Dancing Queen – Kapitel 12

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Kapitel 12

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„Das musst du mir jetzt erst einmal erklären“, verlangte Rick von ihr und sah sie fordernd an. Seine Hand lag auf der Armlehne der Couch, die andere auf seinem Knie. Er wollte sie so gerne berühren, doch durch ihren Platz in dem Ohrensessel hatte sie Distanz zwischen sie gebracht.

„Castle“, begann sie leise, „eine Schwangerschaft darf kein Grund sein, sich Hals über Kopf in eine Beziehung zu stürzen.“

„Davon rede ich doch auch nicht, Kate.“

„Wovon sprichst du dann?“

„Von einem Kind, dass mit Vater und Mutter aufwächst. Nicht so wie Alexis, die ihre Mutter so gut wie nicht kennt.“

War denn Alexis wirklich ohne Mutter aufgewachsen, fragte sich Kate, die immer noch dabei war, seinen Gesichtsausdruck zu analysieren. Sie war sich selbst nicht sicher, was sie wollte. Nicht sicher, was funktionieren konnte. Bis vor einigen Tagen war sie sich nicht einmal sicher gewesen, ob sie all das überhaupt wollte – ein Baby. Doch der Ultraschall hat die Welt verändert.

„Und wie soll das funktionieren?“

„Wenn ich dir das nun vorschlage, dann darfst du nicht auszucken. Okay? Es ist nur ein Vorschlag.“ Kate nickte. Wie verrückt auch immer es war, sie würde es sich anhören. „Wir ziehen zusammen. Es muss nicht mein Loft sein, wir können uns auch gemeinsam ein Stadthaus suchen. Etwas Neues. Aber auch wenn … es wäre für das Kleine eine Familie.“

Kate verharrte einen Augenblick, wusste nicht, wie sie passsend darauf reagieren sollte. Auf der einen Seite hatte Rick sicherlich recht. Zwei Menschen, die sich um das kleine Kind kümmern, ihm beide alles geben, was nur erdenklich ist. Auf der anderen Seite, wie wäre es, wenn er einen andere Frau kennenlernen würde, sie mit nachhause bringe? Wäre sie in der Lage zuzusehen?

An eine neue Beziehung konnte Kate für sich selbst in diesem Moment nicht denken. Zu viele Gedanken kreisten um das Baby, ihre eigene Zukunft mit eben diesem, ihren Beruf und all das Zugehörige.

„Ich kann mir so etwas nicht leisten“, sagte sie ehrlich. Ihr Ziel war es stets gewesen, egal in welcher Beziehung, ihre Selbständigkeit nicht zu verlieren.

„Dafür findet sich eine Lösung Kate. Ich habe genügend Geld. Ich würde dir auch sofort die Hälfte eines solchen Objektes überschreiben.“

Nun sah sie ihn verwundert an. Sie würde einen Teil eines Millionen teuren Objektes erhalten, nur um mit ihm Familie zu spielen?

„Und wie stellst du dir das dann schließlich vor? Ich lebe mit dem Kind in einem Stockwerk und du mit einer anderen Frau im nächsten, während deine Mutter und Alexis auch im selben Haus wohnen würden?“

„Alexis zieht bald aus, wird auf die Uni gehen. Und Mutter weiß, dass sie immer willkommen sein wird, es aber niemals eine Lösung auf Dauer sein kann. Außer du willst, dass sie weiterhin bei uns wohnt.“

Den dritten Punkt hatte er ihr aber nicht beantwortet und so sah sie ihn fragend an.

„Eine Frau wird nicht einziehen“, erklärte er kurzerhand.

„Und du denkst, dass das dir gegenüber fair ist?“

„Es ist für mich in Ordnung. Es gab seit Jahren niemand ersthaften, also kann es auch so bleiben.“

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Und das entsprach der Wahrheit. Vor Gina war Meredith auf Besuch gewesen und da waren die beiden Frauen, die eine wahre Rolle in seinem Leben gespielt haben und immer wieder Intermezzi hatten, niemals war etwas Ernstes dabei. Auch wegen Alexis nicht. Außerdem, seitdem diese junge Polizistin, mit ihren großen grünen Augen in sein Leben getreten war, konnte er an niemand anderen mehr denken – egal ob er mit einer Frau im Bett war oder selbst Hand anlegte. Immer sah er ihre Augen, die perfekten Lippen, die grazilen Finger, nahm den Geruch von Kirschen war. Es war teuflich, süchtig machend. Egal wo er hinsah, konnte er nur an sie denken. Ihren nackten Körper in der Badewanne, als ihre Wohnung explodiert war. Ihr perfekter Körper in dem Kleid, welches er ihr für die Wohltätigkeitsveranstaltung gekauft hatte. Wie herzig und unschuldig sie ausgesehen hatte, als sie in ihrem Pyjama aus dem Schlafzimmer gekommen war, als er die Nacht über sie gewacht hatte, bevor die Wohnung explodierte.

Und all das, was er ihr vorgeschlagen hatte, war machbar. Er hatte genüend Geld, er konnte ein Haus mit genügend Schlafzimmern kaufen – fünf oder sechs wären ideal. Eines für Kate, eines für das Baby, Alexis, seine Mutter und ihn. Und eines in Reserve. Alles war möglich, wenn man es nur wollte. Nach Alexis Volksschuljahren und all den Problemen, die er mit Meredith gehabt hatte oder besser gesagt mit ihrer nicht Existenz, hatte er sich geschworen, dass dies niemals wieder vorkommen würde. Er würde ein Kind nur in eine perfekte Beziehung bringen, wenn alles wirklich passe. Und nun stand er vor einer ähnlichen Herausforderung, obwohl sie auch komplett anders war.

Und so saß er nun auf Kates Couch und studierte ihre Gesichtszüge. Sie wirkte müde, etwas angespannt. Ihr Bäuchlein war noch nicht groß, aber wahrhaftig existent. Jetzt wurde ihm bewusst, wie wenig sie damals gewogen hatte, in dem Club, als er sie gegen die Wand gepresst hatte, wie federleicht sie war. Auch zuvor hatte er sich schon das eine oder andere Mal gedacht, dass sie seit dem er sie kannte, dünner geworden war.

„Ist dir schlecht?“

Kate sah ihn verwirrt an. „Nein“, entgegnete sie.

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Die Übelkeit oder das flaue Gefühl im Bauch war an diesem Morgen nicht mehr vorhanden gewesen, vielleicht war es auch psychisch bedingt gewesen. Immerhin war der Schritt, es Rick wirklich zu sagen, ein großer gewesen, ein monumentaler – einer vor dem sie Angst gehabt hatte. Jedoch nicht vor dem Schritt selbst sondern eher vor seiner Reaktion.

„Nicht jetzt …“

„Es war keine richtige Übelkeit, eher ein komischer Magen.“

„Sonstige Veränderungen?“

Kate musste lachen, er klang wie ein Arzt oder vielleicht ersuchte er auch nur so zu klingen. „Keine, die du nicht siehst“, erklärte sie leise.

„Oh ja, die sehe ich“, murmelte Rick so leise, dass es Kate gerade noch hören konnte. Sie Stimme hatte nicht böse geklungen, doch wie genau, war schwer zu beschreiben. Als hätte er all die Veränderungen an ihr bereits wahrgenommen. Vielleicht waren sie doch offensichtlicher als sie gedacht hatte.

„Also … was hältst du von der Idee eines gemeinsamen Hauses?“, fragte er vorsichtig.

„Rick, ich weiß es nicht“, antwortete Kate ehrlich und stand auf, schritt in Richtung Küche und schenkte sich ein Glas Orangensaft ein. „Ich habe keine Ahnung.“

Langsamen Schrittes kam Rick auf sie zu. Sie hatte keine Ahnung was er vorhatte, was sein Plan war. Plötzlich stand er auf alle Fälle neben ihr, dann hinter ihr und innerhalb weniger Augenblicke hatte er seine Arme um sie gelegt, so dass eine ganz leicht auf ihrem Bauch lag, die andere quer über ihre Brust und er sie zart an sich presste. Seine Wange ruhte auf ihrem Kopf.

„Wir bekommen das hin, Kate. Mach dir keine Sorgen. Egal was kommt …“

„Wie kannst du dir so sicher sein?“

„Weil ich es einfach bin. Du hast dich nicht gegen dieses kleine Geschöpf entschieden, du gibst ihm eine Chance und du gibst mir eine. Ich kann dir nicht viel anbieten“, ergänzte er leise, vorsichtig und ruhig. „Ich habe genügend Geld, dass du nie wieder arbeiten gehen müsstest, aber das wärst dann nicht du. Ich kann dem Kind jede Schullaufbahn ermöglichen. Ich kann dir ein Haus kaufen, wenn es dir lieber wäre, alleine zu wohnen. Aber ich kann dir auch meine komplette Unterstützung anbieten, Tag und Nacht. Und ich gehöre nicht zu den Vätern, die die Verantwortung abschieben“, fügte er hinzu.

Kate fühlte sich wohlig, warm und sicher. Es war nie ein Fehler, gehalten zu werden, nie ein Fehler – auch wenn es wahrscheinlich niemals eine Liebesbeziehung werden würde, zu wissen, dass er an ihrer Seite stand. So legte sie ihre wesentlich kleinere Hand auf die seine, die auf ihrem Bauch ruhte.

„Ich bin kein Wochenendvater, Kate. Das bin ich nicht und möchte ich auch nicht sein. Ich will die Möglichkeit haben, jeden Augenblick mit diesem kleinen Wunder verbringen zu können. Wenn es bedeutet, nächtliche Fütterungen zu erledigen, bin ich gerne dafür zuständig, auch für das Wickeln, Spaziergänge, Arztbesuche.“

„Rick …“, sagte sie schließlich beinahe im Flüsterton. „Du überrumpelst mich etwas. Bei Remy’s war ich mir nicht sicher, ob du das Kind überhaupt richtig anerkennen würdest und jetzt sprichst du von einem gemeinsamen Haus. Einem gemeinsamen Leben. Dabei war es eine halbe Nacht, wenn überhaupt.“

Rick ließ trotz all dem Gesagten nicht von ihr ab. Hielt sie fest an sich gepresst, aber auch sie flüchtete nicht, gestattete ihm, sie zu halten, seine Hand auf ihrem Bauch zu haben. Vielleicht hatten sie eine Chance, auch wenn sie unkonventionell erschien, eine Chance gemeinsam dieses ungeplante Kind großzuziehen. Ihm oder ihr das zu geben, was eine Familie ausmachte. Natürlich würde sie mitansehen müssen, wie er mit anderen Frauen zusammensein würde, aber das hätte sie auch, wäre es nicht zu dieser Schwangerschaft gekommen. Und es würde ihr nicht leicht fallen, diese großen Blondinen, mit ihren einladenden Vorbauten an seinem Arm bei manch einem Event stolzieren zu sehen, aber vielleicht sollte es so sein. Vielleicht.

Und des Kindes wegen, wäre es nur fair, sollte sie sich das Angebot durch den Kopf gehen lassen. Es ging schließlich nicht mehr nur um sie selbst. Sie hatte keine Mutter, die ihr zur Seite stehen würde, wenn sie nicht mehr ein oder aus wissen würde, weil das Kind weinte, es zahnte oder was auch immer vorfallen würde. Aber Rick kannte sich aus, hatte das alles schon einmal erlebt und scheinbar größtenteils sogar alleine. Er wusste wovon er sprach.

Auf der anderen Seite würde sie sich in ein Abhängigkeitsverhältnis mit dem Haus begeben, ihre Eigenständigkeit aufgeben. Auch wenn er es nicht wollen würde, würde er sie kontrollieren, sie ihn ebenso. Wann wer nachhause käme, was er wohin anziehe, wie er sich ernäre. Und dann wären noch Alexis und Martha. Zwei liebliche Gestalten, aber Kate war sich nicht sicher, ob sie mit beiden zusammenleben könnte. Martha, die alternde Schauspielerin, die gute Ratschläge gab, aber scheinbar ihre Defizite als Mutter gehabt hatte, da sie auf ihre Karriere fixiert war. Und Alexis, das ewige Einzelkind, verwöhnt, gehegt und gepflegt. Oftmals reagierte sie erwachsener als ihr Vater. Kate wollte sich gar nicht vorstellen, wie sie reagieren würde, wenn sie erfahre, wie sich ihr Vater seine Zukunft vorstellte.

„Castle“, sagte sie leise. „Glaubst du wirklich, dass das mit einem gemeinsamen Haus funktionieren würde?“ Seine Antwort wartete sie nicht ab, spürte nur, wie seine Hand zarte Kreise über ihren Bauch zog, den er inzwischen vom Stoff befreit hatte, und so wusste sie, wie diese ausfallen würde. Er glaubte daran. Sollte sie all dem eine Chance geben?

„Du musst mich darüber nachdenken lassen, gib mir etwas Zeit. Ein, zwei Tage.“

„Natürlich“, sagte er leise.

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Als er vorsichtig seine Hand unter ihr T-Shirt hatte gleiten lassen, war er sich sicher gewesen, dass sie einlenken würde, aber sie gewährte ihm diese Freiheit scheinbar. Und ihre Haut war so warm und die Wölbung fühlte sich größer an, als erwartet. Aus seiner Zeit mit Meredith wusste er genau, wo zu diesem Zeitpunkt der Embrio sich befand und ließ seine Hand genau dort innehalten. Und sein anderer Arm berührte ihre Brust, von der er bei dem gemeinsamen Liebesabenteuer viel zu wenig bekommen hatte.

Natürlich sollte sie die Zeit zum Nachdenken bekommen, um die sie ihn gerade gebeten hatte. Nichts überstürzen, war sein Motto, wenn es um Kate ging.

„Ich möchte auch heute keine Antwort, Kate. Ich hoffe, dass du über mein Angebot nachdenkst, vielleicht mit Lanie oder sonst jemandem darüber sprichst, die für dich existenten Vor- und Nachteile abwiegst. Ich meine es ernst und wenn wir uns dafür entscheiden, müssen wir uns bald auf die Suche nach dem passenden Haus machen, damit wir die notwendigen Renovierungs- bzw. Umbauarbeiten noch abschließen können, bevor es auf die Welt kommt. Ein halbes Jahr ist nicht viel Zeit.“

„Ich weiß“, antwortete sie und ließ ihren Kopf weiterhin an seiner Brut rasten, ließ es zu, dass er ihr so nahe war. So unglaublich nahe. Als sie ihm gesagt hatte, dass sie schwanger war, war er sich wirklich nicht sicher gewesen, wohin dieser Weg ihn, eigentlich sie beide, führen würde, aber nach dem Fußmarsch durch die Straßen der Stadt war er sich bewusst geworden, dass es nur eine einzige Möglichkeit gab, die für ihn die richtige darstellte – eine gemeinsame Zukunft. Wie diese aussehen würde, traute er sich nicht festzulegen. Es gab viele Möglichkeiten. Und es schien einfach, sie von dieser Option zu überzeugen, zumindest erweckte es momentan diesen Eindruck – Beckett schien dem Projekt gegenüber offen, lehnte es immerhin nicht von vornherein ab. Es war ein Schritt, einer in die richtige Richtung.

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Ende Kapitel 12

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Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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