Ein Weihnachtsmärchen

caskett_by_slaveformusic-d5gxm3n - Bearbeitet

Spoiler: Sagen wir einmal Staffel 3, irgendwann nach 3×11?
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Ein Weihnachtsmärchen
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Überall waren musikalische Weihnachtsklänge zu hören. Die Wohnungen waren dekoriert, die Bäume geschmückt und alle warteten sehnsüchtig auf die bevorstehenden Weihnachtsfeiertag. Seit Wochen schneite es beinahe ohne Pause und die normale Hektik der New Yorker Bevölkerung hatte sich dupliziert. 

Vor den Feiertagen passierten traditionell wenige bis keinerlei Morde. Irgendwann einmal hatte Castle Beckett gefragt, was sie zu Weihnachten vorhabe, doch war sie jeglicher Antwort aus dem Weg gegangen. Die Dienstpläne hatte er sich bereits angesehen und mit Montgomery gesprochen – dieses Mal waren Kate einige Kollegen zuvor gekommen, die frisch geschieden waren, Weihnachten nicht mit ihrer Familie verbringen konnten und sich nach Ablenkung sehnten.

Nun, es war ein Tag vor Weihnachten, stand Richard abermals mit einem kleinen Geschenk für Kate in der Hand, an ihrem Schreibtisch.  Irgendwann hatte er verstanden, dass Kate kein besonders gutes Verhältnis zu seinem Lieblingsfeiertag, gleich nach Halloween, hatte. Ihre Mutter war kurz nach Weihnachten ums Leben gekommen, am 9. Jänner.

„Was machst du hier?“, fragte Kate, wissend, dass er sicher etwas vorhatet.

„Ich wollte dies nur abliefern“, sagte er, nahm in seinem Sessel Platz und legte sein Geschenk für sie auf den Schreibtisch.

„Du solltest nicht ….“

„Vielleicht wollte ich aber?“

„Castle?“

In den letzten Wochen war das Verhältnis zwischen ihnen etwas angespannt gewesen. Auf der einen Seite gab es Josh, von dem man aber selten bis nie etwas hörte. Irgendwann hatte Lanie in den Raum gestellt, dass der junge Arzt irgendwo in Afrika sei, um die Welt zu retten.

So saß Kate mit ihren langen braunen Haaren, die in sanften Locken auf ihre Brust hinabfielen, während. An diesem kalten Wintertag trug sie einen marineblauen Rollkragenpullover und enge beinahe schwarze Jeans. Des Schnees wegen hatte sie wahrscheinlich, nahm Rick an, ihre Highheels gegen flache Stiefel getauscht, die ihr bis zum Knie reichten.

Kate war die einzige Frau in seinem Leben, die keine Stunden in der Früh im Badezimmer brauchte. Einmal, als ihre Wohnung in die Luft geflogen war, hatte sie bei ihm einige Nächte verbracht und er kannte ihre Routine – und der kunstvolle Lidstrich war innerhalb weniger Sekunden gezogen, die Tagescreme aufgetragen und ihr Lippenstift, dieser Hauch von Dior, war ebenso von einer geübten Hand innerhalb von wenigen Augenblicken aufgemalt.

Als sie weiterhin Formulare ausfüllte, studierte er sie vorsichtig, starrte sie an. Das was er so oft machte und sie normalerweise zur Weißglut brachte, aber an diesem Tag ließ sie ihn gewähren.

Oftmals fragte sich Castle, was es war, dass ihn so sehr an ihr fasziniert. Beckett war nicht so, wie seine anderen Geliebten gewesen waren. Sie war anders als Gina und Meredith. Optisch und charakterlich.

Es waren die Kleinigkeiten – ihr Lächeln, wenn sie ihren Blick auf den Boden richtete, wenn sie unsicher war. Ihre Lippen, auf die er nicht genug starren konnte. Die großen grünen Augen mit dem Hauch von Braun und Gold. Ihre Ohren. Ihre schmalen Hüften. Die Art und Weise wie sie einen Hauch von Brustansatz zeigte, aber doch alles verbarg. Die langen schlanken Finger mit den kurzen Fingernägeln.

„Willst du es denn nicht aufmachen?“, fragte er vorsichtig und schob es weiter in ihre Richtung.

Kurz warf sie ihm einen Blick zu. Unsicherheit? Es war eine längliche Box, nicht besonders hoch.

Ohne weitere Worte zu sprechen, löste Kate die Schleife und hob den Deckel der Box an. Es kam ein Gutscheinkuvert zum Vorschein. Sie hob es an und öffnete es – es war ein Gutschein für das „Eden Spa“, New Yorks größte Spa-Anlage.  Und Richard hatte mehrere hundert Dollar ausgegeben, dies wurde ihr bewusst, als sie sah, was er für sie ausgewählt hatte. Einmal hatte Beckett sich die Preisliste dieses Luxusunternehmens angesehen, dann allerdings erkannt, dass ihre finanziellen Mittel für eine Behandlung dort nicht ausreichten.

Doch der Preis war ihm egal gewesen. Er war in das Wellnesscenter gegangen, hatte sich beraten lassen und der Frau hinter der Rezeption dann erklärt, dass er ein komplettes Paket zusammengestellt haben wolle,  mit einer Lavastein-Massage, der berühmten Rosenöl-Massage, einer speziellen Gesichtsbehandlung, der Option für die Beschenkte sich wachsen zu lassen, Maniküre und Pediküre. Außerdem waren sie bekannt für ihre Ohrkerzenbehandlung, so ließ er diese auch hinzufügen.

Unsicher war er, bei dem Termin, den er ihr ausgemacht hatte. Auch die war in der Karte vermerkt.

„Am 27. Dezember?“, fragte sie vorsichtig.

„Hm …“

„Aber ich muss arbeiten …?“

Castle schüttelte nur den Kopf. Das erste was er gemacht hatte, war, dass er in Montgomerys Büro marschiert war und ihn gefragt hatte, ob sie an diesem Tag frei haben könnte, er würde ihr etwas Spezielles schenken würde.

Das Risiko, welches er mit diesem Geschenk einging, war ihm bewusst. Es könnte mehr als nur nach hinten losgehen, sie könnte ihn wissen lassen, dass sie glaube, all dies nicht zu benötigen. Doch gegen all seine Erwartungen reagierte Kate erfreut.

„Danke Castle“, sagte sie leise und zu seiner großen Überraschung, spürte er plötzlich seine Lippen auf seiner Wange.

Obwohl er sie nicht gefragt hatte, was sie zu Weihnachten tun würde. Obwohl er sie nicht gefragt hatte, ob sie zum Weihnachtsessen kommen wollte. Trotzdem war er glücklich mit dem Ausgang. Immerhin waren es ihre Lippen, die er auf seiner Wange gespürt hatte. Die sonst so verschlossene Person, komplett verschlossen, hatte ihre Dankbarkeit offenbart.

Beinahe hätte er angefügt, dass er sie gerne nach ihrem Spa-Tag zum Essen ausführen würde, doch dann kam ihm der Gedanke, dass dies vielleicht im Endeffekt zu viel war, viel zu viel.

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„Dad“, ertönte es aus dem ersten Stockwerk des Lofts, „Dad!“

„Was ist Pumpkin?“, rief er hinauf und übergoss den Truthahn noch einmal mit seinem eigenen Saft.

„Dunkelblau oder dunkelgrün?“

„Grün“, erklärte Martha und stieg die Treppen hinab in einem schwarzen Kleid mit goldenen Applikationen. Ihr Haar hatte sie in Locken gelegt, das Makeup war dezent.

„Du siehst wunderbar aus, Mutter“, erklärte Richard.

„Ich habe später noch Pläne“, offenbarte sie mit einem verschmitzten Lächeln.

„Oh …“

Das Kartoffelpüree war fertig, die Birnen für die Nachspeise waren bereits halbiert und geschält.  Sogar das Rotkraut war frisch zubereitet. Zusammen mit Martha hatte er den Tisch gedeckt, die passende Flasche Rotwein dekantiert.

Es war ein Tag der Freude und Familie, obwohl Meredith nicht einmal einen Anruf an Alexis verschwendet hatte. Auf die eine Art war Alexis verärgert, gekränkt, auf der anderen allerdings war sie es gewohnt, dass ihre Mutter selten einen Gedanken an sie verschwendete. Immerhin war sie ein Star, auch wenn niemand ihre Filme kannte. Sie wusste, dass sie damit nicht rechnen durfte – einem Anruf. Einem Geschenk. Der  typischen Geste einer Mutter.

Im Hintergrund ertönten die Klänge von Frank Sinatra und seinen Weihnachtsliedern. Es schneite abermals und die ganze Wohnung erschien in prunkvoller Weihnachtsdekoration mit einem Baum, der mehr als imposant war. Er hatte sich selbst wieder einmal übertroffen.

Im Laufe der nächsten halben Stunde kam Alexis die Stufen hinab in einem entzückenden smaragdgrünen Samtkleid, welches sie in den letzten Wochen gemeinsam mit Martha gekauft hatte. Es ließ ihre Augen noch blauer erscheinen, ihre Haut noch weißer und ihr Haar roter. Es war die Farbe, die sie strahlen ließ, als wäre sie für sie erfunden worden.

Die Geschenke waren unter dem Baum drapiert worden, drei Stapel hatten sich gefunden. Natürlich war Alexis wieder einmal der größte, versuchte Richard doch die Defizite seiner Exfrau auszugleichen, zudem liebte er die Weihnachtszeit einfach, wie auch die freudigen Augen seiner Tochter, über jedes Geschenk, welches sie auspackte.

Schließlich lief „Silent Night“ über die Lautsprecher des Lofts und gemeinsam nahmen sie Platz am Weihnachtstisch. Die Geschenke, auch wenn sie bereits unter dem Baum lagen, würden sie, bis auf eines, erst am kommenden Morgen öffnen. Es war seit Jahren Tradition, dass Alexis aus jedem Stapel eines herausnahm und dieses überreichte.

Wie jedes Jahr schnitt Richard den Truthahn feierlich an. Im ganzen Loft waren die Lichter gedimmt und Kerzen schenkten in diesen Momenten die notwendige Helligkeit, ließen die Räumlichkeiten in einer beinahe romantischen Atmosphäre erscheinen.

„Dad, es schmeckt köstlich“, kommentierte Alexis, als sie einen weiteren Löffel Kraut aus der Schüssel nahm und auf ihren Teller transferierte.

Plötzlich klopfte es an der Türe. Verwundert, wer an diesem doch feierlichen Tag stören würde, schritt Castle zur Türe und öffnete.

„Beckett“, rutschte ihm nur heraus.

Vor ihm stand eine Frau, die er in dieser Art und Weise noch nie gesehen hatte. Ihr Haar fiel in dunklen Locken auf ihre Schultern, irgendwie anders als sonst. Sie trug ein dunkelrotes Kleid und wie immer hohe Schuhe. Doch war das Kleid anders. Es war kein typischer Audrey Hepburn Stil, wie sie ihn sonst beruflich bevorzugte. Nein. Das Kleid hatte einen sich an ihren Körper anschmiegenden Oberteil und dann viel ein weiter Rock bis zu ihren Knien. Man könnte sagen, dass sie beinahe unschuldig wirkte, wäre da nicht der leicht provokative Lidstrich gewesen.

„Möchtest du Detektiv Beckett nicht hinein bitten“, stellte Martha in Frage, die mittlerweile ihren Weg zu Richard gefunden hatte.

Doch bevor ihr Sohn antworten konnte, nahm die ältere rothaarige Frau Kate an der Hand und zog sie in die Wohnung, ließ ihr keine andere Wahl.

Noch bevor Kate reagieren konnte, hatte Alexis ein weiteres Gedeck auf den Tisch gestellt, ihr ein Glas Wein eingeschenkt und ihr einen Platz im intimen Kreise der Familie zugewiesen.

„Hattest du etwas anderes vor?“, fragte Richard vorsichtig, als er ihr ein Stück Truthahn auf den Teller legte.

Es schien, als würde die junge Frau nicht recht wissen, was sie darauf antworten sollte, so reagierte sie lediglich mit einem Nicken, ihren Blick direkt zu ihm gerichtet. Das Kerzenlicht schien ihre Augen noch mehr funkeln zu lassen.

„Und, was haben sie zu den Feiertagen vor?“, fragte Martha nach, die sich gerade ein weiteres Glas Wein gegönnt hatte.

„Ich werde wahrscheinlich arbeiten, ich habe Rufbereitschaft. Mein Vater ist in Florida bei seinem Bruder und dessen Kindern und Enkelkindern. Es gibt also keinen Grund …“

Doch Kate konnte den Satz nicht vollenden. „Sie müssen bei uns bleiben, Kate!“, erklärte Alexis mit großer Überzeugungskraft. „Dad macht das beste Weihnachtsfrühstück, dann werden Geschenke ausgepackt und wir laufen den ganzen Tag im Pyjama herum. Ich kann ihnen einen leihen“, sagte sie, wissend, dass Kate nicht für solche Aktivitäten ausgerüstet war.

„Ich glaube nicht Alexis, dass das richtig wäre. Weihnachten ist ein Familienfest, also …“

„Unsinn“, schritt Martha ein. „Kind, sie sind herzlich willkommen. Im Gästezimmer ist das Bett frisch überzogen, wir leihen ihnen einen Pyjama und eine passende Zahnbürste findet sich sicherlich auch noch. Sie müssen bei uns bleiben, machen sie uns dieses Geschenk.“

Vorsichtig hob Kate ihren Blick, versuchte aus Richards Gesicht abzulesen, was er von ihr erwartete. Es war ein Lächeln, ein sanftes Nicken.

„Danke, aber ich weiß nicht ….“

„Keine Widerworte!“

Bevor sie es sich versehen  konnte, hatte man ihr Pyjama und Toilettenartikel hergerichtet. Es war sogar ein weihnachtlicher Schlafanzug mit Rentieren geworden.

Irgendwann hatte Alexis ein Kommentar über ihre Stiefel gemacht.

Irgendwann hatte Kate sie ausgezogen und lief nun nur in Strümpfen umher, bis Richard ihr ein paar dicke Socken brachte, um sich diese nicht zu zerstören.

Irgendwann hatten sie mit einer frischen Flasche Wein auch alle auf dem großen Sofa platzgenommen.

Doch bevor Alexis die Geschenke reichen konnte, griff Beckett nach einem Sack, den sie bei der Türe stehengelassen hatte. Es waren Geschenke. Sie übergab sie Alexis, um auch diese unter den Baum zu legen. Dass sie sich ihrer Handlungen nicht eindeutig sicher war, das konnte sogar Alexis erkennen. So hatte sie sich auf der Couch zwar neben Richard gesetzt, aber doch etwas Abstand gelassen.

Martha war aufgefallen, wie anders sich Kate verhielt im Gegensatz zu den Augenblicken, die sie mitbekam, wenn Richard in der Arbeit war. Dort war sie der dominante Part. Doch nun war sie in seine privaten Gefilde eingedrungen und verhielt sich wie jemand, der neu war, sich kaum auskannte, Angst hatte, einen falschen Schritt zu wagen.

Großzügig schenkte Martha Wein nach und nahm neben Kate Platz, legte einen Arm um sie und ließ zu, dem Mädchen das Gefühl der Geborgenheit zu schenken.

„Ein schöner Baum, nicht?“, fragte sie, um eine Reaktion zu erhalten.

„Wunderbar, Martha“, war ihre Antwort. Kurz und bündig.

„Weihnachten ist nach Halloween Richards Lieblingsjahrezeit. Er schmückt so gerne die Wohnung, den Baum und beschenkt seine Mitmenschen.“

„Ich weiß …“, flüsterte sie beinahe du Martha konnte sehen, wir ihr dezent Röte ins Gesicht stieg.

„Er hat ihnen  etwas geschenkt?“

„Einen Gutschein für das Eden Spa“, antwortete Kate leise.

„Oh …. Das ist wunderbar. Eine wunderbare Entspannung. Wann haben sie das letzte Mal solch eine Entspannung genossen? Die Lavastein Massage ist einfach ein Traum!“

„Noch nie ….“

„Wieso feiern sie nicht mit ihrem Vater?“, fragte Martha, unwissend, dass der Tod ihrer Mutter so nahe an Weihnachten gelegen hatte.

„Seit dem Jahr, in dem meine Mutter verstarb … am 9. Jänner … feiern wir nicht mehr. Damals stand der Weihnachtsbaum noch …“

„Oh mein Liebes, das habe ich nicht gewusst“,  erwiderte sie und presste Kate enger an sich. „Es tut mir Leid, dass ich gefragt habe.“

„Kein Problem. Es sind bereits viele Jahre vergangen seitdem …aber Weihnachten … abgesehen davon, Dad ist immer bei seinem Bruder, weil dieser kleine Enkelkinder hat und ich habe …. Es gibt ja niemanden …“

„Dann werden sie in Zukunft einfach mit uns feiern, Kate. Wir freuen uns darüber, wenn sie da sind. Oder Richard?“

„Mutter?“, fragte Richard, der mit Alexis sich an einer Partie Schach versuchte.

„Ich habe zu Kate gesagt, dass wir uns freuen würden, wenn sie Weihnachten bei uns feiern würde. Niemand sollte zu Weihnachten alleine sein. Nicht heute und nicht morgen.“

Doch noch bevor Castle etwas sagen konnte, unterbrach Alexis bereits und erklärte, dass sie sich mehr als nur freuen würde. Vielleicht könnte sie mit ihr am morgigen Nachmittag Nüsse rösten, sie dürfe auch den Film aussuchen. Gemeinsam würden sie die Couch ausziehen und gemütlich Filmschauen, so wie sie es jedes Jahr täten.

Kate war verunsichert. Familie von Null auf Hundert. Auf der einen Seite freute sie sich über die Zuneigung, die ihr Castles Tochter entgegenbrachte. Auf der anderen Seite war es gefährlich, emotional zu sehr in all dies involviert zu werden. Ricks Zeit, die Zusammenarbeit könnte jeden Tag vorbei sein, zu oft hatte er bereits diverse Grenzen überschritten, Grenzen, die sie sorgfältig gesetzt hatte.

Der Abend schritt voran und irgendwann überreichte Alexis Martha und ihrem Vater jeweils ein Geschenk, verschwand dann rasch und wortlos in ihr Zimmer und kam mit einem kleinen Papiersackerl wieder hinab, reichte es Kate.

„Fröhliche Weihnachten, Detektive Beckett“, sagte sie schüchtern.

„Kate, Alexis, du kannst mich doch Kate nennen.“

In Ausgleich reichte Rick seiner Tochter ein Geschenk.

Wie ein kleines Kind starrte Castle die Box an, die ihm Alexis gereicht hatte. Es war eine Schachtel, die in rotes Papier gewickelt war. In Becketts Handschrift stand sein Name darauf.

„Das wäre nicht notwendig gewesen“, sagte er und bemerkte, dass Kate ihn genau beobachtete, mittlerweile auch etwas näher bei ihm saß als zuvor, was eventuell auch daran lag, dass Martha nun mit Alexis am Boden vor dem Baum platzgenommen hatte.

Als er den Deckel anhob, schenkte sie ihm ein Lächeln, welches er beinahe nicht gesehen hatte.

Es war ein Buch. Er nahm es vorsichtig aus der Schachtel und öffnete den Buchdeckel – „The Narrative of Arthur Gordon Pym of Nantucket“ von Edgar Allen Poe.

„Danke Kate“, sagte er und zog sie in eine Umarmung an sich heran. Es war nicht nur einfach ein Buch von Poe, es war eine Erstausgabe und er wusste, wie schwer diese zu bekommen waren. Sie konnte dieses Buch nicht innerhalb der letzten zwei Tage erworben haben, so etwas musste man suchen. Rick presste vorsichtig einen Kuss gegen ihre Wange, berührte damit noch ihren Mundwinkel.

Anfänglich war die Polizistin überrascht von seiner Geste, war angespannt. Dies ließ allerdings nach wenigen Augenblicken nach, sie entspannte sich und genoss diesen kurzen intimen Moment, bevor er seine Arme von ihrem Rücken löste und sie wieder freiließ.

Es dauerte nicht einmal eine Sekunde und sie vermisste bereits die Wärme seines Körpers, schloss die Arme um sich und die Beine an. Ohne weitere Worte reichte Rick ihr eine Decke und sie nahm sie dankend, aber ebenfalls wortlos an.  Sie war immer noch verwundert, unsicher, was all dies zu bedeuten hatte, doch sie würde sich sofort wieder umarmen lassen. Es war solch ein wunderbares Gefühl gewesen, das Gefühl von Vollkommenheit. Innerer Wärme. Sie fragte sich wiederholt, ob es wohl so war, wenn man jemanden liebte.

Lange dauerte es nicht und Kate schlief, in Gedanken versunken, auf der Couch ein, friedlich. Rick hatte nicht das Herz, sie aufzuwecken, also brachte er eine zweite Decke und ließ sie schlafen.

+++

Irgendwann in der Nacht hörte Rick Schritte im Wohnzimmer. Da er bisher keinen Schlaf gefunden, sondern immer noch in dem Buch gelesen hatte, ging er vorsichtig ins Wohnzimmer.

„Kate?“, sagte er leise und erweckte sofort ihre Aufmerksamkeit.  „Was machst du?“

„Ich suche meine Sachen zusammen“, entgegnete sie vorsichtig und tappte im Dunklen durch das Zimmer. Nur in Boxershorts bekleidet ging er auf sie zu und nahm ihr die Tasche aus der Hand.

„Ich dachte du bleibst  …. Ich meine …. Du hast Alexis versprochen ….“

„Castle, das ist alles kompliziert.“

„Wieso? Es könnte doch so einfach sein.“

„In meinem Leben ist nichts einfach.“

Bei diesem Gespräch war Kate immer weiter nachhinten gegangen und Rick auf sie zu, bis sie schließlich an der Küchentheke anstand. Natürlich kam er näher auf sie zu. Intimidierte sie beinahe durch seine Größe.

„Rick …“, begann Kate, doch bevor sie aussprechen konnte, waren seine Hände in ihren Haaren und er zog sie an sich heran, begann sie zu küssen, ohne Rücksicht auf die Worte, die sie loswerden wollte.

Es dauerte nur wenige Augenblicke und sie küsste ihn zurück. Anfänglich schien es ein einfacher Kuss zu sein, doch das änderte sich rasch.

„Es kann alles einfach sein“, murmelte Rick abermals, „so einfach.“

Im selben Moment waren seine Hände an ihrer Brust, die immer noch durch das Kleid verdeckt waren.

„Nichts ist einfach in meinem Leben, Rick, nichts. Alles ist kompliziert.“

„Ich mag kompliziert. Und ich mag dein Kleid sehr gerne.“

„Danke“, antwortete sie und küsste ihn vorsichtig, um ihn wissen zu lassen, dass es nicht nur er war, der sich von diesem intimen Augenblick viel erwartete, erhoffte.

„Noch besser würde mir gefallen …“, flüsterte er und ließ seine Hände an den Zipp ihres Kleides wandern.

„Es geht alles so schnell“, antwortete die dunkelhaarige Frau.

„Sind denn drei Jahre Vorspiel nicht genug? Wir tanzen seit Jahren um diesen Moment herum. Drei Jahre.“

„Aber ich … ich meine … wenn ich mit einem Mann …“

„Ich liebe dich“, murmelte er und in diesem Augenblick erstarrte sie. „Kate?“

„So etwas sagt man nicht so leichtfertig, nicht einfach so.“

„Das tue ich nicht.“ Einmal holte er tief Luft. „Ich liebe deine Augen – so groß und grün, die mich anfunkeln können. Deine langen schlanken Finger, deine vollen Lippen, die du zusammenpresst, wenn du nachdenkst. Die Art und Weise wie du die Hände in die Hüften stemmst, wenn du vor dem Board stehst und nachdenkst. Ich liebe die Art und Weise, wie sich deine Hüften bewegen, wenn du im Revier an mir vorbeigehst, in den viel zu hohen Schuhen. Die Art wie du böse auf mich wirst, mich zurechtweist. Ich liebe so viele Sachen an dir …“

„Aber wieso hast du niemals ….? Ich meine … wenn ich nicht ebenso empfinden würde, hätte ich dich niemals wieder zurückgenommen, nach all dem was passiert war … Gina und  …“

Doch bevor sie den Satz vollenden konnte, stand sie schon inmitten seines Schlafzimmers. Am Weg dorthin war irgendwann das Kleid zu Boden gefallen. Und so stand sie nun in einem schwarzen Spitzenbustier, dem dazu passenden French-Cut-Höschen und schwarzen halterlosen Strümpfen  vor ihm. Genau das Gegenteil von unschuldig traf nun zu. Kate war schüchtern, errötete leicht, als er sie genau studierte.

„Du bist einfach wunderschön. Das schönste Weihnachtsgeschenk, das man mir jemals gemacht hatte.“

„Oh Rick …“, murmelte sie, als er seine Finger über ihren Bauch gleiten ließ. Er saß nun am Bett und sie stand zwischen seinen Beinen.

„Ich glaube, ich habe mich bereits in dich verliebt, als du deine Marke auf meiner Book-Party zücktest, während unseres ersten Falls. Erinnerst du dich?“

„Die signierte Ausgabe? Den Kuss, den ich am Ende bekommen habe? Natürlich erinnere ich mich daran.“

„Damals war dein Haar kürzer. Dein Make-up anders“. Ricks Finger glitten abermals über ihren Bauch, berührten sanft die Unterseite ihrer Brust, hackten schließlich mit gekonnter Hand den BH auf.

„Ich könnte dich stundenlang anschauen, Katherine.“

„Kate“, erwiderte sie kurz. Und innerhalb von wenigen Sekunden lag er auf dem Rücken auf seinem Bett und Beckett war über ihm. „Weniger Worte, mehr Action“, ließ sie ihn wissen.

Sofort wendete sich das Blatt, Kate war unter ihm und er begann ihren Körper zu küssen, sie bis auf ihre Strümpfe zu entkleiden. Seine Boxershorts waren bereits abhandengekommen und sie sah zum ersten Mal seine beeindruckende Erektion.

Vorsichtig griff er in seine Nachttischschublade und holte ein Kondom hervor, streifte es rasch über bevor er in sie eindrang blickte er ihr noch einmal in ihre großen, grünen Augen.

„Bist du dir sicher?“, fragte Rick.

„Sicher. Ganz sicher.“

Kate versuchte sich zu entspannen, doch war sie noch nie mit einem Mann seiner Größe zusammen gewesen und daher etwas angespannt.

Aber Richard war ein wissender Liebhaber, wissend, dass  es anfänglich für viele Frauen oftmals nicht angenehm war. So drang er vorsichtig ein, wartete, beobachtete Kates Reaktion, bevor er sich abermals zu bewegen begann.

Es war ein langsames Liebemachen, sehr langsam. Aber er berührte sie an all den richtigen Plätzen, stimulierte sie genau dort, wo sie es brauchte. Und es fühlte sich verdammt gut an. So hatte Kate sich schon seit langer Zeit nicht mehr gefühlt.

Rick ließ sie kommen, wartete, bis sie von ihrem Hoch wieder herabkam bevor er sie mit Küssen überhäufte und schließlich selbst kam.

Als sie schließlich aneinander gekuschelt im Bett lagen und Kate ihren Kopf an seiner Brust hatte, fühlte sie sich schließlich wirklich vollkommen. Perfekt.

„Bleib hier“, murmelte Kate.

„Kondom“, antwortete Rick kurz, verknotete es und ließ es in den Mistkübel neben dem Nachtkästchen wandern.

Schließlich lag Kate auf ihrer Seite, Rick an ihren Rücken gekuschelt und ließ seine Finger unter den Laken über ihren Körper gleiten. Er liebte ihre Reaktionen, wie sich ihre Bauchmuskeln anspannten, sie kitzelig war oder Geräusche machte, die ihn beinahe wieder soweit brachten, in der Lade ein Kondom suchen zu müssen.

„Danke Rick, für den Gutschein für das Spa.“

„Wenn ich jedes Mal solch ein Retourgeschenk von dir bekomme, schenke ich dir jeden Tag etwas.“

Beide lachten noch einmal gemeinsam, bevor sie eng aneinander liegend einschliefen, als hätten sie in all den Jahren zuvor niemals etwas anderes gemacht.

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ENDE 

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A/N …. Out of Character? Tja … egal … One Shots sind tendenziell immer etwas OoC und man kommt schnell zum Punkt … aber das ist ja auch das nette daran 😉

R&R

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About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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