Kabale und Liebe – Kapitel 2

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Kapitel 2

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Auch die darauffolgenden Tage blieb Cuddy ihm fern, ließ ihn und sein Team alleine. Auch als er Taub schickte, um etwas genehmigt zu bekommen, stimmte sie all dem, ohne groß zu diskutieren zu – wie ihm Taub später berichtete. Dieser Zustand der absoluten Distanzierung ließ ihn vermuten, dass etwas vorgefallen war, das sie mit ihm nicht teilen wollte. Ein Vorfall, der ihn ärgerlich werden lassen würde. Wieso verstand sie nur nicht, dass ihr momentanes Verhalten ihn noch wütender machte.

Kurz vor 17 Uhr machte er sich, innerlich kochend, auf den Weg zu ihrem Büro, doch es war abermals bereits verlassen. Nach längerem Hadern mit sich selbst, schloss er die Türe auf und setzte sich an ihren Schreibtisch. Ein paar Akten weilten auf ihrem Tisch, auf keiner stand sein Name oder einer seiner ehemaligen Patienten. Selbst als er ihren PC hochgefahren und ihr geheimes Passwort eingetippt hatte, konnte er in ihrem Terminplaner keinerlei Einträge finden, die ihre Abstinenz erklären würden.

Ihn als verwundert zu beschreiben, traf es noch am mildesten. Sie versuchte wahrhaftig etwas vor ihm geheim zu halten. Vor ihm! Er war entrüstet.

Cuddy schien dieses Spiel, oder was auch immer es für sie war, zu genießen, da sie ihn zwei weitere Wochen mied, ihn niemals zu sich zitierte oder verärgert in seinem Büro auftauchte. Selbst Wilson war mittlerweile verwundert, das Team irritiert.

So kam, drei Wochen nach dem ersten Vorfall, also am Wochentag der Verschmähung, Greg am Morgen die Idee, sie nun genau so zu meiden. Nur entschied er sich, dem Spital einfach fernzubleiben, seinen ganzen Beruf zu verdrängen, bis sie ihm erklären würde, was in oder mit ihr vorginge. Natürlich wissentlich, dass er seine Spione im Spital postiert hatte. Sein Team würde ihn zweimal täglich informieren und Wilson, Wilson musste man nicht bitten so etwas für jemanden zu tun, er war ein Freund, daher würde er ihn so und so anrufen, sobald ihm etwas zu Ohren kommen würde, was Cuddy oder ihr Verhalten erkläre.

Doch tat sich am ersten Tag nichts. Chase rief ihn gegen Mittag kurz an, um ihm mitzuteilen, dass keinen neuen Fall hätten, allerdings ein Doktor aus Seattle ihnen für Übermorgen einen Patienten angekündigt hatte, dessen Symptome für die Ärzte dort ein unlösbares Rätsel darstellten.

Am zweiten Tag seines Fernbleibens konnte ihm immer noch niemand sagen, was Cuddy für ein Spiel mit ihm trieb. Es schien als würde niemand seine Anwesenheit vermissen. Wieso auch, es gab keinen Fall und wenn es keinen Fall gab, spielte er normalerweise in seinem Büro Ball, lud Pornos runter oder versuchte Krankenschwestern zu schikanieren. Seine Klinkzeiten hatte er schon lange nicht mehr ernst genommen, daher vermisste ihn, wie es schien, auch dort niemand.

Auf der Couch sitzend mit einem Glas irischen Whisky in der Hand begann er zu überlegen, ob überhaupt irgendjemand ihn vermissen würde, falls er einfach nicht mehr hier wäre. Er hatte niemanden, hatte es nie geschafft, Freunde lang genug zu behalten um diese Bande als innig oder herzlich zu beschreiben zu können. Selbst die Freundschaft zu Wilson ließ ihn oftmals zweifeln, waren sie wahrscheinlich doch nur schon so lange befreundet, da sie auch mitsammen arbeiten und der Onkologe deswegen auch die Flucht nicht ergreifen konnte. Er hatte ihn nach seinem Aufenthalt im Therapiezentrum bei ihm wohnen lassen, allerdings hatte Haus den Moment des Ausziehens kaum erwarten können. Wilson war ein korrekter Mensch, ordentlich, sauber – genau das Gegenteil von House, der mit seinem Hang zum Chaos manch einen Menschen bereits verzweifeln ließ.

Nur wen gab es sonst noch außer Wilson? Seine eigene Mutter war ein Kapitel für sich. Sofern es möglich war, mied er seine eigene Familie, oder das, was von dieser noch übrig war. Der Mann, der sich Vater genannt hatte, und während seiner Kindheit und Jugend selten etwas Besseres zu tun gehabt hatte als ihn windelweich zu prügeln, sobald er eine Kleinigkeit falsch gemacht hatte – wie zum Beispiel sich die Servierte nicht auf den Schoß zu legen,  bevor er zu essen begann – war letzten Winter verstorben. Seine Mutter hatte ihm nicht verziehen, dass er sich mit seinem Vater niemals ausgesöhnt hatte. Greg sah auch keinen Grund darin, immerhin war es nicht sein Vater gewesen, der sich im Sportunterricht kaum bewegen konnte, weil der Ledergürtel oder die Reitgerte Striemen auf seinem Rücken hinterlassen hatten. Über viele Jahre hinweg, während seiner Zeit an der Universität, hatte Greg gehofft, dass es einmal ein Weihnachtsfest geben würde, an dem sein Vater sich entschuldigen würde. Doch diese Tage kamen nicht und so distanzierte er sich zunehmend von all den Grausamkeiten seiner jungen Jahre und somit von seinen Eltern.

Und wer blieb jetzt noch übrig? Sein Team? Alles Menschen, die zwar unbedingt unter ihm arbeiten wollten, um von ihm zu lernen aber Freunde waren sie keine. Jeder würde sofort seine Position einnehmen wollen, sofern diese ihm oder ihr angeboten werden würde. Das würden Freunde nicht tun. Cuddy? Sie war sein Boss, eine frühere Geliebte, die sich in den letzten Monaten entschieden hatte, ihr Leben ohne ihn fortzusetzen, die ihm mehr als nur einmal erklärt hatte, dass es kein „uns“ geben könne, da er der Verantwortung einer Beziehung mit ihr nicht gewachsen sei. Lucas war in ihr Leben getreten bzw. sie hatte ihn zurückgeholt. Auch wenn er es sich nicht eingestehen wollte, sie schien glücklich zu sein. Dies missfiel ihm sehr.

Er suchte auf dem Couchtisch nach seinem Handy und rief, in der Hoffnung endlich etwas zu erfahren, Wilson an.

„Ist Cuddy heute im Spital?“

„Ich habe sie nicht gesehen“, entgegnete ihm Wilson. Der Onkologe war allerdings nie in der Lage gewesen, besonders gut zu lügen.

„Lüge mich nicht an. Du hast sie gesehen. Wie hat sie ausgesehen? Hat sie etwas gesagt?“

„Nein, sie hat nichts gesagt. Ich habe sie nur wenige Sekunden gesehen und nicht mit ihr gesprochen.“

House war verärgert. Niemand wollte ihm die Information liefern, die er gerne hören wollte. Er wollte eine verärgerte Cuddy erleben, die auf ihn böse war, die ihn anschrie, anfunkelte und ihm drohte, ihn zu entlassen. Aber nichts dergleichen war der Fall.

+++

„Hast du vor, irgendwann wieder in die Arbeit zu kommen?“ fragte Wilson House, der in der Küche saß und aus einem Take-Out Container chinesisches Essen aß.

„Erst, wenn Lisa vorbei kommt und mich darum bittet.“

„Das wird sie niemals tun. Davor entlässt sie dich.“

„Dann werde ich mir ein anderes Spital suchen oder einfach nach Thailand auswandern“, kommentierte House etwas angewidert.

„Greg, mach dich nicht lächerlich!“

„Was meinst du? Es sieht so aus, als bräuchte man mich im Spital so und so nicht. Wieso nicht auswandern?“

Alle Diskussionen zu diesem Punkt waren überflüssig geworden in den letzten Tagen. Wilson hatte mehr als einmal versucht auf ihn einzusprechen, ihm zu erklären, dass seine Art und Weise seinem Leben keineswegs förderlich sei.

+++

Von: James.Wilson@ … An: Lisa.Cuddy@ …

Betreff: House

Lisa,

Ich habe wiederholt versucht House darauf aufmerksam zu machen, dass du die Möglichkeit hast, ihn jederzeit zu entlassen, wenn er seinen Dienst nicht wieder aufnehme. Seine einzige Antwort wäre, dass man sehr gut ohne ihn zu Recht käme und er eventuell nach Thailand auswandere.

Ich habe alles versucht, was wir bei unserem Gespräch ausgemacht hatten und bin zu dem Schluss gekommen, dass vielleiht die einzige Möglichkeit wirklich dein Weg zu ihm darstellt. Es ist ja nicht so, als ob das Spital ohne seinen Namen auskomme. Sobald er einen anderen Arbeitgeber hat, würde der Ruf vom Princeton-Plainsboro natürlich in Frage gestellt werden. Er würde, so wie wir ihn kennen, natürlich auch eine Geschichte erfinden, die seiner Meinung nach mehr der Wahrheit entspricht.

Überlege dir bitte, ob du ihm nicht doch vielleicht kurzfristig deine Pläne ändern kannst, um mit ihm zu sprechen.

-James

+++

House Beschluss seine Bleibe aufzugeben, hatte er schon vor einigen Tagen gefasst, Wilson allerdings nicht informiert. Er hatte sich ein Umzugsunternehmen engagiert, die auch schon um acht Uhr morgen vor der Türe standen um zu packen zu beginnen. Wohin die Sachen gehen sollten, waren noch nicht klar. Anfänglich hatte er überlegt, ob er eventuell wirklich nach Thailand gehen sollte, doch hatte er sich schnell dagegen entschieden, im Moment spekulierte er mit Schottland, Irland und Finnland – weit weg, dies war der einzig Aspekt, der für ihn zählte.

Am späten Nachmittag hatte er online ein Postfach eröffnet, an das seine Post weitergeleitet werden sollte, vorerst einmal in New York. Er hatte einen Flug reserviert, der ihn nach Dublin bringen sollte und einen ehemaligen Studienkollegen gefragt, ob er ihm in der Nähe des Trinity College eine Wohnung organisieren könne.

Für sich selbst hat er nur zwei Reisetaschen gepackt und seine Gitarre in ihrem Reisekoffer verstaut, als er sich zu einem Glas Whiskey auf seine Couch fallen ließ.

Plötzlich klopfte es an seiner Eingangstüre und etwas gelangweilt schrie er nur in deren Richtung, „Wilson, du hast einen Schlüssel. Die Türe ist offen.“

Er drehte sich auch nicht um, als die Türe hinter ihm wieder in Schloss fiel sondern nahm einen weiteren Schluck aus seinem Glas.

„Was hast du vor?“, fragte eine weibliche Stimme von hinter ihm und er spürte, wie sie ihren Mantel nehmen ihm auf den Rücken der Couch legte.

„Was willst du hier?“, fragte er und starrte weiterhin ins Feuer, die einzige Lichtquelle, die den Raum erhellte.

„Mit dir sprechen.“

„Wieso auf einmal?“

„Greg“, sagte sie und setzte sich auf den Fauteuil, „wieso stehen hier überall Kisten?“

„Muss ich auf diese Frage wirklich antworten?“ Der Sarkasmus in seiner Stimme war nicht zu überhören.

„Greg, wieso?“

„Man braucht mich hier nicht. Ihr kommt gut ohne mich zu Recht.“

„Greg …“

„Nein Cuddy, ich will nicht mehr diskutieren. Ich war seit Wochen nicht im Spital, habe mich weder krankgemeldet noch sonst etwas und niemand hat es der Mühe wert gefunden, nachzufragen, was eventuell das Problem sei. Niemand hat angerufen oder ist vorbeigekommen. Wilson habe ich letztlich gesagt, dass ich eventuell auswandere und plötzlich stehst du vor der Türe.“

„So ist es nicht … ich meine … es stimmt nicht … du …“

„Lass es Lisa, lass es einfach. Mein Flug geht morgen in der Früh.“

Sie trug an diesem Abend schwarze enge Jeans, hohe Stiefel, die ihr bis ans Knie reichten, dazu einen schwarzen, im Reiterstil geschnittenen, Blazer und eine weiße Bluse darunter. Ihr Haar war locker in einen Zopf zusammengebunden, ihre Lippen glänzten im Antlitz des Feuers. Ihre Haut wirkte noch weißer als sonst, aber Gregory wusste, dass dies auf das mangelnde Licht zurückzuführen war und ihre pechschwarzen Haare.

„Du machst einen Fehler“, kommentierte sie das aufkommende Schweigen.

„Einen Fehler habe ich vor vielen Jahren gemacht. Ich hätte erst gar nicht so lange im PPTH bleiben dürfen.“

„Wieso?“

„Noch nie war ich lange an einem Ort gewesen und dort mittlerweile eindeutig zu lange.“

„Ich dachte, du magst deinen Job.“

„Es hat nichts mit dem Job zu tun“, antwortete er ihr und wanderte in die Küche, um sich das Glas nachzufüllen.

Wenn er sie anblickte, wie sie auf dem Sessel saß, ihre Ellbogen auf die Knie gestützt, kam er fast in Verlegenheit, alle seine Pläne abzusagen und sie einfach, so wie sie ihr auf dem Fauteuil saß, zu nehmen. Er ermahnte sich selbst, genau diese Gedanken nicht weiterzuverfolgen sondern sie möglichst rasch aus der Wohnung zu bekommen, bevor der Punkt kommen würde, an dem der Alkohol die Entscheidungen seines Kopfes übernehmen würde. Das wollte er verhindern.

Doch einfach fiel es ihm nicht. Sie war schön, schöner als schön. Ihre Gesichtszüge makellos, ihre Augen beinahe geschlossen, ihr Kopf auf die aufgestützten Arme gesunken. Ihre Taille schmal.

Mit einem frischen Glas in der einen Hand und einem Glas Rotwein für Cuddy ging er allmählich wieder zurück zum Sofa. Ohne viele Worte zu sprechen setzte er sich hin und reichte ihr das Glas. Ihr Blick fing den seinen ein und mit dem Glas in der Hand setzte sie sich nun neben ihn auf das Sofa, sie berührten sich nicht. Sie saßen schweigend an zwei unterschiedlichen Seiten und starrten ins Feuer.

House war nicht bewusst, wie viele Minuten vergangen waren, sondern nur, dass sie allmählich näher an ihn gerutscht war oder war es er gewesen, der ihre Nähe gesucht hatte?

Ihre linke Hand befand sich plötzlich auf seinem Oberschenkel und sein Arm hatte seinen Weg um ihre Schulter gefunden.

„Lucas …“, sagte er fragend.

„Passt auf Rachel auf.“

„Weiß er …“

„Er muss nicht alles wissen,“ sagte sie und saß nach Vollendung des Satzes in seinem Schoß, griff nach seinem Glas und stellte es auf die neben der Couch stehenden Kiste.

„Wieso …“, wollte sie ihn fragen, als ihr Gesicht nur noch Millimeter von dem seinen entfernt war.

„Sprich nicht mehr“, flüsterte er und seine Lippen berührten vorsichtig die ihren. Er hatte immer noch die Angst, dass sie es sich anders überlegen würde, er würde es verstehen. Aber sie bewegte sich nicht weg von ich, eher das Gegenteil war der Fall. Ihre Hände griffen nach den seinen und legten sie um ihre Taille, ihre wanderte dann über seine Brust an seinen Kopf, strichen zärtlich durch sein Haar, ihr Mund verließ nie den seinen und der Kuss wurde intensiver, inniger, fordernder.

Unter Sekunden hatten ihre delikaten Finger sein Hemd aufgeknöpft und seine Hände hatten sie ihres Blazers entledigt, ihre Bluse bereits abgestreift und versuchten etwas ungeschickt die Hacken ihres BHs zu öffnen, bis sie ihn sanft darauf hinwies, dass der Verschluss vorne zu finden sei.

Es wurden keine weiteren Worte verschwendet, man versprach sich keine Liebe, versprach einem nicht den Rest des Lebens, sondern entkleidete sich rasch, berührte einander an all den richtigen Stellen, bis sie schließlich unter ihm auf der Couch lag, ihre Beine um seine Schultern gelegt und er in sie eindrang. Anfänglich bewegte er seine Hüfte langsam, wartend, bis sie sich an seine Größe gewöhnte hatte und blickte ihr die ganze Zeit tief in die Augen. Sie benötigten keine Worte. Schnell fanden sie den passenden Rhythmus – feurig, schnell, hart. Als sie kam, schrie sie keinen Namen sondern rief nur nach Gott und er tat es ihr gleich.

Kurz nach dem beide ihre Ekstase überwunden hatten, von den Höhen wieder auf den Boden der Realität zurückgekommen waren, zog sie sich an und verließ die Wohnung, ohne mit ihm zu sprechen, ohne Worte des Abschieds oder zu benennen, was gerade passiert war.

~*~

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About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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