Pills – Kapitel 1

caskett_by_slaveformusic-d5gxm3n - BearbeitetSpoiler: Staffel 4 – auf alle Fälle nach Kates Rückkehr aufs Revier, aber ohne spezifische Episode, auf alle Fälle bevor „Headhunters“ (4×21)
Rating: 16? Ich beginne einmal damit, wer weiß, wo ich lande. Rating-Änderungen werde ich aber am Kapitelanfang vermerken.

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Pills … 
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Es war nach Mitternacht, besser gesagt nach vier Uhr in der Früh, als Ricks Handy läutete. Es war Kates Klingelton, der ertönte. Verschlafen drehte sich Rick um, greift blind nach seinem iPhone und drückte auf die Freigabe-Taste.

Noch bevor er etwas sagen konnte, hörte er Kates Stimme.  „Rick? … Rick? Kannst du bitte kommen?“

 

.-.-. Rückblick .-.-.

Kate war in einem heruntergekommenen Motelzimmer aufgewacht und sie konnte sich nicht daran erinnern, wie sie hierher gekommen war. Wo sie sich überhaupt befand oder was passiert war. Nichts. Sie konnte sich an genau gar nichts erinnern.

Das Kleid, das sie trug, war verdreht, als hätte sie es sich nicht selbst angezogen und sie lag auf den einst einmal weiß gewesenen Laken eines schäbigen Bettes. Als sie sich bewegen wollte, um nach ihrem Handy zu suchen, schmerzte alles – ihr Kopf, ihre Schulter, ihr Magen. Alles. 

Was war passiert? 

Neben dem Bett am Boden lag ihr Telefon, ihre Wohnungsschlüssel, ihr Portemonnaie – aber das Bargeld war weg. 

Langsam kam etwas ihrer Erinnerung wieder. Sie war mit Lanie in einen Club gegangen, hatte sich überreden lassen. Es war einer der neuen, angesagten Clubs gewesen. Rasch hatte Lanie einen Bekannten getroffen und  sich auf die Tanzfläche begeben, Kate hatte sich etwas zu trinken bestellt – ein Wodka-Tonic.  Damit hörte ihre Erinnerung auf. Danach war es komplett schwarz, nichts war mehr da. Absolute Leere. Absolute Dunkelheit. Nichts. Gar nichts. 

Lanie konnte sie nicht anrufen, zu oft hatte ihr die Freundin gesagt, dass man auf sein Getränk achtgeben müsse, es niemals aus den Augen lasse. Nicht, dass dieses Vorgehen Kate unbekannt gewesen war, doch war sie so selten in Diskotheken, dass sie daran nicht dachte. In den Lokalen, die sie sonst besuchte, brauchte sie niemals Angst haben. Abgesehen davon, würde Lanie Fragen stellen, sie bedrängen.

Dann dachte sie kurz an ihre Jungs – Esposito und Ryan. Doch sofort verschwand der Gedanke wieder. Es war eine Unmöglichkeit, sich vor ihnen eingestehen zu müssen, dass etwas passiert war. 

Sie hatte sich nur überreden lassen, weil sie vergessen wollte. 

Vergessen, dass der Geburtstag ihrer Mutter anstand. Vergessen, dass der Todestag ihrer Mutter vor der Türe stand.Vergessen, dass sie Castle mit einem neuen blonden Bimbo in der Yellow-Press gesehen hatte. Vergessen, dass der letzte Fall eine unbefriedigende Wende genommen hatte.

Einfach vergessen. Alles vergessen.

Und tatsächlich schien ihr Wunsch in Erfüllung gegangen zu sein, denn sie hatte immer noch keine Ahnung, was passiert war. 

-.-.-. Rückblick Ende  -.-.-.- 

Als er um die Ecke bog, entdeckte er sie sofort. Eine junge Frau mit langem wallendem Haar, einer wirren Masse an diesem Abend, sie stand gegen einen Lichtmasten gelehnt, an der Einfahrt des Motels. Ihr grünes Kleid war verschoben. Sie wirkte nicht so, wie seine Kate wirken würde.

Er hatte keine Zeit gehabt, ein Taxi zu rufen. In seinen langen karierten Flanell-Pyjamahosen und dem grauen T-Shirt war er, lediglich mit einer Sweatshirt-Jacke über dem Arm, in die Garage seines Hauses gelaufen und hatte seinen Mercedes geholt, den er sonst verweigerte in der Stadt zu fahren. Seine Sportschuhe waren immer noch nicht zugebunden, sein Führerschein lag zuhause neben seiner Geldtasche. Sie hatte so verletzlich geklungen. Nach diesem Anruf hatte er nur die wichtigste Utensilien genommen und hatte sich auf den Weg gemacht. Ohne weiter nachzudenken.

Und nun erkannte er, dass ihr Mascara verschmiert war, Tränen über ihre Wangen liefen. Das war nicht die Frau die er kannte. Es war nicht seine Kate.

Als er das Auto anhielt und sie weiterhin an den Masten gelehnt dastand, ging er wortlos auf die andere Seite des Wagens, öffnete die Türe und half ihr einzusteigen. Rick stellte keine Fragen.

Sie fror – es war Anfang Jänner – und trug nur ein dünnes kurzes Kleid. Kurz fragte er, ob er sie ins Spital bringen solle, sie schüttelte nur den Kopf, murmelte etwas davon, dass es keine Akte geben dürfe. Es war offensichtlich, dass sie Schmerzen hatte, bei jeder kleinen Modenwelle schloss sie die Augen, biss sich auf die Unterlippe, die blutig war.

„Kate, du musst einen Arzt sehen. Die Polizei …“

„Nein, es kann keine Akte geben.“

„Lanie?“

„Nein, sie könnte das niemals machen, ohne eine Papierspur zu hinterlassen.“

Castle war sich augenblicklich nicht sicher, welche Rolle er in diesem Szenario spielen sollte, was sie sich vorstellte. Sie war nicht sie selbst. Nicht seine Kate. Sie war verängstigt.
Seine Kate hatte keine Angst, keine Angst vor nichts und niemandem.
Seine Kate war der mutigste Mensch, den er kannte.
Es schmerzte ihn, sie so zu sehen.

Vor ihrem Apartment ließ er den Wagen stehen, half ihr beim Aussteigen, schloss den Wagen ab und riskierte gerne, dass er abgeschleppt werden würde – es war ihm schlichtweg egal. Sie brauchte Hilfe, um gerade zu stehen. Das schmerzverzerrte Gesicht eröffnete Bände.

„Kate …“

„Es geht mir gut“, murmelte sie schwach.

Rick nickte nur. Was sollte er sagen? Am liebsten hätte er geweint.

Er ging vorsichtig, Schritt für Schritt mit ihr zum Aufzug und lehnte sie, als sie die Kabine betraten, gegen eine der Wände, studierte ihren Körper. Blaue Flecken begannen sich zu bilden, Fingerabdrücke waren zu erkennen, wo das Kleid an ihrem Brustansatz endete.

Nachdem er vor ihrem Apartment den Schlüssel aus ihrer Tasche geholt und die Türe geöffnet hatte, versuchte sie alleine zu stehen, doch immer wieder schwankte sie. Ihre Schuhe hatte sie die gesamte Zeit in der Hand gehalten, die gesamte Fahrtzeit, während sie zum Lift gegangen waren, immer.

Sie war weiß wie die Nacht dunkel. Kurz überlegte Rick, wie es weitergehen sollte, blickte sich in ihrem Apartment um und entschloss sich, sie ins Schlafzimmer zu bringen, da das Badezimmer an dieses angrenzte. Als Castle sie tragen wollte, hatte sie sich gewehrt. So half er ihr, sich auf die geschlossene Toilette zu setzen, das Waschbecken an einer Seite, ein Regal mit Handtüchern unweit der anderen.

„Wir müssen DNA sichern“, murmelte er vor sich hin, lief in die Küche – und er lief wirklich, er ging nicht langsam oder mit großen Schritten, nein, er lief. Zurückkam er mit einer Flasche Wasser aus dem Kühlschrank und drei Papiertüten.

Der Krimiautor und Laien-Polizist, der er war, kontrollierte seinen Verstand gerade. Wäre er einfach nur Rick gewesen, hätte er sie gehalten und mit ihr geweint, sie in seine Arme geschlossen und ihr gut zugeredet. Anstellte dessen schnitt er ihre Fingernägel mit einem Nagelklipper und ließ die Spitzen in eine der kleinen Papiertüten fallen, kämmte ihre Haare – stets darauf bedacht, ihr keine Schmerzen zuzufügen.

Mit letzter Kraft stand sie auf, stand vor ihm. Wortlos. Stumm. Und ohne sie zu fragen, griff er nach dem Zipp, der unter ihrer Achsel positioniert war – sonst wäre er am Rücken gewesen – und öffnete das Kleid.

Seine Kate hätte es nicht zugelassen, dass er einfach ihr Kleid zu Boden fallen ließ, bevor er ihr unter die Achseln griff und ihr half, sich wieder hinzusetzen. Vorsichtig nahm er das Kleid, ohne ihren Körper noch zu studieren, und packte es in eine Papiertüte.

Vor ihm saß sie nun, in einem schwarzen trägerlosen BH und dem Rest ihres schwarzen Slips. Er war im Schritt aufgerissen, befand sich aber immer noch an ihren Hüften.

Kates Augen wanderten zu den Waschbecken und sie griff vorsichtig und langsam nach einem Waschlappen, der am Rand des Waschbeckens lag.

„Bist du dir sicher?“, fragte Castle und griff nach dem Stück Stoff, ließ warmes Wasser über dieses rinnen, bevor er es auswand. Sie sagte immer noch mein Wort, nickte nur, schloss ihre Augen und lehnte sich zurück an den Spülkasten.

Und so begann er, ganz vorsichtig, mit dem feuchten Waschlappen über ihr Gesicht zu wischen, den Schmutz, Grind, der auf ihrem Gesicht war, abzuwaschen, immer darauf wartend, dass eine Gefühlsregung von Kate kommen würde. Irgendetwas. Doch waren ihre Augen immer wieder geschlossen, sie öffnete sie, wenn er den Stoff von ihrem Gesicht nahm, um ihn auszuwaschen.

Die feuchte Wärme des Stoffes glitt allmählich über ihren Hals, ihre Schultern und ihr Schlüsselbein, berührte ihren Brustansatz. Wortlos beugte sich Kate nach vorne, versuchte nach hinten zu greifen, schaffte es aber nicht – er öffnete schließlich den BH, sah nicht die weiblichen Rundungen sondern den Schmerz in ihren Augen, den sie zu verstecken versuchte.

Als er den Büstenhalter in die Papiertüte steckte und sich wieder umdrehte, sah er den Zahnabdruck, der seitlich ihrer Brustwarze nun zu erkennen war.  Ein vollständiger Zahnabdruck. Nicht der lustige Castle seiend, sondern der ernsthafte Richard, der sich allmählich seiner Rolle bewusst wurde; griff er nach seinem iPhone, das er in seiner Pyjamahose hatte und machte Fotos. Kate sagte nichts. Gar nichts.

Danach ließ er den warmen, feuchten Waschlappen über ihre Brüste wandern, sah sie aber nicht als weibliche Attribute sondern als Tatort.

Erst als er an der Grenze ihres Slips angekommen war, suchte er intensiv nach Blickkontakt, wie es weitergehen sollte und sie nickte und kümmerte sich selbst darum, als Rick sich umdrehte. Den Slip schnitt er mit einer Nagelschere von ihrer Hüfte, tütete ihn ebenfalls ein und beschriftete alle Papiersackerl mit einem Stift –  „Kate“, stand darauf, da Datum und die Uhrzeit.

An der Türe hing ein weites T-Shirt, ein violettes, das ihm sehr bekannt vorkam. Er nahm es und half ihr, es anzuziehen. In Ricks Anwesenheit putzte sie sich die Zähne und blickte ihn schließlich verunsichert hat. Ein Arm stützend um sie gelegt, gingen sie ins Schlafzimmer. Rick schlug die Decke zurück und wartete, dass sie sich in Bett legte.

„Bleib bei mir“, kam es plötzlich aus ihrem Mund.

Sein Blick musste fragend gewesen sein, denn er bemerkte, wie sie mehrfach den Mund öffnete und wieder schloss, bevor sie etwas sagte.

„Bitte. Ich kann heute nicht alleine sein“, erklärte sie ihm. Seine Kate hatte ihm einmal erklärt, dass wenn sie den Tierknauf der Schlafzimmertüre sich drehen sähe, würde er die Waffe, mit der sie schlief, kennenlernen. Die jetzige Kate bat ihn, bei ihr zu bleiben. Sie rutschte sogar in die Mitte des Bettes und schien offenbar von ihm zu erwarten, dass er sich zu ihr lege.

Nach einer quasi nicht existenten Nachdenkphase setzte er sich zuerst auf die hellblauen Laken, wartete ab, dass sie es sich doch anders überlegte. Doch es kam nichts aus Kates Mund, sie legte ihren Kopf auf den Kopfpolster und schien auf ihn zu warten. Als er schließlich unter den Laken lag, griff sie nach seiner Hand.

Fünf Minuten später lag sie auf der Seite, starrte aus dem Fenster und er saß immer noch auf der Seite, sie nicht berührend, sie nicht streifend. Gerade als er aufstehen wollte, um sich nachhause zu begeben oder Gott weiß wohin, sagte sie leise:  „Geh nicht. Bleib, Rick bleib einfach.“

Seine Kate nannte ihn Castle, selten Rick, relativ selten. Vielleicht war es die Grenze, die sie nun überschritten hatten. Sie waren nicht nur Arbeitskollegen – Castle und Beckett – vielleicht waren sie nun wirklich Freunde – Kate und Rick?

Alle Geständnisse, die er ein paar Monate zuvor getätigt hatte, waren in diesem Augenblick vergessen. Es war nichts Sexuelles. Es war nicht einmal etwas Körperliches. Es war eher ein innerer Schmerz, den er nun empfand, tief in sich. Das Gefühl, sie einmal aus den Augen gelassen zu haben. Sie einmal nicht aufgehalten zu haben, mir irgendeiner Theorie. Dass es überhaupt so weit gekommen war.

Kate lag auf der ganz linken Seite des Bettes, beinahe von der Matratze fallend, Rick auf der ganz rechten. Er saß auf ihrem Bett, lehnte sich gegen das Kopfteil und beobachtete sie. Studierte die kleinse Bewegung, die sie machte, jeden Atemzug mit der sich ihr Rücken leicht bewegte. Aber er berührte sie nicht.

Irgendwann, als die Sonne schon am Himmel stand, schlief sie schließlich ein. Es war ein unruhiger und leichter Schlaf. Keine Erholung. Nichts, dass Vergessen mit sich bringen würde. Es war eher einer Form des Geistes aufzugeben, weil der Körper aus Erschöpfung zusammengebrochen war. Ein innerer Kompromiss.

Doch Castle fand keinen Schlaf, sein Körper verlangte nicht danach, sein Geist hingegen verpflichtete ihn, sie nicht aus den Augen zu lassen, keine Sekunde.

Was auch immer passiert war, er wollte es sich nicht vorstellen, auch wenn seine Gedanken immer wieder darum kreisten – es hatte sie verändert. Hatte eine andere Kate aus dieser Frau gemacht.

-.-.-. 

Ende Kapitel 1

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About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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