I need a Hero – Kapitel 1&2

2013-05-04 08.03.29 - Bearbeitet

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Kapitel 1 

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Die Kälte New Yorks ließ Eisblumen auf Olivias Wohnzimmerfenster wachsen. Sie saß im Dunklen auf ihrem relativ neuen hellgrauen Sofa, die violetten und dunkelgrauen Polster lagen in einer Ecke. Es war zwei Uhr früh und sie war vor wenigen Minuten von einer kleinen Tour durch die Nachtwelt New Yorks zurückgekommen. Irgendwann zwischen der vierten und fünften Bar, hatte sie die Lust verloren und hatte ein Taxi nach Hause genommen. 

Der Rechtsanwalt aus Bar Nummer eins, schien zwar ein ganz netter Mensch zu sein – sie entsann sich, dass sein Name Jake gewesen sein könnte. Er hatte ihr seine Telefonnummer gegeben und angeboten, mit ihr in ihre Wohnung zu gehen. Dann erkannte sie, die helle Stelle an seinem Ringfinger, von dem vermeintlichen Ehering, den er dort tagsüber trug.

Olivia machte kurzen Prozess, entschuldigte sich, schob vor, dass sie am nächsten Tag zeitig aufstehen müsse und sich gerne bei ihm melde. Noch am Weg aus der Bar, hatte sie seine Visitkarte auf den Boden fallen lassen.

In der zweiten Bar, O’Shannagan’s, passierte etwas Ähnliches nur war der Mann, Stephan, nicht verheiratet. Er war Immobilienmakler, dies wäre für Olivia noch akzeptabel gewesen. Nach dem ersten drei Drinks hörte er auf von Immobilien und sich selbst zu sprechen, jetzt stand seine ach so perfekte Mutter, ihre stets korrekt liegenden Haare, ihr Parfum  und all die so wundervollen Sachen, die seine Mutter tat, hatte oder vollbrachte. Der Abgang war ähnlich dem ersten.

Auch im Donnelly’s war es keinesfalls besser. Dort war es eine Frau, die versuchte Olivia näher zu kommen. Nicht, dass sie dieser Erfahrung abgeneigt war aber im Endeffekt war auch diese Frau in einer festen Beziehung, mit einem Mann, und sehnte sich nur nach einem Divertissement – einem Zeitvertreib.

Auf ihrem Weg zur vierten Bar, dem Heart & Heart, zweifelte sie mittlerweile an ihrer Mission einen Partner für eine Nacht zu finden, der ihre Sehnsüchte zufriedenstellen würde und sie nicht ausnütze, der eventuell am Morgen auch noch da wäre.

Selbstverständlich war dies in Wahrheit nicht das, nachdem sie sich sehnte. Sie wollte keine schnellen Affären, One Night Stands sonder eine ehrliche Beziehung. Mit 39 Jahren fühlte sie sich, als hätte sie in ihrem Leben etwas versäumt, bereute manch eine ihrer Entscheidungen. Sie könnte heute eine verheiratete Frau sein, 2.5 Kinder haben und ein Haus mit einem weißen Zaun, aber nein, sie hatte sich stets dagegen entschieden.

Es hatte einige interessante Männer in ihrem Leben gegeben, die ihr Angebote gemacht haben. Mehr als nur einen.

Im Heart & Heart lernte sie Samuel kennen – 190cm groß, pure Muskelmasse, blonde kurze Haare, smaragdgrüne Augen und seine Jeans kombiniert mit dem schwarzen enganliegenden T-Shirt saßen perfekt. Er schmeichelte ihr. Samuel war ein paar Jahre älter als sie, geschieden und Vater von zwei Töchtern im Vorschulalter.  Er mochte Motorräder, liebte große Reisen und surfte für sein Leben gerne. Kurze Zeit hatte Olivia gedacht, dass er jemand sein könnte, mit dem sie zumindest eine Nacht verbringen wolle, aber dann, kurz nachdem sie sich zu küssen begonnen hatten, begannen seine Fragen nach ihren sexuellen Vorlieben. Nein, Olivia war nicht prüde, im Gegenteil, sie war weit davon entfernt, aber so stellte sie sich keine erste Begegnung vor. Seine Fragen nach ihren Handschellen irritierten sie anfänglich, dann fragte sie ihn, was er sich vorstelle und er gestand, dass er immer schon ein Fable für das an Bett Fesseln seiner Gefährtinnen hatte, es liebte, sie zu überraschen und einfach zu nehmen, immer schon Vergewaltigungsfantasien hatte, die er unbedingt einmal ausleben wollte. Olivia wurde schlecht. Sie zahlte dieses Mal nicht einmal für ihre Drinks, erklärte ihm, dass sie auf die Toilette müsse und verschwand.

Wieso gab es in ihrem Alter keine Männer mehr, die etwas taugten? Die keine komplizierte Vergangenheit, einen Mutterkomplex oder abartige sexuelle Wünsche hatten?

Sie zog ihre Jacke enger um ihre Schultern, bereute das Schulterlose dunkelblaue Top angezogen zu haben,  da es mindestens fünf Grad unter null hatte. Hoffnungen wurden in dieser Nacht wieder begraben.

Where have all the good men gone

And where are all the gods

Where’s the street-wise Hercules

To fight the rising odds

Isn’t there a white knight upon a fiery steed

Late at night I toss and I turn and dream of what I need. 

In der Dunkelheit in der sie nun saß, konnte sie immerhin keinerlei Schatten sehen, fühlte sich aber genau so alleine, einsam, wie zuvor. Seit Jahren hatte sie keine Beziehung gehabt, die länger als ein paar Wochen gedauert hat, niemals war sie bei einem Mann oder er bei ihr eingezogen, maximal eine Lade hatte sie freigemacht, im Bad ein wenig Platz zur Verfügung gestellt.

Es ging ihr bei all dem nicht darum, möglichst viel guten Sex zu haben, Nächte lang einen Orgasmus nach dem anderen zu haben, obwohl der eine oder andere nicht selbst herbeigeführte eine nette Nebenerscheinung wäre.

Doch kein Mann mit dem sie sprach oder ab und an auch mit nach Hause brachte, glich dem Mann, dem ihr Herz gehörte. Sie hatte sich irgendwann damit abgefunden, dass sie mit einem Mann zusammenkommen würde, dem nicht ihr Herz gehören würde, vielleicht ein kleiner Teil.

Jeden einzelnen Tag ihres Lebens musste sie sich heutzutage eingestehen, dass das Arbeiten ihr innerliche Schmerzen bereitete, dass jeder einzelne Tag eine Qual war. Eine süße auf der einen Seite, da sie ihm nahe sein konnte, eine schmerzhafte, da er immer noch sein goldenes Band um den Finger trug, ein Band das ewige Treue bedeutete.

Sie kannte ihn zu gut, um noch Hoffnung zu haben, dass er es jemals ablegen würde. Einst einmal waren sie an dem Punkt, er hatte gezweifelt, war ausgezogen. Kurze Zeit hatte sie sich Hoffnungen gemacht, Acht darauf gegeben, dass ihre Wohnung stets perfekt zusammengeräumt war, ihr Schlafzimmer in dezent romantischer Stimmung. Sie hatte in neue Bettwäsche investiert, von den standardisierten gräulichen und beigen Laken zu violetten, roten, blauen und grünen gewechselt, von einfacher Baumwolle und Synthetik zu ägyptischer Baumwolle und Seide, ein wenig Satin. Aber sie hatte sie diese niemals mit ihm geteilt. Ein einziges Mal hatte er ihr Schlafzimmer betreten, um sich umzuziehen.

Und all dies war schmerzhaft. Seine blauen Augen, die dem Blau des Meeres glichen. Sein muskulöser Körper, besonders wenn die Hemden um seine breite Brust spannten und der perfekte Gluteus Maximus. Sie konnte nicht genug von diesem bekommen. Seine großen Hände, die sicherlich ihre Brüste umschließen konnten und seine Lippen, das wahrscheinlich weichste an diesem harten, maskulinen Körper. Was diese bloß tun konnten?

Olivia griff zu dem Glas, welches auf dem Couchtisch stand, gefüllt mit eiskaltem Wodka. Es war die einfachste Methode um den Schmerz wenigstens in der Nacht zu besiegen, um in einen traumlosen Schlaf zu fallen.

Außenstehende würden vermuten, dass sie ein Problem hat. Die einzige Möglichkeit um Schlaf zu finden bestand darin, Schlaftabletten oder Alkohol zu konsumieren. Oftmals war sie schon in der Früh aufgewacht und starke Kopfschmerzen quälten sie. Sie sagte sich dann immer, dass sie wenigstens geschlafen hatte, wieder wach genug war, um den nächsten Verbrecher zu schnappen.

Allerdings war all dies nicht so einfach. Letzte Woche war Elliot einmal in ihr Apartment hochgekommen und hatte gesehen, dass zwei leere Wodka Flaschen bei der Abwasch standen. Er hatte sie gemustert bevor er etwas gesagt hatte. Natürlich hatte sie gelogen. Natürlich. Sie hatte ihm erklärt, dass Alex hier gewesen sei und sie gemeinsam getrunken hatten. Seit diesem Abend versteckt sie die geleerten Flaschen unter der Abwasch, dort würde er sie mehr sehen, falls er irgendwann einmal wieder ihre Wohnung betrat.

Heute Abend war es ihr, sie versuchte zu rechnen, elfter Drink. Ihr Kopf würde morgen schmerzen, aber sie hatte frei, daher sagte sie sich, dass sie wohl den einen oder anderen noch vertragen würde, um die Niederlagen des heutigen Abends zu vergessen.

Manchmal funktionierte es immerhin. Aber nicht immer.

Olivia schlief auf der Couch ein, immer noch in den dunklen Jeans und dem roten halterlosen Top.

Erst das laute Pochen an ihrer Türe weckte sie in den späten Morgenstunden aus ihrem traumlosen Schlaf. Als sie sich aufsetze und wunderte, wer sie um diese Zeit stören könnte, drehte sich ihre Welt. Ihr war übel, sie hatte Kopfschmerzen. Wortlos öffnete sie die Türe, nachdem sie im Spion erkannt hatte, dass es sich um Elliot handelte, der sie geweckt hatte.

Wortlos ging sie ins Badezimmer, duschte und ließ ihn alleine im Wohnzimmer warte.

Wortlos gingen sie zum Auto.

Wortlos fuhren sie zum Tatort.

Sie hatten sich nichts mehr zu sagen. In all den Jahren waren ihnen die Worte ausgegangen.

+#+#+

I need a hero

I’m holding out for a hero `til the end of the night

He’s gotta be strong

And he’s gotta be fast

And he’s gotta be fresh from the fight

I need a hero

I’m holding out for a hero `til the morning light

He’s gotta be sure

And it’s gotta be soon

And he’s gotta be larger than life

+++

Der Tatort glich einem Schlachtfeld. Nicht nur, dass an allen Wänden Blutspritzer zu sehen waren, waren auch die Eingeweide der Frau im Zimmer verteilt worden. Das Baby, welches sich immer noch nicht beruhigt hatte, hatte der Mörder der Mutter an den ausgeweideten Körper gebunden.

Allerdings hatte sie schon vor Jahren begonnen, Tatorte wie diesen auszublenden. Würde sie dies nicht tun, hätte sie in einem Beruf wie diesem keine Chance. Es schien jedoch, als würden die Morde von Jahr zu Jahr grausamer werden. Was wollte der Mörder mit diesem nur ausdrücken? Die Mutter brutal aus dem Leben des Kindes reißen und dann eventuell auch noch für den Tod des Kindes verantwortlich sein? Hätten Nachbaren das klägliche Weinen des Säuglings nicht gehört, wäre dieser mit einer gewissen Sicherheit qualvoll verhungert.

Wortlos gingen sie durch das Zimmer, jeder machte sich einige Notizen. Manchmal fragte sie sich, was in ihm vorging, fragen würde sie ihn nie. Vor Jahren hatten sie begonnen, weniger zu kommunizieren, weniger Zeit mitsammen zu verbringen.

+++

Anstatt mit Munch und Fin mittags  zu essen, hatte sie wieder einmal ihren Mantel übergeworfen, den dicken Schal um ihren Hals gelegt und hatte wortlos das Revier verlassen. An einer Ecke nahe des Parks hatte sie sich einen Tee und ein Sandwich gekauft und saß nun auf einer einsamen Parkbank. Die Kälte die langsam ihre Gliedmaßen in Besitz nahm, ihre Muskeln leicht schmerzen ließ, waren nötig um sie am Leben zu halten. Sie fühlte nichts mehr, alle Emotionen, Gefühle hatten ihren Körper verlassen. Schmerz war das einzige, was sie noch wahrnahm. Und dieser Schmerz tat gut. Sie lehnte sich zurück, den Becher mit dem inzwischen ausgekühlten Getränk neben sich stehend, und ließ sich den eisigen Wind ins Gesicht wehen, den Schnee auf ihre Hose fallen.

Ihre innere Uhr teilte ihr mit, dass es Zeit war, wieder zurückzukehren, um sich den restlichen Tag mit dem grausamsten Fall dieses Jahres zu beschäftigen.

Als sie ihren Mantel aufgehängt hatte, merkte sie erst, dass Elliot nicht anwesend war. Ein Teil von ihr wollte wissen, wo er war, ein anderer sagte ihr, dass er eine Entscheidung getroffen hatte, sie nicht mehr in seinem Leben brauchte. Nicht sie. Nicht ihre Freundschaft. Nicht die starke Verbundenheit, die einst zwischen ihnen existiert hatte.

Sie setzte sich an den PC, erledigte einige Telefonate und holte schlussendlich den pathologischen Befund von Melinda ab. Immer noch kein Elliot an seinem Schreibtisch, als sie aus der Gerichtsmedizin zurückkehrte.

Dr. Warner hatte herausgefunden, dass die Frau wahrscheinlich noch gelebt hatte, als man ihr den Bauch aufschnitt, dann aber – so nahm Melinda an – rasch in eine Art Koma gefallen ist, da die Schmerzen solch eines ausgelöst haben mussten. Man hatte ihre Gedärme entfernt und der Mörder hat, aus bisher noch ungeklärtem Grund, den Uterus der jungen Frau mitzunehmen. Die Spurensicherung hatte ihn nicht gefunden, auch nicht, nachdem sie diverse Mülltonnen vor dem Haus und in dessen Umgebung durchsucht hatten.

Als Olivia bei der Kaffeemaschine stand und langsam Pulver in den Filter schüttete, trat Elliot vom Gang in das Büro hinein. Auf seiner Haube konnte man eine dünne Schneeschicht erkennen. Er sagte kein Wort. Sie hatte seine plötzliche Anwesenheit nur im Augenwinkel mitbekommen.  Vor einigen Jahren hätte sie ihm eine frische Tasse auf den Tisch gestellt, sich gegen die Kante gelehnt und ein wenig mit ihm geflirtet, bevor sie ihn gefragt hätte, wo er die ganze Zeit gewesen sei. Aber heute war alles anders. Sie stellte die Tasse mit dem bitteren, dunklen Getränk auf ihren Tisch und widmete sich wieder ihren Notizen, die sie während der Telefonate gemacht hatte. Sie tippte vielleicht zehn Minuten oder auch eine Stunde diverse Vermerke in die online Akte. Elliot sprach kein Wort mit ihr, blickte nicht auf.

Als es sechs Uhr wurde, schneite es immer noch. An diesem Tag waren es sicherlich schon 40 Zentimeter, die auf den Straßen liegen geblieben waren, 40 Zentimeter, die den Verkehr zum Stocken brachten, die U-Bahnen zum Überlaufen brauchten und eine unfreundliche Stimmung über ganz New York verbreiteten. 40 Zentimeter, die sie merken ließen, dass sie einsam war, besonders wenn sie an den Menschen vorbei ging, die vor dem Haus oder im Park einen Schneemann bauten, sich mit Schneebällen bewarfen oder einfach nur eng umschlungen durch den frischen Schnee wanderten.

Sie stand auf, murmelte ein leises „Auf Wiedersehen“ zu ihren Kollegen, nahm ihren Mantel und machte sich auf den Weg nach Hause. Sicherlich hätte sie noch länger arbeiten können, doch niemanden würde es auffallen – dachte sie – wenn sie nicht mehr da wäre. Niemand würde sich darum kümmern, was sie an diesem Tag erledigt hatte und was nicht, solange das Endresultat stimmte. Solange sie den Fall lösten und der Bösewicht hinter Gitter landete.  Solange sie Helden waren, ihre Namen in den Medien vorkamen, solange kümmerte es niemanden.

Solange die Arbeit erledigt wurde, war es unwichtig, wer diese tat.

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Der Schnee, der auf ihren Kopf fiel, ließ die Kälte langsam aber stetig ihren ganzen Körper durchfluten. Es war das erste Mal seit der Mittagspause, dass sie sich lebendig fühlte, besonders, als sie ihre Hand durch den Schnee gleiten ließ. Er war nicht nur feucht sondern kalt, der Wind ließ es noch kälter erscheinen. Wahrscheinlich waren es nur drei oder vier Grad unter null aber die Straßen wurden allmählich zu Eisfahrbahnen.

Der Marsch nach Hause dauerte keine Stunde, trotz des Umweges den sie machte. In einem kleinen indischen Shop kaufte sie eine Flasche polnischen Wodka und nahm eine Pizza vom Restaurant um die Ecke ihrer Wohnung mit.

Es hatte Zeiten gegeben, da wären sie, wenn sie einen Fall wie diesen bearbeiten, am Abend etwas Essen oder Trinken gegangen, hätten bei ihr auf der Couch gesessen und diverse Szenarien durchgespielt oder einfach über Wünsche und Träume geredet, niemals etwas, das zu persönlich war.

Das erste, was sie zu Hause tat, war, die Pizza auf dem Couchtisch abzustellen, einen Sender mit einer für sie emotionslosen Sportübertragung anzuschalten, an diesem Tag war es Skispringen.

Den Wodka trank sie wie Wasser zu ihrem Abendessen und langsam setzte die erhoffte Wirkung ein, alles schien in einen Art grauen Schleier gehüllt, unklar, unscharf.

Kurze Zeit, eine halb Flasche und ein Viertel Pizza, später, fühlte sie die Einsamkeit, die Sinnlosigkeit ihres Lebens wieder.  Es war Melancholie, vielleicht Depression  – nur verweigerte sie die Hilfe eines Experten. Das Erste, was dieser ihr raten würde, wäre, um eine Versetzung anzusuchen. Sie würde vieles machen aber dies niemals. Diese Abteilung war ihr Leben. Der Schmerz ein Bestandteil des ihren.

Langsam wandelte sie ins Badezimmer, zog sich benommen, die Jeans aus und setzte sich auf den Rand der Badewanne.

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Somwhere after midnight

In my wildest fantasy

Somwehere just beyond my reach

There’s someone reaching back for me

Racing on the thunder end rising with the heat

It’s gonna take a superman to sweep me off my feet. 

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Auf viele Kleinigkeiten legte sie keinen Wert mehr. Früher waren ihre Beine stets glatt rasiert, heute kümmerte sie sich nur darum, wenn sie ausging, wenn sie vorhatte, mit jemandem zu schlafen. Sie hatte alles Licht in der Wohnung abgedreht, nur in ihrem Schlafzimmer brennte auf dem Nachtisch eine Glühbirne und erhellte das Zimmer gerade gut genug, dass sie auch im Badezimmer sehen konnte, was sie tat.

Olivias linkte Hand glitt zärtlich über die Narben auf der Innenseite ihres Oberschenkels, ließen sie von oben nach unten gleiten, von der Innenseite bis hinauf zum Rand ihres Slips. Mit der rechten griff sie nach der, in ein Taschentuch eingeschlagene, Rasierklinge.

Vorsichtig setzte sie die Spitze der Klinge an die Innenseite des rechten Oberschenkels, wo die Haut am weichsten war. Der erste Schmerz, der ihren Körper durchfuhr, war immer der schönste.  Langsam schnitt sie ihre Haut bis zur Beuge auf, Blut tropfte auf den schwarzen Duschvorleger, wie fast jeden Abend in dieser Woche, diesem Monat.

Als sie die Klinge auf die Seite legte, die Augen schloss und sich leicht zurücklehnte, spürte sie wieder, dass sie lebte, dass noch ein Hauch von etwas in ihr war.

Einige Minuten später, reinigte sie mit Alkohol den Schnitt, zwanzig Zentimeter. Auch diese Schmerzen waren ein Teil des Rituals. Es hätte auch andere, weniger schmerzvolle Methoden gegeben, aber sie hatte sich einst für diese entschieden, da dieses Gefühl noch einmal ihren Körper durchfahren konnte.

Anfangs waren es nur kleine Ritzer gewesen, zwei oder drei Zentimeter lang und nicht besonders tief, da sie stets die Angst hat, er würde diese bemerken. Elliot. Was andere Männer eventuell darüber sagen würden, war ihr egal. Wenn man mit jemanden nachhause ging, erwartete man keinen Oralsex, sie bestand stets darauf, dass das Licht aus oder zumindest stark gedimmt war und ihre favorisierten sexuellen Positionen, würden auch keinen Blick auf die Narben zulassen. Abgesehen von all diesen Punkten war es ihr egal. Es waren Männer für eine Nacht, ab und an eine zweite aber keinerlei Beziehung.

Sorgfältig klebte sie einen kleinen Verband darüber, nicht um die Wunde zu schützen sondern wegen ihres Bettzeugs.  Sie wechselte in einen Pyjama und legte sich ins Bett, nach Mitternacht.

Natürlich wusste sie, dass all dies keine Lösung war, dass ihr einsames Dasein durch das sich selbst Verletzten auch nicht besser werden würde, aber es schien ihr die einzige Möglichkeit, den Tag zu überstehen, die einzige Hoffnung, am kommenden Morgen wieder aus dem Bett steigen zu können, und zu wissen, dass sie immer noch am Leben war.

Neben ihrem Bett, auf dem Nachtkästchen, lagen Schlaftabletten, die einzige Möglichkeit Schlaf zu finden. Gemeinsam mit etwas Flüssigkeit nahm sie drei Stück, laut ihres Arztes, der ihr diese einst einmal verschrieben hatte, zu viele, aber nur mit diese Dosis hatte sie die Chance, ihre Augen zu schließen, den Tag zu vergessen. Es waren traumlose Nächte.

Und genau in solch einen verfiel sie nun wieder.

Niemand hatte sich an diesem Tag nach ihrem Befinden erkundigt.

Niemand hatte mit ihr über etwas Persönliches gesprochen.

Niemand … niemand würde es merken, wenn sie eines Tages nicht mehr zur Arbeit erscheinen würde. Erst, wenn der Stapel an Akten auf ihrem Tisch höher werden würde als Elliots, dann, ja dann vielleicht würde jemand nachfragen, wo sie sei. Vielleicht.

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Ende Kapitel 2

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Das Lied “I need a Hero” ist von Bonnie Tyler.

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About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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