

Aufgewühlt betrat sie das Lokal. Rick war noch nicht zu sehen. Sie hatte gehofft, die Erste zu sein. Es würde ihr sicherlich einen Vorteil bringen. Welchen auch immer.

Castle war zehn Minuten zu spät am Eingang des Lokals angekommen, doch der Zeitfaktor kümmerte ihn nicht. Sie wollte etwas von ihm, dann sollte sie warten. Und schließlich betrat er Remy’s und erblickte sie rasch – und sie war schön. So wunderschön. Innerlich zerriss es ihn, sie hier so zu sehen, doch hatte er beschlossen, was auch immer sie wollte, nicht leichtfertig darauf einzugehen.

„Beckett“, sagte er förmlich und setzte sich ihr gegenüber hin. Vor ihr stand eine Tasse Tee, nichts absolut unübliches, aber eher eine Seltenheit.

Ihr dunkles Haar war länger und fiel in leichten Wellen auf ihre Schultern hinab. Ihre Augen waren kaum geschminkt und sie wirkte müde auf ihn, als würde sie an einem komplizierten Fall arbeiten. Doch traf dies in Wahrheit seit Tagen nicht zu.

„Castle“, antwortete sie leise, als er sich auf die Bank niederließ und im Handumdrehen einen Kaffee bestellte.

„Also?“

„Ich muss dir etwas sagen“, begann sie und starrte ihre Hände an, die die warme Tasse umklammerten.

„Bitte“, forderte er. Sie konnte kein Lächeln, keine Freude erkennen. Seine Augen strahlten Kälte aus, so, als wäre sie eine Fremde für ihn.

„Das ist nicht einfach“, erklärte sie vorsichtig und griff nach ihrer Handtasche, zog vorsichtig das Ultraschallbild heraus und legte es mit dem Bild nach unten auf den Tisch, schob es vorsichtig zu ihm hinunter.

Verwirrt drehte Rick es um, hob eine Augenbraue und blickt sie fragend an.

„Ich bin schwanger“, sagte sie vorsichtig.

Eine unglaubliche Stille herrschte zwischen den beiden, bis Rick sie unterbrach. „Und was möchtest du jetzt von mir?“

Castle hatte mit vielem gerechnet aber nicht damit. Nicht, dass die Frau, die ihn nach einem einmaligen sexuellen Akt einfach in einer Diskothek stehengelassen hatte, mit seinem Kind schwanger war. Dass die Frau, die Mauern so dick wie Berge um sich aufgebaut hatte, plötzlich alle für ein Kind niederreißen sollte. Wollte. Musste.

„Nichts, Castle. Ich wollte nur, dass du es von mir erfährst.“

„Du behältst es also?“

„Hast du gedacht, ich würde es abtreiben lassen?“

Er wusste die Antwort auf diese Frage nicht, da sie niemals in ihrem beruflichen Arrangement auch nur einen Augenblick über Sachen wie diese gesprochen hatten. Es waren viele Punkte irgendwann einmal zur Diskussion gestanden, aber Kinder und Familie waren es nicht gewesen.

„Wie weit bis du?“ Ricks Stimme war immer noch nicht wesentlich freundlicher geworden.

„Du könntet es dir ausreichen. Aber egal, im dritten Monat.“

Dann schwiegen sie sich an. Beide waren nicht in der Lage, einander in die Augen zu sehen. Rick starrte auf das Ultraschallbild, Kate auf ihre Hände.

„Wenn ich der Vater bin, dann möchte ich auch Vater sein“, sagte er plötzlich.

„Wenn?“, fragte sie zögerlich, die Wut auf die Annahme, es könnte noch ein weiterer Mann in Frage kommen, konnte man in ihrer Stimme hören.

Ricks Antwort war kurz  – er zuckte lediglich mit den Schultern.

„Sofern du Interesse an irgendetwas hast, irgendwie an der Schwangerschaft teilhaben möchtest, dann weißt du ja, wo und wie man mich erreichen kann.” Sie wartete kurz, bevor sie weiter sprach. “Und Rick, das wollte ich dir noch sagen, ich möchte dein Geld nicht.“

Vorsichtig stand sie auf, ließ ihre Hände Shirt und Pullover glattstreifen, und Rick somit sehen, dass es bald offensichtlich sein und man es wahrscheinlich auch nicht mehr verbergen konnte. Dann legte sie eine fünf Dollarnote provozierend auf den Tisch und ging.

Was hätte sie ihn sonst noch fragen sollen?

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Ende Kapitel 10

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About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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