Dancing Queen – Kapitel 6

caskett_by_slaveformusic-d5gxm3n - Bearbeitet+#+#+

Kapitel 6

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Das einzige was Kate an diesem Tag sah, als sie bei Richards Apartment vorbeifuhr war, ein Taxi, welches gerade dabei war, wegzufahren und die Person, die darin saß war ein Mann, ähnlich Richards Statur.

Die herbstliche Sonne stand an diesem Donnerstag hoch am wolkenlosen Himmel. Es war Ende Oktober, wenige Tage noch und es würde Halloween ins Haus stehen. Kates Launen mussten ihre Kollegen ertragen, zudem schlug ihr der massenhafte Kaffeekonsum auf den Magen – Übelkeit, Sodbrennen. Manchmal kam es ihr so vor, als wäre sie nicht sie selbst. Wenn sie in den Morgenstunden irgendwann an seiner Wohnung vorbeifuhr, oder nächtens den Wagen in der Nähe abstellte, sich in eines der kleinen Bistros setzte und beobachtete, was sich in der Wohnung zu tun schien, ob ein Schatten am Fenster vorbei huschte oder nicht, dann bereute sie ihre Entscheidung, damals einfach die Flucht ergriffen zu haben. Mit diesem Schritt, den sie damals wirklich nicht überlegt gewagt hatte, schien sie alles zerstört zu haben, was zwischen ihnen gewesen war. Kein Wort hatte sie seither mehr von ihm gehört. Kein Wort. Kein kurzer Anruf. Keine SMS oder Email.

Und nun war es Freitag. Lanie hatte sie gefragt, ob sie wieder vorhabe tanzen zu gehen und Kate hatte nur dezent genickt. Sie musste den Kopf frei bekommen, endlich wieder ausreichend Schlaf finden und sich auf die Arbeit danach konzentrieren können.

An diesem Abend entschied sie sich für ein schwarzes trägerloses Kleid. Es war zwar kurz, aber nicht so kurz wie andere, die sie im August getragen hatte, und passte sich perfekt ihrem Körper an. Auch die Schuhe waren nicht ganz so hoch, sie entschied sich für schwarze hohe Stiefel mit einem 8cm Absatz. Ihr Haar hatte sie teilweise hochgesteckt, ihre Augen dunkel umrandet – doch waren auch diese nicht ganz so dunkel und mysteriös wie sonst. Ihre Lippen ließ sie so, wie sie waren. Ein Hauch Parfum, eine kleine Handtasche.

Tief in sich trug sie die Hoffnung, dass er dort sein und sie beobachten würde. Tief in sich hoffte sie, dass sie die Stille, die zwischen ihnen herrschte, für alle Mal beenden könnten.

Doch als Lanie sie abholte und sie gemeinsam in den Club fuhren, hatte sie bereits das Gefühl, dass es nicht so weit kommen würde.

Lanie tanzte mit unterschiedlichen Männern. Kate entschied sich lediglich Wasser zu trinken, es schien ihrem Magen wohl zu tun. Natürlich tanzte sie etwas, doch alle Avancen männlicher Clubbesucher wehrte sie ab.

Die Medizinerin beobachtete mit Interesse Kates Verhalten. Sie waren zuvor tanzen gewesen, hatten viel Spaß gehabt, mit Männern geflirtet, sich Drinks spendieren lassen. Doch an diesem Abend war sie zwar mit ihrer besten Freundin unterwegs, allerdings war Kate nicht Kate. Jedes einzelne Mal, wenn sie zu Kate hinüberblickte, wirkte sie abwesend, als würde sie geistig meilenweit entfernt sein vom Geschehen. Auch dass Kate sich keinen Drink spendieren ließ bzw. sich keinen bestellte fand sie eigenartig, doch sagte sie nichts. Immerhin wusste Lanie, dass Kates Vater seine Sorgen stets in Alkohol zu ertränken versucht hatte, daher war es vielleicht sogar normal, dass Kate nichts trank.

Es war kurz nach Mitternacht als sich Kate von Lanie verabschiedete und ohne ein Wort der Begründung für ihren frühen Rückzug, die Lokalität verließ.

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Zuhause angekommen, zog sich Kate das Kleid aus und schlüpfte in bequeme weite, lange Pyjamahosen, ein langärmeliges T-Shirt und machte sich eine Tasse Pfefferminztee. Auf der Couch sitzend starrte sie auf Castles neustes Buch – abermals war Nikki Heat nackt dargestellt, auch wenn der Körper lediglich eine schwarze Silhouette war, reichte es aus, um ihre Kollegen darüber sprechen zu lassen.

Wie hatte sie nur so naiv sein können, sich auf diese eine kurze Interaktion einzulassen, die sich zu diesem Zeitpunkt richtig, spektakulär und vor allem unglaublich angefühlt hatte, und zu glauben, dass sie ohne Folgen bleiben würde? Dass das eigene Ich nicht protestieren würde?

Ja, sie sehnte sich nach ihm, nicht nur nach seinem Körper, der solch einzigartige Sachen anstellen konnte mit dem ihren, sondern nach seiner Stimme, seinen verrückten Theorien, der Art und Weise, wie er sich um sie kümmerte. Der Kaffee am Morgen war eine Kleinigkeit, aber er symbolisierte so viel.

In den letzten Wochen waren ihre Augen oftmals zum Aufzug gewandert, hatten darauf gewartet, dass er mit zwei Bechern Kaffee und einer Papiertüte mit Frühstück heraustreten würde. Nichts dergleichen war der Fall gewesen und sie schrieb sich die Schuld dieses Mal hundertprozentig selbst zu.

An diesem Abend schwor sich Kate, nach all den Jahren der Abstinenz nun auch wieder die Finger der leichten Droge zu lassen. Nicht dass es ein regelmäßiger oder übermäßiger Konsum war, sie kannte ihre Grenzen nur all zu gut. Sie wusste, wie viel sie vertrug. Doch ihre selbst gesetzten Grenze schwanden, wenn sie etwas geraucht hatte, vielleicht hatte sie deshalb so leichtfertig Rick ihre Mauer einbrechen lassen.

Es war ja nicht so, dass sie nicht schon oftmals darüber nachgedacht hatte, wie es mit Rick sein würde. Seit vielen Monaten spielte sie mit diesem Gedanken, Jahre mittlerweile. Noch bevor sie ihn persönlich kennengelernt hatte, war er bereits durch ihren Kopf gegeistert nur nicht in der Form von Rick Castle, sondern in der des Derek Storms, den sie sich wie den Autor, der auf der Rückseite der Bücher abgebildet war, vorstellte.

Und dann war Richard Castle, der berühmte Autor, in ihr Leben getreten und hat es nachweislich verändert, die Grundmauern versetzt. Dieser Mann hatte sie dazu gebracht, weitaus mehr Frau zu sein, mit ihren Reizen zu spielen, mit ihm – einem fremden Mann, der gute 10 Jahre älter war als sie, eine Tochter hatte, zweimal geschieden war – zu flirten, sich die Finger zu verbrennen.

Irgendwann schlief sie auf der Couch ein, in Gedanken versunken, sich immer und immer wieder ein Castle vorstellend, als er in dem Club hinter ihr gestanden hatte, sei seinen Körper fühlen konnte.

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Die kommenden Tage vergingen wie in einem Nebel. Es gab keine spannenden Fälle. Kurzzeitig hatten sie einen Kindermord, doch Montgomery gab ihn an die Abteilung „Special Victims Unit“ ab, zu alten Bekannten von Kate. Doch war sie nicht traurig darüber, Morde an Kindern waren absolut nicht ihr Fall.

Am Mittwoch ging Kate zu Lanie hinunter, um mit ihr zu plaudern, da einfach kein Fall auf ihrem Schreibtisch landen wollte und all die Zeit, die sie in Gedanken verbrachte, sie lediglich an Castle und den Vorfall in der Diskothek vor gut zwei Monaten.

„Lanie …“, sagte sie müde, als sie die Türe aufstieß und die Leichenhalle betrat. Die dunkelhäutige Frau saß vor ihrem Computer und tippte einen Bericht ab.

„Girl, du siehst blass aus“, erklärte Lanie, als sie Kates Gesicht musterte.

„Ich habe schlecht geschlafen in letzter Zeit.“

„Castle?“

„Hm …“, antwortete sie nur und setzte sich auf einen der leeren, sauberen Obduktionstische, ließ die Füße schaukeln, wie ein kleines Kind.  „Ich bekomme ihn einfach nicht aus meinem Kopf“, sagte sie leise.

„Hast du denn erwartet, dass es, wenn es endlich passiert, eine einmalige Angelegenheit sein würde?“

Kate schüttelte nur den Kopf. Sie senkte ihren Kopf, schloss die Augen und atmete tief ein. Sie hatte gedacht, wenn es einmal passieren würde, wären sie in einer der beiden Wohnungen, würden die Finger nicht von einander lassen können. Es wäre natürlich einmalig gewesen, aber hätte einfach kein Ende gefunden. Immer und immer wieder hätten sie sich geküsst, wären übereinander hergefallen. Zumindest hatte sie sich das immer so vorgestellt.

„Das dachte ich mir auch und doch hast du, Katie, die Flucht ergriffen, dich nicht bei ihm gemeldet.“

In Folge versuchte Lanie alles, um Kate auf andere Gedanken zu bringen. Sie war blass, hatte dunkle Augenringe, die sie versuchte mit Make-up zu kaschieren. Ihre Augen strahlten nicht mehr so wie früher. Bereits als sie das erste Mal, nachdem Kate und Rick Sex gehabt hatten, mit ihr gesprochen hatte, wusste sie, dass eine Sache passiert war, die sich auf ihre Beziehung auswirken würde und das nicht auf eine positive Art und Weise, und all das nur, weil Kate die Flucht ergriffen hatte.

Doch nichts konnte Kates Gedanken von ihm abbringen, nicht die Idee eines Shopping-Trips, einen Beauty-Tag oder einen Trip nach Atalanta. Nichts wollte ihr gefallen und schließlich gab Lanie auf.

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In Gedanken versunken saß Kate auf ihrer Couch, blätterte durch einen Irland-Bildband, den ihr ihr Vater von seiner Reise mitgebracht hatte. Das Grün gefiel ihr, doch konnte sie sich auf nichts konzentrieren. Acht Wochen waren vergangen und sie hatte kein Wort von Castle gehört. Mehrmals war sie kurz davor gewesen, im Internet nachzusehen, wo er sich befand, einen RSS-Feed einzurichten, um zu wissen, was er gerade machte, doch dann entsann sie sich eines Besseren, wissend, wie schmerzhaft es wahrscheinlich werden würde, ihn mit anderen Frauen bei öffentlichen Auftritten zu sehen.

Plötzlich läutete ihr iPhone. Etwas genervt griff sie danach, immerhin war es nach 23 Uhr und sie hatte keinen Bereitschaftsdienst.

„Beckett“, sagte sie, als sie den Anruf der unbekannten Nummer entgegen nahm.

„Kate..?“

„Alexis?“, fragte sie verwundert und zugleich alarmiert. Wenn das Mädchen sie anrief, musst etwas passiert sein, besonders um diese Uhrzeit. „Was ist passiert?“

„Großmutter … ich weiß nicht … Kate …“

Und noch bevor Alexis weiterreden konnte, hatte Kate bereits einen Hoodie aus dem Schlafzimmer geholt, ihn übergezogen, war in ihre Sportschuhe geschlüpft und hatte ihre Schlüssel und Papiere geschnappt, war bereits halb aus der Wohnung.

Alexis stotterte weiter vor sich hin und Kate verstand nur, dass sie zuhause war und etwas mit Martha nicht stimmte, sie am Boden lag. Kurz bevor sie bei Castles Loft ankam, die gesamte Strecke hatte sie das Blaulicht am Wagendach gehabt, beendete sie das Gespräch mit Alexis und rief die Rettung an, da sie vermutete, dass die Jugendliche dies nicht gemacht hatte, in ihrer Nervosität.

Obwohl sie kaum Kraft hatte, dank der letzte schlaflosen Wochen, kämpfte sie sich im Laufschritt die Stiegen hinauf, schloss die Türe auf und fand Alexis über Martha gebeugt im Wohnzimmer vor. Sie brachte die Schauspielerin in eine sichere Seitenlage, kontrollierte die Atmung – die funktionierte. Allerdings war sie bewusstlos, kein Muskel angespannt, doch das Gesicht kam ihr leicht verändert vor. Rasch spielte sie ihre medizinische Schulung durch, überlegte was es sein könnte, doch bevor sie zu einem Fazit kommen konnte, betraten schon zwei Sanitäter den Wohnraum.

„Martha Rogers, 65 Jahre alt, Schauspielerin. Keine mir bekannten Vorerkrankungen“, erklärte die Polizistin, als sie Martha untersuchten. Sie schloss Alexis in ihre Arme, beruhigte das Mädchen.

„In welches Spital werden sie sie bringen?“, fragte Kate nach.

„Mount Sinai“, antwortete ein Sanitäter. „Verdacht auf Schlaganfall“, erklärte er des weiteren. „Wann haben sie sie gefunden? Wie viel Zeit ist seither vergangen?“

„Ich kam die Stiegen hinunter in dem Augenblick, weil ich Glas zerbrechen hörte, da viel sie zu Boden. Dann habe ich sofort Detective Beckett angerufen“, brachte Alexis unter Tränen hervor.

Die nächsten Minuten verflogen. Man lud Martha in den Krankenwagen ein und Kate packte die weinende Alexis auf den Beifahrersitz, das Mädchen trug lediglich dünne Leggins und einen Sweater, so wie man zu Hause eventuell gekleidet war. Mit Blaulicht fuhren sie dem Krankenwagen hinterher. Kate kümmerte sich nicht darum, dass sie diverse Verkehrsregeln brach, bei Rot über Kreuzungen fuhr, Stoppschilder missachtete – sie wollte keine Zeit verlieren. Sie konnte keine Zeit verlieren.

„Alexis, du musst mir nun sagen, wo dein Vater ist, damit wir ihn kontaktieren können.“

„Sein Handy ist ausgeschalten. Er ist irgendwo in Europa.“

Kate schluckte. Europa. „Wie lange noch?“

„Geplant waren ursprünglich vier Wochen, mittlerweile ließ man uns wissen, dass es wahrscheinlich drei Monate werden würden. Er hat ein Haus in der Toskana gemietet. Kate, wir müssen das ohne ihn schaffen. Ich kann ihn nicht erreichen. Gina hat mich auch nicht zu ihm durchgestellt. Sie hat nur gesagt, dass er Ruhe benötige, sich endlich von all dem hier erholen müsse.“

Das Mädchen weinte, nicht nur um ihre kranke Großmutter, nein auch um den absenten Vater, den sie in einer Situation wie dieser umso nötiger an ihrer Seite benötigen würde.

„Wann hast du das letzte Mal von ihm gehört?“

„Als er in London landete. Der Verlag postet Fotos von ihm auf seiner Homepage, Fotos von öffentlichen Auftritten. Ich dachte immer, dass es kein Problem für uns werden würde ….“

Das Auto parkte sie auf einem behinderten Parkplatz, warf die Karte in die Frontscheibe, die es als Polizeiauto auswies. Gemeinsam betraten sie das Spital, warteten in der Notaufnahme auf Informationen. Alexis schmiegte sich an ihre Seite und sie konnte nicht anders, als ihren Arm um sie zu legen. Immerhin war es ihre schuld, dass ihr Vater im Moment nicht an ihrer Seite war. Es war ihre schuld.

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Ende Kapitel 6

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About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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