Ach, ist das Leben einfach …

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Ach, ist das Leben einfach … 

 

 

Eine Frau, ein Auto und der Sonnenuntergang, so hatte sich Louis das immer vorgestellt. Sie war durchschnittlich groß, sehr schlank und ihre Figur sportlich, keine übermäßigen Rundungen – von diesem Typ Frau, blond, blauäugig und vollbusig hatte er in den letzten Jahre so und so schon zu viele gehabt, alle von minderem Intellekt.

Doch damals war er noch nicht Louis gewesen sondern Oliver, Kevin, Junior und Sam.

“Was treibst dich in diese verlassende Gegend, Fremder?”, fragte sie und schob Strähnen ihres dunklen kurzen Haares hinter ihr rechtes Ohr. Ihre Augen waren dunkelbraun mit einem Hauch von grün.

“Mein Wagen ist liegengeblieben”, erklärte er leger und blickte auf seine staubigen Schuhe, die von der langen Strecke verschmutzt waren.

“Der Sprit?”

“Nein, ich glaube der Keilriemen.”

In der Werkstatt hatte man ihn noch vorgewarnt gehabt. Er fuhr einen alten Aston Martin aus dem Jahre 1956. Ein alter roter Schlitten.

Seine ehemalige Besitzerin war eine pensionierte Richterin gewesen. Er hatte sie im Schlaf erstickt. Es war einfach gewesen. Es war langsam vonstattengegangen. Am Anfang hatte sie wild mit den Armen um sich geworfen, aber nach wenigen Augenblicken war es vorbei.

Aber das Auto hatte sie ihm schon einige Wochen zuvor gekauft – ein Barkauf, nichts ließ erkennen, dass es ihr Geld gewesen war.

“Tim”, stellte er sich der Frau vor, die nervös auf der Haube ihres Mustangs saß und den Sonnenuntergang beobachtete. Das Rot breitete sich über dem Canyon aus.

“Sarah”, antwortete sie ihm schüchtern und studierte sein Äußeres.

Er trug eine beige Leinenhose und ein weites weißes Hemd, das schon bessere Zeiten gesehen hatte – als Mary-Ann es in einer Bibliothek in Beverly Hills für ihn gekauft hatte. Ein Anzug, zwei Hemden, feinstes Leinen. Ein Einkauf von mehr als 1000 Dollar. Eine Barzahlung, sie  wollte nicht, dass ihre erwachsenen Kinder die Rechnungen finden und Fragen stellen.

Sich ihrer zu entledigen war einfach gewesen. Der Abhängig von Schmerzmitteln verschleierten die Überdosis gut. Niemand vermutete, dass jemand seine Finger im Spiel hatte.

“Wie lange sind sie schon unterwegs?”, fragte die Frau. Vielleicht war sie 30? Eigentlich zu jung, um in sein Schema zu passen.

Er hob seinen Arm an und blickte auf die Platin Rolex, die er am Handgelenk trug. Josephine. Eine Generalswitwe. Ihr Mann hatte im Korea-Krieg gedient und gefallen. Damals war sie gerade 20 gewesen, er bereits General in den besten Jahren. Danach hatte sie nie wieder geheiratet.

Ihren Tod ordnete man unter Unfall ein. Eine Kurve, zu viel Alkohol und dann war der Abgrund plötzlich da gewesen. Kein Abschiedsbrief, keine Bremsspuren – nichts, das auf Fremdeinwirken hindeutete. Die Platin Rolex hatte Joe ihm gekauft, es war eine von drei Uhren gewesen, die anderen spendete sie einem Armee Bazar. Niemand hinterfragte die Ausgaben.

“Eine Stunde, nehme ich an”, erklärte er ruhig.

Er lehnte sich an die Motorhaube ihres Mustangs. Sarah trug einen kurzen Jeans-Minirock, Cowboystiefel und ein weißes Trägershirt.

Stets spielte er den Geheimnisvollen, den Mysteriösen – und das gefiel den Frauen. Sie versuchten hinter seine Geheimnisse zu kommen. Niemals offenbarte er irgendetwas, es waren immer Geschichten, mittels derer er ihnen die Hoffnung gab, ihn etwas kennenzulernen.

“Rootbeer?”, fragte sie und rutschte von ihrem Platz auf der Motorhaube.

“Gerne”, erklärte er und beobachtete ihre vorsichtigen Schritte, den Canyon Rand entlang. Neben ihren Füßen lösten sich kleine Erdreste und rieselten die Schlucht hinunter.

Sarah kam mit zwei Dosen in der Hand auf ihn zu, reichte ihm eine. Dankend nahm er sie an. Sie schob sich abermals an ihm vorbei. Als sie direkt vor ihm stand, schob er ihr seine Hand entgegen. Allerdings nicht als Hilfestellung. Er griff rasch an ihre Hüfte, stieß sie von sich. Sie verlor den Halt. Der Schock ließ sie nicht einmal schreien. Tim sah zu, wie ihr Körper hunderte Meter in die Tiefe segelte.

Er öffnete das Rootbeer. Es zischte, trank einige Schlucke bevor er aufstand, zur Autotür schlenderte und sich in den Mustang fallen ließ.

Es war einfach gewesen. Er würde das Auto alsbald gegen ein anderes eintauschen und dann würde Jack sich auf den Weg in Richtung Florida machen.

Ach, war da Leben einfach.

.-.-.-.-.

Ende

.-.-.-.-.

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About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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