Dancing Queen – Kapitel 9

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Kapitel 9

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Es dauerte eine weitere Woche, eine Woche der Ungewissheit, bis sie schließlich einen Gynäkologen aufsuchte und sich Kates Bluttest bestätigen ließ. Sie fand sich bei Dr. Montgomery wieder, einer Ärztin, die nicht viel älter war als Kate selbst, vielleicht fünf bis zehn Jahre. Kate hatte im Internet etwas recherchiert, da sie in den letzten Jahren sträflich alle Besuche dieser Art vernachlässigt hatte. Ihre Routineuntersuchungen liefen über die Polizei, Bluttests wurden regelmäßig gemacht.


An dem heutigen Herbsttag hatte sie sich für sehr hüftig geschnittene Jeans entschieden und eine weiße Bluse, die nicht all zu tailliert geschnitten war, dazu trug sie ein blitzblaues Tuch, welches die Leute von ihrer (noch) schmalen Taille eher in Richtung Hals und Gesicht blicken ließen.

„Beckett“, rief die Sprechstundenhilfe schließlich auf, ohne einen Titel, ohne eine Berufsbezeichnung. Und das war genau das, was Kate wollte, einen Hauch von Anonymität.

Sie betrat den Ordinationsraum, es war ein freundlich eingerichtetes Zimmer, keine Sterilität, keine weißen oder hellgrünen Wände. Nein. Der Raum war in braun und blau gehalten, strahlte eine enorme Wärme und Geborgenheit aus.

„Mein Name ist Mary Montgomery“, sagte die rothaarige Frau, die ihr entgegenkam, um ihr die Hand zu geben.

„Beckett, Kate Beckett.“ Die Frau musterte sie.

„Irgendwie kommen sie mir bekannt vor.“

Die Polizistin blickte nervös auf den Boden. Doch die Ärztin sagte kein weiteres Wort, offerierte ihr den Ohrensessel dem ihren gegenüber und nahm einen frisch angelegten Akt zur Hand.

„Ich lese Kate – ich darf sie doch Kate nennen?“, sagte sie mit ihrer tiefen, freundlichen Stimme. Kate nickte lediglich. „Dass sie Anfang dreißig sind. Und sie arbeiten bei der Polizei.“

„Ja“, sagte sie, wissend, dass es rhetorische Fragen sind, die sie mit ihr durchging.

„Sie sind sich im Klaren, dass sie mit ihrem Vorgesetzen sprechen müssen. Sie werden nicht mehr lange Verbrecher fangen können, ohne ihre Schwangerschaft zu gefährden.“

Obwohl Kate sich darüber bewusst war, dass sie einige Gänge zurückschalten musste, wollte sie sie sich noch nicht eingestehen, dass es so bald der Fall sein würde, vielleicht in wenigen Tagen oder Wochen, abhängig davon, wie der Ultraschall aussah und wie Montgomery entschied.

„Ich weiß.“

„Gut, dann können sie mir erzählen, wie es ihnen bisher in der Schwangerschaft erging.“

„Ich … ich …,“ Kates Hände waren in ihrem Schoß gefaltet und nun starrte sie auf diese, ihr Haar fiel ihr etwas ins Gesicht. „Ich weiß es nun seit einer Woche. Eine Freundin meinte, dass es offensichtlich sei. Für mich war es das nicht. Es war eine Nacht vor neun Wochen, eine Nacht mit jemandem, den ich glaubte gut zu kennen. Aber das haben sie nicht gefragt. Wie es mir erging, wollten sie wissen? Mein Bauch, die Haut scheint sensibler zu sein und ich habe wahrscheinlich etwas zugenommen, meine Kleidung ist zu eng. Ebenso bei den Büstenhaltern. Ich fühle mich müde, zwinge mich regelmäßig zu essen, verzichte nun auf Koffein.“

Mary machte sich Notizen.

„Das klingt für mich alles vollkommen normal. Einige Fragen muss ich ihnen noch stellen.“

Kate blickte nun wieder auf.

„Konsumieren sie Alkohol.“

„Nein, nicht dieser Nacht.“

„Üben sie Extremsport aus?“

„Nein, nicht wirklich. Ich bin in den letzten Wochen zu meinem Kampfsporttraining nicht gekommen und nun wird es wohl auf der Strecke bleiben. Yoga und Pilates, mehr nicht.“

„Wie oft?“

„Yoga beinahe jeden Tag in der Früh oder am Abend.“

„Gut, das sollten sie auch beibehalten, einige Übungen werden sie rasch als unangenehm empfinden, dann ersetzen sie diese einfach in ihrer Routine durch andere. Es gibt Bücher zum Thema Yoga in der Schwangerschaft, die werden sie sicherlich als hilfreich erachten.“

In den folgenden Minuten wog sie Kate, nahm einige Maße und schließlich bat sie Kate, sich auf die Liege. Die Hose offen, das Shirt nach oben gezogen lag sie nun da und wartete auf die ersten Bilder von dem, was in ihr wuchs. Gemischte Gefühle überkamen sie. Sie hatte für sich selbst erkannt, dass der Tag, an dem sie das erste Mal das Geschöpf mit eigenen Augen sehen würde, der war, an dem sie nichts mehr unternehmen konnte, um sich von diesem zu trennen. Ein Abbruch der Schwangerschaft stand somit nicht mehr zur Diskussion. Egal wie Castle reagieren würde, egal wann sie es ihn wissen lassen würde.

Dr. Montgomery warnte sie vor der Kälte des Gels, trotzdem erschrak Kate. Doch dann war alles vergessen, als der Schallkopf auf ihrem Bauch traf und sie die ersten Bilder zu sehen bekam, das erste Mal zeigte ihr Mary, was sie gerade sah.

Irgendwie sah das Wesen noch unmenschlich aus, war es doch gerade es doch noch so klein. 14 Millimeter, erklärte die Ärztin. Dann schaltete die Ärztin die Lautsprecher ein und Kate konnte den Herzschlag hören. Kräftig und stark. Tränen liefen ihr die Augen hinunter.

Was sie in diesem Augenblick empfand konnte man nicht überschreiben, vielleicht würde es der Begriff „überwältigt“ treffen. Kate lag auf der Bare, starrte auf den Monitor, lauschte dem kräftigen Schlag des kleinen Herzen und weinte.

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Als sie mit dem ersten Ausdruck in er Handtasche am Revier saß, wurde ihr bewusst, dass ihr nun allmählich begann die Zeit davon zu laufen. Die Ärztin hatte bestätigt, dass sie in der 10. Woche schwanger war, neun volle Wochen hatte sie bereits hinter sich und somit näherte sie sich dem Ende des ersten Trimesters.

Am selben Nachmittag begann sie auf einem Blatt Papier eine kleine Liste anzulegen, Punkte, die sie zu erledigen hatte. Ganz oben fand sich einfach Ricks Name wieder, darunter Montgomerys und natürlich Esposito und Ryan – falls sie es nicht bereits vermuteten.  Ihrem Vater würde sie es erst sagen, wenn das erste Trimester vorbei war, der Rest musste es zuvor wissen, falls etwas passieren würde. Unter all den Namen stand der Begriff Wohnung und war mit einem großen Fragezeichen versehen. Ihr Appartement hatte sie eben erst bezogen, einen Mietvertrag für ein halbes Jahr unterschrieben, doch war es für ein Baby zu klein. Ein Kind benötigte ein eigenes Zimmer. Doch könnte sie ihr kleines Arbeitszimmer umgestalten, den Computer ins Wohnzimmer stellen. Als sie dies zu Ende gedacht hatte, malte sie ein zweites Fragezeichen daneben.

„Sir, dürfte ich kurz mit ihnen sprechen?“, fragte Kate Montgomery, bevor sie bereit war für diesen Tag das Revier zu verlassen.

„Natürlich, Beckett“, antwortete er freundlich, so wie immer, und schloss die Türe hinter der jungen Polizistin. „Nehmen sie doch Platz.“

„Danke, Sir.“ Kate war nervös, unwissend, wie er reagieren würde. Unsicher, ob sie die richtigen Worte finden konnte, um nicht alles preiszugeben – den Vater. „Sir, ich wollte ihnen nur mitteilen, dass ich ein Kind erwarte.“

Montgomery strahlte sie an, so, als würde er sich ehrlich für sie freuen. „Gratulation, Detective.“

„Danke“, entgegnete sie vorsichtig.

„Wann ist es denn so weit?“

„Anfang Juni, Sir, wenn alles gut geht.“

„Wunderbar Kate. Sie müssen es mir sagen, wenn sie meinen, für ihre aktuelle Lage nicht mehr fit genug zu sein. Ich hoffe, dass sie mit den Jungs bald sprechen, sie müssen mehr Acht auf sie geben. Außerdem … außerdem müssen sie versuchen, ihre Überstunden etwas zu reduzieren, keine zusätzlichen Schichten mehr zu übernehmen.“

„Ich weiß“, sagte Kate leise, wissend, dass er Recht hatte mit all den Punkten, die er ihr aufgezählt hat.

„Sind sie denn nicht glücklich darüber?“

„Wollen sie meine ehrliche Antwort, Sir?“ Montgomery nickte nur. „Es war nicht geplant. Überhaupt nicht geplant und ich muss mich an die Situation noch etwas gewöhnen.“

„Mich hätte es gewundert, Kate, wenn sie es so einfach hinnehmen würden. Das wären nicht sie. Doch nehmen sie sich die Zeit. Sie haben noch den Urlaub der letzten fünf Jahre stehen und mehr Überstunden, als wir ihnen jemals auszahlen werden können. Nehmen sie sich doch den einen oder anderen Tag.“

„Danke Sir“, antwortete Kate. „Aber ich brauche im Moment keinen freien Tag, die werde ich sicherlich dann brauchen, wenn das Baby auf der Welt ist.“

Montgomery nickte und man konnte fühlen, wie gerne er nun die Frage nach dem Vater gestellt hätte, doch stand ihm dies nicht zu.

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Am Abend kam schließlich Lanie vorbei, als Kate dabei war, Wäsche zu falten und wegzuräumen. Sie war eine der wenigen Personen, die einfach ohne Ankündigung gerne gesehen waren. Die sogar einen Schlüssel besaßen. Auf dem Tresen in der Küche lag Kates Liste, die nun bereits um einige Punkte ergänzt worden war.

Lanie half ihr zuerst mit der Wäsche und sie plauderten über den Tag.

„Wie hat Montgomery reagiert?“

„Ich hätte schwören können, dass er fragen wollte, wer der Vater des Kindes sei“, sagte Kate und musste lachen. Es war nicht lustig, bei Gott nicht, aber Montgomerys Gesicht zu diesem Zeitpunkt erzählte Bände.

Als die Kleidung weggeräumt war, gesellten sich die beiden auf die Couch und tranken gemeinsam eine Tasse Tee, als Lanie Kate ein Buch reichte.

„Ich dachte mir, du könntest das gut brauchen.“

Kate wendete das Buch und las den Titel „A Child is Born“ von Lennart Nilsson. Es war eine neue Ausgabe und das Buch kam ihr bekannt vor, als hätte sie es schon einmal gesehen. Lanie rutschte näher zu Kate und schlug die passende Woche auf, begann ihr zu erklären, wie sich der Körper des Kindes nun von Woche zu Woche veränderte, weiter entwickelte. Welche Organe entstanden.

„Wann wirst du es Castle sagen?“, fragte Lanie schließlich.

Kate antwortete nicht, starrte nur auf das Bild vor sich. Sie hatte bisher keine Idee, wie ihn am passendsten darüber informieren könnte, dass er Vater von einem Kind werden würde, welches an einem Abend gezeugt worden war, an dem sie zwar Sex hatten, aber niemals darüber gesprochen hatten, da sie unbedingt die Flucht hatte ergreifen müssen. Wie sollte sie ihm das erklären?

„Kate, du musst es ihm sagen! Er hat dich nie belogen, dich immer wissen lassen, was Sache war, auch wenn du sie nicht hören wolltest.“ Und Beckett wusste, dass sie auf den Fall ihrer Mutter anspielte, den Rick wieder ausgegraben hatte. Gegen ihren Willen.

„Bald“, murmelte sie.

„Bald reicht nicht aus. Möchtest du, dass er es aus den Medien erfährt? Diese werden es sicherlich aufgreifen, sobald es für alle offensichtlich ist, also in den nächsten Wochen“, sagte Lanie forsch. „Kate, du hattest immer einen sehr schlanken, athletischen Körperbau, hast unregelmäßig gegessen und wenig geschlafen – all trägt dazu bei, dass man schneller sieht, dass sich etwas verändert. Ich könnte es leicht kaschieren“, erklärte Lanie und deutete auf ihre Oberweite. „Aber bei dir wird es vielleicht noch eine Woche dauern und dann fragen sich allmählich alle, was Detective Kate Beckett wohl mit ihrer Oberweite angestellt hat und wieso sie immer weite Kleidung trägt.“

Wahrscheinlich hatte Lanie recht, dachte sich Kate, sie hatte keine Zeit um große Pläne zu schmieden. Und sie hatte recht. Das Baby würde nun rasch wachsen und die Bügel ihres Büstenhalters hatten sich heute bereits bemerkbar gemacht, auch wenn es noch ertragbar war. Dieses Gefühl war sie einfach nicht gewohnt.

„Vielleicht sollten wir uns dort treffen, wo es passiert ist?“ , fragte Kate unsicher.

Lanie schüttelt den Kopf. „Du möchtest doch mit ihm sprechen.“

„Ich will ihm sagen, dass ich ein Kind erwarte und keinerlei Erwartungen an ihn stelle.“

„Glaubst du wirklich, dass das bei Richard Castle, dem Übervater, so einfach funktioniert?“

Nach kurzer Überlegung, besann sich Kate und schüttelte den Kopf.

„Ein Kaffeehaus?“

„Das wäre eine Möglichkeit“, antwortete die Ärztin. „Wieso nicht einfach bei Remy’s?“

„Ja, wieso nicht.“

„Dann schick ihm doch eine SMS.“ Lanie wusste, dass wenn sie Kate nicht dazu drängte, etwas zu unternehmen, sie wahrscheinlich diese Unterhaltung noch ewig hinauszögern würde. Und so nahm Kate ihr Telefon zur Hand und schrieb langsam, vorsichtig und alles noch x-mal überdenkend: „Rick – wir müssen reden. Morgen 1800 @Remys?“

Wenige Augenblicke später bekam sie schon ihre Antwort: „Wenn du meinst.“

Lanie war erstaunt über den Wortlaut, und dann auch wieder nicht. Immerhin hatte Kate einst die Flucht ergriffen und sich wochenlang nicht mehr gemeldet.

„Bitte“, waren ihre letzten Worte, die sie ihm an diesem Abend zukommen ließ.

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Ende Kapitel 9

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Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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