Swinger Club – Kapitel 5

2013-05-04 08.03.29 - Bearbeitet+#+#+

Kapitel 5

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Auch als sie zwanzig Minuten später an der Bar saßen, Olivia ein Gin-Tonic und Elliot ein Soda trank, wusste er nicht, was er sagen sollte. Sprachlos war er. 

Kein einziges Mal kam ihm die Idee eines Vergleichs zwischen Kathy und Olivia. Nicht eine einzige Sekunde hatte ihn dies abgelenkt, als er ihre Lippen eng um ihn geschlossen waren. Auch jetzt, galt alles, was in seinem Kopf vorging der Frau, die ihm gegenüber saß, ihre Augen gerade geschlossen hatte.

Der Frau, die Sachen mit ihm machen konnte, die ihm alles vergessen ließen.

Sogar seinen eigenen Namen.

Der Frau, die er mehr begehrte als alles andere.

Der Frau, die nicht sein Eigentum war und er nicht ihres.

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Als Olivia plötzlich aufblickte, durchgehend hatte sie seine Blicke auf ihrem Körper gespürt, stand das Paar ihnen gegenüber, welches zuvor ihr Gegenüber gewesen war.

„Jack“, sagte der Mann und reichte Elliot zuerst die Hand, dann Olivia. „Und das ist meine Frau Christina.“

Elliot stellte sie vor, man saß gemeinsam an einem Tisch und eine langsame, eher dünne bisweilen oberflächliche Konversation erblühte. Dies und das und eigentlich nichts war ihr Inhalt.

„Wenn ihr neu in Los Angeles seid, kennt ihr sicherlich noch nicht alle Clubs“, fragte Christina vorsichtig nach.

Liv schüttelte zustimmend den Kopf und nippte an ihrem Getränk. Obwohl sie Alkohol gewöhnt war, wusste was sie trinken konnte, wie viel und was nicht, hatte sie an diesem Angst, die Kontrolle zu verlieren.

Ohne lange zu fragen, setzten sich die beiden zu ihnen. Einige Male wünschte sich Olivia ein Fenster, aus dem sie schauen konnte, um nicht immer Elliot oder einen fremden, halbnackten Körper ansehen zu müssen.

Sie fühlte sich nicht wohl, wissend, dass Elliots Augen stetig auf ihrer Haut lagen, sie konnte ihn spüren.

Selbstbewusstsein hatte sie ihm Laufe der Jahre an seiner Seite erlangt, vieles. Oft hatte er sie kritisiert, selten in Anwesenheit anderer. Selten kamen die Worte des Lobes über seine Lippen, doch Blicke sagten immer mehr als Worte und im Moment sah er sie gerade auf diese Art und Weise an. Undefinierbar. Bestimmt. Beinahe eindeutig. Erweiterte Pupillen. Das tiefe Blau, welches sie so sehr schätzte. Liebte. Dem sie vertraute.

„Wollt ihr uns kommenden Donnerstag ins Frederick’s begleiten?“, fragte Christina als sie den letzten Schluck ihres Cocktails geschluckt hatte.

„Donnerstag?“, fragte Elliot Olivia etwas schüchtern und doch wissend, dass es zu einer ähnlichen Situation kommen würde, wie dieses Mal, da diese der Grund war, wieso man sie überhaupt eingeladen hatte.

„Ich denke, dass lässt sich einrichten“, erklärte Liv und begann ihre, vor kurzem erst auswendig gelernte, Handy-Nummer auf die Servierte aufzuschreiben. „Rufen wir uns doch einfach zusammen.“

Jack und Elliot unterhielten sich über die aktuelle Kriegslage während Christina Liv über ihren Job ausfragte und Olivia nur äußerst vage Antworten geben konnte, das sie ihr Schulhaus bisher noch nicht von innen gesehen hatte. Es war ihr Vorhaben für den kommenden Tag, sich näher mit der Materie, die sie am Montag unterrichten sollte, zu befassen.

Man plauderte, tat als wäre man jemand anders und als es schließlich kurz nach Mitternacht war, entschuldigte sich Liv bei den neuen Freunden, und forderte Elliot auf zu gehen, da sie bereits müde war. In Wahrheit war der Grund, dass sie das Gefühl bekommen hatte, dass Christina gerne gleich eine zweite Runde im Orgienraum veranstalten wollte und Liv wusste eines, sie würde noch eine Performance wie diese nicht unbeschadet überstehen. Es ging nicht um das Körperliche sondern um die Psyche.

Elliot legte, nachdem sie sich verabschiedet hatten, dankend seinen Arm um ihre Schultern, was sie näher an ihn heranbrachte, und gemeinsam gingen sie in den Umkleideraum. Doch wurde kein Wort gewechselt, auch nicht,  als sie schließlich wieder umgezogen im Auto saßen, vor dem Haus hielten oder Elliot im Badezimmer vor dem Spiegel stand, um sich die Zähne zu putzen, und Olivia nackt aus der Dusche stieg und nach einem Handtuch griff.

Niemals hatte sie ein Problem mit Nacktheit gehabt und es kam ihr vor, als hätte sie die letzte Hürde in dieser Nacht verloren. Er hatte sie beinahe nackt gesehen und der letzte Teil ihrer Intimsphäre war unwichtig für sie. Sie mussten mitsammen auskommen, angezogen oder nackt.

Allerdings schien Elliot all dies nicht so einfach zu fallen. Als er sie im Spiegel erblickte, wollte er für eine Sekunde die Hand vor die Augen geben, sich entschuldigen, wortlos das Badezimmer zu verlassen. Aber sie handelte nicht, schrie ihn nicht an, verlangte nichts von ihm. Olivia stand einfach da und griff nach dem Badetuch, etwas vollkommen Natürliches. Selbstverständliches.

Er wusste nicht, dass es sie etwas Überwindung gekostet hatte, Liv sich allerdings einredete, dass nichts dabei war, nach dem oralen Verkehr, den sie an diesem Abend gehabt hatten.

Der abgedunkelte Raum, in dem das Bett stand, wurde rasch aufgesucht, beide trugen ihre Pyjamas. Olivia knipste noch ihr Licht an. Elliot hingegen drehte sich auf den Bauch und beobachtete sie, wie sie einen Stift und ein kleines Büchlein aus der Lade nahm und etwas niederschrieb. Wahrscheinlich Notizen zu dem kennengelernten Paar, dachte sich Elliot, doch als er seine Augen schloss, konnte er Worte hören, Bilder sehen, die nicht dem glichen, was er gerade vernommen hatte. Als er die Augen rasch wieder öffnete, um sicher zu gehen, dass es nur ein Traum war, sah er sie immer noch schreiben. Das Gesicht hatte sie sich frisch eingecremt, das konnte man am sanften Glanz noch erkennen und ihre Fingernägel waren länger als Normalerweise.

„Was schreibst du auf?“, fragte er und zog die Decke etwas weiter über seine Schultern.

„Nur Notizen“, antwortete sie, ohne von dem Büchlein aufzuschauen.

Elliot konnte nicht wissen, dass es nicht nur fachliche Notizen waren, sondern ebenfalls ihre Gefühle, Eindrücke und diese befassten sich nicht ausschließlich mit der Unterhaltung, die sie nachher geführt hatten.

Sorgfältig hatte Olivia darauf geachtet, dass Elliot bereits schlief, als sie noch einmal aus dem Bett stieg und das Badezimmer aufsuchte. Der Abend hatte sie aufgewühlt, wieder Gefühle in ihr geweckt, die sie lange hatte verloren geglaubt oder zumindest gut versteckt.

Der Raum war kühl, deswegen zog sie den Bademantel, der auf der Rückseite der Türe hängte über, klappte den Toilettendeckel herunter und setzte sich auf das geschlossene Klo.

Obwohl der Raum zuvor freundlich auf sie gewirkt hatte, schien er nun kleiner zu werden, mit jeder Minute, die sie in ihm verbrachte. Inzwischen hatten sie die Beine angezogen, an die Brust gepresst, ihre Arme umfassten diese.

Was hatte sie an diesem Abend nur gemacht? Eine Grenze mehrmals überschritten. Irgendwann zwischen Dusche und Bett hatte sie das Selbstbewusstsein verloren und war in Schuld oder wie auch immer man es definieren wollte, umgeschwenkt.

Sie war zu weit gegangen. Die Grenze, die durchsichtige Linie, die sie irgendwann gezogen hatten, wurde übertreten und sie hatte die ersten Schritte gewagt. Aber als sie nun darüber nachdachte, war es doch Elliot gewesen. Oder beide gemeinsam?

Doch war sie es gewesen, die den oralen Sex schließlich eingeleitet hatte und zudem Gefallen daran gefunden hatte. In ihr waren Gefühle erwacht, die sie zuvor zwar vernommen hatte, aber nicht in diese Intensität. Als sie ihn befriedigte und er sich ihr hingab, hatte sie da Verlangen gehabt, sich einfach auf ihn zu begeben, ihn in sich aufnehmen und sich ihn mit all ihrer Kraft hinzugeben. Sie sehnte sich nach sexuellem Kontakt, ihre letzten Beziehungen waren selten so weit gegangen. Selten  hatte es sie angespannt und entspannt zu gleich, einen Mann auf diese Art zu befriedigen. Oftmals hatte sie Gedanken daran verschwendet, nächtens, wenn sie wach im Bett lag, wie Elliot wohl reagieren würde, wenn sich alle Muskeln in seinem Körper anspannen würden und er käme. Wenn sie ihn kontrolliere, alle Macht über ihn hätte. Oder er über sie.

All die Ereignisse erfüllten sie mit einer gewissen Unsicherheit, die sie sich in seiner Gegenwart nicht anmerken lassen wollte. Sie hatte im Orgienzimmer diesen Schritt gewagt und nun musste sie damit zurechtkommen.

Nachdem sie ein Glas Wasser getrunken und sich da Gesicht noch einmal kalt gewaschen hatte, begab sie sich wieder zu Bett, nicht ahnend, dass Elliot gemerkt hatte, dass sie gegangen war. Als sie schließlich unter der wohlig warmen Decke ihren Platz fand, Elliot den Rücken zukehrte, war sie beinahe dabei, Schlaf zu finden, als ein Arm sich um ihre Taille schloss und sie näher an ihn heranbrachte, so nahe, dass ihr Rücken nahe an ihre Brust gepresst war. Und es missfiel ihr nicht, es war lediglich ungewohnt, mit jemandem da Bett zu teilen. Viele Jahre war es her gewesen, dass dies zum letzten Mal passiert war.

Es war kein Zufall, dass dies geschah, Elliot hatte es in dem Moment geplant, in dem sie das Bett verlassen hatte. Geahnt, dass der Abend nicht so einfach in Vergessenheit für sie geraten, sie allerdings ein Gespräch über Geschehenes vermeiden würde.

Auch er hatte sich Gedanken gemacht, Gedanken über all das, was vorgefallen war und was er empfunden hatte – wissend, dass es nicht richtig war. Die Lust, die er empfand.

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Die Sonne blinzelte mit ihrer spätherbstlichen Kraft in den Morgenstunden durch die nicht zugezogenen Vorhänge und erhellte das Zimmer ein wenig. Langsam wurde sie intensiver, langsam wurde es Tag und Elliot, der stets ein Frühaufsteher gewesen ist, konnte in diesem Moment seine Augen nur fest zudrücken, die Arme fester um den Körper schließen, der neben ihm lag, und seine Nase tiefer in das Haar der Frau gleiten lassen. Sie fühlte sich gut in seinen Armen an, gut. Perfekt.

Es läutete kein Wecker und als Elliot seine Augen wieder öffnete, lag sie immer noch an seiner Seite, seine Nase immer noch in ihrem Haar, seine Hand auf ihrem Bach, unter ihrem Pyjamatop. Warme Haut. Weiche Haut. Perfekt.

Ohne auch nur an seine Frau zu denken, wusste er, wessen Haut er fühlte und es erschien im richtig, ohne viel überlegen zu müssen. Kathy war nie an Liebesbezeugungen in der Früh interessiert. Meist auch nachmittags und abends nicht, denn so bald dies passierte, war sie zumeist schwanger danach. Doch dieses Mal hatte er das Gefühl, an der Art und Weise wie sich der fremde Körper an ihn schmiegte, dass Interesse bestünde.

„Elliot, was machst du?“, fragte Olivia verschlafen, als seine Hand etwas höher gerutscht war und beinahe ihre Brüste berührte.

„Mhhh…“, konterte er nur und mimte den Schlafenden. Langsam und vorsichtig befreite sie sich aus seiner Umarmung, warf den Morgenmantel über, zog warme Socken an und verließ das Schlafzimmer, um in der Küche einen Kaffee zu sich zu nehmen.

Mit der Zeitung in der Hand setzte sie sich an den Küchentisch, war dankbar, dass man bei dieser Nespresso-Maschine nur auf ein Knöpfchen drücken musste, sie in all der Zeit von Munchs meist ungenießbaren Kaffee verschont bleiben würde. Olivia zwang sich interessiert die Zeitung zu lesen, als Munch in seinem zerknitterten Seidenmorgenmantel in einem dunklen Karminrot die Küche betrat.

Man wünschte sich einen schönen Morgen und er setzte sich neben sie, einen Kaffee in der Hand, und stahl ihr den Sportteil der Zeitung. Sie plauderten nicht, teilten die Zeitung, aßen kein Frühstück obwohl Liv sich eingestehen musste, dass sie ein Hungergefühl verspürte.

Erst als einige Zeit später Elliot auch den Raum betrat, begann John das Frühstück herzurichten. Den ganzen Vormittag schien es ihm, als würden Olivia und Elliot so miteinander umgehen, als wäre nie etwas passiert, als hätten sie in der Nacht zuvor keinen Swingerclub betreten. Er wollte es nicht beschwören, hatte aber das Gefühl, dass sie Grenzen überschritten hatten.

Und er wusste außerdem, dass sie an diesem Abend in den nächsten Club gehen sollten, laut Zeitplan, und sich die Situation in der gemeinsamen Bleibe sicherlich nicht vereinfachen würde, wenn sich diese Besuche mehren.

„Entschuldigt mich, ich muss noch ein wenig Shakespeare lesen, damit ich weiß, wovon ich kommende Woche sprechen werde“, warf sie ein, nahm zwei Mandarinen und stieg die Treppen hinauf in die kleine Bibliothek. Es war ein Raum, der gefüllt mir Bücherregalen, einem zweiten PC, neben dem im Büro, und einer großen Couch, einem Schreibtisch am Fenster und einem Ohrensessel war. Man konnte sich zurückziehen, ein wenig Lesen oder anderen Interessen nachgehen. Alleine sein.

Und als sie schließlich mit einer Ausgabe von „Hamlet“ in dem Ohrensessel saß, merkte sie, wie ihre Gedanken immer wieder abschweiften, immer wieder sie an Elliot dachte. Seinen muskulösen Körper. Seinen herrlichen Geruch. Einfach Elliot.

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Ende Kapitel – 5

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About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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