Pills – Kapitel 4

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Pills 4

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Der Mord ließ Kate eine gute Ausrede haben, nicht nachhause gehen zu müssen, so schlief sie zwei Nächte auf der Couch im Aufenthaltsraum und zwei weitere im Schlafraum, der mit Stockbetten gefüllt war, der Abteilung für Drogendelikte. Dieser war weder groß noch bequem, aber alles war besser als alleine zuhause zu sein und nachdem sie das letzte Mal in Castles Wohnzimmer aufgewacht war, seine gesamte Familie dies bezeugen konnte, Kate sich zu rechtfertigen versucht hatte. Doch hatte sie das Offensichtliche mit ihnen nicht teilen können, sie hatte es einfach nicht über die Lippen gebracht – dass sie sich hier behaglich und wohl fühlte. Seither wollte sie Martha nicht unbedingt begegnen, ihr Blick hatte Bände gesprochen

Sie hatte ihr nicht sagen könne, dass es Ricks Geruch war, der in den Polstern hing, der sie auf die Couch getrieben hatte – und die Nähe zu ihm, dass all dies dazu geführt hatte, dass sie sich ins Wohnzimmer gelegt hatte.

Nun fand sie am Revier kaum bis ganz wenig Schlaf, aber immer noch mehr als in ihren eigenen vier Wänden, zumindest galt das für die ersten beiden Tage. Dann hatte Castle seine Pullover im Polizeiwagen vergessen und vorsichtig hatte sie ihn in den Schlafraum des fremden Dezernats geschmuggelt, ihre Nase darin vergraben und schon war ihr wieder wohlig warm geworden, sie hatte innere Ruhe gefunden und immerhin waren es fünf Stunden gewesen, die sie traumlos schlief. Es war das erste Mal, seit der Nacht in dem Loft, in der sie überhaupt mehr als eine Stunde am Stück Schlaf fand.

Den Pullover hatte sie in der Früh wieder in ihrer Tasche verstaut und später im Spint eingesperrt. Rick fragte nicht danach und sie sagte kein Wort.

 

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Dr. Burkes Büro war wie immer warm und man empfand sofort eine bestimmte Art der Ruhe, die auch der Psychiater ausstrahlte, wenn er seine Patienten empfand. Anfänglich hatte Kate, nachdem sie ihre Gesundschreibung bekommen hatte, nicht mehr zu ihm gehen, sah aber dann bald ein, dass sie die Notwendigkeit verspürte, sich jemandem anvertrauen zu können. Jemandem, dessen Gebot es war zu schweigen. Jemand, der Castle nicht kannte.

Vertraut setzte sie sich in den bequemen Fauteuil, streifte ihr Schuhe ab und zog die Beine an den Körper. Eine recht defensive Position, die sie allerdings auch zerbrechlich aussehen ließ.

„Wie geht es Ihnen, Kate?“

Die Polizistin sah nervös auf ihre Hände und drehte den Modeschmuckring um ihren Finger, den sie in der Früh angelegt hatte.

„Ich glaube ganz gut. Ich habe keine Schmerzen mehr und …“

„Können Sie sich mittlerweile an weitere Details aus der Nacht erinnern?“

Kate öffnete den Mund du schloss ihn wieder. „Ich möchte nicht mehr darüber sprechen.“

„Sie sehen aber immer noch sehr mitgenommen aus. So, als würden sie wenig schlafen.“

Zustimmend nickte die junge Frau lediglich.

 

„Wie geht es Ihnen, wenn sie alleine sind?“, hakte Dr. Burke nach.

Beckett überlegte lange, bevor sie auch nur in Erwägung zog zu antworten. Immer wieder sah sie Rick vor sich, der ihr Hoffnung gab und dann wieder Wayne – die rotblonden Haare, die grünen Augen, das markante Kiefer. Mittlerweile waren es nicht mehr nur bloß Umrisse, nein, es war ein gesamtes Gesicht. Zudem glaubte Kate, ihn nun sogar auf der Straße erkennen zu können, würde er über den Weg laufen, und selbst der Gedanke daran, bereitete ihr ein tiefes Unbehagen.

„Kate?“

„Ich verbringe möglichst wenig Zeit alleine.“

„Wie meinen Sie das?“

„Ich gehe einfach nicht nachhause“, sagte sie leise, es war beinahe ein Flüstern.

„Und wo schlafen sie dann?“

„Am Revier. Einmal in Castles Loft.“

„Und wieso nur einmal?“

Sie hob die Schultern, ein Zucken. Unsicher drehte sie den Kopf in Richtung der Fenster und überlegte. Er hatte ihr das Angebot gemacht, so lange im Loft zu bleiben, wie sie wolle. Doch nachdem sie alle auf der Couch gesehen hatten, hatte sie – peinlich berührt – abgelehnt. Sie hatte damals fluchtartig seine Wohnung verlassen. Obwohl sie in dieser Nacht sogar sieben Stunden durchgeschlafen hatte.

„Es wäre einfach nicht richtig.“

„Wie fühlen Sie sich in Ricks Loft?“

Abermals überlegte die Polizistin, starrte auf ihre verschränkten Finger.

„Geborgen?“ Sie machte eine kurze Pause. „Sicher?“

„Und wie fühlen Sie sich, wenn seine Mutter und Tochter anwesend sind?“

„Beobachtet … Als wären sie eine richtige Familie. Martha … sie ist unglaublich. So selbstbewusst und einfühlsam, als könne sie Menschen gut lesen. Und sie lässt mich nie merken, wie sehr sie mich dafür hasst, dass ich Castle jeden Tag dazu verleite, sein Leben zu riskieren. Und einmal hat er ihr bereits gesagt, dass er nicht mehr zurückkomme zu mir und dann hatte er es doch gemacht. Sie will ihre Familie nur schützen.“ Kate starrte auf das Muttermal auf der Innenseite ihres Handgelenks. „Sie sind beide sehr zuvorkommend, doch wäre es ihnen wahrscheinlich lieber, wenn ich …“

„Sind sie sich sicher? Wieso glauben sie das?“

Es waren Kleinigkeiten, die ihr in den letzten Monaten aufgefallen waren – ein Blick hier, eine Randbemerkung da. Sie würde lügen, wenn sie über all das hinwegsehen gesehen hätte – sich selbst belügen. Indirekt warf man ihr vor, dass es auch am Friedhof Rick hätte sein können, hätte er den roten Punkt früher gesehen, der angeschossen hätte werden können. Sie konnte es weder Martha noch Alexis verübeln.

„Ich fühle es einfach.“

„Was bewegt Sie dazu, sich einerseits im Loft wohlzufühlen und dann aber Martha und Alexis …“

„Castle“, sie holte tief Luft. „Es ist die Nähe zu ihm, die mir Sicherheit gibt. Wie viele Männer hätten das für mich gemacht, was er für mich getan hat, und dann kein Wort darüber verloren? Zu niemandem? Mich zu nichts gedrängt?“

„Und haben Sie ihn das schon einmal wissen lassen?“

„Nein“, schoss es sofort aus ihr heraus. „Wie sollte ich das auch machen? Es ist nicht so, als wäre es wichtig für ihn.“

„Glauben Sie das wirklich? Immerhin hat er Ihnen seine Liebe gestanden?“

„Das ist schon lang her. Abgesehen davon, sieht er mich jetzt sicherlich anders. Ich bin nicht mehr …“

Fragend sah Dr. Burke sie an. Kate konnte den Satz aber nicht vervollständigen. Sie stand auf, ging barfuß zum Fenster und starrte hinaus. Es regnete, nicht stark, aber die Tropfen prasselten an die Fensterscheibe und hüllten den Raum in eine spezielle Art von Musik.

Was sah er nun in ihr? Hatte er Mitleid und war deswegen für sie da oder war es mehr? Sie konnte es sich kaum vorstellen, denn so wie er sie an dem Abend angesehen hatte und in den Tagen darauf, schien es ihr schier unmöglich, dass er noch mehr empfinden konnte. Sie war kaputt, zerstört, nicht mehr intakt. Sie konnte nur noch schlafen, wenn sie wusste, dass er in ihrer Nähe war oder sich selbst mit seinem Sweatshirt betrog. Sie war an dem Ereignis zerbrochen.

„Was sind sie nicht mehr?“, fragte Burke vorsichtig nach.

„Intakt?“

„Wie meinen Sie das, Kate?“

„Ich brauche seine Nähe um zu funktionieren. Ich … ich …“, stammelte sie und rang nach den richtigen Worten. „Rick ist meine sichere Insel, mein sicherer Hafen …“ Abermals starrte sie aus dem Fenster und würdigte dem Psychiater keinen Blick. „… ich brauche ihn, um zu funktionieren. Wenn er nicht da ist, dann ist alles anders. Verschwommen und grau. Doch dann betritt er den Raum, ist einfach in meiner Nähe und alles wird bunt, klar und ich schöpfe Zuversicht.“

„Können Sie mit ihm über den Vorfall sprechen?“

Verwundert drehte sich Kate um. Sie hatte bisher keinen Gedanken daran verschwendet, den Vorfall, diese eine Nacht noch einmal anzusprechen. Sie konnte mit Castle über den Texaner sprechen, aber kein Wort hatten sie bisher darauf verschwendet, sich über die Geschehnisse zwischen ihnen zu unterhalten. Rick hatte es nicht angesprochen und sie, sie fühlte sich nicht in der Lage, dies zu tun.

„Nein.“ Ihre Antwort kam wie aus der Pistole geschossen. „Ich habe Rick erzählt, woran ich mich erinnern kann. Aber über alles andere … nein.“

„Vielleicht sollten sie mit ihm darüber sprechen, ihn wissen lassen, dass er keinen Fehler gemacht hat. Oder war es ein Fehler?“

Fragend starrte sie Dr. Burke an. War es denn ein Fehler gewesen, Rick anzurufen? Nein, immer wieder sagte sie sich, dass er der einzige Mensch war, dem sie blind vertrauen konnte. Er war der einzige in ihrem Leben, der – der was nicht tat? Der ihr einfach zur Seite stand, ohne jede Handlung zu hinterfragen und sie nicht dazu drängte, über Sachen zu sprechen, die ihr zuwider waren?

„Nein.“

„Aber Sie laufen weg, sobald er ihnen wieder nahe kommt. Oder haben Sie mit Rick seitdem Sie im Loft geschlafen haben, darüber gesprochen. Ihn wissen lassen, wieso sie auf der Couch vorgefunden wurden?“

„Gott, nein, natürlich nicht.“ Der Mann sah Kate nun fragend an, war ihr die Antwort doch sehr rasch über die Lippen gekommen, schneller als sie es selbst erwartet hatte. „Aber wahrscheinlich sollte ich es machen“, fügte sie hinzu, ihre Stimme tiefer, ihr Blick gesenkt. „ Rick wird glauben, dass ich vor ihm weglaufe.“

Burke nickte nur zustimmend.

„Aber … ich kann nicht einfach …“, sie ging nervös im Zimmer auf und ab, spürte die unterschiedlichen Teppiche unter ihren nackten Füßen. „ich … nein … wahrscheinlich … natürlich …“

Der Arzt unterbrach seine Patientin nicht, ließ sie weiter vor sich hinreden, murmeln und wunderte sich nicht einmal mehr im geringsten darüber, wie das Hirn der Polizistin funktionierte, zu lange kannte er sie schon und ihre halblauten Selbstgespräche, wenn sie dabei war, einen Gedanken in die Tat umzusetzen oder dies zumindest zu planen.

„Ich werde mit ihm sprechen. Alleine. Privat.“

„Und wie stellen Sie sich vor, dass er reagieren wird?“

Kate hob unwissend die Schultern, sie konnte die aktuelle Situation schwer bis gar nicht einschätzen. Auf der einen Seite wollte sie Rick danken, für all das, was er für sie getan hatte. Auf der anderen hingegen, war ihr bewusst, dass die Chance bestand, dass sie ihn somit weiter von sich drückte, noch mehr Distanz zwischen sie brachte, die sie nicht haben wollte.

Sie war müde, unglaublich müde und wusste, dass sie nur Schlaf finden würde, wenn er in ihrer Nähe wäre, doch konnte sie genau das von ihm nicht verlangen. Fordern. Oder doch? Würde sie in der Lage sein, Castle zu bitten, bei ihr zu bleiben? Ins Loft zurück wollte und konnte sie nicht, nicht wenn Martha und Alexis da waren. Nicht im Moment zumindest.

„Ich könnte ihn fragen, ob er …“, Kate pausierte kurz. Noch nie hatte sie Rick einfach so zum Essen zu sich eingeladen, es würde ihm sofort auffallen, wenn sie dies nun täte. Ihre Stirn legte sich wieder in Falten. Sie überlegte. Sie wollte ihm danken, für ihn kochen und einmal nicht aus Papier-Containern essen, wie sie es beinahe jeden Tag tat, sofern sie zuhause eine Mahlzeit zu sich nahm. Sie wollte den Tisch nett decken, eine gute Flasche Wein aufmachen und ihm danken. War dies denn zu viel? Es war zu viel. Aber war es einen Versuch wert? Würde es ihn verschrecken? Vielleicht.

„Ich könnte ihn fragen, ob er Lust hat, nach der Arbeit vorbeizukommen. Oder am Donnerstag, wenn ich keine Rufbereitschaft habe diese Woche.“

„Das wäre ein erster Schritt“, kommentierte Dr. Burke, sichtlich erfreut. „Und dann?“

„Ich könnte für uns etwas kochen.“ Nachdem Kate es ausgesprochen hatte, merkte sie erst, wie leicht ihr das „Uns“ über die Lippen gekommen war und wie gut es tat, es artikuliert zu haben. Es wäre nicht nur für Rick eine wundersame Überraschung, ihre Kochkenntnisse kennenzulernen, sondern auch für sie eine nette Abwechslung vom Alltag. Sie hätte einen Grund ihre Wohnung zu putzen, sich um die Wäsche zu kümmern, die sich im Badezimmer türmte. Es wäre ein Motiv, ein Antrieb, sich mit dem eigenen Leben in den eigenen vier Wänden wieder intensiver zu beschäftigen.

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Ende Kapitel 4

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About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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