I need a Hero – Kapitel 5&6

2013-05-04 08.03.29 - Bearbeitet

+#+#

Kapitel 5

+#+#+

„Wenn ich sie noch fragen dürfte, wer ist der Mann, der uns die ganze Zeit beobachtet und zuvor in ihrem Zimmer war?“ „Oh … das war Elliot, mein Partner … berufliche Partner. Er ist mein Notkontakt. War einmal mein bester Freund … bevor … bevor so vieles passiert ist.“

„Und was ist vorgefallen?“

Olivia hatte Tränen in den Augen, wusste nicht, wie sie dieses Ereignis jemals artikulieren sollte.

„So vieles und auch nichts“, antwortete sie, ihre Stimme tief und bereits belegt von den Tränen, die ihr die Wangen inzwischen hinab liefen.

„Möchten sie, dass er geht?“

„Ich habe nichts mehr zu verlieren. Wieso soll ich ihn jetzt wegschicken?“

„Möchten sie sich weiterhin mit mir unterhalten oder sollen wir an einem anderen Tag weitermachen?“, fragte Sean und legte seinen Stift und ihre Akte beiseite.

„Wir haben viele furchbare Sachen gesehen, waren stets für einander da, doch dann, einmal, eines Nachts hat sich alles geändert…..“

„Liv, hast du zu Mittag etwas gegessen?“, fragte Elliot Liv und griff bereits nach den Autoschlüsseln. Stabler war den ganzen Tag vor Gericht gewesen und meistens, wenn er nicht da war, aß sie nichts oder kaum etwas, da sie seine Gesellschaft vermisste, seine pure Abwesenheit bei ihr kein Hungergefühl aufkommen lassen wollte.

„Nein, ich hatte keinen Hunger“, entgegnete sie ihm und tippte weiter.

„Dann lass uns gehen“, seine Jacke bereits in der Hand.

Liv blickte kurz zu ihm hinauf und musste sich eingestehen, dass er wieder einmal verlockend aussah, sein bereits leicht nachwachsender Bart ließ ihn mysteriös erscheinen, seine Augen noch blauer wirken und seine Brust noch breiter, männlicher. Zu intensiv hatte sie in letzter Zeit versucht, ihn nicht anzustarren, ihre Gedanken abschweifen zu lassen.

Erst vor Kurzem hatte er den Schritt gewagt und war von seiner Familie weggezogen, hatte alles daran gesetzt, ein selbstständiges Leben sich aufzubauen. Langsam, sorgsam.

Elliot diskutierte noch kurz mit Olivia, bevor sie schlussendlich nachgab und mit ihm ins nahegelegene Pub ging. Elliot bestellte für sich und Olivia ein großes Guinness und Bürger. Nicht nur, dass das Essen hier gut war, es war fettig, fast zu fettig für Olivias Geschmack und sie mochte deftige Sachen.

Aber als der Abend seinen Lauf nahm, mehr und mehr Bier floss, zahlte es sich aus, dass Olivia es gewohnt war, etwas mehr zu trinken – Alkohol hatte nie ein Problem dargestellt. Elliot hingegen war schon etwas angeschlagen.

Sie unterhielten sich, lachten über Munchs neusten Verschwörungsideen, bis er kurz nach ihrer Hand, relativ plötzlich, griff und sie in seine zwei legte, sie förmlich umschloss.

„Elliot?“

„Du musst eines wissen Liv. Ich merke es, wie du mich ansiehst und es schmeichelt mir, auch nach all den Jahren“, seine Sprache war bereits undeutlich, etwas lallend. Er nahm noch zwei kräftige Schluck Bier bevor er weitersprach. „Und du bist eine attraktive Frau aber ich habe eine zu Hause. Es wird Zeit, dass du dich endlich einmal umsiehst, dir jemanden suchst, mit dem du glücklich werden kannst. Dir selbst etwas aufbaust.“

Und in diesem Moment zerbrach ihre Welt. Olivia saß wie versteinert auf ihrem Platz, zog ihre Hand aus der seinen und sprach kein Wort. Als der Kellner vorbei ging, bestellte Elliot noch zwei Bier und zwei Shots Tequilla.  Rasch entschuldigte sich Liv, ging auf die Toilette und wollte am liebsten aus dem Fenster klettern, flüchten, sich in Luft auflösen.

Wie konnte nur ihr bester Freund, ihr Vertrauter, ihr all dies an den Kopf werfen. Ihr sagen, dass ihre Blicke so offensichtlich waren und sie sich keinerlei Hoffnung machen sollte.

Und  von ihrer so sorgfältig aufgebauten Fassade, die sie ihre Welt nannte, war kein Bisschen mehr übrig, vor ihr lag ein einziger Scherbenhaufen. Ein Satz, ein paar Worte zu viel hatten es ans Tageslicht gebracht, was er wirklich über sie dachte. Und das nannte man Freundschaft?

Als sie schlussendlich wieder zu ihm kam, hatte er weitere Shots bestellt und getrunken. Er blickte sie nicht einmal mehr an. Ohne viele Worte nahm sie ihre Tasche, legte einen Geldschein auf den Tisch, der ihrer Meinung nach ausreichend sein musste für ihren Anteil der Rechnung, und ging. Elliot hatte kurz aufgeblickt aber nicht mehr, sie nicht einmal überreden versucht noch zu bleiben. Oder die Idee gehabt sich zu entschuldigen.

Nicht einmal der Heimweg an diesem wunderschönen klaren Wintertag, an dem die Temperaturen weit unter null lagen, konnten sie irgendwie aufmuntern.

Ihr Brustkorb schmerzte wie noch nie zuvor. Ein Schmerz, der ihr die Tränen immer und immer wieder in die Augen trieb, ihr das Atmen erschwerte. Ein Schmerz, der ein unbeschreibliches Ausmaß annahm und nicht mehr weichen wollte.

Nicht in dieser Nacht.

Nicht in den folgenden.

Und Elliot schien sich an nichts mehr zu erinnern. Er hatte in den darauffolgenden Wochen kein Wort darüber verloren, wieso er wahrscheinlich alleine zahlen musste, wahrscheinlich alleine nachhause gefahren war oder irgendetwas dergleichen.

Nichts.

„Und sie haben ihn nie darauf angesprochen?“, fragte Sean vorsichtig, nachdem er ihr ein Taschentuch gereicht hatte.

„Wieso? Es war schließlich deutlich, was er mir damit sagen wollte.“

„Und wie ging es danach weiter?“

„Ich distanzierte mich, er kehrte zu Frau und Kindern zurück, ich distanzierte mich weiter und irgendwann waren wir nur noch Partner in der Arbeit und sobald die Zeit vorüber war, gingen wir getrennte Wege. Keine gemeinsamen Essen, Gespräche oder Videoabende mehr. Meist nur Vorwürfe, Intoleranz und viele andere Sachen, die ich gar nicht erst erwähnen möchte.“

„Aber die Gefühle …“

„…die sind nie vergangen. Obwohl ich alles nur Gott erdenkliche versucht habe.“

„Und er hat sie nie darauf angesprochen? Nie gefragt, wie es ihnen gehe?“

„Nein. In einer Nacht hat er förmlich alles zerstört. Alles. Nichts mehr war übrig.“

„Ich meinte, als sie sich distanzierten.“

„Ich glaube nicht, dass es ihm anfänglich aufgefallen ist. Ich schob Alex vor, dann einige offizielle Dates, erklärte, ich würde Yoga machen – tausende Ausreden. Es dauerte nicht lange und er fragte nicht mehr.“

„Und das wollten sie erreichen?“

Olivia blickte verzagt auf das Taschentuch in ihren Händen. „Nein, niemals wollte ich das.“

„Vielleicht sollten wir morgen weitermachen“, schlug der weißhaarige Mann vor. Liv nickte nur zustimmend. Sie hatte an diesem Nachmittag so viel über ihr Leben offenbart, dass sie wieder müde war, traurig, müde und doch schien es, als wäre ein Stein aus ihrer Brust entfernt worden –  doch dort befanden sich noch einige, an denen es zu arbeiten galt.

+++

Wie versteinert stand Elliot vor der Glasscheibe und hatte sie beobachtet, wie sie weinte, kein Lächeln über ihre Lippen kam, sondern sie immer in eine nahezu düsterere Stimmung zu verfallen schien.  Als Sean das Zimmer verließ und er reingehen wollte, bat ihn er Mann dies nicht zu tun, ihr etwas Zeit zu geben.

+++

„Liv“, schrie eine mädchenhafte Stimme erfreut und kam mit großen Schritten auf ihr Bett zu. Es war Maureen, Elliots älteste Tochter mit einem großem Strauß Blumen in der Hand. „Was hast du wieder angestellt?“, fragte sie rhetorisch.

Olivia zwang sich zu einem Lächeln als das Mädchen sich in den Sessel setzte und ihr begann zu erzählen, überschwänglich, was momentan alles in ihrem Leben passierte. Sie erkundigte sich immer wieder nach ihrem Befinden, doch Livs Antworten waren einsilbig und sie schob es auf die Schmerzen. Als Maureen nach einer Schwester läuten wollte, bat sie diese, es nicht zu tun. Sie wolle keine Schmerzmittel, wenn es nicht unbedingt notwendig war.

Die ganze Zeit hindurch fragte sie sich, ob Elliot zu Hause erzählt hatte, was sie getan hatte, dass sich tiefe Schnitte auf ihrem Oberschenkel befanden. Er nicht verstünde, wie man so etwas tun konnte, er wahrscheinlich sogar die Worte verrückt und durchdrehen in den Wort genommen hätte. Nur zu gut, konnte sie dieses Bild, Elliot in der Küche stehen, vor ihrem geistigen Auge wahrnehmen.

Den größten Teil der Zeit versuchte sie dem blonden Mädchen zuzuhören aber irgendwann schien es sie doch zu langweilen. Waren es doch stets erfreudige Ereignisse.

Allerdings sagte Maureen dann plötzlich. „War eigentlich Dad heute schon da?“ – und dies riss Liv aus ihrem gedankenlosen Taumel.

„Nein.“

„Dann kommt er sicherlich noch“, antwortete das Mädchen und blickte auf die Uhr. „Spät ist es schon, ich habe um 5 noch einen Kurs.“

„Dann viel Spaß und danke für deinen Besuch“, erklärte Liv und hatte die Hoffnung, dass ihr Gast nun noch schneller das Weite finden würde. Und tatsächlich ging sie.

Es hatte Zeiten gegeben, in denen sie sich über den Besuch von einem der Kinder wirklich gefreut hatte. Heute hingegen zeigte es ihr, was sie alles nicht hatte. Wahrscheinlich niemals haben werde. Es machte sie trauriger und diese Trauer verlangte dann gestillt zu werden.

In genau diesem Moment betrag Sean das Zimmer, nach einem überhörten Klopfen und setzte sich an ihr Bett.

Dass tatsächlich bereits ein Tag vergangen war, konnte Olivia kaum glauben.

„Wer war denn diese junge Dame?“

„Elliots Tochter.“

„Und sie kommt sie so einfach im Spital besuchen?“

„Wir sind uns einmal nahe gestanden.“

Ihre Antworten waren trocken, beinahe emotionslos.

Sean notierte sich nichts, hörte einfach nur zu.

„Ich habe sie gestern gefragt, was sie erreichen wollten, mit ihrem Verhalten. Können sie mir heute darauf eine Antwort geben?“

Für eine gewisse Zeit schwieg Olivia, spielte mit dem Ring an ihrem Finger.

„Ich wollte seine Aufmerksamkeit. Früher, lange Zeit davor hat er stets versucht aus mir herauszubekommen, was in mir vorging. Dieses Mal habe ich mich im Vorfeld geirrt. Aber ich konnte so einfach nicht mehr weiterarbeiten. Kann es immer noch nicht. Ich bin für ihn gestorben. Und innerlich bin ich auch tot. Mein Leben hat keinen Sinn mehr. Ich atme, trinke, atme, esse. Wo ist der Sinn? Ich versuche zu vergessen, zu verdrängen aber es kommt immer wieder, mit jedem Mann, der ihn in irgendeiner Art und Weise ähnelt, und sie tun es fast alle – eine Kleinigkeit erinnert mich stets. Und um mich selbst wieder leben zu spüren trinke ich, schneide ….“

+#+#+

„Wieso sind sie sich einmal nahe gestanden und jetzt nicht mehr?“, fragte Sean und machte sich nebenbei Notizen.

Olivia wusste nicht, wie sie es ihm erklären sollte. Maureen hatte erfahren was in dieser einen Nacht vorgefallen war, hatte von Olivia in einer betrunkenen Nacht erzählt bekommen, wieso sie sich nun zurückzog , musste aber schwören, niemals ein Wort zu verlieren, niemals Elliot zu sagen, was der Auslöser gewesen war. Stets hatte sie gehofft, dass Mo den Fragen ihres Vaters nicht standhalten konnte und es ihm sagen würde, doch schien er niemals gefragt zu haben.

Auch Maureen war andere Wege gegangen, hatte sich entschlossen auf ein College zu gehen, welches nicht direkt in New York liegt – nach eigenen Worten, von all diesen verlogenen Menschen wegzukommen.

Wieso verlogen? Eltern, die vorgeben einander zu lieben und in Wahrheit nur beisammen sind, weil sie der katholischen Kirche angehören. Ein Vater, der ihrer Ansicht nach, seit langer Zeit eine andere Frau liebt, dies aber niemals offen zugeben würde, wegen seines Glaubens. Eine gute Freundin – Liv – die sich selbst hinter der Kulisse des Berufes versteckte, um ihre wahren Gefühlte für die eine Person in ihrem Leben, die ihr alles bedeutet, nicht offenbaren zu müssen.

Und nun war sie doch zu ihr nach New York gekommen, hatte von irgendjemandem erfahren, was vorgefallen war. Oder auch nicht. Wieso hatte aber Maureen gesagt, dass sie eine Kurs um 5 Uhr habe, wenn sie gar nicht in New York studierte und es bereits knapp vor vier Uhr gewesen war, als sie ihren Besuch beendete? Fragen, die wohl niemals eine Antwort finden würden.

Elliot saß immer noch vor dem Fenster, wollte, das konnte Liv erkennen, kurz mit Maureen sprechen, aber sie hatte ihn abgewimmelt. Sie hatte den Kopf geschüttelt und an ihm vorbeigegangen. Den Raum hatte er aber immer noch nicht betreten.

„Sie hat vieles nicht verstanden“, antwortete Olivia und starrte auf ihre gefalteten Hände.

„Was hat sie nicht verstanden?“

„Dass ich nicht um ihren Vater kämpfen wollte, nach all dem was er mir gesagt hatte, in dieser einen Nacht.“

„Aber ihr Vater ist doch verheiratet.“

„Maureen wollte, dass das Lügen aufhört und ihr Vater sich scheiden lässt aber ich … ich habe ihr versucht zu erklären, dass ihr Vater keine Gefühle für mich hätte und wir …“ Bevor Olivia den Satz vollenden konnte, kullerten wieder dicke Tränen ihre Wangen hinab.

+++

Die Gespräche wurden in den kommenden Tagen fortgesetzt und Elliot war täglich mehrere Stunden vor ihrem Zimmer gesessen, hatte es aber nie betreten. Sean hatte ihr mehrere Therapeuten empfohlen, doch war Olivia klar, dass sie niemals einen von ihnen aufsuchen würde. Lange wurde auch über den Eintrag in ihrer Dienstakte diskutiert, besser gesagt, hatte Olivia zugehört und an dem Tag, als Sean zustimmte, dass man sie entlassen konnte, ihre Schusswunden weitgehend verheilt waren, bat sie darum möglichst zeitig entlassen zu werden, um Elliot nicht zu begegnen. Zu Hause konnte sie die Glocke aushängen, alle Schlösser schließen, das Telefon ausschalten.

Die Schmerzen waren immer kaum zu ertragen, als Maureen ihre Tasche neben der Couch abstellte und Liv sich hinsetzte.  Sich fallen ließ und dies im gleichen Moment bereute.

In den letzten Tagen hatte sie Maureen erlaubt, alle Artefakte, mit denen man sich verletzten konnte, man sich betrinken konnte, zu entsorgen. Außerdem scheint sie die Wohnung geputzt zu haben, sie erkannte auch zusätzliche Bettwäsche, die zusammengelegt auf einem Sessel neben der Couch lag.

„Du kannst jetzt gehen“, sagte sie unter Schmerzen zu ihr und wollte sich am Arm der Couch hochziehen.

„Liv, bleib sitzen. Was brauchst du? Ich bringe es dir.“

„Toilette und dabei kannst du mir nicht helfen.“

Maureen half ihr aufzustehen und ging mit ihr zusammen in Richtung Badezimmer, schaltete das Licht ein und wartete auf Olivias Bett sitzend, bis sie ein Stöhnen und dezentes Rufen hörte, mit der Bitte ihr zu helfen.

Hilflos musste sie sich eingestehen, dass sie sogar bei einer so einfachen Aufgabe , wie dem Toilettenbesuch Hilfe brauchte, da ihre Bauchmuskeln noch nicht wieder genug ausgebildet waren, nachdem sie beinahe drei Wochen im Bett gelegen war, die Physiotherapie ließ nur kleine Schritte zu. Ganz kleine Schritte. Sie konnte sich irgendwo hochziehen, konnte sich aus einer liegenden Lage langsam in die sitzende bringen aber nur langsam. Langsam aber aus der sitzenden Aufstehen, dies war immer noch zu viel, viel zu viel. Viel zu schmerzhaft.

Nun musste ein junges Mädchen, eine junge Frau eigentlich, ihr hochhelfen und sie saß immer noch mit herabgelassener Hose auf der Toilette. Tränen in den Augen.

Es wurden keine Worte gewechselt. Wie unwohl sich Liv fühlte, war Maureen klar, niemand musste dies in Worte fassen, so ersichtlich war es für jedermann. Aber „jedermann“ kümmerte sich nicht um sie, „jedermann“ redete nicht mit ihr, „jedermann“ ….

Das schrille Läuten der Türglocke riss die Frauen aus der wortlosen Stille.

„Nicht“, bat Liv Maureen und diese schüttelte nur den Kopf.

„Du musst mit ihm sprechen oder ihn zumindest zuhören.“

„Es gibt nichts zu sagen.“

„Im Gegenteil Liv, sehr viel sogar.“

Liv wusch sich am Waschbecken die Hände, als das blonde Mädchen dem unangemeldeten und zugleich unerwünschten Gast die Türe öffnete. Sie hörte nur ein kurzes Murmeln aus dem angrenzenden Zimmer, als sie sich mit den nassen Händen über das Gesicht fuhr und sich im Spiegel betrachtete – sie sah furchtbar aus. Blass aber ausgeschlafen, ihr Haar länger und die aufgehellten Strähnen herausgewachsen. Waren es wirklich vier Wochen gewesen, die sie ihr Apartment nicht betreten hatte?

Langsamen Schrittes betrat sie das Wohnzimmer, sich stets irgendwo anlehnend, festhaltend. +

„Was willst du?“, fragte sie, ihre Stimme immer noch geschwächt. Die frühere Stärke und Dominanz würde sie sich erst wieder erarbeiten müssen.

„Liv“, sagte er sanft und ging auf sie zu. Ihre Reaktion war es, einige Schritte zurückzumachen.

„Nicht“, sagte sie abwehrend. Über viele Vorfälle hatte sie mit Sean gesprochen, Elliot immer wieder erwähnt. Aber seine körperliche Nähe war doch noch zu viel für sie. Der Sessel neben der Couch war ideal, stellte sie fest, als sie sich langsam hinsetzte und Elliot auf die Couch verwies.

„Du solltest nicht hier sein, Elliot.“

„Liv …“

„Nein, Elliot. Bitte gehe jetzt.“

„Erst wenn du mit mir gesprochen hast.“

Olivia hatte aber nicht vor mit ihm zu sprechen, so schwiegen sie sich an. Wie es dann weiterging, daran konnte sie sich nicht mehr erinnern. Sie wusste nur, dass sie irgendwann in ihrem Bett aufwachte unter ihrer Bettwäsche. Auf der Seite neben ihr bewegte sich das Bett , mit der Hand tastete sie langsam unter der Decke zur Seite, fühlte aber nur einen Körper, der auf ihrem Bettüberwurf lag.

Als sie sich aus dem Bett rollte, immer noch versuchte, keinerlei Schmerzmittel zu nehmen, sah sie, dass es Elliot war, der neben ihr geschlafen hatte. Langsam schritt sie zum Fenster, zog die Vorhänge zur Seite und starte die aufgehende Sonne an.

Hände die auf ihren Schultern landeten holten sie zurück, erschreckten sie. Sie hatte nichts gedacht, einfach die Tauben angestarrt, die am gegenüberliegenden Balkon saßen.

„Du solltest dich wieder hinlegen, Liv“, sagte die Männerstimme. Zu gerne hätte sie sich einfach an seine starke, warme Brust angelehnt aber sie durfte es nicht, durfte sich nicht wieder in diese Position drängen lassen.

Aber genau das Gegenteil passierte in den folgenden Sekunden. Die Gestalt hinter ihr, schmiegte sich an ihren Körper, legte eine seiner Hände sanft auf ihre Hüfte, die andere unter ihre Brüste, sodass sie diese streiften aber nicht mit ihren so empfindlichen Narben in Kontakt kamen. Er überließ ihr die Entscheidung nicht, sein Kinn berührte ihren Kopf. Die Geste war intim, intimer als alles, was sie bisher geteilt hatten und Liv fühlte sich geborgen, als würde ihre Heilung schneller möglich sein. Und doch war es nur ein Moment, ein kurzer Moment in einem Leben voller Kälte.

Ausbrechen wollte sie aber er ließ es nicht zu. Er hielt sie in dieser Position und Olivia bemerkte, wie sich sein Körper zunehmend entspannte. „Lass es zu“, flüsterte er ihr ins Ohr.

Wie gut er roch, wurde ihr gerade wieder bewusst. Immer wieder hatte sie beinahe sein Parfüm gekauft, dann doch lieber eines seiner Shirts aus seinem Spind entwendet und es getragen, bis der Geruch verschwunden war. Egal ob verschwitzt, frisch geduscht oder einfach nur Kaffee trinkend, sein Duft war delikat, erregte sie. Aber dieses Mal war es anders, es war einfach nur die Geborgenheit, die sie in der Situation verharren ließ.

Wie lange sie nun gemeinsam  die Tauben anstarrten war unwichtig geworden, aber dass ihre Brüste auf seinem Arm rasteten, ließ auch in diesem Moment zu, dass sie eine leichte Erregung verspürte. Eine leichte.

„Dad?“,  kam es aus dem Wohnzimmer und die Türe zum Schlafzimmer öffnete sich im selben Moment.

„Mo“, antwortete Elliot, ohne Liv aus seiner Umarmung zu entlassen.

„Dein Telefon, ich denke du solltest …“

Ohne nachzufragen öffneten sich seine Arme und er verließ den Raum, ließ sie in der plötzlichen Kälte stehen. Langsam ging sie wieder zum Bett zurück und rollte sich unter der Decke ein. Es dauerte auch nicht lange, bis sie wieder eingeschlafen war, erschöpft von dem einen Moment der Zufriedenheit.

In ihren Träumen kehrte immer wieder ihre Mutter zu ihr zurück, stets in der gleichen engelhaften Art und Weise wie damals, als sie angeschossen worden war. Doch lange hielt dieser Zustand des Schlafens nicht an, die Schmerzen in ihrem Bauch waren immer stärker geworden, so rollte sie sich aus dem Bett und schloss den Bademantel eng um sich, bevor sie allmählich und langsamen Schrittes ins Wohnzimmer schritt. Sogar das Heben der Beine verursachte Schmerzen. Sie wollte nur ein Glas Wasser und ihre Tabletten, doch als sie Elliot am Esstisch sitzen sah, erkannte sie, dass es nicht so einfach werden würde, danach wieder ins Schlafzimmer zu gehen, als wäre nie etwas gewesen.

Er blickte auf, seine strahlenden blauen Augen, ein Lächeln auf den Lippen – es ließ sie innerlich Lächeln, auch wenn die Schmerzen nicht leichter wurden, kam es ihr so vor, als würde es ihr besser gehen.

„Schmerzen?“, fragte er vorsichtig nach und stand auf, um ihr ein Glas Wasser einzuschenken, stellte die Tabletten und dieses vor ihr auf den Tisch und rückte ihr den Sessel nachhinten, damit sie Platz nehmen konnte.

„Du solltest außerdem etwas essen. Chinesisch? Hühnerfleisch mit Brokkoli?“, fragte er und öffnete den einen Topf, den sie besaß und der plötzlich am beinahe nie benutzten Herd stand.

„Später“, sagte sie leise, „ich hätte nur gerne eine Tasse Tee.“

Im Gegensatz zu sonst bohrte er nicht mit Fragen nach, sondern ließ sie einfach ihren Tee trinken. Er studierte die Zeitung, es schien als wäre er beim Sportteil angelangt, als Liv nach dem Kugelschreiber langte und einem Teil der Zeitung und begann das Kreuzworträtsel zu lösen.

Das einzige Geräusch war das Gurren der Tauben, welches den Raum erfüllte.

+#+#

Ende Kapitel 6

+#+#+

Advertisements

About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
This entry was posted in Fanfiction:SVU and tagged , , , . Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s