Dancing Queen – Kapitel 13

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Kapitel 13

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Lanie stand abermals vor Kates Wohnungstüre, verwundert über ihren späten Anruf, der sie beinahe aus dem Bett geholt hatte. Beinahe aber nur. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass sie sie bitten würde, noch zu ihr zu kommen.

Sie klopfte und die Türe wurde ihr geöffnet. Die junge Polizistin sah nervös aus, nervös und aufgekratzt.

Seitdem Castle ihr da Angebot unterbreitet hatte, mit ihm gemeinsam eine Wohnung oder ein Haus zu beziehen, war nicht einmal eine Woche vergangen.

„Lanie“, sagte Kate und erwiderte die freudige Umarmung, „danke, dass du so schnell Zeit hattest. Ich glaube, ich ….“

„Tief durchatmen, mein Liebes“, antwortete die Ärztin lediglich, streifte die Jacke ab und ging in Richtung Kühlschrank, wo sie auch schon das Objekt der Entrüstung liegen sah. Einen Stapel Papiere, in Spiralbindung. Lanie blieb angewurzelt davor stehen und warf Kate einen entsprechenden Blick zu.

„Er ist einfach verrückt, Lanie“, erklärte sie und schüttelte den Kopf.

Seit Tagen ging es Kate wirklich gut. Kein Übelkeit, eher das Gegenteil war der Fall, ihr Appetit war zurück. Zwar hatte sie zu entkoffeinierten Kaffee gewechselt, doch schien sich ihr Körper allmählich an die Schwangerschaft und die dazugehörenden Veränderungen zu gewöhnen.

„Wie  meinst du das?“

„Er möchte, dass wir zusammenziehen … in diese Wohnung!“, erklärte sie entrüstet. „Schau dir das an! Er ist unmöglich!“

Lanie blätterte das Booklet durch, erkannte den Umfang der Wohnung. Es war nicht nur eine Wohnung, es war ein Haus. Lanies Blick war immer noch fragend.

„Rick hat sie vorher vorbei gebracht und meinte, dass dieses Objekt ideal für uns wäre. Der Preis wäre noch verhandelbar und ich solle mir keine Sorgen machen.“

„So stopp Liebes. Ihr zwei zieht zusammen?“, fragte Lanie und ihre Augenbrauen zogen sich zusammen, ihren Kopf neigte sie etwas zur Seite.

„Es war eine von Ricks Ideen. Nachdem ich ihm gesagt habe, letzten Samstag, dass wir ein Baby erwarten, meinte er, dass dieses eine Familie verdient habe und wir zusammenziehen sollten – jeder habe sein eigenes Schlafzimmer, seine eigenen Bereiche aber das Baby würde uns beide haben.“

„Eine tolle Idee …“

„Lanie … wie soll das funktionieren? Er wird Frauen …“

„Du hast ihn sicherlich darauf hingewiesen?“

„Ja … er meinte nur, dass das nicht passieren würde …“, antwortete Kate leise. Eine Hand rastete auf der Wölbung ihres Bauches, die andere eben über dieser. „Ich weiß nicht, was ich machen soll. Hast du dir diese Pläne angesehen? Lanie … das sind knapp 300 Quadratmeter Grundfläche, also pro Etage und das Haus hat zwei Stockwerke, in denen Geschäfte untergebracht sind und dann vier Stockwerke Wohnraum und eine große Dachterrasse.“

Lanie war sich nicht sicher, was sie entgegnen sollte. Oder überhaupt antworten. Sie war verwundert, dass Kate es in Erwägung zog, nach all dem was sie von der einen Nacht erzählt hatte, mit diesem Mann zusammenzuziehen oder besser gesagt, dass Rick es ihr nach ihrer Flucht überhaupt angeboten hatte. Kate hatte einen Fehler nach dem anderen gemacht, war in jedes Fettnäpfchen getreten und er? Rick war der Gentleman, bot ihr Familie und Sicherheiten, Rückhalt, Hilfe und alles nur Gotterdenkliche an.“

Lanie machte den Plan an den Markierungen auf. Rick hatte bereits einen Vorschlag bezüglich der Wohnraumaufteilung markiert. Er würde in der dritten Etage seine Räumlichkeiten haben, wo auch Alexis und Martha jeweils ein Schlafzimmer und einen kleinen gemeinsamen Wohnbereich haben würden – der kleine Bereich war beinahe so groß wie Lanies gesamte Wohnung. Kate hingegen hätte das vierte Stockwerk gemeinsam mit dem Baby – 300 Quadratmeter zu zweit. Dann war ein Post-it bei Etage fünf würde er die Küche und den Wohnbereich unterbringen – in diesem Stock befand sich ebenfalls der Haupteingang zur Wohnung, der Liftausstieg. Die letzte Etage hätte ein kleines Gästezimmer, auf dem Post-it stand „Au-pair/ Gästezimmer?“ und daneben mit Bleistift „Sportbereich & Entertainment-Center“. Die Dachterrasse hatte bereits ein Whirlpool eingezeichnet und ein Pool.

Lanie blätterte hin und her und war begeistert. Man konnte von einem Haus bzw. einer Wohnung wie dieser in New York nur träumen.

„Und was ist schlecht daran?“, fragte sie vorsichtig.

„Ach Lanie … wie soll das denn mit uns funktionieren? Er lebt sein Leben, ich meines und dazwischen ist dann unser Baby?“

„Möchtest du, dass das Kind ohne Familie aufwächst? Du arbeitest die ganze Zeit, soll es denn bei einer Tagesmutter bleiben? So kann stets jemand auf das Kleine aufpassen – Rick, Martha und Alexis sind ein eingespieltes Team.“

„Es war eine einzige Nacht, Lanie“, sagte Kate und klang beinahe verzweifelt. „Eine einzige Nacht und jetzt verplant er mein ganzes Leben.“

„Du bist verrückt. Er verplant es nicht, er will dir helfen, dem Kind eine wirkliche Chance zu geben, dass es mit einer Familie aufwachsen kann und du weißt, Kate, was für ein großartiger Vater er ist.“

„Aber es geht auch um mich … ich meine … das Haus muss Millionen kosten und ich soll einfach hier ausziehen und nach seiner Pfeife tanzen.“

„Nein, das will er sicher nicht. Er gibt dir eine Möglichkeit. Du musst sie nicht annehmen“, sagte sie und griff nach dem Orangensaft, der im Kühlschrank stand. „Aber du wärst dumm, sie nicht anzunehmen.“ Sie schenkte sich ein Glas ein. „Was hast du denn zu verlieren, Kate? Du hast ihn keines Blickes nach dem Vorfall gewürdigt und er geht einen Schritt auf dich zu, einen sehr großen.“

„Aber …“

„Was ist das wirkliche Problem Kate? Dass du ihn sehr gerne magst?“, sagte Lanie etwas forsch, beinahe wütend. Vielleicht müsste sie Kate soweit bringen, dass sie das endlich einsah. Vielleicht war es noch keine Liebe, aber es waren tiefe Gefühle, die die junge Polizistin für den Autor empfand, dessen war sich die Ärztin sicher. Niemals zuvor hatte sie Kate so erlebt, wie sie rund um Castle agierte.

„Wovon sprichst du?“

„Du schläfst doch nicht mit jedem, der dir …“

„Lanie …“, warf Kate ein und stöhnte genervt auf. „Du möchtest es wohl nicht verstehen. Ich weiß nicht, ob es das Richtige für uns ist, zusammenzuziehen.“

„Möchtest du nach der Geburt wieder arbeite?“

Kate nickte nur.

„Möchtest du, dass das Kind beide Elternteile gleich viel sieht und kennenlernt?“

Nach einem kurzen Zögern, nickte sie daraufhin ebenfalls. Auch wenn es kein einfaches Eingeständnis war, im Grunde wusste Kate, dass Rick ein großartiger Vater war, immerhin hatte er Alexis zu dem gemacht, was sie war uns ist – obwohl es oftmals so schien, als würde sie den erwachsenen Teil der Beziehung darstellen. Vielleicht waren seine Methoden nicht immer die logischten für sie, aber er hatte Erfahrung und arbeitete von zu Hause. Er hatte das Geld, um sich all diesen Luxus leisten zu können.

„Außerdem Kate“, begann Lanie und legte nun einen Arm um ihre beste Freundin. „Es ist ja nicht so, als würde er von dir verlangen, mit ihm eine Beziehung zu führen, ein Bett oder Zimmer zu teilen. Wenn ich mir diese Pläne ansehe, dann will er dir mehr als das fünffache deiner Wohnungsgröße zur Verfügung stellen. Wie kann man das ablehnen wollen? Wenn es nicht funktioniert, dann funktioniert es nicht, dann kannst du immer noch ausziehen. Sicherlich, es ist eine Umstellung für dich, aber die wird es für ihn auch sein.“

„Wahrscheinlich hast du Recht, Lanie“, sagte sie leise. „Es kommt einfach alles so überraschend. Die Schwangerschaft, seine Reaktion, diese Wohnung.“

„Ich weiß, aber das hättest du dir vorher überlegen müssen, bevor du …“, kommentierte Lanie etwas sarkastisch und legte ihre Hand neben Kates auf deren Bauch. Es würde nicht mehr lange dauern und sie würde die Bewegungen intensiv zu spüren bekommen, nicht mehr lange.

„Es bleibt euch nicht mehr viel Zeit, wenn alles fertig sein soll, bevor dieses kleine Wesen das Licht der Welt erblickt.“

„Ich weiß, das erste Drittel ist fast vorbei … Lanie, elf Wochen bereits.“ Becketts Stimme wirkte ruhig, wenn doch etwas unsicher und nervös. Sie konnte ihrer Freundin nicht in die Augen sehen, würde sie sich doch dann die Angst eingestehen müssen, die sie vor diesem Schritt, mit Castle in eine Wohnung zu ziehen, empfand. Niemals zuvor hatte sie diesen Schritt mit einem Mann gewagt, niemals auch nur einen Gedanken daran verschwendet, ihre Unabhängigkeit aufzugeben. Doch diese hatte sie in dem Moment verloren, in dem sie mit ihm geschlafen hatte, das Risiko einer Schwangerschaft eingegangen war. Nun würde er ihr niemals mehr von der Seite weichen.

„Du meist also, ich soll ihm sagen, dass ich mir dieses Gebäude mit ihm ansehe möchte?“

„Wieso denn nicht, Liebes? Was hast du zu verlieren? Nein kannst du immer noch sagen.“

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Castle war hoch erfreut, als er einen Anruf von Kate erhielt, zwei Tage nachdem er ihr die Pläne hatte zukommen lassen, dass sie bereit wäre, sich mit ihm dieses Gebäude anzusehen. Zuvor hatte er viel Zeit damit verbracht, diverse Immobilienangebote zu durchforsten, online und mittels Makler, bis er schließlich auf dieses gestoßen war. Es lag in Tribeca, an der Kreuzung von Duane und Church Street. Die Gegend hatte ihm schon immer zugesagt. Aber im Grunde war es ihm egal, wohin er ziehen würde, so lange genügend Platz für alle vorhanden sein und Kate all dem zustimmen würde. So hatte er sich dieses Angebot vorlege lassen. Der Preis war hoch, aber noch verhandelbar, hatte man ihm versichert, da einige Renovierungsarbeiten von Nöten waren.

Mehrmals hatte er sich davon überzeugt, dass die Notizen, die er in Kates Plan-Booklet hinzugefügt hatte, wertfrei waren und alle Möglichkeiten für Änderungen offen ließen. Ihr alle Optionen, etwas ändern zu können, gegeben waren.

Den Termin zur Besichtigung schickte er ihr per Kurznachricht, da er einige formelle Angelegenheiten zu erledigten hatte und somit nicht auf das Revier kommen konnte – finanzielle Punkte müssten geklärt werden, einige Aktienpakete wollte er verkaufen und sein eigenes Apartment auf den Markt werfen, doch zuvor musste er noch mit Martha und Alexis über all das sprechen, deswegen bat er beide, am frühen Nachmittag zuhause zu sein. Er wusste, dass seine Tochter nur bis ein Uhr Schule hatte an diesem Tag, aufgrund einer Lehrerkonferenz und Martha verbrachte so und so noch die meiste Zeit zuhause. Ihre Fortschritte waren groß, aber immer wieder benötigte sie noch etwas Unterstützung.

Bei Pasta Vongole und grünem Salat saßen sie nun alle am Tisch und blickten sich gegenseitig verwundert an. Beide Frauen wussten nicht, was der Anlass für dieses geplante Zusammentreffen sein könnte.

„Ich muss euch etwas sagen“, begann Rick vorsichtig, beide nicht direkt anblickend, „da es euch ebenso betrifft wie mich.“ Kurz sah er auf. „Wir werden umziehen, bald.“

„Dad ..?“

„Nicht, Alexis, lass mich aussprechen.“ Sie nickte zustimmend. „In den Sommermonaten hatte ich einen One-Night-Stand mit einer Frau …“, begann Rick zu erklären, versuchte möglichst wertfrei das Erlebte wiederzugeben, bevor er Kates Namen enthüllen wollte.

„Dad muss das sein?“, fragte Alexis und ließ ihn mit ihrem Gesichtsausdruck wissen, dass sie nichts über sein Sexualleben wissen wollte.

„Sie ist schwanger.“

„Richard!“, warf nun Martha entsetzt ein. „Habe ich dir denn nicht beigebracht …“

Castle hob rasch die Hand, um das, was sie sagen wollte, zu unterbrechen.

„Es war nicht irgendeine Frau. Es war Beckett.“

Ob es wirkliche in Aufatmen war, das er gerade von den zwei bisher immer wichtigsten Frauen in seinem Leben gehört hatte? Vielleicht oder er hatte es falsch interpretiert. Die Gesichter wirkten nun etwas entspannter, gelassener.

„Ich habe sie gebeten, mit uns zusammenzuziehen und schon das perfekte Objekt gefunden. Es ist groß, sehr groß aber wir hätten genügend Platz um uns alle etwas aus dem Weg zu gehen.“ Rick griff nach den Plänen, die er am Küchentresen platziert hatte.

„Seht her – ich würde das gesamte Haus in Tribeca kaufen. Unten sind Restaurants und ein Kosmetikstudio untergebracht, diese würden drinnen bleiben. Wir würden im dritten Stockwerk wohnen“, erklärte er und zeigte den beiden Frauen die Räumlichkeiten, die ihnen wahrscheinlich zugestanden werden würden. Meine Idee wäre es, dass ihr so zu sagen ein gemeinsames Wohnzimmer in dieser Etage hättet. Jede von euch hätte ein eigenes Badezimmer und einen extra begehbaren Schrankraum. Selbstverständlich. Auf der anderen Seite dieses Stockwerks hätte ich mein Zimmer und das Büro. Darüber wäre Kates Bereich, also ihrer und der des Kindes. Der Haupteingang ist im fünften Stock – dort befindet sich wie hier auch der Wohn- und Essbereich sowie die Küche. Das Stockwerk darüber hätte genügend Platz für ein kleines Gästezimmer, einen Sport- und Entertainment Bereich. Also hier“, er zeigte auf die linke Seite des Grundrisses der Etage, würde ich gerne einige Fitnessgeräte aufstellen, hier die Sauna einbauen und dort“, er zeigte auf die rechte Seite des Hauses, „Beamer, Leinwand und alle Spielkonsolen aufstellen bzw. montieren lassen.“ Rick blätterte weiter. „Und dann gibt es noch diese großzügige Dachterrasse mit Whirlpool und allem was dazugehört.“

Beide Frauen waren erstaunt und sprachlos.

„Was denkt ihr?“, fragte Rick vorsichtig, da er aus den Gesichtern nichts ablesen konnte.

„Wieso machst du das?“ Alexis Frage ließ Rick ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

„Weil ich dieses Kind genauso lieben werde, wie ich dich liebe, Alexis. Und weil ich dabei sein möchte, wenn es die ersten Schritte macht, die ersten Worte sagt und nachts schreit. Ich möchte auch, dass du dabei bist, wenn es sich vom Rücken auf den Bauch rollte, wenn es den Spinat wieder ausspuckt und beim Baden lustige Geräusche macht, das erste Mal auf dem Dreirad sitzt, ohne Stützen Rad fährt und den ersten Zahn bekommt.“

Das junge rothaarige Mädchen griff nach der Hand ihres Vaters und umschloss sie. „Und Kate sieht das ebenso?“

Nun begann Alexis auch allmählich zu verstehen, wieso das Verhältnis zwischen den beiden Erwachsenen in den letzten Wochen so angespannt war. Wieso ihr Vater nicht wollte, dass sie die Polizistin aufsuchte. Wieso Kate das Spital gemieden hatte, wenn Rick anwesend war. Wies alles so war, wie es gerade war.

„Sie ist etwas unsicher und sie hat bisher nur die Pläne gesehen. Aber wir haben heute am späten Abend einen Besichtigungstermin. Ich möchte, dass ihr ebenfalls mitkommt.“

„Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist, Richard. Ihr solltet das alleine machen.“

„Nein Mutter. Ihr werdet ebenfalls dort wohnen, daher möchte ich, dass ihr dabei seid.“

Nach einiger Diskussion stimmten beide Frauen zu, ihn zu begleiten.

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Alexis, Martha und Rick wartete vor dem Gebäude auf Kate, die langsamen Schrittes gerade die Straße entlang kam, Lanie an ihrer Seite. Sie hatte Rick via SMS darauf hingewiesen, dass sie sie mitbringen würde und Rick verstand ihren Entschluss, kommentierte es nicht weiter.

Das Gebäude war von außen aus rotem Backstein und hatte große Glasfronten ab dem dritten Stockwerk, die der Vorbesitzer scheinbar hatte einbauen lassen. Es war eine architektonische Mischung – eine Zusammenprall verschiedener Zeiten und Baustile. Auf der einen Seite schien es einem altes Fabriksgebäude zu sein, auf der anderen hatte jemand bereits viel Geld investiert, um das Aussehen das Hauses maßgeblich zu verändern. Die Glasfronten. Die renovierte Fassade.

Sie begrüßten sich freundlich, wenn auch nicht herzlich. Zu viel Unsicherheit lag in der Luft.

Der Makler ließ kurze Zeit auf sich warten, die Lanie und Marta mit Smalltalk füllten. Kate stand stumm an der Seite der Ärztin, während Rick wortlos durch die Gegend blickte.

„Mister Rogers“, begrüßte der Immobilienmakler Rick. Er war wahrscheinlich Ende fünfzig, sein kurz geschnittenes weißgraues Haar wurde gerade vom Wind etwas durcheinander gebracht, sein Anzug schien teuer und die Schuhe frisch geputzt. Man gab sich die Hand, stellte sich vor. Sein Name war Nathan, Nathan Gatsby.

Mit einem Aufzug fuhren sie schließlich auf zwei Etappen in den fünften Stock des Gebäudes. Der Lift war nicht winzig, aber für sechs Personen, die sich in diesem Augenblick nicht intim kennenlernen wollten, dann doch etwas zu klein.

„Das Gebäude stammt aus den 1870er Jahren und war einst einmal ein Schneidereiunternehmen, aber das ist bereits lange her. Der Besitzer ließ einige Änderungen vornehmen, wie sie gleich sehen können.“ Die Räumlichkeiten standen bereits leer, nur einige verlassene Möbelstücke aus einer anderen Epoche – vielleicht den 60er und 70er Jahren – standen in dem großen, wandlosen Raum noch herum und ließen seine Größe noch pompöser wirken.

„Die Glasfronten wurden vor nicht einmal zehn Jahren eingebaut. Allerdings gehören einige Scheiben getauscht“, erklärte er und zeigte auf zwei, die eine wies einen Sprung auf. „Die Kücheninstallationen müssten neu gemacht werden, also die Gasleitungen sind alt. Das Restaurant hat vor einigen Jahren alles unter dem Haus auf seine Kosten machen lassen, also müssten sie sich nur darum kümmern, dass die Gasleitungen innerhalb des Hauses erneuert werden, eine Arbeit von wenigen Tagen. Wenn sie ein entsprechendes Unternehmen brauchen, das für seine Qualität bekannt ist, gebe ich ihnen gerne eine passende Telefonnummer.“ Der Makler war freundlich aber darauf aus, das Haus natürlich zu verkaufen.

„Die Böden sind allerdings auch ordentlich in Mitleidenschaft gezogen“, sagte Kate bestimmt.

„Da haben sie natürlich recht.“

Alle Makel, die sie nun finden würden, könnten sie dazu verwenden, den Preis noch etwas zu drücken.

„Wollen sie zuerst in die unteren Geschoße gehen oder die oberen besichtigen?“

Kate hatte Lanies Hand fest umschlossen, als sie die Treppe zu ihrer Etage hinabschritten. Auch hier waren kaum Wände vorhanden, lediglich Badezimmer waren zwei vorhanden, zwei Badezimmer, die eine Größe hatten, die einfach unglaublich war.

„Ich dachte mir, dass dies hier dein Schlafzimmerbereich werden könnte“, kommentierte Rick und führte sie, samt Lanie, auf die Straßenseite des Hauses. „Es ist groß und hell. Du hättest genügend Platz für alles, was du aus deiner Wohnung mitbringen und nicht im allgemeinen Bereich stehen haben möchtest.“

Kate hatte an Einrichtung noch keinen Gedanken verschwendet.

„Du musst dir nur einig neu gezogene Wände vorstellen“, erklärte Rick und zeigte ihr, wo er sich vorstellen könnte, dass Abgrenzungen vorhanden sein würden. „Große Schiebetüren, viel Glas, damit alles heller wirkt. Wenn du möchtest kann es auch Milchglas sein oder …“

„Glas ist schon in Ordnung“, sagte Lanie und mischte sich das erste Mal in das Geschehen ein.

„Hier ist das Badezimmer … vielleicht blaue Mosaikfließen, eine große Badewanne …“ Kate fiel auf, dass Rick bereist eine Vorstellung von all dem hatte, das sie gerade zum ersten Mal wirklich wahrnahm.

Ihre Etage war riesig. Unglaublich einfach. Die Fenster zur Straße erfüllten den Bereich mit Licht und reichten beinahe vom Boden bis hoch zur Decke. Auf der anderen Seite des Hauses waren die Fenster nicht viel niedriger. Sogar das Badezimmer hatte ein Fenster. Ihr war bereits beim Fußmarsch aufgefallen, dass das Gebäude zur linken Seite des zu besichtigenden Objektes nur zwei Etagen hatte, das Dach keinerlei Begrünung aufzuweisen schien. So waren die Räumlichkeiten alle noch viel heller, da es mehr Fenster gab, als man sich vorstellen konnte. In ihrem zukünftigen Schalfzimmer gab es einen Kamin, ebenso im Schlafzimmer des Kindes, welches sicherlich hundert Quadratmeter groß war.

„Das ist einfach zu groß“, sagte Kate leise zu sich selbst.

„Das ist es nicht, Kate“, sagte Rick und griff abermals  nach ihrer Hand, die Frauen und der Makler blieben am anderen Ende der Etage zurück und ließen den beiden einen Moment zu zweit.

„Stell dir vor, wir stellen erst einmal hier eine große Couch hin. Dann kommt vor eines der Fenster das große Gitterbett, eine Wiege zu deinem Bett, falls du das möchtest. Dann natürlich ein großer Spielbereich. Später einmal wird es den Platz brauchen.“

Kate wusste nicht recht, was sie sagen sollte. Sie war sprachlos. Langsam konnte sie sich vorstellen, wie all dies hier aussehen würde, wenn man Castle nur freie Hand lassen würde.

Noch mehr als eine Stunde wanderten sie durch all die anderen Etagen. Alexis hatte ihr Zimmer am Plan etwas klein empfunden, auch wenn sie nichts gesagt hatte, doch als sie dann an dem Platz stand, wo es sich befinden sollte, musste sie sich eingestehen, dass es größer wäre als ihr bisheriges. Die Idee sich mit ihrer Großmutter einen Vorraum, also ein kleines Wohnzimmer zu teilen, gefiel ihr ebenfalls, da sie somit einen Rückzugsort hatte, Freunde mitbringen konnte, ohne diese gleich in ihr Zimmer führen zu müssen.

„Und was sagst du?“, fragte Castle schließlich, als sie nach mehr als zwei Stunden wieder im Küchenbereich standen. „Kannst du dir vorstellen, hier mit mir … mit uns zu wohnen, Kate?“

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Ende Kapitel 13

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A/N: Die Grundidee für die Wohnung bzw. das Haus habe ich hiervon: http://realestate.nytimes. com/sales/detail/46-1309502/144-144-Duane-Street-NEW-YORK-NY-10013 – natürlich habe ich es fleißig umgebaut (sorry, das musste sein) und etwas versetzt, damit ich mehr Fenster zur Verfügung habe. Man beachte bitte den (marginalen) Preis.

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Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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