I fucked up

A/N: Lyrics by Madonna

caskett_by_slaveformusic-d5gxm3n - Bearbeitet

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I fucked up
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Manchmal wäre es besser gewesen, ihm kein Lächeln in den letzten Wochen zuzuwerfen, dachte sich Kate, als sie ihn von der Kaffeemaschine aus beobachtete. An jede einzelne Sekunde konnte sie sich erinnern, als die Kugel sich durch ihre Uniform bohrte, ihren Brustkorb durchschlug und in ihrem Inneresten stecken blieb. Sie sah ihn noch vor sich, jede einzelne Nacht, wenn sie ihre Augen schloss und das Szenario wieder durchspielte. 

Wieder einmal lag sie in ihrem neuen Bett, sehnte sich nach Rick Castle, der wahrscheinlich gerade einen behaglichen Abend mit seiner Tochter brauchte. Gerade erst hatte sie ihm gestanden, dass eine Therapie eine gute, sinnvolle Sache sein kann, dass sie jetzt dort sei, wo sie sein wollte. Dass sie sich nun an einem Ort befand, wo sie alles akzeptieren konnte, wirklich alles. Die Wände, die sie um sich seit dem Mord an ihrer Mutter aufgebaut hatte, langsam zusammenbrachen, sie wieder freigaben.

Wieso hatte sie dies nur getan?

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I fucked up

I made a mistake

Nobody does it better than myself

I’m sorry

I’m not afraid to say

I wish I could take you back but I can’t 

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Immer wenn sie einen Schritt in die richtige Richtung machte, sie der Lösung näher kam, stellte sich ihre ein neues Hindernis in den Weg. Auch wenn sie sich endlich eingestanden hatte, dass sie sich ein Leben ohne Castle nicht mehr vorstellen konnte, musste sie sich sagen, dass er wahrscheinlich nicht ewig warten würde, bis sie sich in der Lage fühlen könnte, eine Beziehung einzugehen. Mit ihm. Castle.

Ihre Wunde war schön verheilt. Über die Jahre hatte sie ihr Haar wachsen lassen. Es schien ihm besser zu gefallen. Irgendwann hatten sich bereits ihre Lippen berührt, ihre Hand hatte die seine umfasst. Immer wieder waren sie auf einander angewesen gewesen, waren in Situationen geraten, die ungewöhnlich kompliziert waren und doch hatten sie alles – gemeinsam – durchgestanden.

Und trotzdem muss man sagen, dass alles komplizierter geworden war.

Auf der einen Seite, war es Castle, der sie immer wieder zum Lachen brachte, der sie verzauberte. Auf der anderen Seite, war sie es, die ihn immer wieder wegstieß, ihn wissen ließ, dass sie nicht bereit war und trotzdem eifersüchtig reagierte, wenn er mit einer anderen Frau unterwegs war.

Kurzzeitig hatte sie an diesem heutigen Tag ihr Leben Revue passieren gesehen und es waren lediglich Szenen gewesen, in denen Castle vorgenommen war, seine Stimme war es gewesen, die sie gehört hatte, keine andere. Niemanden sonst. Mit einer Hand hatte sie sich kaum noch halten können. Ihre Finger waren langsam von der Fassade geglitten. Langsam, alles schien zu Ende zu gehen und sie konnte nur an Rick denken. Einmal war es ihr egal, wer der Mörder ihrer Mutter war und dass der Mann davon gekommen war, der sie in diese Situation gebracht hatte.

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If I didn’t, you’d be here

If I didn’t fight back, I’d have no fear

If I took another path, things would be so different

But they’re not

I coulda just keep my big mouth closed

I coulda just done what I was told

Maybe I shoulda turned silver into gold

But in front of you, I was cold

I fucked up

I made a mistake

Nobody does it better than myself 

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Dieses Mal war sie bei vollem Bewusstsein gewesen, als er ihr gesagt hatte, dass er sie liebe und deswegen all dies gemacht habe, all das auf das sie Böse war, das sie nicht zu verstehen schien. Anfänglich.

Doch als sie im Regen auf der Schaukel saß, all die Jahre wieder vor ihrem geistigen Auge sah, und wusste, wo sie in diesem Moment eigentlich sein sollte – bei einer Abschlussfeier, Alexis Rede lauschend. Und jetzt saß sie hier, im Regen, vollkommen durchnässt, ohne ihre Marke, ohne Waffe. Und doch schien ihr ihr beruflicher Werdegang vollkommen egal zu sein. Es berührte sie nicht. Da sie stets nur an Castle denken konnte, an ihn und seine Worte.

Irgendwann hatte sie der Mut gepackt und sie wollte ihn anrufen. Zweimal hatte sie bereits ihr Iphone in Händen gehalten und ihn beinahe angerufen, lange Zeit war er bereits auf ihrer Shortcut-leiste. Zweimal hatte sie das Handy wieder in ihre Hosentasche gleiten lassen. Erst als sie das Blitzschauspiel betrachtete, welches sich über ihr abspielte, war ihr klar geworden, dass es so nicht weitergehen konnte. Kate war aufgestanden und ging eine halbe Stunde durch den Regen, quer durch New York. Sie merkte die Feuchtigkeit kaum noch, die sich wie eine Hülle über ihren Körper legte und ihn mehr und mehr abkühlen ließ. Sie merkte nicht, wie ihre Hände zitterten, ihre Lippen blau wurden und ihre Zähne aufeinanderschlugen. Nichts davon. Einen Fuß setzte sie vor den anderen, durchschritt die Eingangshalle seines Wohnhauses, ohne den Portier zu beachten, nahm die Treppe. Erst als sie stehen blieb, abläutete und wartete, wurde ihr bewusst, wie schwach sie war. Wie unterkühlt.

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I’m sorry

I am not afraid to say

I wish I could take it back but I cant’t

I thought we had it all

You brought out the best in me

And somehow I destroyed the perfect dream

I thought we were indestructible

I never imagined we could fall

You wanna know how to make God lough

Tell him your plans 

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Einige Momente vergingen, bis Castle ihr die Türe öffnete.

Ricks Gesicht wirkte ernst. Blicke wurden ausgetauscht. Sie versuchte zu lächeln. Es viel ihr schwer.

„Was willst du Beckett?“, fragte er, ohne eine Miene zu verziehen.

„Dich …“, sagte sie, schritt auf ihn zu und sackte in seinen Armen zusammen.

Die letzten Tage warne zu viel für sie gewesen, psychisch und physisch. Rick hatte die Arme um ihren beinahe leblosen Körper geschlossen und erst in diesem Moment war er in der Lage zu bemerken, dass nicht nur ihr Haar nass war sondern ihre Kleidung komplett durchnässt war, tropfte, ihre Haut kalt, ihre Lippen leicht bläulich.

Trotz seines Ärgers trug er sie zuerst auf die Couch, wo er die Lederjacke von ihren Schultern strich. Dauerte es Sekunden oder Minuten, das wusste er nicht mehr, bis er auch die Schuhe entfernt hatte und sie in sein Bett trug. Ihr die Kleider abstreifte, sie in seinen warmen Bademantel hüllte und unter die Decke legte. Einige Momente hatte er gehadert, als sie in der schwarzen Unterwäsche vor ihm lag. Der Versuch wehzusehen gelang kaum, so sehr sehnte er sich nach ihr und ihrem Körper, auch wenn dies der falsche Moment war.

Trotzdem lag sie nun nackt vor ihm. So wie Gott sie geschaffen hatte. Ihre mädchenhafte Brust, ihr flacher trainierter Bauch mit dem bisher noch nie gesehenen Nabelring, die stets verhüllte Scham. Ihr Haar war feucht und sie wirkte so unschuldig. Wäre da nicht die Narbe an ihrer Brust.

Sanft, legte er die Decke über sie, packte sie ein, damit sie nicht weiterhin fror. Irgendwann, nach all den Minuten, in denen er den schlafenden Körper einfach angestarrt hatte, legte er sich neben ihr. Die nasse Kleidung am Boden hatte er vergessen.

Sie war zu ihm gekommen. Sie zu ihm. Nun war sie vielleicht bereit zu, alles zu riskieren, das sie gemeinsam aufgebaut hatten.

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Irgendwann wachte sie auf. Sie hörte Stimmen. Wage konnte sie sich daran erinnern, dass sie in ihrem Taumel zu Castle gegangen war. Wage. Die Stimmen wurden lauter und leiser. Und hier lag sie nun. Ihr Kopf dröhnte, ihre Gliedmaßen schmerzten. Sobald sie sich zu bewegen versuchte, durchzog ihren Körper ein Stich.

So schloss sie die Augen wieder, blieb starr liegen.

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We coulda bought a house with a swimming pool

Fill it up with warmers, it would be so cool

Coulda gone by the stallions in the country side

With a pack of Great Danes, racing eye to eye.

We could toured the world in a private jet

Run naked on the beach all soaking wet 

We coulda climbed the mountains in a perfect sunlight

Written our names across the sky. 

We coulda gotten drunk and driven on the Autobahn

We coulda got ourselves arrested in Sal de Mar

We coulda lived life crazy ’til the day we die

Instead I made you cry

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Ein traumloser Schlaf war über sie gekommen. Irgendwann spürte sie eine Hand auf sich, die sie zu wecken versuchte.

„Kate“, sagte eine Frauenstimme zu ihr und als sie ihre Augen öffnete, sah sie Castles Mutter, Martha, an ihrem Bett sitzen mit einer Schale. Diese dampfte heftig.

Vorsichtig setzte sich Kate etwas auf und ein weiterer Schmerz durchfuhr ihren Körper. Auf der einen Seite war es ein wichtiger Schritt für sie gewesen, zu Castle zu gehen, ihm endlich zu sagen, was sie empfand. Auf der anderen genierte sie sich für die Situation, in er sie sich gerade befand.

„Kate“, wiederholte sie. „Setzen sie sich auf“, forderte die ältere Dame sie auf, stellte die Schüssel am Nachtisch ab und half ihr, legte ein weiteres Kissen hinter ihren Rücken. „Sie müssen verrückt gewesen sein, bei diesem Regen den ganzen Weg von ihrer Wohnung zu Rick zu Fuß zu gehen.“

Die junge Frau antwortete nicht. Aus Unsicherheit. Was sollte sie seiner Mutter sagen? Kate hatte die Hände unter der Decke vergraben, fror sie doch immer noch. Wortlos fütterte Martha ihr die warme Suppe, während Alexis sich im Wohnzimmer mit ihrem Vater zu unterhalten schien.

Kurz bevor Martha aufstand um zu gehen, strich sie sich eine ihrer kunstvoll gestalteten Locken hinters Ohr und sagte: „Irgendwann müsst ihr darüber sprechen, was ihr für einander fühlt.“

Martha hatte nicht auf ihre Antwort gewartet sondern das Zimmer einfach verlassen, die Türe hinter sich geschlossen. Natürlich hatte sie Recht, das wusste Kate nur zu gut. Doch war sie im Moment nicht in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen.

Sie rollte wieder in die vorherige Position, zog den Bettüberwurf weiter über sich, rollte sich ein und schloss die Augen. Sie lag in seinem Bett und konnte sich nicht erinnern, dass sie sich selbst ausgezogen hatte. Andererseits trug sie einen Bademantel und schien darunter nackt zu sein. Wer hatte sie dann ausgezogen? Wie war sie in diese Situation gekommen.

Das Einzige, an was sie sich erinnern konnte, war, dass sie sich selbst gesagt hatte, mehrmals seitdem sie das Revier verlassen hatte, dass sie nichts mehr zu verlieren hatte. Alles oder Nichts. So hatte sie sich durch den Regen auf den Weg gemacht. Wollte ihm alles sagen. Alles. Wollte in seinen Armen liegen, in diesen wieder aufwachen. Jeder Teil ihres Körpers sehnte sich nach seinen Berührungen. Nicht erst seit gestern. Dieses Verlangen trug sie schon lange in sich. Jahre.

Und nun lag sie hier in seinem Bett, alles roch nach ihm. Vorsichtig versuchte sie sich abermals aufzusetzen. Sie musste mit ihm sprechen, ihm alles sagen. Doch in dem Moment, als sie versuchte, die Beine über die Bettkante zu schieben, durchfuhr sie wieder ein Schmerz, ein Stich, den sie von der Zehenspitze bis in die Wurzeln ihrer Haare spüren konnte. Deswegen zog sie ihre Beine wieder an und blieb zusammengerollt liegen.

Ihr war kalt und heiß zur gleichen Zeit. Schweiß schien sich auf ihrer Stirn zu bilden.

Minuten war sie an dem kleinen Vorsprung des Hochhauses gehängt und alles, alles schien zu Ende zu gehen. Der Scharfschütze war geflohen und niemand schien zu wissen, wo sie war. Der einzige Gedanke, das einzige Bild, welches sie vor sich sah, war Ricks Gesicht gewesen. Er würde sie retten, wie schon so oft. Doch als man sie hochzog, musste sie erkennen, dass der Mann, der, der die größte Herausforderung in ihrem Leben darstellte, nicht mehr an ihrer Seite war, sich entfernt hatte. Doch hatte nicht er sich von ihr entfernt, nein, weggeschoben hatte sie ihn, mit beiden Händen, um ihn möglichst schnell aus ihrem Leben zu entfernen.

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I fucked up

I made a mistake

Nobody does it better than myself

I’m sorry

Je suis désolé

I wish I could take you back but I can’t

I fucked up

I made a mistake

Nobody does it better than myself

I’m sorry

I’m not ashamed to say

I wish I could have you back maybe one day or not

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Irgendwann schien sich die Türe wieder zu öffnen, Kate spürte nur den kühlen Luftzug an ihren abgedeckten Beinen. Ihre Augen öffneten sich kurz und sie erkannte Alexis, die mit einem Glas Wasser und Tabletten in der Türe stand.

„Ms. Backett, Sie scheinen …“

„Kate …“, sagte sie nur kurz.

„Kate, du scheinst Fieber zu haben. Hier“, sie reichte ihr eine Tablette und danach das Glas Wasser. „Es wird sicherlich helfen.“

„Rick …“

Auf Alexis Gesicht bildete sich ein vorsichtiges Lächeln. Ihr Vater hatte nur kurz erwähnt, dass sie vollkommen durchnässt vor seiner Türe gestanden war und dann zusammengebrochen sei, ein Wieso oder Warum wurde nicht erwähnt. Als sie die bereits trockene Kleidung im Trockner fand, diese zusammenlegte, hatte sie auch nicht nachgefragt, wieso hier Unterwäsche dabei wäre. Irgendwann würde nämlich der Zeitpunkt kommen, an dem er ihr sagen würde, vielleicht, was vorgefallen war. Aber jetzt lag die dunkelhaarige Frau in seinem Bett, zitterte.

„Wie war deine Rede?“, fragte sie dann noch, die Augen bereits halb geschlossen.“

„Ich glaube ein Erfolg“, antwortete sie und zog aus dem Kasten eine wollene Decke heraus, legte sie über die fiebrige Frau.

„Dad ist bald wieder da“, sagte sie noch in ruhigen Worten, bevor sie den Raum verließ und Kate abermals ihrem traumlosen Schlaf überließ.

Natürlich hatte sie mit ihrer Großmutter darüber gesprochen, doch diese wusste genauso wenig, wie sie. Irgendwann gegen vier Uhr in der Früh war sie nachhause gekommen, hatte nur die nasse Lederjacke am Boden liegen gesehen und sie in den Wirtschaftstraum getragen und aufgehängt, verwundert darüber, wessen Jacke das bloß war. Zuvor hatte ihr Vater am Nachmittag Andeutungen gemacht, dass die berufliche Beziehung zwischen ihm und der Polizei ein Ende gefunden habe, ohne es direkt anzusprechen. Martha hätte eigentlich in den Hamptons sein sollen, doch hatte sie sich kurzerhand dagegen entschieden und war auch irgendwann Nächtens nachhause gekommen.

+++

Das erste Mal in seinem Bett aufzuwachen, hatte sie sich anders vorgestellt, ganz anders. Eine leidenschaftliche Nacht hätte zuvor sein gemeinsames Ende gefunden, dann hätte er ihr Frühstück ans Bett gebracht und sie nicht in einem Bademantel unter drei Decken vorgefunden, mit Schweißperlen an der Stirn und zitternden Gliedmaßen.

Martha war da gewesen, Alexis irgendwann, doch stellte sich ihr die Frage, wo Rick selbst gewesen war an diesem Tag.

Wie lange sie geschlafen hatte, daran konnte sie sich nicht erinnern, nur sah sie, dass es schon wieder dunkel war, wenn sie aus dem Fenster blickte. Vorsichtig schon sie ihre Beine über die Bettkante und setzte sich auf. Ein bisschen drehte sich alles um sie herum. Allmählich stand sie auf und ging zur Schlafzimmertüre. Was sollte sie nur sagen, wenn sie jetzt das Wohnzimmer betrat? Sicherheitshalber knotete sie ihren Bademantel neu, bevor sie die Türe aufschob.

Auf den ersten Blick schien die Wohnung leer zu sein. Dann erst erkannte sie das Licht, welches im Arbeitszimmer brannte.

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Eingehüllt in den warmen, flauschigen Bademantel stand sie nun in seiner Türe. Ihre Hände zitterten.

Es benötigte nicht vieler Worte, um ihre Anwesenheit kundzutun.

„Beckett …“

„Castle …“

„Was willst du?“, fragte er sie. „Was solltest du letzte Nacht?“

Ihr Haar war nicht frisch gewaschen. Natürlich hatte sie sich nach einer Dusche gesehnt, bevor sie ihm begegnen würde. Doch alles war im Endeffekt anders gekommen als erhofft. Sie war unsicher, was er fühlte, kein einziges Mal hatte er sie während dieses Tages am Bett besucht, da waren nur Alexis und Martha gewesen.

Langsamen Schrittes bewegte sich Kate zu ihm hin, der gerade in seinem Schreibtischsessel saß, den Laptop am Tisch stehend und schrieb. Vorsichtig, mit kleinen Schritten. An den Schreibtischgelehnt blieb Kate stehen. Ihr Haar hatte sie in einen flüchtigen Zopf zusammengebunden, als sie aufgestanden war.

Erst jetzt fiel ihr die leise Musik auf, die im Hintergrund lief. Jazz. Wie es schien eine Schallplatte.

„Was wolltest du?“, wiederholte Rick und blickte ihr in die Augen. So tief, als könnte er in ihre Seele sehen und doch war er unsicher, was er von all dem halten sollte, was in den letzten zwei Tagen passiert war.

Vorsichtig bückte sich Kate zu ihm, so dass ihre Nase beinahe die seine berühren konnte.

„Dich“, flüsterte sie noch, bevor ihre Lippen vorsichtig die seinen berührten. Es war nicht das erste Mal, aber dieses Mal war sie es, die diesen Kontakt forderte. Verlangte.  Sie sehnte sich nach seiner Berührung, einem Kontakt. Doch seine Hand legte sich nicht auf ihr Kinn, wie erwartet. Im Gegensatz, drückte er sie vorsichtig von sich weg und sah sie nur an.

„Was ist passiert?“, fragte er, bereits die Antwort wissend. Kollegen vom Revier hatten ihn bereits angerufen, ihm mitgeteilt, dass Kate gekündigt hatte. Die Chefin wollte sie nur suspendieren, zur Strafe, weil sie wieder einmal keine Verstärkung geholt, wieder einmal alle Regeln gebrochen hatte, die es zu brechen gab.

„Er ist geflüchtet und es war mir egal“, antwortete sie leise. „Ich bin beinahe gestorben, konnte aber stets nur an dich denken ….“

Es war ihr nicht mehr möglich den Satz zu beenden, da hatte er seine Hand bereits um ihren Hinterkopf gelegt, sie zu sich gezogen.

Innerhalb weniger Sekunden berührten sich ihre Lippen, seine Hand glitt in den Bademantel und berührte ihre warme Haut.

Als Rick sie entkleidet, waren ihre Augen geschlossen und er erinnerte sich an den Moment, als er sie aus den nassen Kleidungsstücken befreit hatte. Er erinnerte sich an jeden einzelnen Millimeter ihres Körpers. Genau hatte er sich alles eingeprägt. Jedes Muttermal. Jede kleine Narbe. Und das Tattoo. Drei Sterne an ihrer Leiste. Einer trug die Initialen ihrer Mutter. Unwissende würden über die Buchstaben hinwegsehen.

Erst als sie ihre Augen wieder öffnete, erkannte sie, dass er nicht aus Spaß in seinem Arbeitszimmer saß, genau der Gegensatz schien der Fall zu sein – auf seinem großen Monitor befand sich eine Mindmap mit all den möglichen Tätern, auf die sie im Laufe des letzten Jahres gekommen waren. Ebenso befand sich ihre Mutter auf dem Board. Er hatte an dem Fall gearbeitet, den es in ihren Augen nicht mehr gab. Sie hatte ihren Job aufgegeben. Den Fall aufgegeben. Ihren Lebensinhalt der letzten 15 Jahre hinter sich gebracht.

Vorsichtig berührten seine Finger ihr Gesicht, immer noch saß er in seinem bequemen Sessel und zog sie an sich. Wenig später saß sie auf seinem Schoß, links und rechts ein Bein, der Bademantel hing lose von ihren Schultern und seine Finger glitten weiter über ihren Körper. Vorsichtig. Sanft.

Diesen Moment hatten beide jahrelang herbeigesehnt und nun war er endlich da. Jahrelang hatten sie Anspielungen gemacht, einander berührt, sogar geküsst und Eifersucht hatte stets eine wichtige Rolle gespielt. Sobald ein neuer Partner im Spiel war, war die Situation angespannt, kochte.  Einige Male stand Partnerschaft und Freundschaft auf dem Spiel, unter anderem, als er sich nicht aus den Hamptons zurückmeldete, wo er mit einer seiner Exfrauen den Sommer verbrachte. Was Kate zu diesem Zeitpunkt nicht wissen konnte war, dass Rick kein großes Interesse an seiner Exfrau hatte, sie war ein netter Zeitvertreib gewesen und für Alexis nicht unwichtig. Hätte er gewusst, dass Kate so reagieren würde, wie sie es getan hatte – das ständige Starren auf seinen Stuhl, das Warten auf einen Anruf …  – hätte er sich vielleicht früher zurückgemeldet.

Castles Hände streiften den Bademantel nicht komplett ab, sondern tanzten darunter über ihre warme, zarte Haut. Enger zog er sie an sich, sodass sie auf dem Sessel kniete. Das langsame Vorantasten war nun vorbei. Seine Finger hatten den so sensiblen Platz zwischen ihren Beinen gefunden und war in sie eingedrungen. Kates Kopf war nun in den Nacken gelegt und ihre Hände lagen für einige Momente auf seinen Schultern, bevor sie innerhalb von Sekunden seine Hosen geöffnet hatte, sich selbst wieder in Position gebracht hatte und vorsichtig und für Rick zu langem hinabsank. Zentimeter um Zentimeter drang er auf diese Art und Weise in sie ein. Schmerzhaft auf der einen Seite, zu erotisch auf der anderen. Einige Monate waren vergangen, seitdem sie mit einem Mann zusammen gewesen war, viele Monate. Keiner hatte ihrer Ansprüchen genüge getan, seitdem sie angeschossen worden war.

An ihrem Gesichtsausdruck erkannte Castle, wie angespannt wie war. Vorsichtig platzierte er seine Lippen neben ihrem Ohr, ließ sie über ihren Hals an ihr Schlüsselbein gleiten. Doch als sie sich allmählich entspannte, stand er auf, mit einem Arm schob er alles auf seinem Schreibtisch zu Seite, platzierte sie sie auf der großen Tischplatte und blickte Kate tief in ihre wunderbaren und großen Augen.

Und dann war das langsame Vorspiel endgültig vorbei. Die zuvor sanften und zögerlichen Bewegungen waren vorbei, einmal zog er sich vorsichtig zurück, bevor sich ihr Mund öffnete und sie kurz davor war, etwas zu sagen. In genau diesem Moment wurde es leidenschaftlich, schnell, hart und vor allem wurden all die aufgestauten Energien freigesetzt, die sie in den letzten Jahren aufgebaut hatten.

Keiner dachte daran, dass Alexis oder Martha jede Sekunde im Wohnzimmer stehen könnte. Jeden Moment und dann läge Kate nackt auf seinem Schreibtisch und er würde mit hinabgelassener Hose zwischen ihren Beinen stehen und wäre dabei, in sie einzudringen. Doch vielleicht war es genau diese Unwissenheit, die den Akt der beiden noch intensiver machte.

„Mehr …“, stöhnte Kate.

Und dies trieb Castle nur noch an. Seine Bewegungen wurden verzweifelter. Verzweifelter nach der Suche nach Erlösung. Er hatte alles, was er seit Jahren begehrte unter sich liegen.  Schweiß hatte sich auf ihrer Brust gebildet. An ihren Augen las er ab, dass sie kurz davor war, zu kommen. Er machte es richtig. Er blickte ihr in die Augen, hob ihre trainierten Beine an, legte sie auf seine Brust, sodass ihm möglich war, noch tiefer in sie einzudringen, als er in einem raschen Moment auf den Schreibtisch stieg und zwei letzte Male tief in sie eindrang. Zweimal waren genug um sie zum Höhepunkt zu bringen. Wenig später war es bei ihm auch so weit.

„Kate …“, flüsterte er gegen ihr Ohr. „Kate … das war …“

„Unglaublich“, vervollständigte sie seinen Satz, bevor ihre Lippen die seinen fanden. „Unglaublich.“

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An diesem Tag kamen Martha und Alexis erst am späten Abend nachhause. Inzwischen hatte Kate geduscht, sich angekleidet und mit Castle gegessen. Außerdem war sie nachhause gefahren, da sie kein Interesse hatte, in eine unangenehme Situation zu geraten.

Ausgemacht hatten sie, dass Castle am Abend zu ihr kommen würde. Natürlich würde es nicht lange dauern, bis Martha und Alexis bemerkt hätten, dass Rick weniger zuhause war als sonst. Doch waren sie beide noch nicht so weit, es der ganzen Welt kundzutun. Ein paar Wochen wollten sie für sich haben, abwarten ob es überhaupt funktionieren würde – auch wenn diese Angst niemand aussprach. Ein Geheimnis hatte seine Vorteile. Es war dieser Thrill, es in der Öffentlichkeit nicht zu zeigen, nur einzelne Blicke sprechen zu lassen. Doch genau das war es, das gefiel. Sie liebten das Spiel mit ihren Mitmenschen, sie spielten es seit Jahren.

+++

Ende

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About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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