Dancing Queen – Kapitel 16

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Kapitel 16

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Die nächsten zwei Tage verbrachten sie jede freie Minute bei dem Baumeister, den Rick mit dem Auftrag betrauen wollte. Als sie Alexis nach ihren Wünschen fragten, hatte sie anfänglich blockiert, auf stur geschalten, doch dann war Kate in ihr Zimmer gekommen und hatte mit ihr gesprochen, ihr erklärt, dass das alles nicht geplant gewesen sei. 

Vorsichtig hatte sie aus der Tasche ihrer Jacke das Ultraschallbild gezogen und es ihr gezeigt. Das Wesen war noch klein und man konnte auf dem Bild wenig erkennen, aber es ließ alles realer wirken, ließ das Mädchen erkennen, dass es kein Jux war, den ihr Vater gemacht hatte.

„Du wirst genauso wichtig sein für ihn wie jetzt“, erklärte die Polizistin.

„Nein, Kate“, konterte der Teenager, „er wird dein Kind mehr lieben.“

„Wieso glaubst du das? Das würde Rick niemals tun.“

„Weil er dich mehr liebt als meine Mutter.“

Rick liebte sie? Ein Teenager konnte schon auf lustige Ideen kommen, ging es Kate durch den Kopf. Liebe. Ha! Sie wusste ja doch nicht, wovon sie sprach und kannte bei Gott nicht die gesamte Geschichte der Zeugung ihres Geschwisterchens, was auch so bleiben sollte.

„Liebe ist keine im Spiel, Alexis. Es ist einfach einmal passiert. Mit einer Konsequenz und nun möchte dein Vater aber wirklich Vater sein, sich um das Kind kümmern. Ich habe eine Etage der Wohnung und er hat eine, man wird sich zum Essen begegnen und etwas Zeit mitsammen verbringen danach und davor. Aber wir führen keine Beziehung.“

„Und glaubst du nicht, dass das der größte Kompromiss ist, den er jemals eingegangen ist?“

„Wie meinst du das?“, fragte Kate nach, verwundert über die Aussage das Mädchens.

„Dad weiß, dass du keine Beziehung möchtest, aber er offeriert dir trotzdem eine Familie für das Kind.“

Wollen? Keine Beziehung haben wollen? Niemals hatte sie einen Gedanken daran verschwendet, wie es sein könnte, eine richtige Beziehung mit Rick zu führen, ein Paar zu sein. Es war absurd. Sie waren einfach zu verschieden. Abgesehen davon, normalerweise ging man es in der umgekehrten Reihenfolge an – Beziehung und dann eine Schwangerschaft. Die Mehrheit am Revier glaubte so und so zu wissen, dass sie seit Jahren miteinander schliefen. Wie manch einer bloß jetzt dann Augen machen wird, wenn das Offensichtliche sich nicht mehr länger verbergen lassen würde.

Abgesehen davon hatten sie nie über etwas wie eine Beziehung gesprochen, zu sehr hatte beide die Schwangerschaft überrascht. Zudem würde er, nachdem sie ihn damals in der Diskothek hatte stehen lassen, keine eingehen wollen und das war mehr als nur verständlich für sie.

„Alexis, du bist noch zu jung, um das zu verstehen. Es ist ein Kompromiss, dem wir beide zugestimmt haben. Ob es funktionieren wird, wird sich noch herausstellen.“

„Und Grandma …“

„In der neuen Wohnung gibt es auch ein Zimmer für sie. Dein Vater würde sie niemals dazu zwingen auszuziehen. Wenn sie es haben möchte, ist es das ihre und ich würde mich freuen, wenn sie Zeit mit dir, Rick, mir und dem Baby verbringen würde. Immerhin, sie auch die Großmutter von diesem Kind“, fügte Kate hinzu und griff auf ihren Bauch.

Ohne zu fragen legte Alexis ihre Hand neben Kates. Es war eine intime Situation zwischen zwei Frauen, die sich zwar nicht fremd waren, aber doch wenig gemeinsam hatten. Sie teilten den wichtigsten Mann in ihrem Leben, doch auf sehr unterschiedliche Art und Weise.

„Man spürt den Bauch bereits“, flüsterte Alexis.

„Man sieht ihn mittlerweile auch“, fügte Kate hinzu. Fragend sah das junge Mädchen die dunkelhaarige Frau an. Vorsichtig hob Beckett das weit fallende Shirt an und offenbarte den offenen Jeansknopf. „Bald brauche ich neue Kleidung“, sagte sie mit einem Lächeln.

„Wie weit bist du?“

„In der 11. Woche, also bald vier Monate.“

„Dafür bist du aber sehr schlank. Zu schlank.“

„Noch“, sagte sie. „Wenn dein Vater mich weiterhin jeden Abend zum Essen einlädt und mir nachher eine heiße Tasse Schokolade auf den Tisch stellt, wird sich das sehr schnell ändern.“

Beide Frauen lachten. Herzlich. Innig. Nicht als wären sie Mutter und Tochter, nein, solche Gedanken kamen für Kate nicht in Frage. Es war eher eine Freundschaft, die sie verband, ein Band, das immer enger wurde.

Plötzlich stand Alexis auf und ging zu ihrem Bücherregal, zog Buch heraus und reichte es Kate. Es war zerlesen, die Seiten teilweise lose. Es war nicht neu, wahrscheinlich aus der Zeit, als Castle sehnsüchtig mit Meredith Alexis erwartet hatten. Lennart Nilssen – Ein Kind entsteht.

„Dad hat dieses Buch gekauft, als ich auf dem Weg war. Es sind hauptsächlich Fotos. Ich kenne es auswendig. Du siehst ja, wie es aussieht.“

„Danke“, sagte Kate vorsichtig und freute sich über das Buch, war sich aber auch nicht sicher, wie viel Freunde sie zeigen konnte, ohne das Mädchen zu verschrecken. „Es bedeutet mir viel, dass du das Baby nicht ablehnst, Alexis.“

„Wieso sollte ich? Ich wollte immer ein Geschwisterchen haben. Aber als Gina in sein Leben trat, ließ sie ihn sofort wissen, dass sie keine Kinder haben wolle. Und sonst … viele seriöse Möglichkeiten gab es nicht. Ich meine …“

Kate wusste genau, was Alexis damit meinte. Ihr Vater hatte nur bei Gina daran gedacht gehabt, noch einmal ein Leben in die Welt zu setzen, weil sie verheiratet waren. Ein Beziehung hatten, die von Dauer hätte sein sollen. Und dann war das hier passiert, eine unüberlegte rasche Nummer – es war nicht einmal eine Nacht gewesen. Natürlich würde Rick versuchen, all da zu retten, was es zu retten gab – so hatte er sich wahrscheinlich weder die Entstehung eines zweiten Kindes, noch das Erleben der Schwangerschaft vorgestellt.

„Es ist schon in Ordnung, Liebes. Glaub mir, ich hatte das auch nicht geplant.“

„Wolltest du Kinder?“

Kate zuckte mit den Achseln. „Ich hatte mir bisher nicht viele Gedanken darüber gemacht. Als ich in deinem Alter war, wollte ich eine große Familie, weil ich mir immer Geschwister gewünscht hatte. Dann als meine Mutter verstarb, hörte ich auf, ein Familienleben zu haben. Dad trank. Ich wechselte von Berkeley zur Polizei. Machte Karriere.“

„Und?“

„Manchmal“, gestand Kate schließlich, „manchmal wenn ich alleine zuhause auf der Couch saß, ging mir schon immer wieder der Gedanke durch den Kopf, wie es wäre, in einer Beziehung zu sein, ein oder zwei Kinder zu haben. Dann dachte ich mir stets, dass ich noch genügend Zeit hätte, genügend. Tja und hier sitze ich nun mit offener Jeans.“

Beide lachten.

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„Was hast du in der Hand?“, fragte Rick, als sie die Stiegen hinabkam.

„Oh, das Buch hat mir Alexis gegeben.“

„Nilsson“, sagte Castle leise und ließ seine Finger über das Buch gleiten. Wie oft hatte er sich jedes Bild bloß angesehen, als Meredith schwanger war? „Ich glaube, ich kenne es in und auswendig.“

„So sieht es auch aus.“

„Lass uns doch auf der Couch platznehmen und wir überlegen und die Farbmuster“, forderte Rick sie auf. Bisher hatten sie nur den Kaufvertrag unterschrieben, alle notariellen Angelegenheiten erledigt, das Loft auf den Markt geworfen. Kate hatte den Mietvertrag für ihre Wohnung gekündigt. Sie hatten mit dem Baumeister an den Plänen gearbeitet – Wände sollten versetzt, neue Leitungen gezogen werden. In beiden Master-Badezimmern war Platz für eine große Badewanne, also sollte auch eine solche eingebaut werden. Zudem verlange Rick nach einer neuen, modernen Treppe, einer neuen, sichereren und modischeren Eingangstüre und einem modernen Überwachungssystem. Sie hatten das Holz für die neuen Böden ausgesucht, da sie sich einig waren, dass das vorhandene nicht zu ihnen passte.

Kurzum, es waren zwei anstrengende Tage gewesen und Kate war müde.

„Deine Lieblingsfarbe ist blau?“, fragte Rick und griff nach der Farbtabelle.

„Ja, alles was blau ist.“

„Gut, wie wäre es also mit cremefarbenen Wänden? Blau wirkt zu dunkel. In blau sollten dann eher die Bezüge sein, Bilderrahmen …“

„Ich nehme einen Großteil meiner Sachen mit, Rick“, erklärte Kate. „Eine der wenigen Neuanschaffungen wird ein Bett sein. Ich möchte meinen Ohrensessel nicht aufgeben, auch nicht die anderen Utensilien, die ich im Laufe er Jahre zusammengesammelt habe oder die von meiner Mutter stammen.“

„Das ist klar“, erklärte Rick verständnisvoll, zumindest versuchte er so zu klingen. Zu gerne hätte er sie mit seiner Kreditkarte einkaufen geschickt, ihr alles ermöglicht, was sie nur haben wollte, immerhin trug sie sein Kind unter ihrem Herzen. Aber würde sie die Option wahrnehmen, dann wäre sie nicht die Frau, die neben ihm saß, die solch großzügige Angebote ausschlug, weil sie auf eigenen Beinen stehen wollte.

„Beim Kinderzimmer …“

„Es muss eine neutrale Farbe sein. Rosa steht nicht zur Diskussion. Ich hätte aber schon gerne etwas in einem hellen Blau. Vielleicht etwas mit Fischen?“

„Wieso gerade Fische?“

„Ich weiß es nicht …“

„Wieso nicht grün und Tiere aus aller Welt? Ein helles Gelb als Grundfarbe, eine weiße Wand und an diese soll der Maler ein paar Tiere malen. Vielleicht einen Löwen und eine Giraffe.“

„Safari-Tiere, Rick?“ Kate hob die linke Augenbraue an. War dies sein Ernst?

„Gut … dann nicht. Was hättest du denn gerne?“ Nicht dass er unfreundlich geworden wäre, doch schien sie ihm das, was sie in Wirklichkeit wollte, zu verheimlichen.

„Am liebsten? Blau, einen Sternenhimmel … Bilder von Tieren aus der ganzen Welt und keine Wandmalerei. Es können große Bilder sein, aber die Tiere sollen realistisch dargestellt sein. Ich mag dieses Kinderschema nicht.“

„Für mich klingt es plausibel. Ein helles Blau. Wir soll der Sternenhimmel aussehen? Ich weiß nicht …“

„Es gibt Vorhänge für die Wiege und auch Paravents für Kinderbetten, die einen Sternenhimmel imitieren.“

Sie hatte sich einige Seiten im Internet angesehen, bereits geschmökert, als sie Rick noch nichts von der Schwangerschaft gesagt hatte, unwissend, dass er ihr jeden Wunsch erfüllen wollte.

„Gut, dann zu den Elektrogeräten. Ein Fernseher für dein Schlafzimmer?“

„Nein“, antwortete sie rasch. „Sicherlich nicht. Ein Fernseher ist unten im Wohnzimmer und das reicht.“

„Das heißt, du möchtest keinen zweiten in der Wohnung sehen?“ Ricks Stimme war fragend, seine Augenbrauen etwas zusammengezogen. Wirklich keinen zweiten Fernseher in der Wohnung? Nicht, dass er so viel fernsah, aber ab und an der eine oder andere Film.

„Sobald es mehr als einen gibt, sitzt niemand mehr im Wohnzimmer sondern jeder vor dem eigenen Gerät. Das wäre nicht förderlich.“

„Und wenn du dir etwas anderes ansehen möchtest als ich?“

„Ich schaue so selten fern, Castle. Ich lese. Ich habe so wenig Zeit für solche Sachen, dass ich dann lieber andere Sachen mache.“

„Und was wäre das?“

„Lesen, laufen gehen, Yoga und Pilates oder Kickboxen. Ich gehe auch gerne ins Kino, in eines der kleinen, in denen immer nur schwarzweiß Filme gezeigt werden, oder auch ins Museum. Ich brauche keinen Fernseher, nicht unbedingt.“

„Für einen Großteil dieser Sachen wirst du kaum noch Zeit haben, wenn das Baby da ist.“

Kate nickte zustimmend. Wahrscheinlich hatte er recht. Bisher war es ihr schwer gefallen, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass ihr Leben nun am Kopf stand. Montgomery hatte ihr angeboten, sich bereits jetzt hinter den Schreibtisch zu begeben, den Außendienst zu quittieren, bis das Baby da war, aber das hatte sie dankend abgelehnt. Sie wollte selbst die Entscheidung treffen können, selbst bemerken, wenn der richtig Zeitung da war, um das risikoreiche Leben auf der Straße aufzugeben. Noch fühlte sie sich wohl, die Kevlar-Weste passte noch, ihre Waffe konnte sie in Händen halten, wo war also das Risiko?

„Ich werde Zeit finden, Rick, mach dir keine Sorgen.“

„Die mache ich mir nicht“, antwortete er und seine Stimme war süß, tiefer als sonst. Am liebsten hätte er sie in diesem Augenblick unsittlich berührt, wäre ihr mit der Hand über die Brust gestrichen, hätte sie auf ihrem Bauch ruhen lassen, aber der Zeitpunkt war nicht der richtige. Würde er sie jetzt abschrecken, ihr jetzt seine wahren Gefühle offenbaren, bestand die Chance, dass sie doch nicht mit ihm in eine Wohnung ziehen würde. Er konnte einfach nicht alles riskieren.

„Ich glaube, ich werde heute früher schlafen gehen“, erklärte Kate und stand im selben Moment auf.

„Und dein Wohnzimmer? Welches Farbschema?“

„Ich habe kein Wohnzimmer. Ich habe ein Schlafzimmer und ein Badezimmer, ein kleines Büro. Diese Räume haben wir bereits diskutiert, die Farbe hast du dir aufgeschrieben. Der Rest Rick .. es ist deine Wohnung und wenn du möchtest unsere Wohnräume, aber es obliegt mir nicht, die Farbe auszusuchen.“ Aus ihrer Stimme war ihre Müdigkeit zu hören. Sie war tiefer und sprach langsamer.

„Ich möchte aber, dass du dich wohl fühlst.“

„Ich fühle mich auch hier Wohl, Rick.“

„Aber das wärst nicht du.“

Abermals sank sie zurück in die Kissen der Couch, griff an ihre offene Jean und ließ ihr Hand auf ihrem Bäuchlein rasten. Wahrscheinlich hatte er recht. Wenn sie zusammenleben würden, sollten sie auch gemeinsam festlegen, wie ihre Wohnung aussehen würde. Gemeinsam.

Bisher hatte Kate noch nie gefragt oder mitbestimmt, wie die Räumlichkeiten um sie herum aussehen könnten, hatte noch nie einen Kompromiss eingehen müssen. Bisher hatte sie bestimmt. Es war einfach gewesen.

So ging die Diskussion noch einige Zeit voran. Kate ließ Rick im Internet ein Küchenmodell aussuchen, bestand aber auf einen Herd, der dem ihren in ihrer Wohnung glich. Einige Male musst sie ihm davon abhalten, unnötig viel Elektronik miteinzuplanen. Er war ein großes Kind, ein großes Kind, welches sie immer wieder zum Lachen brachte, wenn er auf neue, haarstrebende Ideen kam.

Irgendwann spürte er nur, wie etwas auf seiner Schulter rastete. Kate war eingeschlafen. Die wenigen Augenblicke genoss er, ihr Kopf, der sich an ihn gekuschelt hatte. Und wissend, dass sie es nicht bemerken würde, waren ihre Atemzüge doch tief und regelmäßig, legte er seine Hand auf ihren Bauch, unter das Shirt.

„Wir werden das schon hinbekommen, Kleines“, murmelte er leise. „Auch wenn deine Mutter das sturste Wesen ist, das mir jemals untergekommen ist. Hoffentlich erbst du ihr Lachen und ihre großen Augen …“

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Ende Kapitel 16

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About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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