Dancing Queen – Kapitel 18

caskett_by_slaveformusic-d5gxm3n - Bearbeitet#+#+#

Kapitel 18 

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Wieso hätte ich auch an Castles Verhalten in der Arbeit etwas ändern sollen, nur weil sie nun offiziell kundgetan hatte. Bei dem Doppelmord handelte es sich fataler Weise nicht nur um eine Frau in Kates Alter sondern auch um ein Kleinkind. Beide waren, so vermutete das Team, vom Vater des Kindes umgebracht, um ihre Existenz vor der eventuell vorhandenen Ehefrau zu verbergen. Wie sie auf diese Idee gekommen waren? Er hatte sich selbst aus den aufgestellten Familienfotos gerissen. Sie trug keinen Ehering und es befanden sich keine männlichen Kleidungsstücke im Kasten der kleinen Wohnung.

Castle hatte Angst, dass der Fall zu viel für Kate sein würde. Doch sie war lediglich starr. Sie lächelte nicht, zeigte keinerlei Emotion. Einige Male sah er, dass ihre Hand auf ihrem Bauch ruhte, schützend. Doch als Rick sie berühren wolle, zog sie sich zurück, ließ es nicht zu, dass seine Finger ihren Arm streiften, seine Hand auf ihrem Rücken lag.

Vier Tage dauerte es, bis sie den Liebhaber gefunden hatten und dieser sich mit Kate im Verhörzimmer befand. Bryan Onson war 45 Jahre alt, politisch engagiert und konservativ bis zum letzten Knochen. Er hatte eine Ehefrau und vier Kinder, die Geliebte stand ihm im Weg, nun da sie ein Kind hatte, ein Druckmittel. Mit einem Küchenmesser hatte er ihnen die Kehle durchgeschnitten, sie langsam ausbluten lassen, hatte gewartet, bis sich ihre Lungen mit Blut gefüllt hatten und sie elendiglich ertranken.

„Sie hatte kein Recht meine Familie zu zerstören“, argumentierte Onson in Kates Gegenwart.

„Sie war ihre Familie“,  kommentierte Beckett.

„Nein. Karen sollte mir für sexuelle Wünsche zur Verfügung stehen, dafür habe ich sie bezahlt. Nicht für eine Schwangerschaft. Nicht dafür, dass sie droht, bei meiner Frau vorstellig zu werden.“

Die dunkelhaarige Polizistin bebte vor Wut. Für sexuelle Wünsche zur Verfügung stehen und dafür bezahlt werden, hörte sich eher nach Prostitution an als nach einer Liaison.

„Vielleicht hätten sie sich das überlegen müssen, bevor sie ficken?“, schrie sie ihn an, stieß den Sessel, auf dem sie gesessen war, zu Boden und umrundete den Tisch. „Vielleicht hätten sie ihrer Frau nicht untreu werden sollen? Vielleicht hätten sie den heiligen Bund der Ehe, der ihnen so wichtig ist, nicht brechen sollen? Vielleicht …“, doch bevor sie noch ein Wort sagen konnte, sich weiter in Rage reden konnte, griff Esposito sie am Arm und zog sie aus dem Verhörzimmer.

Nun war es perfekt. Sie schäumte. Ihre Wut dem Ehemann gegenüber projizierte sie nun auf ihren Kollegen. „Wie kannst du es wagen?“, schrie sie ihn an und schlug gegen ihn. Doch er sagte kein Wort. Die aufgestauten Emotionen der letzten Tage, der Ekel, die Wut und Aggression, brach nun aus ihr hervor, als sie mit ihren kleinen starken Fäusten gegen Javiers Brust einschlug, doch dieser wehrte sie nicht, hielt sie nicht davon ab. Das Gegenteil war der Fall. Er hielt sie fest, bis Tränen begannen ihre Wangen hinabzulaufen.

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Jeden einzelnen Tag hatte Rick sie gefragt, ob sie zum Abendessen komme wolle. Jedes einzelne Mal lehnte sie ab, hatte eine fadenscheinige Ausrede, wieso sie kein Interesse an dem Beisammensein hatte. Es war Freitag, als er ihr einen Berg Papiere und Kataloge auf den Tisch legte und dann wieder verschwand.

Als Kate diese auf ihrem Schreibtisch fand, klebte ein Post-it darauf: „Kinderzimmermöbel und dein Schlafzimmer aussuchen, Couch für den Wohnbereich im Dachgeschoß. Böden werden am Wochenende verlegt. Leitungen bereits erneuert. Entscheidung brauche ich bis Sonntag. – R.“

Zuerst schob sie all das von sich, wollte sich an diesem Tag nicht damit beschäftigen. Immer noch war sie entsetzt, dass sie sich in Espositos Gegenwart hatte so gehen lassen. Zudem fand sie seit Tagen keine Ruhe. Überhaupt keine. Im Bett wälzte sie sich von einer auf die andere Seite. Somit hatte sie sich nächtens eine Beschäftigung gesucht, sie hatte begonnen Kartons zu packen, die Martha ihr vorbeigebracht hatte.

Nun war es Freitagabend und sie stand in Jogginghosen und einen zu kurzen Top vor einem Karton, den sie bereits beschriftet hatte und in dem sich Bücher befinden sollten. Doch auch das machte ihr keinen Spaß. Erfreute sie nicht im Geringsten.

Augenblicke später stand sie nur im Slip vor ihrem großen Schlafzimmerspiegel und studierte ihren veränderten Körper. Komfortable waren nur noch reifenlose BHs, alle anderen drückten ihr ins Fleisch und sie hatte das ständige Gefühl, diese Bügel ständig zu richten. Einen Sport-BH konnte sie nun schlecht anziehen, also entschloss sie sich, dieses Accessoire wegzulassen.

Dann griff sie nach einem violetten trägerlosen Kleid. Es hatte etwas Elastan eingearbeitet und ließ sich so auch über die sanfte Wölbung ihres Bauches ziehen und engte ihre Brust nicht ein. Die Offensichtlichkeit ihres Zustandes verbarg das Kleid keineswegs, aber es war ihr egal. Sie hatte sich damit abgefunden, sich beinahe daran gewöhnt, dass sie ein neues Leben in sich trug und wieso sollte sie es verbergen wollen? Wenige Wochen und sie musste Kleidungsstücke tragen, die nur schwangere tragen konnten, weil sie in nichts mehr passen würde.

Die Haare waren schnell gestylt, das Make-up rasch aufgelegt und die Entscheidung in Sachen war einfach. So stand sie nun in ihrem Trenchcoat im Lift und wusste, dass es nur einen Ort gab, der sie vergessen lassen würde. Der ihr die Möglichkeit geben würd, ihre Gedanken schweifen zu lassen, sich in eine Traumwelt zu begeben, eine Welt ohne Mord und Totschlag, ohne Blut, weinende Angehörige und wütende Verdächtige.

Der Türsteher lächelte sie an und winkte sie durch. Wahrscheinlich hatte er sich gewundert, wo sie die vielen Wochen geblieben war, war sie doch zuvor ein regelmäßiger Gast gewesen.

Bereits als sie ihren Mantel abgegeben hatte und die Bässe den Boden beben ließen, fühlte sie eine gewisse Entspannung in ihrem Körper. An der Bar bestellte sie sich Gingerale mit Eis, trank wenige Schlucke bevor sie es dem Barkeeper zur Aufbewahrung gab, ein Deal, den sie mit ihm seit Monaten hatte.

Und dann begab sie sich auf die Tanzfläche. Das Lied war ihr unbekannt, aber es dauerte nur wenige Takte und sie bewegte ihren Körper zur Musik, ließ ihre Hände über ihren Kopf gleiten, ihren Körper entlang. Bald stand ihr ein Mann gegenüber. Ob sie ihn kannte, wusste sie nicht, sie achtete nicht auf Gesicht, wenn sie in diesem Etablissement war. Er trug Jeans und ein weißes Hemd mit Applikationen. Sein Parfum war schwer und verursachte eine dezente Übelkeit, daher wendete sie sich ab, hinter ihr stand bereits ein anderer.

Stunden vergingen. Die Musik war laut. Schweiß ließ ihre Haut mehr und mehr glänzen. Ihre hochgesteckten Haare hatten sich gelockert.

In dem Augenblick, als sie die Türe zum Club  betreten hatte, hatte der Türsteher Castle angerufen und ihm mitgeteilt, dass sie da war. Er hatte bereits vermutet, dass es sie an diesem Abend in den Club treiben würde. Das blaue Hemd und die dunklen Jeans ließen ihn wie einen von vielen erscheinen, als er im VIP Bereich seinen Platz annahm, ein Bier bestellte und Kate studierte, wie sie sich bewegte.

Es kam ihm vor wie damals, damals im Sommer vor vier Monaten. Jeden Freitag ein anderes Kleid. Jeden Freitag ein anderer Partner, mit dem sie geflirtet hatte.

Vielleicht war das dieses Mal der Unterschied. Sie tanzte aber flirtete nicht. Wendete sich immer wieder von den Männern ab, die sich annäherten. Einer, der seine Hände von ihren Hüften zu ihrem Bauch gleiten lassen wollte, stieß sie von sich.

Irgendwann konnte er all dem nicht mehr wiederstehen. Er bewegte sich die Treppe hinab, stand plötzlich vor ihr. Anfänglich konnte er etwas Wut in ihren Augen funkeln sehen, doch die Lage entspannte sich. Rick griff sie nicht an. Berührte sie nicht sondern ließ seine Hüften kreisen und bewegte sich einfach zum Takt der Musik, studierte währenddessen ihre Bewegungen.

Castle rechnete damit, dass sie ihn von sich stoßen würde, als seine Hände sich um ihre Hüften legten und  er sie an sich zog, ihren Rücken gegen seine Brust, doch ließ sie ihn gewähren. Im Gegensatz zum letzten Mal waren Richards Bewegungen züchtig und trieben es nicht in eine Richtung. Er machte einen weiten Bogen um ihre Brust, berührte lediglich ihre Hüften und dann lagen sie über den ihren auf ihrem Bauch. Es fühlte sich richtig an.

Natürlich sehnte er sich nach mehr, kontrollierte aber seinen Drang, mehr von ihr zu wollen, seine Finger die Beziehung, die sich langsam zu etablieren begann, zu riskieren. Kates Körper presste sich an den seinen. All die Bio-Feedback-Übungen aus Merediths Zeit bewährten sich nun, so war er in der Lage, keine Erektion zu bekommen, obwohl er ihr so nahe war und es ihn viel Willensstärke kostete, so zu reagieren. Doch sollte es an diesem Abend nicht um Sex gehen, es ging um Kates Gemütszustand.

Um den ging es auch als er sie nachhause brachte und sie es zuließ, dass er die Tränen in ihren Augen sah, sich halten ließ. Rick wartete, bis sie in ihrem Bett eingeschlafen war, bevor er die Wohnung verließ und mit dem Zweitschlüssel abschloss.

Dieser emotional grausame Fall hatte sie nicht als Paar näher gebracht sondern als Freunde.

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Als Kate in dieser Nacht von Rick nachhause gebracht wurde, verabschiedeten sie sich auf freundliche Art und Weise. Sie bot ihm keinen Kaffee oder kein Glas Wein an. Sie sagte lediglich Danke und verschwand in ihrem eigenen Wohnhaus. In wenigen Wochen würden sie dann gemeinsam in die Wohnung gehen und er würde sie am Stiegenaufgang entlassen. In wenigen Wochen würde sie, vermutete Kate, nicht mehr in der Lage sein, tanzen zu gehen, da Rick versuchen würde, es zu verhindern. Bald würde alles anders sein, kein Stein mehr auf dem anderen.

Der Lift schien ewig auf sich warten zu lassen und Kate verspürte das Bedürfnis, rasch aus dem Kleid zu stiegen, zu duschen und schlafen zu gehen. Es war lediglich drei Uhr früh, also nicht spät für Kates Verhältnisse, doch fühlte sie sich müde und erschöpft. Würde das so weitergehen? Würde sie sich immer müder fühlen, immer weniger Elan haben? Wahrscheinlich würde auch Rick sein Interesse an ihr verlieren, sobald sie erst einmal einen großen Bauch hatte und Rückenschmerzen ihren Alltag bestimmen würden. Vielleicht sollte sie die wenigen Wochen noch genießen, die ihr von ihrem richtigen Leben blieben. Ihrem Leben als Polizistin, bevor sie das als Mutter führen würde.

Als sie unter der Dusche stand, gestand sie sich ein, dass sie nichts bereute, sich auf das kleine Wesen freute, das in ihr heranwuchs. Es stellte eine neue Herausforderung dar und ihre Mutter hatte ihr als Teenager erklärt, dass sie einmal eine großartige Mutter werden würde. An die genaue Situation konnte sie sich nicht mehr erinnern. Was würde sie nur dafür geben, dass ihre Mutter nun an ihre Seite wäre? Ihr sagen würde, dass es normal war, all diese eigenartigen Sachen zu empfinden, ihr erklärte, dass es dazu gehörte, diese und jene Veränderungen am bzw. im Körper zu bemerken. Doch sie hatte niemanden.

Mit nassem Haar und in ein Handtuch eingewickelt ging sie ins Schlafzimmer, schlug den Überwurf des Bettes zurück und setzte sich nieder. In spätestens vier Wochen würde sie ein neues Bett in einer neuen Wohnung haben.  Rick hatte ihr am Heimweg erklärt, dass er mehr Leute engagiert hatte und ihnen mehr bezahlte, dafür, dass sie alle essentiellen Reparatur- und Renovierungsarbeiten innerhalb von zwei Wochen fertig hatten. Daher war es auch eine gute Entscheidung gewesen, sich für das neuere, moderne und grundsanierte Apartment zu entscheiden. Sie konnte es kaum fassen, dass alles so schnell gehen würde, sie Weihnachten bereits als kleine Familie feiern würden, auch wenn die Familie nur für die Außenwelt existierte. So waren sie Freunde. Castles Familie  und sie. Vielleicht würde sie ihren Vater einladen.

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Nicht dass Castle sich etwas erhofft hatte, am Weg nachhause, als er ihr an ihrer Türe eine schöne Nacht wünschte. Vielleicht war es mehr, als er in all den Monaten erhalten hatte. Sie hatte sich halten lassen, berühren lassen.

Und wenn er jetzt daran dachte, dass er die Handwerker überbezahlte, bereit war, Kate jeden Wunsch zu erfüllen, der ihr auch nur kurz in den Sinn kam, dann wusste er, dass es mehr war, das er für sie empfand als reine Freundschaft. Vor einem Jahr war es ein Flirten gewesen, welches ihn anregte zu schreiben, ein Blick, ein gutes Wortspiel. Nun war es Kate selbst.

Seitdem sie eingewilligt hatte, mit ihm zusammenzuziehen, hatte er bereits fünf Kapitel eines neuen Buches geschrieben. Der Anfang war ihm bisher immer schwer gefallen, der richtige Einstieg verlangte Konzentration. Und nun? Seine Gedanken kreisten nur noch um Katherine Beckett und das gemeinsame ungeborene Wesen, welches sie in ihrem trug. Etwas, das eigentlich nicht hätte passieren dürfen. Etwas Magisches.

In seinem Büro saß er nun an dem großen Schreibtisch, der Laptop offen. Er machte sich einige Notizen. Die Art und Weise wir sich ihr Körper bewegte. Sie atmete. Ihre Hände über den seinen lagen. Ihre Haut sich anfühlte. Sie roch.  Das Kleid die Wölbung ihres Bauches betonte. Er wollte sich an jeden einzelnen Augenblick erinnern können. Falls er seinem Kind jemals erzählen würde, wieso er ihre oder seine Mutter so unglaublich einmalig fand, wollte er sich an jeden Augenblick, jede Sekunde erinnern können. Und Gott, sie roch gut, das musste er sich eingestehen. Sie hatte das Parfum weggelassen, angeblich war ihr Geruchssinn momentan zu sensible und sie nahm alles zu intensiv war, also roch sie nach Erdbeeren – ihr Shampoo und Duschgel. Ihre Haut war seid und weich, er vermutete einen Hauch von Kokos gerochen zu haben, war sich aber keineswegs sicher. In Wahrheit hatte er Kate au naturel wahrgenommen. Und jeder Augenblick dieser Nacht würde für immer und ewig in seinen Erinnerungen vorhanden bleiben. Jeder einzelne.

#+#+#

Ende Kapitel 18

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Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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