Pills – Kapitel 2

caskett_by_slaveformusic-d5gxm3n - BearbeitetA/N: Risky, risky business. Spaß bei Seite, eigentlich wollte ich ein Kapitel für eine andere Geschichte schreiben, aber ich denke, dass ich etwas „Aufklärungsarbeit“ leisten muss. Hasst mich nur, und wenn es OCC sein sollte, tut es mir wahrhaftig leid, aber ich tu‘ mein Bestes, um Kate „in die Rolle gleiten zu lassen“. 

-.-.-.-

Kapitel 2

-.-.-.-

In den Morgenstunden war Rick schon lange vor Kate wach. Und als er immer noch im Bett sitzend ihren schlafenden Körper studierte, der bis zum Hals mit einem Laken zugedeckt war, gingen ihm viele verschiedene Gedanken durch den Kopf. Nicht nur ihre Zerbrechlichkeit, die Angst, dass es sie wieder Monate, wenn nicht Jahre, in ihrer Beziehung zurückwerfen würde, sobald sie aufwachte und ihn in ihrem Bett sitzen sah. Nein, sondern viel mehr – der Schuss. Der Tod ihrer Mutter. Die Fragilität ihrer Partnerschaft.

 

Rick wusste nicht, mit was er zu rechnen haben würde, falls sie jeden Moment ihre Augen aufschlüge und –  wahrscheinlich mit Terror in ihrem Blick – feststellen würde, dass er hier war. So stand er rasch auf, schloss beim Verlassen des Schlafzimmers die Türe nicht ganz, lehnte sie lediglich an. Hin und her war er gerissen, ob er sie nun einfach verlassen sollte, oder warten, gefeit, dass auch etwas Furchtbares passieren konnte.

Es war nicht Kate gewesen letzte Nacht, nicht seine Kate, nicht die Kate, die er lieben gelernt hatte. Die Frau, die ihn glücklich machte durch ihre schiere Anwesenheit und gleichzeitig auf die Palme trieb mit ihrer Passivität. Die, die mit ihm flirtete, ohne zu ahnen, dass es für ihn schon seit Monaten kein Spiel mehr war. Nein. Seine Kate hätte Lanie angerufen und nicht ihn. Sie hätte es vor ihm verborgen, alles – nichts davon wäre jemals ans Tageslicht geraten. Keine Sekunde, denn sie hätte sich geschämt – was sie wahrscheinlich tun würde, sobald sie ihn hier sehe.

Rick stellte Kaffee zu und ersparte sich die Idee, Frühstück zu machen. Der Appetit war ihm vergangen und sie würde nichts essen, sobald sie realisieren würde, was letzte Nacht passiert war. Normalerweise gab es für ihn keine Ausrede, er konnte immer und alles essen. Als er wartete, dass der Kaffee durch den Filter lief, schickte er seiner Tochter eine kurze SMS, ließ sie in dem Glauben, dass er bereits am Schauplatz eines Verbrechens war und wünschte ihr zugleich einen schönen Tag.

Aber Castle war nervös. Befürchtete das Schlimmste.

Eigentlich wollte er nichts sehnlicher als Lanie anzurufen, mehrmals hatte er bereits sein iPhone in der Hand gehabt, jedes Mal hatte er sich wieder dagegen entschieden. Es war Kates Aufgabe, ihre beste Freundin einzuweihen, sie musste diesen Schritt wagen und mit jemandem darüber sprechen.

-.-.-.- FLASHBACK -.-.-.-

Er war gutaussehend, verdammt gutaussehend und er flirtete mit ihr. Rotblonde Haare, grüne Augen, mindestens 190cm groß, muskulös. Wieso war er überhaupt an ihr interessiert? Sie gab sich keine Mühe, nein, das tat sie wirklich nicht. Zwei Drinks hatte sie bereits abgelehnt. Und dann lächelte er sie an, mit diesem unzähmbaren Lächeln. Und sie konnte nicht anders, Kate lächelte zurück. 

Wo war nur Lanie? Sie blickte sich um und suchte mit ihren Augen auf der Tanzfläche nach ihrer Freundin. Es war ein Latin Music Club, den die Pathologin ausgewählt hatte und das Kleid, das die dunkelhäutige Frau trug, war kurz davor, illegal zu sein. Kurz. Rot. Eng. Viel zu eng, aber Kate hatte kein Wort gesagt, über das gewagte Outfit. 

Sie entdeckte sie, tanzend. War es ein Latino, der vor ihr stand und sie teilweise verdeckte? Ein militärisch kurzer Haarschnitt. Könnte es Esposito sein, fragte sich Kate kurz. Vielleicht würden sie wieder zusammenfinden. Sie konnte sich das gut vorstellen, denn jeden Mann, den Lanie kennenlernte verglich sie mit Kates Kollegen. Jeden einzelnen. 

Plötzlich stand der gutaussehende junge Mann neben ihr.

Kate trank Wodka-Tonic. 

.-.-.-. FLASHBACK Ende .-.-.-.-.

Kate öffnete ihre Augen und es roch so vertraut. Sie erschrickt. Springt auf, klammert sich an den Laken fest und bedeckt damit ihren Körper als wäre sie nackt. Es war sein Geruch, sein vertrauter Geruch. Dann erinnert sie sich, dass sie ihn angerufen hatte und weiß aber nicht, warum es nicht Lanies oder Espositos Nummer gewesen war – doch schließlich wird sie sich des Flashbacks bewusst, denn sie gerade durchlebt hatte. Es war also kein Traum gewesen, keine Einbildung?

Doch als sie einen Fuß vor den anderen setze, spürte sie, dass es nichts Dergleichen gewesen sein konnte – ihr Körper schmerzte und es war kein guter Schmerz. Es war also Realität.

Langsam ging sie auf die Badezimmertüre zu, griff nach dem Morgenmantel, der dort hing, und zog ihn über, und schritt in Richtung Wohnzimmer.

Sie wollte sich duschen, reinigen, doch bevor sie dies tun würde, musste sie nachsehen, ob er noch da war. Und er stand in ihrer Küche, war in Gedanken und starrte aus dem Milchglasfenster, da keine Aussicht erlaubte und Privatsphäre zu gewähren.

Rick hatte sie nicht kommen sehen und als sie schließlich etwas sagte, zuckte er zusammen.

„Rick?“

„Oh Gott, Kate …. Wie geht es dir?“

„Wie spät ist es?“, wich sie seiner Frage aus, blickte nicht in sein besorgtes Gesicht sondern auf die Orchidee, die auf ihrem Esstisch stand.

„Kurz nach 13 Uhr.“

„Oh … bereits.“

„Es war gestern recht spät …“, versuchte er zu kommentieren, wusste nicht recht, was er sagen sollte. Kate hingegen fragte sich, ob er annähme, dass sie sich an die Uhrzeit nicht erinnern könne, zu der sie ihn angerufen hatte.

Als Rick versuchte Blickkontakt herzustellen, wich sie seinen Blicken aus, doch er erkannte, dass sie verängstigt war, als würde jemand sie verfolgen. Etwas.

„Kate, ich bin immer noch der Ansicht, dass du … du solltest …“

„Ich denke, du solltest jetzt gehen“, sagte sie leise. „Bitte.“

„Bist du dir sicher?“

„Absolut.“

So stellte Rick seinen Kaffeebecher in die Abwasch, griff nach seiner Jacke und den Schlüsseln und war gerade dabei die Wohnung zu verlassen, als er sich noch einmal umdrehte.

„Wenn du reden möchtest …“, begann er und pausierte kurz. „Die Papiertüten stehen im Regal unter der Abwasch.“

„Die Papiertüten“, wiederholte sie, ihre Stimme klang belanglos, als wäre es ein vollkommen unwichtiger Sachverhalt. Emotionslos. „Ja. Die Tüten.“ Als würde sie nicht wissen, wovon er sprach.

Er drehte sich abermals um und war gerade dabei, die Türe zuzuziehen. „Du wirst mit niemandem über letzte Nacht reden, es obliegt dir nicht, zu entscheiden, wer was und wann erfährt.“ Kurz bildete Rick sich ein, dass es etwas nach einem Flehen klang, wusste aber nicht recht, wo er dies nun einordnen sollte, daher er nickte er lediglich zustimmend.

Er empfand eine neue Art von Trauer – nicht die, die man bei dem Verlust eines geliebten Menschen empfand, bei einer Trennung oder etwas Ähnlichem, nein, es war tiefer. Es war ein Schmerz, den man gar nicht erst beschreiben konnte. Doch wusste er, dass dieses Gefühl ihn quälen würde, Tag ein und Tag aus.

Zum selben Zeitpunkt erkannte Rick, dass sie wieder im Begriff war, eine Mauer um sich aufzubauen.

.-.-.-.

Montag am späten Nachmittag, ihr wöchentliches Therapiegespräch stand im Kalender und sie hatte nicht vor, dieses abzusagen, war es doch zu sehr zu einem Ritual geworden. Anfänglich besuchte sie Dr. Burke lediglich, um über das Attentat auf ihr Leben hinwegzukommen, zuerst sogar etwas halbherzig. Doch allmählich fasste sie Vertrauen zu dem Psychiater, der ihr geholfen hatte, ihr PTSD in den Griff zu bekommen, und erzählte ihm mehr, mehr von sich und ihrem Umfeld, dem Fakt, dass sie nicht in der Lage war, ernsthafte und vor allem dauerhafte Beziehungen einzugehen. Und Richard Castle.

Es war ihr letzter freier Tag in dieser Woche und Kate hatte sich nicht die Mühe gemacht, alle roten und blauen Male, die ihre Haut aufwies, abzudecken. Immer wieder, wenn Dr. Burke versuchte, sie auf diese anzusprechen, wich sie ihm aus, ging nervös im Zimmer auf und ab. Er stellte keine Fragen, die sie in die Enge treiben würden, sondern studierte ihre Körpersprache. Dass etwas passiert sein musste, war klar, die Frage war nur was.

„Ich bin mir nicht sicher, ob ich Rick wirklich vertrauen kann“, sagte sie unerwartet.

„Hatten wir dies nicht bereits besprochen? Sie sagten, dass er ihr sicherer Hafen wäre. Sie meinten, das er derjenige sei, der sie nicht verurteile oder bewerte.“

„Ich weiß“, stimmte sie ihm zu. Lanie hatte es ihr übel genommen, dass sie, nachdem sie aus dem Spital entlassen worden war, nach dem Attentat, dem Schuss, sich nicht bei ihr gemeldet hatte. Sie war ihre beste Freundin, aber die Beziehung hatte sich verändert – sie war nicht mehr so intensiv. Oder zumindest anders. „Aber Castle … Er …“

„Was hat er getan?“

„Er ist immer da“, begann sie und ihre Stirn legte sich in Falten, als wäre sie gerade dabei, diverse Sachen zu realisieren. „Immer. Tag und Nacht.“ Sie machte eine kurze Pause. „Und er macht alles für mich, ohne Fragen zu stellen. Aber bald wird das für ihn nicht mehr genug sein …“

„Muss es das denn?“

„Ich wünschte, es wäre anders. Aber im Moment … Im Moment muss es so sein.“

„Fragt er nach mehr?“

Abermals kräuselte sich ihre Stirn, sie kniff die Augen kurz zusammen und blickte durch den Raum, ohne ein bestimmtes Objekt zu fokussieren. Fragte er denn nach mehr? Wollte er mehr? Nein. Nein, er hatte sie niemals in eine bestimmte Richtung gedrängt, mehr von ihr haben wollen.  Aber er hatte sie wissen lassen, dass er sie liebe. Doch fühlte er nach all den Wochen des Wartens auf eine Antwort, ihrer Abfuhr, sich an nichts mehr erinnern zu können, immer noch so?

„Wie stets um die Ihr Mauer, Kate?“

„Was soll mit ihr sein?“

„Wollen Sie sie allmählich abbauen?“

„Nicht nach …“, aber bevor sie mehr sagte, verstummte sie.

„Was Kate?“

„Ich weiß nicht, was es war.“

„Erzählen Sie mir davon.“

„Ich weiß nicht, ob ich das kann, weil ich mir sicher bin … die Vorfälle … alles …“

„Geben Sie mir doch einen Hinweis.“

Immer noch ging die Polizistin im Rauf auf und ab. Sie trug ein blaues Polo-Shirt mit dreiviertel langen Ärmeln, die ihres Vaters am Handgelenk, dunkelblaue Jeans und ein grünes Halstuch. Ihr Haar hatte sie zu einem französischen Zopf geflochten – etwas, das früher ihre Mutter gemacht hatte. Im Gegensatz zu jeder anderen Sitzung, zu der sie in High Heels erschienen war, trug sie an diesem Nachmittag Converse – das war Dr. Burke sofort aufgefallen. Dunkelgrüne Converse.

„So weit ich mich erinnern kann waren wir in East Harlem … in einem Club. Ich trank Wodka-Tonic.“ Kate legte eine Pause ein und fuhr sich mit der Hand über ihren geflochtenen Zopf. „Dann erinnere ich mich an ein Motel Zimmer und dass ich beinahe nackt war. Ich rief Castle an … Wieso? Ich weiß es nicht … es hätte Lanie sein sollen … aber er hob ab und war innerhalb weniger Augenblicke da … brachte mich nachhause … half mir beim Säubern … sammelte alles zusammen und verpackte es …“

„Sie haben keinen Arzt aufgesucht?“

„Nein. Es darf keinen Papierkram dazu geben.“

„Aber Lanie …“

„Lanie …“, sie schnaufte hörbar. „Es ist kompliziert. Sie ist es. Sie würde mich überreden, den offiziellen Weg zu gehen, so lange nicht aufgeben, bis ich es tue, weil sie an die Gerechtigkeit glaubt – dass die Bösen gefunden und verurteilt werden, aber oftmals gibt es keine Gerechtigkeit“, erklärte sie und war am Ende leiser geworden, stets an ihre Mutter denkend. Den Mörder hatte sie vielleicht erschossen, aber den Grund kannte sie bis heute nicht, die Männer, die dahinter gestanden waren ebenso wenig.

„Aber sie ist Ihre beste Freundin. Diejenige, der sie blind vertrauen.“

„Das dachte ich auch … aber nach dem Attentat hat sie mich nicht gedrängt, etwas zu ändern, sie anzurufen. Sie rief mich nicht an. Sie hat mich nicht versucht zu überreden, einen Psychiater aufzusuchen.“

„Aber Rick hat all das auch nicht gemacht.“

„Weil ich ihm gesagt habe, dass ich Zeit brauchen würde …. Und dann war da Josh.“ Kate stöhnt kurz auf. „Er war ein Fehler.“

„Sie weichen vom Thema ab.“

„Mach ich das?“, fragte sie und hatte es scheinbar selbst nicht bemerkt.

„Ja. Also, wegen Lanie …“

„Können wir über etwas anderes sprechen?“

„Über was wollen sie sprechen?“

Kate war sich nicht sicher. Immer noch war die Nacht wie in einem Nebel, grau in grau, als wäre alles verschwommen. Sie fand immer noch keine Erklärungen.

„Was wollen Sie heute am Abend machen?“

„Vergessen.“

„Darin sind Sie nicht gut, waren es nie“ Nun legte Dr. Burke eine Pause ein. „Wollen Sie Nummern einiger Hotlines“, bot er ihr an. „Ich kann Sie ihnen geben.“

„Kein Bedarf.“

„Sie brauchen Hilfe. Sie wurden missbraucht, wahrscheinlich vergewaltigt.“

„Wir reden nicht darüber.“

„Aber glauben Sie, dass Rick es vergessen kann? Dass er keine Fragen stellen wird?“

Kate hatte daran nicht gedacht, nicht daran und wie Ricks Gehirn funktionierte. Er würde nicht an ihren Schreibtisch herantreten und ihr einfach eine Frage stellen, nicht wenn es etwas war, mit dem sie unbehaglich war. Doch sein Blick, die Art und Weise wie er ihr gegenüberstand – all das würde die Fragen implizieren. Er würde bestimmten Themen ausweichen, einige Wörter nicht verwenden und mehr auf sie aufpassen, sich eher in Gefahr begeben. Seine Mimik, seine Augen würden ihn verraten.

„Er muss einfach.“

„Aber wir beide wissen, dass er es nicht kann.“

Kurze Zeit herrschte eine bedrückende Stille in dem Zimmer, die nur von dem Ticken der antiken Kaminuhr, die nun auf einem Bücherregal ihren Platz gefunden hatte, durchbrochen wurde.

„An was erinnern sie sich, wenn sie an den Schuss denken?“

„Alles.“

„Was hat das zu bedeuten?“

„Er sagte mir, dass er mich liebe.“

„Das war vor Monaten.“  Kate nickte nur zustimmend. „Sie glauben, dass sich seither etwas verändert hat?“

Beckett zuckt mit den Schultern. Sie weiß es nicht, weil sie sich nicht sicher ist, ob sie überhaupt solche Empfindungen hat, zulassen kann. Hass, Rache – beides war einfach, es überkam sie einfach. Aber sie gierte nach niemandem. Lechzte nicht nach Berührungen. Sie ist …ist sie emotionslos? War es immer schon so gewesen, seit dem Tod ihrer Mutter? Hatte sie sich immer schon so tot und leer gefühlt?

„Er weiß, dass ich nicht bereit bin. Er weiß, dass ich verletzt bin, gebrochen, und Zeit zum Heilen brauche.“

„Aber letzte Nacht war er da …“

Sie nickt.

„Hat er Fragen gestellt?“

Sie überlegt kurz. „Nein.“ Schüttelt den Kopf und betrachtet ihre Finger. „Er hat nichts gemacht, um das ich ihn nicht gebeten habe.“ Kate war dabei, in ihre Gedankenwelt abzurutschen, fing sich selbst aber noch rechtzeitig auf. „Er war einfach da, die ganze Nacht.“

„War er das?“

„Neben mir … die gesamte Nacht.“

Das verwundert Dr. Burke nun sehr, dass sie nach all dem, was passiert war, einen Mann an ihrer Seite zugelassen hatte. Er gehörte nicht zu den Psychiatern, die Notizbücher vollschrieben, mit Anmerkungen über ihre Patienten, nein, er zeichnete die Sitzungen auf, studierte sie danach mehrmals und so dachte er, sie mittlerweile zu kennen, vorhersagen zu können, wie sie reagieren würde, doch diese Reaktion kam unerwartet.  Frauen, die mit Rohypnol in Kontakt kamen, scheuten meist jeglichen Kontakt zum anderen Geschlecht. Zumindest nahm er an, dass es sich um Rohypnol gehandelt hatte.

„Im Bett?“, fragte er schließlich und studierte wieder ihre Körperhaltung. Sie hatte sich auf die Armlehne des Fauteuils gesetzt, wirkte angespannt.

„Er hatte sich zu mir gesetzt, weil ich ihn darum gebeten hatte.“

„Sie haben ihn gebeten.“

„Ich konnte nicht alleine sein. Nicht nach dem Attentat und dem Alkoholmissbrauch. Ich musste mich sicher fühlen, ich brauchte jemanden … einfach …“ Dr. Burke stimmte ihr nickend zu.

Kate hatte ihm bisher nichts von einem Alkoholproblem erzählt, doch war es eine klassische Methode, um Probleme verarbeiten zu können – zumindest glaubten das viele Menschen. Er wusste, das ihr Vater ein Suchtproblem gehabt hatte, er nun beinahe zehn Jahre trocken war.

„Und bei Rick … es fühlte sich wie ein sicherer Hafen an … wie einfach alles …“, murmelte sie vor sich hin.

Dr. Burke blickte sie an, musste das Lächeln, das ihm kurz über die Lippen getanzt war, rasch verbergen. Ob sie bemerkt hatte, was gerade aus ihrem Mund gekommen war? Normalerweise überlegte sie zweimal, bevor sie etwas sagte, auf eine seiner persönlicheren Fragen antwortete.

„Das letzte Mal wollten Sie alleine sein.“

„Aber das war nicht gut für mich. Ich habe mich von jedem abgewendet. Ich wollte nicht, dass sie mich so sehen. Panisch. Angsthabend vor der Dunkelheit. Betrunken zu sein lenkte mich davon ab, nicht in die Arbeit gehen zu können, weil meine Wunden noch nicht zur Gänze verheilt gewesen waren … und es tat mir nicht gut, ich ließ mich gehen.“

„Und jetzt? Sind Sie …?“

„Nichts ist passiert. Niemand wird davon etwas erfahren.“

„Aber Rick weiß es.“

„Ich weiß“, erklärte sie und wurde leiser. „Er sieht mich mit anderen Augen. Ich bin nicht vollwertig, verletzt. Ausschussware. Ich bin niemand mehr, mit dem man eine Beziehung eingeht“

„Haben Sie das vorher anders gesehen?“

Kate überlegte, wenn man sie beobachtete, bekam man das Gefühl, dass sie beinahe abwesend war, so war sie in Gedanken.

„Ich glaube, ich habe es zumindest für möglich gehalten, dass es irgendwann einmal passieren könnte, wenn ich bereit dazu bin.“

„Und Sie haben in Betracht gezogen, dass er warten würde?“

„Nein“, kam es viel zu schnell. „Vielleicht?“, legte sie nach ein paar Überlegungen fragend nach.

„Und jetzt?“

„Wieso sollte er jetzt noch solch ein Interesse an mir zeigen? Er hat alle von mir gesehen, was zu sehen war. Die Spannung ist vorbei. Früher oder später wird er nun da Interesse verlieren, genug von mir haben. Mit seinen Recherchen fertig sein …“

„Hat er nicht Letzteres bereits seit Jahren …?“

„Wahrscheinlich.“

„Welche Gefühle haben Sie für ihn?“

Das war eine komplexe Frage, die Kate nicht so einfach beantworten konnte. „Er ist derjenige, der mit unter die Haut geht. Wenn ich mich einsam fühle, muss ich an seine Ideen, Witze und diese verrückten Theorien denken, die er uns jedes Mal versucht zu verkaufen. Aliens. Spione … und dann muss ich lächeln und alles ist halb so schlimm. Das hat mich monatelang über Wasser gehalten, nachdem ich aus dem Spital entlassen worden war … also meistens zumindest. Auch als ich dann in der Hütte eines Vaters war … Aber kein einziges Mal hatte ich es in Betracht gezogen, dass er, wenn ich zurückkomme, noch da sein würde. Zumindest ohne neue Freundin nicht.“

„Aber er war da“, griff Dr. Burke auf und Kate nickte zustimmend. „Er hat sogar Ihren Fall bearbeitet, nicht so leicht aufgegeben. Vielleicht fühlen Sie sich ja eines Tages dazu im Stande, sich ihm gegenüber mehr zu öffnen.

„Vielleicht. Vielleicht werde ich ihn eines Tages mitbringen … hierher“, sagte sie leise und langsam.

55 Minuten Therapiesitzung waren vorbei, dafür brauchte sie nicht ehr auf die Uhr zu sehen, sie hatte mittlerweile ein Gefühl dafür entwickelt. Beckett zog ihre Lederjacke an, verabschiedete sich von ihrem Psychiater.

Sie war bereit. Bereit zu gehen.

-.-.-.-.- 

Ende Kapitel 2

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About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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