Swinger Club – Kapitel 1

2013-05-04 08.03.29 - BearbeitetSpoiler: „Abschaum“, 4×13

++ Kapitel 1 ++

Olivias kurz geschnittener Bubikopf wurde durch den Wind in ein wildes Durcheinander gebracht, ihre Augen waren durch dunklen Lidschatten betont, ihre Wangen leicht durch den kalten Wind gerötet.

Elliot befand sich auf einem Seminar, um die Beliebtheit beim FBI zu steigern, auch wenn es Olivia gegen die Linie ging, Schmeicheleien zu erhaschen.

Der Polizist gegen den sie in dieser Woche ermittelten, hatte einen Gefangenen anal penetriert, mit einem Holzstiel, dass dieser in Folge innerlich verblutete. Es folgten lange Verhöre, eine langwierige Untersuchung und am Ende gab es Verurteilungen aber im Endeffekt hatte man kein Zeichen gesetzt, da die Strafen zu mild waren.

Den ganzen Fall hindurch war Elliot nicht anwesend gewesen und er war ihr abgegangen. Auch wenn Kathy am Revier aufgetaucht war, ihm etwas zu Essen in der Woche zuvor vorbeigebracht hatte, er ihr nebenbei gesagt hatte, dass er sie liebe. Einfach nebenbei.

An dem heutigen Tag trug sie einen ihrer Lieblingspullover in einem Mittelblau und ihren Ledermantel, den sie eng um ihren Körper geschlungen hatte, ein Schal wedelte hinter ihr im Wind.

Einen Becher frischen Starbucks Kaffee in der einen Hand, in der anderen ein Säckchen mit einem Cupcake. Ihr Frühstück.

Es war ein kühler Herbsttag, das Laub wurde von dem andauernden Sturm durch die Straßen geweht und Olivia war glücklich, endlich das Revier zu betreten.

„Du bist spät dran“, kommentierte Elliot, bereits auf seinem Platz sitzend, eine Akte in der Hand.

Sie antwortete ihm nicht, wieso auch? Sie war ihm keine Rechenschaft schuldig.

„In fünf Minuten alle im Konferenzraum“, schrie Cragen aus seinem Büro heraus. Seine Stimme klang ungeduldig, nervös und zugleich fordernd.

Man begrüßte sich beim Eintreten und wechselte die einen oder anderen kurzen Sätze, ohne in die Tiefe zu gehen. Es war nun einige Zeit vergangen seitdem sie mit Elliot eine ernsthafte Unterhaltung geführt hatte.

„Das hier ist Special Agent David Mcneal, vom FBI. Seit einem Jahr sind sie an einem Ring dran, der mit Frauen handelt. Man hat uns gebeten mit ihnen eine Undercover Operation zu leiten. Er wird euch alle über die Details informieren.“

Ein Mann stand auf. Sein Haar war in einen sauberen Pferdeschwanz zusammengebunden. Er trug Jeans und ein graues Sakko, darunter ein schwarzes Hemd. Keine Krawatte. Er machte einen attraktiven Eindruck auf Olivia, war ein Mann, von dem sie sich in einer Bar einen Drink zahlen lassen würde.

„Wie ihr Boss ihnen bereits mitgeteilt hat, handelt es sich hierbei um eine Undercover-Operation aber keine einfache. Es ist eine sehr komplizierte und teilweise auch unangenehme Angelegenheit und ich verstehe, wenn einige von ihnen nicht vorhaben mitzumachen. Besonders sie Ms. Benson“, sagte er und blickte ihr direkt in die Augen.

Was hatte er nur mit ihr vor?  Sie spüre Elliots Hand auf ihrem Arm.

Der Beamer wurde eingeschalten, der Raum verdunkelt und eine Präsentation folgte.

„Das hier“, er zeigte auf einen Mann, kahlgeschoren, mit einem Tattoo auf dem Hals gut sichtbar, es war ein Skorpion, „ist Hektor Lavida ein Frauenhändler. Er bringt Mädchen aus Mexiko nach Amerika um sie dann an Bordelle, Strip-Clubs und Clubs anderer Art zu verkaufen. Man kann diese dann mieten. Die Bordelle haben wir bereits ausfindig machen können und Leute eingeschleust, auch bei den Stripclubs haben wir bereits Leute, jetzt geht es nur noch um die anderen Clubs. Und hier wird es heikel.“ Er nahm einen Schluck aus dem bereitstehenden Wasserglas und klickte auf die nächste Folie. „Es handelt sich um Swingerclubs, BDSM-Clubs und ähnliches. Und genau hier kommen sie ins Spiel. Ich Chef hat mir erklärt,  dass sie, Detectives Benson und Stabler, die besten in ihrem Fachgebiet seien und auch schon Undercover Erfahrung haben. Stimmt das?“

Beide nickten als Antwort, unsicher was nun folgen könnte.

„Gut, wunderbar. Sie beide werden als Paar auftreten, als Ehepaar. Lilly und Michael Fisher. Sie, Elliot, sind Architekt und sie, Olivia, sind Lehrerin an der örtlichen High-School. Nach zehn Jahren Ehe müssen sie etwas Pep in ihr Sexleben bringen und besuchen deshalb einen Swingerclub. Es gibt zehn oder elf verschiedene Clubs, die in der engeren Auswahl stehen, sie müssen nur herausfinden, welche von Lavida beliefert werden und welche nicht. Dafür müssen sie den Spielregeln des Clubs folgen. Natürlich wird es Ansprechpersonen für sie in LA geben, John wird einer von ihnen sein, mit ihnen nach LA fliegen, er ist ihr Onkel Olivia und auf Besuch bei ihnen in St. Monica, um sich von einem Herzinfarkt zu erholen.“

Es wurde geschmunzelt und getuschelt. El runzelte die Stirn.

„Es ist eine gewagte Operation und wenn einer von ihnen beiden, aber besonders sie Olivia, damit ein Problem hätten, dann würde ich das verstehen. Aber es geht um Mädchen wie diese“, sagte er und klickte auf die nächste Folie und es erschienen Fotos von in etwa vierzig Mädchen, wobei kaum eines älter als 15 Jahre zu sein schien. „Sie werden Kunden, die immer wieder kommen, angeboten.“

Elliot erkannte, dass diese Bilder bei Olivia das Eis gebrochen hatten. Sie konnte Kinder nicht leiden sehen, auch Jugendliche in diesem Alter nicht und besonders Mädchen, die zur Prostitution gezwungen wurden, waren ihr ein Dorn im Auge.

„Wie sollen wir ..?“, fragte Olivia und war leicht rot im Gesicht. Es war ihr peinlich, dass alle annahmen, dass Elliot und sie alles spielen konnten, auch solche Rollen.

Vor einem Jahr vielleicht hätten sie dies ohne Probleme machen können, aber heute empfand sie etwas anderes für ihn. Irgendwann im ersten Jahr wurde aus der Bewunderung, dass er Arbeit und Familie unter einen Hut bringen konnte, mehr, weitaus mehr. Irgendwann hatte sie sich eingestanden, dass sie verliebt war. Seitdem hatte sie damit leben gelernt, dass er stets zu Hause nach seiner Frau ging, auch wenn sie gemeinsam einen Film angesehen hatten, wie ein Pärchen Stunden auf der Couch verbracht hatten, gelacht und chinesisches Essen bestellt hatte. Immer war er im Familienhaus wieder aufgewacht.

„Lilly und Michael arbeiten beide viele und suchen Entspannung in dieser Abwechslung. Er arbeitet an diversen Projekten und macht viele Überstunden, sie unterrichtet an der High-School Literatur, Philosophie und ist auch Vertrauenslehrerin. Ist das ein Problem? Kennen sie sich ein wenig aus?“, fragte Mcneal. Olivia schüttelte als Antwort nur den Kopf, sich erinnernd, was sie in ihrer Jugendzeit alles an Klassikern gelesen hatte. Heutzutage waren es eher Krimis, einfache Belletristik, einst all die nationalen und internationalen Klassiker, alles was sie in die Finger bekommen konnte. „Wunderbar. Ihnen, Elliot, wird jemand zur Hand gehen und ihnen die Projekte eingehend erklären. Sie müssen alle damit rechnen, dass man sie überwacht, kontrolliert, da sie zu der auserwählten Gruppe gehören sollen, wenn sie eines der Mädchen angeboten bekommen.“

„Welches Zeitfenster haben wir?“, fragte Munch und wollte darauf hinaus, wie lange diese Operation dauern sollte.

„Eine sehr gute Frage John. Ich denke, dass wir wahrscheinlich von ein paar Monaten sprechen, Genaueres kann ich ihnen nicht sagen, weil es darauf ankommt, wie gut die Fishers bei den Clubbesitzern ankommen, wie authentisch sie rüberkommen.“

„So das war der allgemeine Teil. Nun würde ich alle bitten bis auf Munch, Stabler und Benson den Raum zu verlassen, nun geht es um die etwaigen Details.“

Es dauerte etwa fünf Minuten bis sie alleine waren.

Olivia war sich nicht sicher, ob sie es schaffen würde, einige Monate mit diesen beiden Männern in einem Haus zu leben, so nahe an Elliot. Munch war wie ein Onkel für sie, etwas Distanz, viel Vertrautheit.

„Uns ist bewusst, dass es ein komplizierter Fall ist und wir viel von ihnen verlangen, aber alle haben uns gesagt, dass sie gemeinsam jeden Fall lösen können“, erklärte Mcneal. „Wir verlangen viel, auch von ihnen Elliot, wir wissen, dass sie verheiratet sind und vier Kinder haben aber sie werden finanziell entschädigt werden. Allerdings können sie keinerlei Kontakt mit ihrer Familie haben während dieser Zeit. Die Kosten für ihre Wohnungen werden getragen werden, ebenfalls werden ihre Familien verpflegt werden, in angemessenem Rahmen. Sie bekommen neue Papiere, teilweise einen neuen Freundeskreis, einige die in LA bereits Undercover leben. Ihr Haus ist in Santa Monica am Strand, circa zehn Fahrminuten vom Pier entfernt. Sie brauchen nichts zu packen sondern werden mit allem ausgestattet. Mit allem.“

„Bisher klingt alles wie jede Undercover-Operation, an der wir bisher teilgenommen haben“, kommentierte Elliot etwas genervt.

„Der etwa brisante Teil ist das Privatleben der Fishers und genau da wird es heikel. Sie müssen mitsammen auch in intimen Situationen auskommen. Im Normalfall wird verlangt, dass man an einigen „Sitzungen“ teilnimmt, aktiv teilnimmt, und in solchen Situationen dürfen sie nicht zucken. Das ist gefährlich, da man annehmen wird, dass sie sich in der Szene auskennen.“

„Szene?“, fragt Elliot.

„Ja, es ist eine Szene. Es gibt fixe Regeln.“

„Können sie uns näheres dazu sagen?“

Mcneal reichte ihnen ein Blatt auf dem diverse Regeln aufgeführt waren. Olivia begann zu lesen und war etwas schockiert.

Es gab einen Dresscode, weite Hosen, T-Shirts und Flip-Flops waren nicht erlaubt. Männer durften sich nur in den Playrooms aufhalten, wenn eine Frau bei ihnen war. Sobald die Frau den Raum verlässt, musste der Mann mit ihr gehen. Kameras, Handys, etc. waren streng verboten.

„Und was trägt man dann in solch einen Club?“, fragte Elliot und Olivia errötete gut erkennbar.

Mcneal blickte zu Elliot auf. „Sexy Dessous, Reizwäsche,… alles was man im Privaten auch tragen würde, um dem Partner zu gefallen. Es wird ihnen alles zur Verfügung gestellt. Also keine Sorge.“

Olivia las weiter, dass der Eintritt zwischen 50 Dollar pro Paar und 250 liegen würde, abhängig vom Club, dem Wochentag und ob ein spezieller Event stattfand oder nicht.

Die dunkelhaarige Polizistin merkte nun, wie unangenehm Elliot sich in seiner Position fühlte. Sie war noch nie in solch einem Club gewesen, konnte sich aber gut vorstellen, wie es dort zugehen würde.

„Was wird von uns verlangt? Wie weit müssen wir gehen?“, fragte Olivia sichtlich nervös nach.

„Das hängt von ihnen beiden ab. Sie müssen die Situation richtig einschätzen können. Am Anfang sieht man sich den Club an, lässt sich führen, dann werden sie sicherlich nach ihren Vorlieben gefragt werden. Im Moment am beliebtesten scheinen Dominanzspiele zu sein, sie können sich abwechseln. Hat … hat jemand von ihnen Erfahrungen damit?“ Niemand reagierte. „Okay, dachte ich mir schon. Ich werde ihnen ein Briefing zukommen lassen, in dem alles im Detail erklärt wird.“

„Ein Briefing …“, murmelte Elliot vor sich hin.

Munch schien sich köstlich zu amüsieren. Er lächelte, ab und an schien ihm etwas besonders gut gefallen zu haben, da konnte man beinahe ein Lachen hören. Ja, ein Lachen.

„Wieso glauben sie, Agent Mcneal, dass wir diesen Auftrag erfüllen werden und können?“, fragte Elliot nach und stand kurzfristig von seinem Sessel auf, ging im Zimmer hinten auf und ab.

„Sie sind die besten, habe ich gehört, verbringen sehr viel Zeit mitsammen und verhalten sich, so hat man es mir mitgeteilt, oftmals wie ein Ehepaar. Sie scheinen den anderen in- und auswendig zu kennen.“

„Es gibt sicherlich vieles, was sie übereinander nicht wissen“, kommentierte John nun und schon mit dem Zeigefinger die Brille hoch.

„Selbstverständlich. Selbstverständlich. Natürlich. Also sollten wir davon ausgehen, dass sie sich in den kommenden Stunden, am Flug nach LA, viel zu erzählen haben.“

„Wann brauchen sie die Antwort unserer Detectives?“, fragte Cragen, der bemerkt hatte, wie unwohl Elliot sich fühlte und wie sehr Olivia die Pros und Kontras abwog.

„Jetzt. In fünf Minuten. Ich verlasse sie kurz, diskutieren sie zwei, ob sie den Job machen wollen oder nicht. Vielleicht sollten wir sie alle alleine lassen?“, schlug Mcneal vor, öffnete die Türe und schloss sie hinter John wieder.

Elliot wanderte immer noch auf und ab und machte Olivia damit nervös. Sie wäre bereit ihr Leben zu riskieren, um unschuldigen Mädchen die Qual solch eines Jobs zu ersparen. Alleine die Vorstellung, dass Mädchen in diesem Alter zur Prostitution gezwungen, an fremde Paare vermittelt wurden, ließ ihr einen Schauder über den Rücken laufen.

„Wir können es schaffen“, erklärte Olivia Elliot und wollte ihn am Arm angreifen, aber er zog diesen weg.

„Natürlich können wir das. Wir müssen uns nur Spielregeln ausmachen. Dann geht alles.“

„Du kannst dich so einfach vor anderen Männern nackt zeigen? Ich meine … Olivia … das gemeinsame Leben ist ja eines, das ist einfach, aber der Besuch dieser Clubs? Ich weiß nicht ob wir das machen können.“

„Elliot, wenn du es nicht machen möchtest, dann machen wir es nicht, nur denke an all die Mädchen, denen wir damit helfen könnten.“

Diese Diskussion dauerte noch einige Minuten ab. Kein einziges Mal fiel der Name Kathy oder wurden die Kinder erwähnt. Nicht ein einziges Mal und dies verwunderte Olivia sichtlich aber sie versuchte es zu verheimlichen. Vielleicht stand für ihn der zusätzliche Geldbetrag im Vordergrund, erklärte sie sich.

Im Grunde war es nicht einmal eine Diskussion sondern eher ein Austausch von Gründen, wieso sie es machen sollten.  Als Mcneal wieder den Raum betrat, erklärten sie sich einverstanden. Der Agent erklärte Elliot, dass er ihn am Abend zu Hause besuchen kommen würde, um Kathy eine Coverstory zu erklären, seine Frau sollte die Details nicht erfahren, besonders der Begriff Swingerclubs verunsicherte Ehefrauen angeblich immer wieder.

+++

Nur mit einer größeren Handtasche bestückt traf Elliot, alias Michael, am Flughafen auf Olivia, alias Lily. Gemeinsam tranken sie einen Kaffee bei Starbucks und Agent Mcneal gesellte sich zu ihnen, reichte ihnen ihre Ausweise und ein kurzes Briefing in Sachen Swingerclubs, Spielvarianten und ähnliche für Elliot eher peinliche Angelegenheiten.

Nach dem langen Flug, auf dem sie beinahe nichts mitsammen gesprochen hatten, nur John hatte immer wieder versucht, sie in ein Gespräch zu verwickeln, erfolglos, landeten sie am LAX.

Es war ein warmer Herbsttag, so warm, dass man beinahe mit einem ärmellosen T-Shirt herumlaufen konnte.

Als sie das Haus betraten, waren sie beeindruckt von der Sicht auf den Strand, dem Geräusch, das Wellen machen können und von dem Geruch nach Meer, Sand und Sonne. John ging wortlos in „sein“ Gästezimmer und schloss die Türe hinter sich.

Elliot stand auf der Terrasse und starrte auf das Meer hinaus, Olivia neben ihm. Nach einigen Minuten legte sie sanft ihre Hand über die seine und nach weiteren fünf Minuten legte Elliot seinen Arm um sie und nun berührten sich ihre Schulter und Olivias Kopf rastete auf seiner Schulter.

„Wir schaffen das“, erklärte Olivia.

+++ Ende Kapitel 1 +++

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Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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