Dancing Queen – Kapitel 7

caskett_by_slaveformusic-d5gxm3n - Bearbeitet+#+#+#

Kapitel 7

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Es dauerte nur wenige Minuten, bis Kate erfuhr, dass es Martha verhältnismäßig gut ging. Sie hatte einen leichten Schlaganfall. Die Ärztin hatte mehrmals darauf hingewiesen, dass sie wenige Tage benötigen würde, um sich zu erholen. Bewusstlos war sie angeblich deswegen gewesen, da sie mit dem Kopf hart auf dem Boden aufgeschlagen war. Alexis wich nicht mehr von Kates Seite und gemeinsam besuchten sie umgehend Marthas Zimmer. Die alternde Dame war wieder bei bewusst sein, an ihrem rechten Mundwinkel konnte man dezent erkennen, durch was sie gerade gegangen war, aber ihre Sprache war normal, ihre Erinnerung normal, ihre Motorik nicht beeinträchtigt.

Nach einer im Krankenhaus verbrachten Nacht suchte Kate am Morgen das Revier auf und recherchierte Ginas private Adresse. Bevor sie di Blondine aufsuchte, fuhr sie noch nachhause, duschte und kleidete sich neu ein – ihre Haare bändigte sie nicht mehr, bürstete sie lediglich und band sie in einen Pferdeschwanz zusammen.

Zwanzig Minuten später läutete sie an Ginas Türe, die ihr wenige Augenblicke später auch geöffnet wurde.

„Detective Beckett“, sagte Gina erstaunt.

„Ich habe keine Zeit für Höflichkeiten. Ich muss Castle sprechen.“

„Das geht nicht“, entgegnete sie ihr.

„Das muss gehen. Seine Mutter hatte einen Schlaganfall.“

Plötzlich erkannte sie an Ginas Gesicht, dass sich etwas verändert hatte. „Es geht nicht um ihn und mich, Gina, es geht um seine Tochter und verdammt sei er, wenn er jetzt nicht alles in Europa abbricht und für sie zurückkommt. Alexis braucht ihn.“

Die blonde Herausgeberin nickte nur zustimmend, griff sofort zum Telefon und wählte eine lange Telefonnummer. Es dauerte nicht lange und sie schien ihn am anderen Ende zu haben, teilte ihm die Neuigkeiten mit und trat ihm über das Telefon in den Hintern, dass er sich gefälligst zurückzubewegen habe, weil es um seine Tochter ging. Rick schien wenige bis keine Fragen zu stellen. Gina erklärte ihm, dass sie ihm den nächsten Flug von Rom nach New York buchen würde und er jetzt zu packen habe, da es galt, keine Zeit zu verlieren.

Als Gina auflegte, verschwand Kate wieder. Unterwegs, der Himmel war dunkel, wolkenverhangen, kaufte Kate Alexis etwas zu essen und fuhr zurück ins Spital.

Sie überlegte, wie sie sich verhalten sollte, war allerdings unschlüssig. Im Endeffekt bot sie Alexis an, bei ihr zu nächtigen. Das Mädchen war ruhig, sehr ruhig und sprach beinahe kein Wort mit Kate, als sie ihr am Abend die Couch aufklappte, sie ihr als Bett herrichtete und sich neben sie setzte.

„Alles wird wieder gut werden. Vielleicht ist dein Vater morgen bereits wieder zurück“, sagte sie leise und strich dem Mädchen über das Haar.

„Kannst du bei mir bleiben, bis ich eingeschlafen bin?“, fragte das Mädchen vorsichtig. Bisher hatte sie mit der Polizistin wenig bis nichts zu tun gehabt, mochte sie manchmal sogar weniger, da durch sie ihr Vater sich in Gefahr begab. Zumindest war es bisher immer so gewesen.

Rasch wechselte Kate in ihre Nachtkleidung und legte sich zu dem Mädchen, welches sofort ihre Wärme suchte und sich schließlich in den Schlaf weinte. Die Sorge um ihre Großmutter war groß, der Fakt, dass sie von ihren Eltern in diesem Moment verlassen war ebenso. Und Kate fand für all dies keine Worte. Sie sehnte sich nach der Unbeschwertheit des Nachtclubs zurück, wollte sich den Kopf frei tanzen, einfach wieder an den Punkt zurückgesetzt werden, wo sie vor acht Wochen gewesen war. Auch wenn das bedeuten würde, niemals von ihm berührt zu werden.

So schloss sie mich sich selbst den Pakt, dass wenn mit Martha alles gut verlaufen würde, Castle hier in den kommenden Tagen wieder landen würde, es sie am kommenden Freitag wieder in den Nachtclub führen werde, um zu tanzen. Zu flirten. Einfach wieder an nichts anderes zu denken. Nur die Drogen würde sie streichen. Für immer. Niemals wieder würde ein Ausrutscher wie der mit Castle passieren. Niemals.

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Als Richard Ginas Nummer auf seinem Display erblickte, fragte er sich, was sie nun wieder von ihm wollte. Doch als sie ihm dann mitteilte, dass seine Mutter im Spital läge, konnte er seine Sachen nicht schnell genug zusammenpacken. Rick stellte keine Fragen. Er  fragte weder nach seiner Tochter, noch nach Kate – denn auf beide hätte Gina keine Antwort gewusst, keine die ihn zufriedengestellt hätte.

Es interessierte Rick auch nicht mehr, zumindest sagte er sich das, als er im Flieger saß, was Kate machte, dachte, wen sie küsste oder mit wem sie eventuell ins Bett stieg. Es durfte ihn nicht mehr interessieren. Sie hatte die Entscheidung für sie beide getroffen, eine, mit der Rick zwar nicht glücklich war, sie aber hinnehmen musste.

Die Hälfte des letzten Nikki Heat Romans hatte er nun in Europa bereits verfasst. Glücklich war er mit keiner einzelnen Seite davon. Doch musste er denn glücklich sein?

Vielleicht wäre es das Beste, er würde sich irgendwann wieder von Gina überreden lassen, in einen dieser Clubs zu gehen, zu tanzen, Frauen kennenzulernen und dieses Mal wirklich von Kate Abstand gewinnen.

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„Kate?“, fragte Alexis am nächsten Nachmittag, als diese mit einem großen Strauße Lilien Marthas Krankenzimmer betrat. Die rothaarige Frau war gerade dabei, eine Theaterkritik zu lesen und gestikulierte währenddessen wild mit den Armen.

„Wie geht es dir?“, fragte die Polizistin das Mädchen, die am unteren Ende des Krankenbettes ihrer Großmutter saß.

„Dad kommt heute noch an, jetzt irgendwann.“ Kate nickte nur, wissend, dass sie diese Besuche nun einstellen würde, um sich selbst zu schützen. „Auch wenn ihr … was auch immer passiert ist Kate … ich hoffe, dass ….“

„Was hoffst du?“, fragte Martha, die mitbekommen hatte, wie ihre Enkeltochter versuchte einen vernünftigen Satz zu artikulieren, dabei aber nervös auf ihre Hände starrte.

„Weißt du, gestern, das hat mir gut getan … ich weiß, du hat einen anstrengenden Job und wahrscheinlich keine Zeit … aber vielleicht  … hin und wieder? … vergiss es …“, stotterte Alexis, stand auf und verließ raschen Schrittes das Zimmer.

Kate blickte Martha verwirrt an, die lediglich lächelte.

Trotz ihres Schlaganfalls war ihre Sprache nicht getrübt worden, lediglich ein leichtes Taubheitsgefühl in ihrem rechten kleinen Finger verspürte die alternde Schauspielerin.

„Ihr ist bewusst geworden, dass ich vielleicht nicht mehr all zu lange als Mutterersatz zur Verfügung stehen werde, Kate. Du bist das nächste, was einer Mutter kommt. Sie  hat nie erfahren, was eine Mutter in Wahrheit für ein Kind macht, sie sucht lediglich ein weibliches Vorbild … Auch wenn Richard nicht mehr in den Polizeidienst zurückkehren sollte, hätte sie wahrscheinlich gerne, dass du ab und zu Zeit mit ihr verbringst.“

„Natürlich“, sagte Kate etwas unüberlegt. Wieso schien es allen so klar zu sein, dass Rick wahrscheinlich nicht mehr ihr Schatten sein würde? Doch sie sollte sich wahrscheinlich endlich bewusst werden, dass er den richtigen Schritt tat, den richtigen für sie beide, und einen Schlussstrich unter diese eigenartige Beziehung, die sie seit Jahren führten, zog.

Wie sollte es nur funktionieren? Alexis wünschte sich mehr Zeit mit ihr zu verbringen, Richard hingegen das Gegenteil. Oder war sie es, die keine Zeit mit ihm verbringen wollte?

„Ich muss wieder an die Arbeit, Martha. Aber wenn Alexis mich braucht, dann weiß sie ja, wie sie mich erreichen kann.“

„Es geht nicht darum, da zu sein, wenn sie dich braucht. Es geht ihr, so weit ich es verstanden habe, darum, dass sie sich wünscht, dass du einfach so Anteil an ihrem Leben hast. Katherine, sie verlangt nicht nach viel. Ab und zu eine kurze Nachricht, in der du fragst, wie es ihr geht. Ein Anruf. Eine Email. Nicht viel. Einfach etwas Interesse, das Interesse, dass ihre Mutter an ihrem Leben nicht hat.“

Die junge Polizistin nickte. Irgendwie würde sie es schaffen. Irgendwie könne man alles schaffen, wenn man genügend Zeit und Kraft investiere, hatte ihre Mutter ihr einst gepredigt.

Als sie sich verabschiedete ging sie langsam wieder in Richtung Auto, sah Alexis nicht mehr. Ihr Magen fühlte sich an, als hätte sie Watte gegessen – unruhig, eigenartig. Wenige Meter neben ihrem Auto übergab sie sich am Parkplatz. Mehrmals.

Die Fahrt aufs Revier verlief ruhig, wenn es um ihren Magen ging, aber in ihrem Kopf schwirrten tausende Gedanken umher – die meisten kreisten um Alexis und diese Beziehung, die das Mädchen sich so sehr zu wünschen schien.

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„Beckett“, sagte sie leise, als gegen sechs Uhr früh einige Tage später das Telefon klingelte und sie abhob.

„Wir haben einen Mord“, erklärte Esposito beinahe entzückt auf der anderen Seite der Leitung. Endlich, endlich hatten sie wieder einen Fall und so, wie Javier geklungen hatte, schien es ein guter Fall zu sein.

Kate duschte rasch, frisierte ihre Haare dank einiger Haarnadeln in einen Rossschwanz zusammen, zog dunkelblaue Jeans an, die etwas weiter geschnitten waren, da sich ihr Magen in den letzten Tagen nicht wirklich beruhigt hatte. Dazu einen dunkelblauen Pullover, mit einem tiefen V-Ausschnitt, darunter ein weißes Top. Dank des seit Tagen vorhandenen Regenfalls entschied sich Beckett für relativ flache Schuhe. Innerhalb von 20 Minuten war sie fertig, entnahm dem Kühlschrank noch eine Flasche Wasser, bevor sie ihre Tasche vom Tresen nahm und mit dem Wagen zum Tatort fuhr.

Es war eine einsame Allee, unweit des Reviers. Einsam deswegen, da die meisten angesiedelten Betriebe in den letzten Jahren aufgegeben hatten, die Grundstücke seither von einem Spekulanten zum nächsten weitergereicht wurden, ohne dass auch nur einer eines der Bauprojekte wirklich verwirklichen konnte, die er geplant hatte.

Die Leichen schienen perfekt, versprachen einen interessanten Fall. Beide waren mithilfe von einem Messer –vermutlich ein Jagdmesser – zu Tode gekommen. Beide hatten Nachrichten auf ihrem Körper stehen. Auf der Frau, einer ca. 40jährigen Asiatin, hatte der Mörder das Wort „Bitch“ hinterlassen, dem Mann hingegen das Word „Bastard“ in die Brust geritzt.

Über den gesamten Tag hinweg ermittelten sie. Sie fanden heraus, dass die Frau Lucy Monroe hieß, 26 Jahre alt war und als Prostituierte arbeitete. Der Mann hingegen, Andrew Jackson, war ein angesehener Anwalt, der auf Seiten der Republikaner politisch aktiv war, eine Frau und vier Kinder hatte und gerade einmal 42 Jahre alt geworden war.

Kate hatte mit Jacksons Frau gesprochen, während Kevin und Javier sich darum gekümmert hatten, Verwandte von Lucy Monroe aufzuspüren. Die Tage vergingen, es gab einige heiße Spuren, die schlussendlich wieder im Sand verliefen.

Vollkommen erschöpft und hungrig saß Kate an ihrem Schreibtisch, in einem beinahe leeren Revier und kaute an ihrem Bleistift.

Während der letzten Tage fühlte sie sich müder als sonst, obwohl sie nächtens gut schlief. Ihr Magen fühlte sich zudem eigenartig an und obwohl sie kaum Nahrung bei sich behalten konnte, waren ihre Jeans unbequem.

Schließlich nahm sie noch einen Schluck Wasser aus der Flasche, die auf ihrem Schreibtisch stand, stand auf,  griff ihre Jacke und fuhr mit dem Aufzug in die Autopsie, wissend, dass Lanie heute Nachtschicht hatte.

Es dauerte nicht lange und Lanie blickte sie verwundert und zugleich mit einem Lächeln auf den Lippen an. Sie hatte das Problem auf anhieb erkannt. Nur wie sollte sie es Kate erklären?

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Ende Kapitel 7

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About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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