Kabale und Liebe – Kapitel 3

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Kapitel 3

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Obwohl es vielleicht so schien, als hätte er in dieser Nacht all Glück der Welt gefunden, da sie ihren Weg zu ihm gefunden hatte, war sie es allerdings auch gewesen, die ohne ein Wort nach Hause zu Lucas gegangen war. 

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Am Morgen, bevor er in den Flieger stieg, kündigte House noch seinen Handy-Vertrag und überlegte, wie er Cuddy vermitteln könnte, dass das Gehen, ohne mit ihm über das, was passiert war, zu sprechen, ein sehr großer Fehler gewesen sei. Einer, den sie aber selbst erkennen sollte.

Er hinkte mit seinem Trolly an der Hand in Richtung Flugzeug und riskierte sogar einen Blick zurück, einen Blick in Erinnerung an die Menschen, die ihm stets am Herzen gelegen waren, auch wenn er sich dies natürlich niemals eingestehen konnte. Dass er Liebe für einen dieser Menschen empfand, wollte so und so ganz tief versteckt sein. Wenn man nichts offenbart, kann man nichts verlieren, nicht verletzte werden.

All dies würde er zurücklassen, wenn er nun in diesen Flieger steige, alle Bande brechen. Er hatte keinem gesagt, wo er wohne, keiner wusste wirklich, in welches Land es ginge.  Allerdings gestand er sich auch ein, dass es wahrscheinlich so sein, dass er niemandem abginge. Sein Aufenthalt in der Psychiatrie und die massenhaften Besuche, die er dort erhalten hatte, hatten ihn erkennen lassen, dass manche Leute nur so taten, als würden sie sich um ihn und seine Probleme kümmern. Wenn man mit ihnen beisammen war, erweckten sie den Eindruck, als wäre er wichtig für sie. Doch nutzten sie ihn in Wahrheit nur aus.

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Er hatte Dublin genauso in Erinnerung, wie es sich ihm nun präsentierte. Der Himmel war grau, die Luft mit Nässe gefüllt, es würde bald wieder regnen. Typisch für diese Jahreszeit. Grau in Grau. Als er den Flughafen verlassen hatte, dachte er sich, dass diese Luft, die er hier einatme, die erste Luft der Freiheit sei und niemand sich Gedanken machen würde, wo er sich gerade befände.

Doch was hatte er für diese Freiheit aufgegeben?

Er hatte immer noch das Gefühl ihre kleinen zarten Handy auf seiner Brust fühlen zu können, nur war mittlerweile diese lustvolle Erinnerung in einer schmerzhafte umgewandelt worden, mit dem Wissen, dass sie nach Hause zu Lucas gegangen war, sich neben ihn ins Bett gelegt hatte.

„Greg“, ertönte es von einer Hauseingangstüre. Er stieg zögernd aus dem Taxi aus, welches er genommen hatte und hinkte langsam zu einem schier unbekannt scheinenden Mann, der ihn nur zu gut zu kennen schien. Dies soll Oliver O’Donnel heute sein, fragte er sich? Er hatte eine typisch irische Laufbahn eingeschlagen wie es schien, nachdem seine Frau gestorben war. Brustkrebs vor sechs Jahren. Seine Haut war typisch rot verfärbt von zu viel Alkohol, er war übergewichtig – was man auf die vielen frittierten Gerichte des Landes zurückführen konnte. House würde nicht lügen, wenn er sagen würde, dass es ihn etwas vor seinem Gegenüber ekelte aber auf der anderen Seite hatte er diesem Mann zu verdanken, dass er ein Dach über dem Kopf hatte.

„Oliver“, antwortete House und versuchte freundlich zu wirken, verkrampft wie immer.

„Komm herein“, sprach der ihm Fremde und trat zur Seite. House stieg mit ihm eine Treppe zum ersten Stock hinauf, hinter ihnen trottete der Taxifahrer mit Houses Gepäck hinterher. Oben  angekommen, stand Gregory House in einem großen weißen Raum mit einem offenen Kamin und einer offenen Küche. Die Fenster reichten fast von der Decke zum Boden und er hatte einen Blick auf Dublin Castle. Ein wenig beeindruckt, auch wenn er es sich nicht eingestehen wollte, stand er am Fenster und blickte in die Ferne auf die gräuliche Steinwüste.

Es war die Gegend in der er schon einmal gewohnt hatte, beinahe, Temple Bar. Viele Erinnerungen aller Art, der Großteil verbunden mit einer Menge Alkohol, schwirrten ihm durch den Kopf.

Die Einrichtung war minimalistisch gehalten. Ein dunkelblaues Sofa, eine Anrichte, ein Tisch mit vier Stühlen, eine helle Holzküche. Als er weiter in Richtung Schlafzimmer ging, sah er auf der rechten Seite ein hellblau verfliestes Badezimmer, auf der linken ein kleines Büro und geradeaus war das Schlafzimmer – ein relativ großer Raum mit Erker, offenem Kamin, in die Wand versenkten Bücherregalen, die es galt zu füllen.

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In den folgenden Wochen arbeitete er sich langsam in den Universitätsbetrieb des Trinity Colleges ein, ernannte einen Assistenten und wunderte sich, dass es so einfach gewesen war einen Posten zu bekommen, hatte man ihn einst immerhin von der Universität als Student verwiesen, wegen einiger auffälliger Sachen, die er vollbracht hatte. Oder sollte man es angestellt nennen?

Hier bearbeitete er keine Rätsel mehr, überlegte nicht, wie er Studenten dazu bringen könnte, ihr Studium zu beenden. Nein, hier lehrte er sein altes Fachgebiet – Nephrologie, manch eine Vorlesung am Gebiet der Infektionskrankheiten.

Niemand schenkte ihm besondere Beachtung, immerhin strotzte diese Universität vor Menschen, die ausgezeichnet auf ihrem Gebiet waren. Hier war er einer von vielen, nicht Dr. Gregory House, vor dem die Krankenschwestern flüchteten, bei dem die Patienten sich fragten, wer dieser mysteriöse House, der niemals zu ihnen kam, sein könnte, und bei dem sich die Versicherungen freuten, wenn sie wieder einen Prozess gegen ihn anstreben konnten. Nein, dieser war er nicht mehr, dieser House war in den Vereinigten Staaten geblieben.

Nur ein Punkt, ein Punkt beschäftigte ihn immer noch. Er wollte der Frau psychischen Schmerz zufügen, die ihn so einfach verlassen hat, nachdem sie sich das genommen hat, was sie in diesem Moment gerade für richtig empfand. Er wollte sie leiden sehen, wollte sehen, dass etwas ihr genau so weh tun könnte, wie der Moment ihm Schmerzen zugefügt hatte, an dem sie die Türe hinter sich ins Schloss hatte fallen lassen. Es war eine Tortur gewesen, Folter.

Er hatte keinen Computer in seinem neuen Apartment, kein Internet. Die wenigen Notwendigkeiten, die er online erledigen musste, tat er im Spital. Nicht einmal eine aktuelle Email Adresse hatte er, nicht einmal nach vier Monaten. Auch sein Handy war eines mit Wertkarte, die Nummer hatte die Oberschwester und zwei Kollegen, die ihn anriefen, falls sie ihn wirklich benötigten. Aber ansonsten war er wie isoliert.

Zwar ging er abends weg, kostete er sich durch die unterschiedlichen Alkoholika, besuchte einmal Cork und Belfast aber ansonsten arbeitete er, schuf sich ein neues zu Hause ohne an das alte, bis auf Cuddy, viele Gedanken zu verschwenden.

Selbstverständlich gab es Tage, an denen ihm ihr nackter Körper nicht aus dem Sinn gehen wollte, an dem er sich an jeden Zentimeter und den Geruch der so perfekten Haut erinnerte, als hätte er sie in den frühen Morgenstunden zum letzten Mal gesehen, doch dann gestand er sich regelmäßig ein, dass es für ihn die beste Entscheidung gewesen war, all das hinter sich zu lassen. Er konnte sie nicht besitzen, konnte nicht täglich seine Hände um sie legen, an ihrem Hals nippen, ihre Lippen mit seiner Zunge berühren und wenn er dies nicht konnte, war er an dem Rest auch nicht interessiert.

In ihren Augen hatte er niemals genügend Verantwortung getragen und genau dies hatte er nun getan, er war gegangen, hatte alle Brücken hinter sich abgebrochen und ein neues Leben begonnen. Wenn er nur nicht immer an ihre blauen Augen denken müsste, die delikaten Finger, die sanften Lippen, ihr Geschmack.

Greg belog sich nicht selbst. Er brauchte Körperkontakt in regelmäßigen Abständen und in der Porterhouse Brauerei hatte er eine Dame kennengelernt, Anwältin von Beruf, mit der er sich nun regelmäßig traf. Beide suchten keine Beziehung sondern nur sexuelle Erfüllung. Sie war attraktiv aber ganz anders als Lisa es gewesen war.

Siân war Waliserin, hatte in London und Dublin studiert und vertrat große Firmen in Patentfragen und ähnlichen Angelegenheiten. Sie war fast so groß wie er, hatte blondes Haar, welches ihr fast bis zu den Hüften reichte und an all den richtigen Stellen Kurven. Cuddy war genau das Gegenteil. Siâns Brüste waren groß, aber nicht aus Plastik, wie die der Prostituierten die er in den USA hatte kommen lassen.  Ihre Hüften keineswegs schmal, sie hatte ihre Qualitäten – vor allem erinnerte sie ihn im Bett nicht an Cuddy und das war ihm das wichtigste.

Es gefiel ihr, wenn er grob und etwas roh mit ihr war, auch gegen etwaige Fesselspiele hatte sie nichts einzuwenden, sie ließ sich gerne von ihm dominieren. Aber auch umgekehrt, spielten sie das Spiel oft. In sexueller Hinsicht gab es keinerlei Tabus, dafür sprach man nicht über Beruf oder Privatleben. Man traf sich dienstags und freitags, hatte Sex, schließ manchmal bis in die Morgenstunden im selben Bett und ging ohne sich Sachen zu versprechen, die man nicht einhalten konnte oder wollte. Im Laufe der Wochen hatte er erfahren, dass sie zwei Kinder hatte, die bereits im Teenageralter waren, einer ging im County Donegal zur Schule und einer in London. Sie war geschieden und mochte die Musik von Queen.

Es interessierte ihn nicht, was ihre Lieblingsspeisen waren, welche Dessousmarke sie bevorzugte oder welche Partei sie wählte – bei Cuddy hatte er all dies gewusst und oftmals gegen sie genutzt.

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Wilson, was meinst du, er ist weg?“, fragte Cuddy den Onkologen ihres Spitals am Tag nachdem sie mit House in seiner Wohnung zwischen den Kisten Sex gehabt hatte. 

„Weg. Seine Kisten sind abgeholt worden, seine Wohnung aufgelöst. Sein Hausmeister meinte, er sei gegen 10 Uhr mit einem Taxi in Richtung Flughafen gefahren, mit fast keinem Gepäck.“

Wilson tat sich nicht schwer dabei, Lisas Gesichtsausdruck zu deuten. Schock. Wut. Ihre Augen ein wenig zusammengekniffen, ihre Lippen aufeinander gepresst zu einer dünnen Linie. 

„Was dachte er sich nur dabei?“

„Hast du nicht mit ihm gesprochen?“, frage Wilson nach und Cuddy blickte nur entsetzt zu ihm auf. Sie konnte ihm nicht sagen, dass sie mitsammen geschlafen hatten, dass es von ihr ausgegangen war. Sie gab ihm keine Antwort auf diese Frage, stellt lieber selbst eine: „Nachsendeadresse?“ 

„Keine vorhanden. Das habe ich auch gleich versucht herauszufinden. Seine Post geht an ein Postfach.“ 

Cuddy war wütend und ihre Wut steigerte sich mit jeder Minute. Wie konnte er ihr das antun? Wie konnte er einfach gehen, keine Adresse hinterlassen, keine Telefonnummer. Diese hatte sie schon probiert und hatte nur die Nachricht erhalten, dass dieser Anschluss nicht existiere. 

„Kein Wort? Brief? Email?“ 

„Nein, auch kein Email. Ich bekomme nur Fehlermeldungen von seiner Adresse zurück, dass diese nicht mehr existent sei“, versuchte Wilson ihr zu erklären.

Auch drei Monate später wusste sie nicht mehr als an dem Tag an dem er abgereist war. Sie hatte einen Privatdetektiv bezahlt um ihm nachzuspionieren aber auch dieser war nur bis zum Flughafen gekommen und nicht weiter, hatte ihr erklärt, dass es so schien als sei er nach Europa geflogen. Zeichneten die Behörden denn nicht ständig alle Daten auf, kontrollierten alles? 

Nichts. Lucas war während dieser Monate auch aus ihrem Leben verschwunden, hatte nicht einsehen wollen, wie sie dem Abgang von House – den er herbeigesehnt hatte – so viel Zeit schenken konnte. Zudem stellte sich nach zwei Monaten heraus, dass Gregory House ihr ein kleines Andenken an die gemeinsame Nacht hinterlassen hatte und es handelte sich nicht um HIV, einen Tripper oder Syphilis. Nein, ihre Periode war ausgeblieben und genau an diesem Tag wusste sie, dass es für Lucas Zeit war, ihr Leben zu verlassen. Gemeinsam hatten sie niemals ohne Verhütung geschlafen, stets war sie auf Nummer sicher gegangen und in der einen Nacht mit House, in dieser einen hatte sie auf all das verzichtet, was sonst ihr Leben so bestimmte. Kontrolle.

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Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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