Es geschah in einer Nacht …. (2/2)

nicklulu

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Kapitel 2

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Doch musste sie sich wirklich entscheiden? Louisa war eine verheiratete Frau, eine Frau die genau wusste, dass eine Ehe nichts war, das man leichtsinnig hinwarf, auch nicht für eine einmalige Nacht – auch nicht, wenn die Nacht unglaublich gewesen war. Besser als alles, was sie jemals zuvor erlebt hatte.

Als sie am kommenden Morgen in ihr Büro kam, war die Türe, die sie zuvor abgesperrt hatte, offen und abermals fehlte eine Strickjacke, die sie am Abend zuvor dort hängen gelassen hatte, weil sie immer eine Weste im Büro aufbewahrte, da die Finster nicht besonders gut schlossen und es stets zog.

Lulu machte sich eine Tasse Kaffee, sie war die erste die da war und setzte sich mit den Akten in ihr Büro. An diesem Tag würde sie zwei Termine vor Gericht haben, zweimal ging es um die Unterbringung eines jungen Menschen. Sarah war 8 Jahre alt und war mehrmals von dem Lebensgefährten ihrer Mutter missbraucht worden, dieser war allerdings der Ansicht, dass das Mädchen es herausgefordert hatte. Miss Johnson war nicht daran interessiert, ihr Kind bei sich zu bezahlten und den Lebenspartner hinauszuwerfen. Der andere Junge war vier, Jimmy. Seine Mutter war vorgestern an einer Überdosis Kokain gestorben, er hatte sie einen Tag bewacht, bevor die Nachbarn eingeschritten waren. Jimmy brauchte psychologische Betreuung, das wusste Lulu, daher hatte sie sich für die Psychiatrie entschieden. Die meisten Kinder waren dort fehl am Platz, aber für ihn war es wahrscheinlich der richtige Ort.

Doch als sie zu Mittag zum Gericht fuhr, eine halbe Meile entfernt davon einen Parkplatz fand und genügend Zeit hatte, um über alles nachzudenken, musste sie feststellen, dass sie auch an Brian dachte, an seine Gefühle. Brian und sie waren seit der High-School zusammen, seitdem sie 16 Jahre alt war, um genau zu sein waren es nun 12 Jahre, seit dem Tag, an dem sie zusammengekommen waren. Sechs Jahre, seitdem die Schmetterlinge ausgeflogen waren. Es waren Kleinigkeiten, die sich im Laufe der Jahre eingestellt hatten. Brian war nicht nur zwei Jahre älter als sie selbst, er hatte auch länger studiert und stand erst seit zwei Jahren auf eigenen Beinen. Nun war er dabei seinen Turnus abzuleisten und trotzdem waren sie an einem Punkt, an dem sie sich nur unregelmäßig sahen.

Am Gericht angekommen, focht Lulu wie jedes Mal, für die Kinder, die quasi unter ihrer Obhut standen, für die sie sich zuständig fühlte und im Endeffekt war sie froh, wenn sie gewann, aber selten bestürzt, wenn das Jugendamt seinen Willen durchsetzen konnte.

Doch schweiften ihre Gedanken immer wieder ab. Brian hatte sie ihr gesamtes berufliches Leben lang begleitet – die zwei Jahre High-School, die er ihr voraushatte, vier Jahre College, drei Jahre Law School und dann drei Jahre praktische Arbeit. Die gesamte Zeit war er an ihrer Seite gewesen, hatte ihr zugehört, wenn einmal etwas weniger gut gelaufen war, sie mental unterstützt, meistens über das Telefon, wenn große Prüfungen anstanden. Sie hatten nie zusammengelebt, sich selten in derselben Stadt befunden.

Und jetzt gestand sie sich auf der einen Seite ein, dass sie Brian nicht mehr liebte, wahrscheinlich schon lange nicht mehr das für ihn empfand, was man als Ehefrau für den Gatten empfinden sollte, besonders so kurz nach der Eheschließung. Und auf der anderen Seite stand Nick. Nick, der zwar leidenschaftlich sein konnte, aber keine Beziehungen führte. Der zwar wusste, was sie brauchte, aber dauerhaft nicht an ihrer Seite weilen würde, da er zu instabil für all das war und es auch niemals kennengelernt hatte.

Nick war nicht in der Lage, Emotionen zu zeigen. Obwohl das stimmte nicht, denn Eifersucht war ihm deutlich im Gesicht abzulesen. Aber würde ihr das reichen?

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Zwei Tage ließ sich Nick nicht bei LSP blicken. Lulu wurde nervös. Würde er ihr für längere Zeit aus dem Weg gehen? Wartete er auf eine Reaktion ihrerseits? Immerhin hatte er ihr den Schlüssel zu seinem Haus gegeben.

Inzwischen war Brian wieder aus New Mexico nachhause gekommen. Nicht dass sie sich darüber besonders gefreut hatte, nein, sie hatte sich anstrengen müssen, zu lächeln, als er aus dem Auto stieg.

Doch als er ihr dann ein Glas Rotwein einschenkte, von seiner krebskranken Mutter erzählte, musste sie erkennen, dass es einfach ihre Vergangenheit war, die sie zusammenhielt. Sie hatten viel gemeinsam erlebt und überlebt – die komplizierte Beziehung zu ihrer Mutter, die dritte Scheidung seines Vaters, den Umzug seiner Mutter nach New Mexico, um dort mit einem reichen Ranch-Besitzer zu leben, der genau das Gegenteil ihres zweiten Mannes darstellte. All das waren Elemente ihres gemeinsamen Lebens. Vielleicht war es genau das wert, auch wenn man nicht mehr verliebt war, kein oder kaum ein Sexualleben hatte. Louisa hatte Brian einmal gesagt, dass sie Kinder haben wollte, zwei Kinder – am liebsten zwei Jungs. Für sie war es immer leichte gewesen mit einem sturen Knaben auszukommen, als mit einem tobenden, weinenden, hysterischen Mädchen – das hatte sie in den Monaten bei LSP gelernt. Doch war sie von der Idee, mit Brian Kinder in die Welt zu setzen, in der letzten Woche wieder abgekommen.

Es gab einen Punkt, den Louisa niemals einem Kind antun wollte – die Trennung der Eltern. Die Schlammschlacht. Niemals. Kinder sollten niemals der Kitt für eine Beziehung sein. Zu oft hatte sie Frauen vertreten, die versuchten um ihre Kinder zu kämpfen, aber in Beziehungen lebten, die weite davon entfernt waren, das ideale Umfeld für ein Kind darzustellen – Ehen, die von Gewalt dominiert wurden. Ehen, die nur existierten, weil der Mann darauf bestand, dass die Frau zuhause blieb und sie somit finanziell abhängig machte. Ehen, die von Alkohol und Drogen beeinflusst wurden. Frauen, die Kinder bekamen, um ihre Männer weiterhin an sich zu binden.

All das war nicht richtig. All das nicht. Sie hatte Brian betrogen, der nun neben ihr schlief, sie nach einem flüchtigen Kuss nicht einmal irgendwie berührt hatte und dann war da Nick, der sie zwar auf eine Art berührte hatte, wie noch nie jemand zuvor, sie aber weder angerufen noch sich sonst irgendwie gemeldet hatte. Das Artikulieren von Emotionen zählte wirklich nicht zu Fallins Stärken – sein Blick war es, der den Wissenden vieles erahnen ließ, aber er sagte nie ein Wort.

Nun lag sie wach neben Brian und sehnte sich nach den Berührungen, die ihr vor einigen Tagen zu Teil geworden waren. Doch hatten sie auch nicht über die Konsequenzen der Nacht gesprochen. Waren Gefühle involviert? Fühlte er etwas anderes für sie, als die Eifersucht, die seine Mimik sie ahnen ließen, sobald es um Brian ging?

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Nick hatte sich seit dieser einen Nacht auf die Arbeit konzentriert. Er hatte einen komplexen Fall einer Firmenübernahme durch einen Multimillionen-Klienten vor sich und hatte Alvin wissen lassen, dass er in dieser Woche nur im äußersten Notfall einsatzbereit wäre. Alvin hatte ihm keine Probleme gemacht und auch nicht nachgefragt. In Wahrheit hatte er Distanz benötigt, Distanz von Louisa.

In dieser einen Nacht hatte er etwas empfunden, das er bisher noch nie empfunden hatte. Verbundenheit. Vielleicht gab es so etwas wie Liebe doch? Doch was war das? Liebe … Seine Mutter war stets für ihn da gewesen, aber oftmals hatte sie ihn als ein Überbleibsel von seinem Vater betrachtet, eine schlechte Erinnerung und dann hatte sie ihn einfach verlassen, ihn einfach zu seinem Vater geschickt und war alleine gestorben – sie hatte nicht wollen, dass er dabei war, wenn sie ihre letzten Atemzüge machte. Etwas, das Nick niemals verstanden hatte. Und wie hatte sein Vater auf all das reagiert? Vier Wochen nach ihrem Begräbnis hatte er ihn auf ein Internat geschickt, in die Schweiz. Erst mit sechzehn durfte er in die Staaten zurückkehren, ein Internat in Maine. Mit dem Auto war es eine elfstündige Fahrt, die sich für ein Wochenende nicht auszahlte. Den Flug bezahlte sein Vater ihm nicht, mit der Bahn war man noch länger unterwegs.

Also wann hätte er Liebe kennenlernen sollen? Bedeutete es, von einer Person in den Arm genommen zu werden, wenn man Angst hatte oder etwas Furchtbares erlebt hatte? Oder war es viel mehr? Sehnte man sich nach gemeinsamer Zeit? Danach neben dieser Person aufzuwachen?

Bisher war keine Frau jemals bei ihm eingezogen und nun hatte er Lulu den Schlüssel zu seinem Haus gegeben, einfach so. Sein Vater hatte für seine Liebe bezahlt, 50.000 Dollar pro Jahr für die Schule in Main, wahrscheinlich viel mehr für das Internat in Europa. Aber danach hatte er sich niemals verzehrt.

Und nun lag er alleine in seinem Bett, versuchte sich an jeden Zentimeter ihres Körpers und ihres Geruchs zu erinnern, als er aus dem Fenster in Richtung Vollmond starrte. Vom ersten Tag an, als sie sich bei den Fallins vorgestellt hatte, war er von ihr beeindruckt gewesen und sie hatte ihn begeistert. Es war ihre teilweise vorhandene Unnahbarkeit und dann auch wieder ihre Stärke. Sie flirtete mit ihm und ließ ihn dann wieder zappeln, ermahnte ihn aber, dass sie verlobt und dann verheiratet sei. Und dann war da letzte Nacht gewesen. In dem Moment, als Lulu ihn so bereitwillig geküsst hatte, war ihm klar geworden, dass er ohne sie nicht mehr sein wollte. Es hatte sich perfekt angefühlt – ihre weiche Haut, ihr feuchter Atem auf der seinigen, ihre Brust in seinen Händen und dann in ihr zu sein. Der Moment in dem sie sich nach hinten gebeugt hatte, ihm sich vollkommen öffnete, den wollte er abermals erleben. So hatte er es sich nicht in seinen wildesten Träumen vorgestellt und ja, er hatte von ihr geträumt, mehr als einmal!

Den schmalen Hüften. Den schlanken Beinen. Den perfekten vollen Lippen. Den großen schokoladebraunen Augen. Der römischen Nase. Den vollen Brüsten. – Er hatte ein genaues Bild vor sich, wenn er masturbierte. Sie trug dunkelbraune Spitzenunterwäsche – French-Cut-Panties und einen schön geformten Büstenhalter, eventuell sogar halterlose Strümpfe dazu.

Doch in dieser Nacht wollte er sich klarwerden, wie es weitergehen sollte. Lulu war kurz davor zu heiraten, ein Haus zu kaufen und sich für ihr Leben zu binden. Und dann hatte er sich eingemischt, war zwischen sie und den Mann gekommen, mit dem sie bereits den Großteil ihres Lebens verbracht hatte.

Was hatte er ihr denn zu bieten? Was empfand er für Lulu?

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Nach einer Woche war Brian wieder auf dem Weg nach New Mexico zu seiner Mutter, nur hatten sie jetzt die Verträge für das Haus alle unterzeichnet. Er wollte es und im Augenblick hatte Louisa nicht die Kraft, ihm zu erklären, wieso sie all dies nicht wollte. Wieso sie ihn betrogen hatte. Wieso sie jede einzelne Nacht an Nick denken musste, während er neben ihr lag.

In der Woche hatte Brian mehrmals versucht, sie zu berühren, allerdings hatte sie ihn immer wieder abgewiesen, ihm erklärt, dass sie Kopfschmerzen hätte, sich nicht wohlfühle oder schob etwas anderes vor. Es war ihm bedingt aufgefallen, hatte aber nichts gesagt, wieso auch? Bisher hatte Lulu niemals den Eindruck hinterlassen, als würde sie in ihrer Beziehung nicht glücklich sein und als er ihr den Antrag machte, hatte sie ihn umgehend angenommen.

Als sie in ihrem Büro saß, die letzte Akte des Tages schloss, griff Louisa in ihre Handtasche und was fand sie in ihrer Hand? Den Schlüssel, den Nick ihr zuvor gegeben hatte. Den Schlüssel zu seinem Haus.

Es war eine Woche, in der sie kein Wort gewechselt hatten, sie ihn keinen einzigen Tag bei PLS sah, nicht einmal am Gericht war sie ihm begegnet. Manchmal fragte sie sich, was sie sich erwartet hatte. Ein Blumen-Bukett? Schokolade?

Und dann fand sich Louisa vor seinem Haus wieder, den Schlüssel in der Hand. Es war Anfang November, das Laub wurde durch die Luft gewirbelt. Waren sie vor wenigen Tagen noch mit kurzen Ärmeln, dank des Altweibersommers, herumgelaufen, war nun alles anders. Das Wetter hatte sich verändert, die Temperaturen waren gesunken, die Sonne war nur sporadisch zu sehen.

Nicks Auto stand vor dem Haus. Er war zuhause. Louisa klopfte an die Hintertüre, durch die man in die Küche kommen würde, nahm Lulu an. Nichts. Keine Reaktion. Dann ging sie um das Haus herum, wiederholte die Prozedur an der Vordertüre, ebenso keine Reaktion. Schließlich, nach einigem Zögern, verwendete sie den kleinen goldenen Schlüssel, schloss die Türe leise hinter sich. Vorsichtig, um keinen Lärm zu machen.

Es ging vieles durch Louisas Kopf. Was wenn er nun mit einer anderen Frau zusammen wäre? Lulu schlüpfte aus ihren Schuhen, ließ sie im Vorraum stehen und ging in Richtung Wohnzimmer, dort brannte immerhin das Licht einer kleinen Stehlampe. Niemand saß auf der Couch. Dann ging sie vorsichtig von Raum zu Raum, bis sie schließlich – mit einem mulmigen Gefühl im Bauch – die Treppe hoch stieg und dort fand sie ihn auch. In seinem Schlafzimmer – es erst kurz vor zehn Uhr und er war bereits in seinem Bett. Nick schlief.

Kurze Zeit stand Louisa im Rahmen, beobachtete das lockige blonde Haar. Er hatte eine Nachtischlampe an, die den Raum illuminierte. Sein Bettzeug hatte einen sanften Braunton, die Pölster waren in Creme gehalten, so wie der restliche Raum. Er war maskulin, das war ihr schon vor einigen Tagen aufgefallen, als sie hier geduscht hatte.

Sie tapste leise durch den Raum, drehte da Licht ab, ging um das Bett auf Zehenspitzen und setzte sich auf den Überwurf. Für wenige Augenblicke wollte Louisa seine Gesichtszüge studieren, ihn – den Mann, der ihre Welt ins Wanken gebracht hatte.

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Ende Kapitel 2

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About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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