Dancing Queen – Kapitel 5

caskett_by_slaveformusic-d5gxm3n - Bearbeitet#+#+#

Kapitel 5

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„Du wirst nicht schweigen können, Kate. Rick ist nicht der Typ von Mann, der genießt und dann kommentarlos vergisst.“ 

Kate sah Lanie nur an, wissend, dass sie voraussichtlich richtig lag, sie sich irgendwann der Situation stellen musste – nur nicht heute oder morgen. Vielleicht nur, wenn er sie darauf ansprach. Vielleicht nur, wenn er sie im richtigen Moment und an einem privaten Ort darauf ansprach.

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Als Kate am Montag bereits vor sieben Uhr am Revier ankam, waren nur ihre Kollegen der Nachtschicht anwesend. Niemand sah sie verwundert an, als sie sich eine Tasse Kaffee machte, sich beinahe wortlos an ihren Schreibtisch setzte und begann, den Papierkram von Freitag aufzuarbeiten.

Der Fall, den sie bereits am Donnerstag abgeschlossen hatten, war kein aufregender gewesen. Ein Doppelmord aus niedrigen Beweggründen. Ein Ehemann hatte seine Frau und ihren Liebhaber im Hotel umgebracht und dabei aus Unwissenheit so viele Fingerabdrücke hinterlassen, dass er innerhalb von sechs Stunden nach dem Mord bereits in Untersuchungshaft saß. Trotzdem musste die Bürokratie auch erledigt werden und so saß sie nun an ihrem Schreibtisch, füllte die Formulare fertig aus, griff nach ihrem Notizbuch und verfasste ihren Bericht.

Jeden Satz formulierte sie einige Male um, niemals war sie zufrieden mit ihrer Wortwahl, dem Satzbau.

„Kommst du mit Mittagessen?“, fragte Javier und stand plötzlich vor ihr. Kate hatte nicht mitbekommen, wie die Zeit vergangen war. Stunden. Sie hatte nicht gemerkt, wie sie den Bildschirm angestarrt hatte. Sie war immer noch mitten im zweiten Bericht, den sie den ganzen Vormittag nicht fertiggestellt hatte.

Ohne viel zu sagen, griff sie nach ihrer Handtasche und ging ihren zwei Kollegen hinterher. Die Pommes Frites rührte sie kaum an, den halben Burger ließ Ryan ihr einpacken. Ihre Cola trank sie zur Hälfte und normalerweise trank sie niemals süße Getränke wie diese.

Kevin und Esposito waren verwirrt. Sie hatten den ganzen Vormittag versucht zu verstehen, was mit Kate los war, war sie doch ihre Team-Leiterin. Sie fragten sich, was am Wochenende vorgefallen war, um sie so reagieren zu lassen.

Und am Nachmittag schien es nicht anders zu sein. Kevin merkte einmal Javier gegenüber an, dass Kate immer wieder auf den leeren Sessel neben sich zu starren schien. Castle war nicht am Revier und der Herbst schritt voran.

Mehrmals hatte sie am selben Abend ihr iPhone in der Hand gehalten und war kurz davor gewesen, ihm eine kurze Nachricht zu übermitteln und immer wieder hatte sie es zur Seite gelegt.

Immer wieder.

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Die ganze kommende Woche war von Rick keine Spur. Nicht am Revier, er rief sie nicht an. Und die Woche schritt immer mehr voran.

Als es schließlich Freitagabend war, überkam Kate eine gewisse Unsicherheit. Sie duschte rasch, föhnte ihr Haar und entschied sich für ein schwarzes Etuikleid, welches zwar aufreizend war, doch nichts im Vergleich zu den Kleidern, die sie den restliche Sommer getragen hatte.

Am Eingang wurde sie von Mike dem Türsteher bereits herzlich willkommen geheißen und durchgelotst, musste nicht in der Schlange warten, bis sie an der Reihe war. Doch dieses Mal lebte sie nicht ihre Routine aus, nein. Sie bestellte nicht einmal einen Drink.

Für die nächsten zwei Stunden wanderten ihre Augen quer über die Tanzfläche, die Sitz-Arrangements und anderen Bereiche des Clubs. Doch weit und breit war niemand zu sehen, obwohl sie nicht nach niemandem Ausschau hielt sondern nach Rick Castle, dem Mann, dem sie letzte Woche um diese Zeit nicht wiederstehen konnte. Doch zu sehen war er nicht. Auch im VIP Bereich konnte sie ihn nicht entdecken, obwohl sie herausgefunden hatte, dass er VIP-Mitglied war, einen speziellen Tisch bevorzugte und stets nur Whiskey oder Scotch trank, selten tanzte. Doch an diesem Abend war er kein Gast – im Gegensatz zu den letzten Wochen, wie sie vom Kellner des ersten Stockes erfuhr.

Sie schien es wirklich verbockt zu haben. Dieses Mal würde es nicht leicht werden, den Kopf wieder aus der Schlinge zu ziehen. Wieso war sie auch geflüchtet, immerhin hatte sie in das sexuelle Vorhaben eingestimmt, niemals nein gesagt, sondern eher das Gegenteil bezweckt, seine Gier gefördert.

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In den kommenden vier Wochen fand sich Kate immer wieder vor Ricks Apartment Gebäude wieder, war immer wieder kurz davor, hineinzugehen, ihn um Verzeihung zu bitten. Allerdings fand sie nie den Mut dazu.

Wenn sie abends zuhause saß, überlegte sie sich die passenden Worte. Wenn sie dann in ihrem Dienstwagen an einer Ecke stand, an der sie niemand so schnell entdecken würde, doch erinnern konnte sie sich an diese dann nicht mehr.

Die Fälle in den letzten Tagen waren harmlos, keine aufregenden, die Welt veränderbaren Entdeckungen. Es gab keine Woche, in der in New York niemand umgebracht wurde, doch die Art, die Brutalität und die Aufklärungsrate waren stets sehr unterschiedlich. Hatte Kate den Ruf, die beste auf ihrem Revier zu sein, die jüngste Polizistin in New York, die zum Detective ernannt wurde, war sie doch eine Einzelkämpferin mit Anhang.

Es waren keine Fälle gewesen, di sie wirklich auf andere Gedanken gebracht hatten, keine Fälle, die sie nachhause hatten kommen lassen, ohne an Rick zu denken und wie sehr er ihr am Revier abging – die wilden Theorien, der Fakt, dass er sich kaum ruhig verhalten konnte und all das, was ihr sonst lästig erschien. Erschienen war.

Was war nur mit ihr los?

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Auf der anderen Seite der Entwicklung der letzten Wochen stand ein schier verunsicherter Autor, der nicht die geringste Idee hatte, wieso sie an dem Abend aus der Diskothek einfach verschwunden war. Sicher war er sich nur, dass es ihm unmöglich war, nun einfach auf das Revier zu gehen und mit ihr weiterzuarbeiten.

Gina bot ihm eine Buch-Tour an, einige Wochen außerhalb New Yorks. Vielleicht würden sich neue Perspektiven ergeben, neue Ideen entstehen – vielleicht wäre nachher alles einfacher.

Einen Freitag hatte er im Club verbracht. Seine Augen waren nervös und verzweifelt über die Tanzfläche gewandert, hatten nach ihrem dunklen Haar, ihren weiblichen Rundungen, den kurzen Kleidern und langen Beinen gesucht, doch er war enttäuscht worden. Von Kate Beckett keine Spur.

Martha hatte ihm gerate, etwas Gras über die Sache wachsen zu lassen, obwohl er ihr keine Details der Nacht erzählt hatte. Über ihre Lippen war lediglich gekommen, dass er sich anders verhalte als sonst und er sich am Riemen reißen solle. „Lass dich nicht so gehen, Richard“, hatte sie gesagt, „Egal was dieses Mal zwischen euch vorgefallen ist, ihr werdet das Problem schon wieder lösen. Redet darüber. Gib ihr etwas Zeit.“

Doch wie viel Zeit?

Mehr als nur eine Nacht war er im Arbeitszimmer auf und ab gegangen, hatte seine Notizen zu seinen Beobachtungen im Club wieder und wieder gelesen, seine Imagination spielen lassen, um überhaupt einschlafen zu können.

Wie sollte er diesen perfekten Körper jemals wieder vergessen können? Wie sie roch, sich anfühlte? Ihr Stöhnen, die anderen Laute, die gemacht hatte. Und wie es war in ihr zu sein? So einmalig, perfekt – als hätte er all die Jahre nur auf diese eine Vereinigung gewartet.

Natürlich hätte er sie aus dem Club nachhause bringen können, es nicht gegen die dunkle Wand mit ihr treiben müssen, doch hatte er im ersten Moment gedacht, dass es auf der einen Seite in einem öffentlichen Lokal niemals so weit kommen würde und andererseits, dass es danach eh nur ein Fazit gäbe – der Weg in eines der beiden Apartments.

Richards Telefon läutete. Es war nicht Becketts Ton. Nein. Gina.

„Richard“, begrüßte sie ihn überschwänglich. „Darling, wie geht es dir?“

Er versuchte höflich und doch etwas distanziert zu antworten, ohne sie gleich wissen zu lassen, dass etwas nicht in Ordnung war.

„Danke, also wie sieht die Route für die Buch-Tour aus?“

„Wir haben zwei Möglichkeiten, Ricky. Die eine wäre eine zweiwöchige die Westküste entlang. Es handelt sich eher um kleine Buchhandlungen, zwar in großen Städten aber kleinere Events. Die andere, und das Angebot kam heute ins Haus, wäre eine große Europa-Reise. London, Paris, Madrid, Berlin, Wien, Moskau … fast alle europäischen Hauptstädte und ein paar kleinere Städte, die allerdings große Kapazität haben. Allerdings bist du wahrscheinlich fünf Wochen unterwegs.“

„Fünf Wochen …?“, wiederholte Castle langsam.

„Ja, es ist nicht gerade wenig, doch eine Tour wie diese zahlt sich aus. Du hast deine Bücher in Europa noch nie präsentiert und sie sind bereits übersetzt – alle Derek Storms, die erste Nikki Heat kommt genau zu diesem Zeitpunkt auf den Markt.“

„Ein verlockendes Angebot, aber …“

„Martha kann auf Alexis aufpassen und Detective Beckett ist sicherlich erfreut, wenn du ihr einige Wochen nicht die Show stielst beziehungsweise ihr mit deinen Theorien den Tag verdirbst.“

„Wann muss ich dir meine Antwort mitteilen?“

„Am besten sofort, Ricky.“

Es herrschte eine kurze Stille in seinem Büro. Vielleicht war es das Schicksal, welches ihm diese Tour ermöglichte. Vielleicht. Er war sich unsicher, ob er Alexis wirklich eine so lange Zeit mit Martha alleine lassen konnte, doch wusste er, dass auf Meredith kein Verlass sein, Kate konnte er in der aktuellen Situation nicht um Hilfe bitten. Seine Tochter war die meiste Zeit erwachsener als er, sie würde auch etwas mehr als ein Monat ohne ihn auskommen.

„Wann würde es losgehen?“, fragte Rick vorsichtig, wissend, dass es wahrscheinlich ein früher Abreisetermin wäre, wenn das Angebot gerade frisch am Tisch lag.

„Donnerstag. JFK nach Heathrow um 11:36 am Vormittag. Die erste Autogrammstunde hast du bereits Freitagnacht in London. Danach folgt Glasgow, Edinburgh an einem Tag, Belfast und Dublin am nächsten, bevor es dann in Richtung Festland geht …“ Und so setzte sie die Route fort, doch hatte er schon vor längerer Zeit aufgehört ihr zuzuhören, starrte hingegen auf sein modernes Mörderboard und das Bild von Kate, welches darauf zu erblicken war. Hatte es sich unerwartet einfach eingeschalten? Wer weiß.

Nachdem er mit Gina alles ausgehandelt hatte, was es zu verhandeln gab, begann er sich eine kleine To-Do-Liste zu machen, etwas, das so unüblich für ihn war, doch in diesem Fall notwendig. Er musste Martha und Alexis informieren, packen, seinen kleinen Fremdwortschatz aufbessern bzw. sich die passenden Phrasen zurechtlegen und, und, und.

Der Tag verging im Endeffekt wie im Nu, hatte er doch nur drei weitere Tage Zeit, um alle Vorbereitungen zu treffen. Meredith wollte er anfänglich informieren, doch hatte Martha ihn davon abgehalten, da Alexis die Angst hatte, dass sie dann nach New York kommen würde und mit ihrer Art alles auf den Kopf stelle. So ließen sie es. Doch informierte er Alexis Schule, seine Poker-Freunde und beinahe hätte er, aus einem Reflex heraus, Kate angerufen, doch im rechten Moment besann er sich, sagte sich einige Male, dass sie scheinbar kein Interesse mehr an ihm, seinem Leben, ihrer Partnerschaft oder sogar Freundschaft und noch weniger an ihm als Mann hatte.

So stand er am Donnerstag mit zwei gepackten Koffern abflugbereit vor der Türe, wartete nur darauf, dass sein Taxi ihn abholte. Von seiner Tochter und seiner Mutter hatte er sich bereits verabschiedet, alle Sicherheitsvorkehrungen im Loft getroffen, Martha darauf eingeschworen, keinen Unfug mit seinem Loft zu treiben.

Es klingelte.

Das Taxi war da.

Ein neuer Abschnitt sollte mit der Reise beginnen. Eine neue Buchserie inspiriert werden. Einen letzten Nikki Heat Band würde er noch schreiben, einen, der alles abrundete. Einen letzten. Finalen. Die Geschichte beenden.

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Ende Kapitel 5

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About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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