Kabale und Liebe – Kapitel 4

huddy

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Kapitel 4

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Seitdem House von allen Tabletten weg war, sich nicht mehr mit diversen pharmazeutischen Mitteln aufrecht erhalten musste, erkannte er, dass er nicht nur sich selbst einen Gefallen getan hatte, die USA zu verlassen, sondern im Endeffekt auch Cuddy –  er hatte ihr somit die Chance gegeben, ihr eigenes Leben zu leben, ohne das er stets versuchte dieses zu zerstören. Zuvor hatte er ja alles dafür getan, dass sie ja niemals Glück fand, all ihre Dates boykottiert, Männer in ihrem schikaniert oder einfach dafür gesorgt,  dass sie ihn kennenlernten und somit nicht mehr anriefen. 

Es gab Momente in der Universitätsklinik, in denen er sich nach seinem Team sehnte. Momente in denen er hoffte, dass Cuddy gleich um die Ecke biegen würde, er ihre Absätze auf dem harten Spitalsboden bereits ihr Kommen ankündigen würde. Aber nichts dergleichen passierte.

Man hatte ihn dazu gebracht, einen Artikel in einem Fachmagazin zu veröffentlichen. Seine Kollegen hatten bei einer Geburtstagsfeier gewettet, 1000 Euro, dass er es nicht machen würde. Und gegen all seine Überzeugungen, seinen Aufenthaltsort nicht kundzutun, veröffentlichte er ihn, bekam das Geld und hoffte, dass es einfach niemals dazu kommen würde, dass Cuddy, Wilson oder jemand aus seinem ehemaligen Team diesen lesen würde. Die Zeitung niemals in Händen halten würde.

+++

„Siân ich kann Weihnachten nicht mit dir feiern“, konterte House. Er hatte stets gehofft, dass sie sich an die Spielregeln, die sie einst ausgemacht hatten, halten würde, aber dies war nicht der Fall. Sie war ihm näher gekommen, ohne dass er sich ihr hingegen näher fühlte. Für ihn war sie immer noch Mittel zum Zweck.

„Gregory, ich dachte, dass wir ….“

„Nein Siân! Ich dachte mir, dass wir uns einig wären. Wir haben eine sexuelle Beziehung, wir …“

„Für dich ist all das nur Sex?“

Genau auf diese Frage hatte er gewartet und er hatte gehofft, dass es die erste Frau wäre, die auch nur sexuellen Ausgleich suche, keine Bindungen wünsche und es sich auch nicht nach ein paar Monaten anders überlege. Doch genau das war passiert. Sie hatte es sich andersüberlegt,  hatte mehr investiert als House.

„Aber …“ Sie versuchte hartnäckig, ihn in etwas zu drängen, das er nicht bereit war zu geben. Ihm etwas zu nehmen, das er nicht hergeben wollte.  Eine Beziehung. Seine Freiheit. Sich selbst.

„Lass es doch das sein, was wir haben. Ich dachte, wir waren uns einig …“

„Gregory, die letzten Male …“

„Was? Ja, ich habe bei dir geschlafen, die ganze Nacht, weil ich müde war.“

„Aber ich dachte wir lie….“

„Sag es nicht, Siân“, forderte House und ging im Zimmer auf und ab. „Wir haben eine sexuelle Beziehung, waren uns einig, dass es nicht mehr und nicht weniger sei als die Befriedigung von Bedürfnissen. Ich dachte immer, dass du …“

„Am Anfang ja … aber …. Ich dachte … wir … ich meine du ….“

„Vielleicht sollten wir einfach dem Ganzen ein Ende setzen. Du und ich haben, wir wollten anfänglich dasselbe“; sagte er und zog sich seine Jeans über die schmalen Hüften, „und jetzt wollen wir unterschiedliche Sachen.“  Ohne sie anzusehen, begann er das Hemd zuzuknöpfen und griff nach seinen Socken.

„Mach es nicht schwieriger als es ist, Siân. Du hast genau gewusst, dass es mir um Sex geht und nichts anderes. Ich dachte, dir ginge es um dasselbe. Weihnachten ist ein Familienfest, du feierst es mit deinen Söhnen. Ich gehöre nicht zur Familie und will das auch gar nicht.

Es tat ihm im Herzen weh, auch wenn er es sich nicht eingestehen wollte, dass sie nun nackt, nur durch ein Lacken bedeckt, mit dem Rücken an den Kopfteil des Bettes gelehnt, weinte. Er wusste, dass sie eine schöne Frau war, auch in einem Moment wie diesem, in dem alle Vorhänge gefallen waren, alle Mauern durchbrochen. Ein Moment der Ehrlichkeit, des Gefühls.

+++

„Ja Wilson“, gab Cuddy zurück, „ich bin gut in Dublin angekommen.“

„War der Flug nicht zu anstrengend für dich?“

„Wilson, bitte. Ich bin vielleiht schwanger aber nicht krank oder debil. Ich möchte nur mit ihm sprechen, versuchen herauszufinden, wieso er gegangen ist.“

„Und Rachel?“

„Sie schläft“, erklärte Cuddy und reichte dem Taxifahrer die Adresse ihres Hotels, das Shelbourne am St. Stephens Green.

„Wilson, mach dir keine Sorgen. Mein Flug zurück geht in drei Tagen. Ich werde alles mit ihm klären und dann komme ich zurück. Wir waren uns doch einig, dass er wissen soll, dass er Vater wird. Und es scheint die einzige Möglichkeit zu sein, dass er mit mir spricht.“

Sie ließ ihre Hand auf ihrem gewölbten Bauch rasten. Auf der einen Seite war sie hoch erfreut gewesen, als sie erfahren hatte, dass sie schwanger sei, auf der anderen war es ein Schock gewesen. Es kam unerwartet, sie hatte nicht damit gerechnet, auf natürlichem Wege noch schwanger zu werden, daher hatte sie auf Verhütung in dieser einen Nacht auch keinen besonderen Wert gelegt obwohl sie sich nachher sagen musste, dass es ein Risiko gewesen war, immerhin hatte House immer wieder Kontakt mit Prostituierten.

Rachel war kein Säugling mehr, bekam mit, wenn ihre Mutter abgelenkt war, wenn ihre Gedanken sich wo anders befanden. Sie teilte es ihr auch mit. Fragte, ob es ihrer Mama gut gehe.

+++

Siân hatte ihn einige Male angerufen, in der Universität und war stets bei einer der Sekretärinnen gelandet, da er die Annahme ihrer Anrufe stets verweigerte. Er war auch nicht glücklich darüber gewesen, dass sie so weit in sein Leben vorgedrungen war. Gregory hatte eine Beziehung ohne Verpflichtungen gewollt und hatte gedacht, dass man sich darüber im Klaren war. Heute gestand  er sich ein, dass Frauen zu so etwas wahrscheinlich nicht im Stande waren.

Er ging langsam von der Universität ins Spital und dachte an den letzten Fall, den er hatte. Es war nichts Spektakuläres gewesen, nur ein Kind, ein zwei Monate alter Säugling. Er hatte den Kampf verloren und genau das war er nicht gewohnt. Normalerweise hatte er in Princeton gewonnen oder so wenig Kontakt zum Patienten gehabt, dass ihm diese tödlichen Ausgänge nicht nahe gingen.

Seit er von den Schmerzmitteln weg war, den Alkohol auf ein Minimum reduziert hatte, fühlte er anders, es kam ihm vor als würde er diverse Sachen, Vorgänge anderes wahrnehmen, intensiver. Früher war vieles an ihm vorbeigegangen, er hatte nur das Endresultat gewesen und Menschen verletzt, die ihm stets nahegestanden waren. Er hatte nicht auf deren Gefühle  geachtet, immer nur darauf, dass er im Vorteil war, dass er das bekam, was ihm wichtig erschien.

+++

Es regnete und war kalt. So hatte sie gehört, dass Irland sei. Dauerregen. Ungemütlich. Rachel saß in ihrem Buggy, durch eine Regenhülle von der Nässe getrennt. Sie selbst hatte einen Schirm dabei, doch das Schieben des Wagens und Halten des Schirms war gemeinsam eine unmögliche Aufgabe. So war ihr Haar bereits komplett nass, und grauer Wollmantel auch bereits gefährlich durchnässt, als sie am Trinity College ankam. In Princeton hatte sie nicht die Zeit gehabt, sich einen Mantel zu kaufen, den sie über ihren Bauch knöpfen konnte, so sah sie nun, für ihre stets gepflegten und perfekten, Verhältnisse, eigen aussehend da. Der Mantel nur an den obersten zwei Stellen zugeknöpft. Das Haar nass. Die Hose an den Stiefeln durchnässt.

„Guten Tag“, erklärte Cuddy nervös dem Portier der Universität. „Wo kann ich Gregory House finden?“

Er erklärte ihr den Weg. Lisa war nervös. Sie wusste nicht, was sie erwarten würde. Wäre er aggressiv, böse auf sie, wenn er sie sehen würde? Würde er sich freuen? Sie selbst wusste nicht, was sie im Moment empfand, woher sollte er es also wissen?

„Ich möchte gerne mit Gregory House sprechen“, erklärte sie einer Sekretärin.

„Wen soll ich anmelden?“

„Ich würde ihn gerne überraschen“, erklärte Cuddy und ließ Rachel aus ihrem Buggy steigen, zog selbst den Mantel aus. In dem Moment erkannte die ältere Dame hinter dem Schreibtisch mit einer gewissen Sicherheit, dass Cuddy schwanger war, da sie aufstand und ihr ein Handtuch reichte, aus einem Nebenzimmer, um sich die Haare trocken zu reiben.

„Danke“, antwortete sie und Rachel lief in den Räumlichkeiten auf und ab, lachte vor sich hin und machte diese niedlichen Babygeräusche, die Cuddy so an ihr liebte.

„Bleib hier Rachel“, ermahnte sie das Mädchen.

„Lassen sie sie doch, es stört hier doch niemanden. Kinder sind hier eine Seltenheit. Dr. House hat noch einen Patienten und eine Dame wartet bereits auf ihn,“ erklärte sie ihr, „aber wenn sie den Gang nach hinten gehen, ist sein Büro das zweite auf der linken Seite.“

Die Räumlichkeiten waren nicht modern sondern genau das, was man sich in einer alten Universität vorstellte, Steinwände, Holztüren, unbequeme Stühle im Wartebereich.

Ihr gegenüber saß eine blonde Frau mit langem Haar. Cuddy hatte den Mantel immer noch über den Kinderwagen gelegt. Sie trug an diesem Tag Jeans mit tiefsitzendem Bund und eine mittelblaue Schwangerschaftsbluse, die unter ihrer Brust mit einem Band zusammengezogen war. Ein Teil der Bluse war durch den Regen durchnässt und das kleine Wesen in ihr aktiver als jemals zu vor. Spürte es die Nervosität der Mutter?

Das Warten kam ihr schier unendlich vor. Sie hatte diese Tage gewählt, weil sie vor dem Weihnachtsfest mit all dem ins Reine kommen wollte, weil sie wissen wollte, wo sie und ihr ungeborenes Kind bei ihm stünden.

Rachel wollte auf ihrem Schoß sitzen und auch wieder nicht.

„Ja, wir werden gleich mit Gregory reden, meine Süße, gleich“, sprach sie sanft auf ihre Tochter ein.

Die blonde Frau beobachtete sie intensiv. Sie konnte kein Lächeln in ihrem Gesicht erkennen, keine Freude. Vielleicht war es eine Patientin, eine seiner Kolleginnen, eine Angehörige. Wer konnte dies wissen.

Cuddy war sich ihrer eigenen Gefühle nicht bewusst, obwohl sie die letzten Wochen damit verbracht hatte, in sich selbst hinein zuhören. Über eines war sie sich im Klaren, sie vermisste House, nicht nur erinnerte sie sich nur allzu gut an seinen warmen Körper, seine großen Hände und wie er sich in ihr anfühlte. Wie gut und perfekt es war mit ihm zu schlafen, hatte sie doch zuvor noch nie so intensiv einen Höhepunkt erlebt, vielleicht weil es ihr eigentlich verboten gewesen war, immerhin hatte zu Hause Lucas auf sie gewartet.

Plötzlich öffnete sich die Türe seines Büros. Ein älterer Mann trat heraus, bedankte sich bei House und schüttelte die Hand. Er hatte sich nicht verändert. Rasiert war er, sein Haar frisch geschnitten.

+++

„Siân, was willst du hier … Lisa?“ Sein Blick wanderte zu ihr, über ihren Körper doch bevor er etwas sagen konnte, war Rachel schon zu ihm gelaufen und umarmte seinen Fuß. Noch nie zuvor hatte das Mädchen ihm irgendeine Art von Zuneigung geschenkt, er ihr gegenüber auch nicht, verabscheute er Kinder doch. Er konnte aber nicht widerstehen und hob sie hoch, ihre Arme umschlossen, aus ihm unerklärbaren Gründen, seinen Hals.

Lisa und Siân standen beide nun da und sahen in an.

„Sie ist also der Grund wieso du Weihnachten …“

„Siân,  ich habe dir doch gesagt, dass das nicht das war, was ich wollte, von Anfang an nicht.“

„Weil du bereits eine Familie hast. Du Lügner! Du Betrüger!“, schrie sie ihn an, warf ihm einen Schlüssel vor die Füße und verließ den Gang, wo sie auf ihn gewartet hatte.

House und Cuddy standen sich nun stumm gegenüber, als hätte man beiden die Stimme geraubt. Ohne ein Wort zu sagen, trat er zurück und ließ sie den Kinderwagen in sein kleines, dunkles Büro schieben. Ihr Haar war immer noch feucht, ebenso ihre Bluse.

Neben dem Schreibtisch stand ein kleiner Radiator, dem wandte sie sich zu. Er saß, dass ihre Bluse nass war, bevor er wahrnahm, dass sich ihre Erscheinung geändert hatte. Sie trug keine hohen Schuhe sondern flache Stiefel. Ihre Bluse war nicht in die Hose gestreckt und eng anliegend sondern weit geschnitten und reichte bis zum obersten Drittel ihrer Oberschenkel. Sie war schwanger. Lisa Cuddy schwanger? Wieso hatte Wilson … Niemand hatte die Möglichkeit gehabt ihn vorzuwarnen.  Er ging zu einem Kasten auf der gegenüberliegenden Seite und entnahm diesem ein frisch gebügeltes Hemd auf einem Hänger und reichte es ihr. Rachel hatte er immer noch am Arm. Er konnte nicht lächeln, sie lächelte nicht. Nur Rachel hatte ihre Freude.

Ihm in die Augen blickend begann sie die Bluse aufzuknöpfen. Es war kein erotischer Akt, ihre Finger arbeiteten zwar langsam aber eher, weil ihr immer noch kalt war, wie es schien. Sie streifte die Bluse ab und er ließ seine Augen, er konnte nicht anders, über ihren Körper wandern. Sie hatte sich verändert. Ihr Spitzenbüstenhalter war einem einfachen schwarzen Baumwollenen gewichen. Gregory konnte die Adern am Brustansatz erkennen. Zudem hatte sie, soweit er es von diesem Blickwinkel her beurteilten konnte, mindestens zwei Körbchengrößen zugelegt. Nicht, dass es ihm missfiel. Die Haut an ihrem Bauch schien fast durchsichtig, so gespannt war sie. Er hatte nie viel für schwangere Frauen übrig gehabt, aber sie hatte etwas an sich, dieses Leuchten ihrer Augen, ihrer Haut und diese vermehrte Weiblichkeit.

„Wie weit bist du?“, fragte er zögernd, als sie das Hemd vom Hänger nahm und es begann anzuziehen.

„Anfang siebentes Monat.“

Alle Räder in seinem Hirn begannen sich zu drehen. War es denn möglich, dass dieses Geschöpf in ihr das seine sei? War es möglich, dass diese eine Nacht zu diesem Wunder geführt hatte? Er erinnerte zu gut an die Zeit, in der sie nichts anderes wollte, als ein eigenes Kind und es nicht funktionieren wollte, ihr Körper sie immer wieder hat wissen lassen, dass es nicht sein sollte.

Konnte es sein, dass Lisa und er ein Kind haben sollten? Oder war sie nur hier um ihn zu bestrafen, um ihn wissen zu lassen, dass er nicht mehr gebrauch werde? War sie nur auf der Durchreise? War sie vielleicht mit Lucas in Dublin? Wieso war sie überhaupt in Dublin? Wie hatte sie ihn gefunden?

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About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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