The Perfect World – Kapitel 3

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Kapitel 3

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Mitsammen in der Öffentlichkeit so umzugehen, als wären sie ein Paar, war es im eigenen Haus doch etwas ganz anderes. Ohne viel zu sagen, zog sich Lisbon etwas Bequemeres an – ¾ Leggins und ein weites kurzärmeliges Shirt in einem kräftigen dunklen Grün mit weitem Ausschnitt. Im Schlafzimmer stehend bemerkte Teresa, dass sie tatsächlich von beiden Seiten beobachtet werden konnten – blickte das Zimmer in Richtung der Morgensonne, so gab es auf beiden Seiten durch die großen Glastüren viel preis, denn es gab keine dicken Vorhänge, die eine Rückzugsmöglichkeit boten. Auf Roys Seite standen zwei bequeme Sonnenstühle, von denen aus das Schauspiel zu beobachtet werden konnte; auf Graysons hingegen stand sogar ein Teleskop, das wahrhaftig auf die Balkontüre gerichtet war und keine Geheimnisse verbergen würde. Man könnte beinahe sagen, dass inmitten beider Bühnen ihr Bett stand. Lisbon fragte sich, wie sie hier nun vorgehen sollte. Noch befanden sich keine Wanzen im Haus, aber es war nur eine Frage der Zeit, bis dem nicht mehr zu trauen war, noch konnten sie sich in Sicherheit wiegen. Doch wie lange?

Als sie in die Küche ging, hörte sie leise Musik. Klassischen Jazz und das Brodeln kochenden Wassers.

„Jack?“, fragte Lisbon, da sie ihn nicht in der Küche stehen sah. Umso früher sie sich an diesen neuen Namen gewöhnen würde, umso eher bestand die Chance, dass sie ihn nicht bei seinem richtigen ansprechen würde.

Jane stand auf der Veranda, ein Glas Rotwein in der Hand und blickte auf das Meer hinaus. Ein ungewöhnlicher Anblick – Jane und in der Hand keine Tasse Tee. Teresa goss sich ebenfalls ein Glas Wein ein und schritt auf die Terrasse hinaus. Die Sonne war bereits beinahe komplett untergegangen, nur noch ein kleiner roter Punkt war am Horizont sichtbar. Gemeinsam standen sie dort, Jane legte wortlos seinen linken Arm um sie, blickte einmal nach links und nach rechts, zog seine Gattin enger an sich, als würde er ihren Hals liebkosen, dabei hatte er nur seine Wange an sie gelehnt. Lisbon lächelte verstohlen, als würde er ganz andere Sachen machen.

Würde sich Teresa jemals an all das gewöhnen können? Dass Jane eine Rolle spielte, das war ihr bewusst, keine Faser von ihm war mehr Patrick Jane, nein, er war ganz und gar in die Person des Jack Reichs geschlüpft. Doch die Schmeicheleien, die Berührungen – es war schwer, dabei nichts zu empfinden, oder ihren Körper dies glauben zu machen, denn selbst jetzt war es eine angenehme Art von Wärme, die in ihr aufstieg. Vielleicht war es einfach schon zu lange her, seitdem ein Mann ihr auch nur annähernd so nahe gekommen war und dann war dies jetzt auch noch Jane, nicht einfach irgendwer.

„Greyson“, murmelte Jane leise und Lisbon blickte  in Richtung des benachbarten Strandhauses. Auf der Terrasse dessen stand eine großgewachsene, sehr schlanke Frau mit feuerrotem Haar, in einem dunkelgrünen Badeanzug und einem dazugehörigen Tuch, das locker um ihre schmalen Hüften gebunden war. Lisbon schätzte auch sie für Mitte 60, ähnlich wie Shawn Roy.

Teresa drehte sich zu Jane und er gab vor, ihre Schulter zu liebkosen, während sie zwischen Glasgeländer und ihm eingezwängt war.

„Halte nicht so ruhig“, mahnte der blonde Mann.

Lisbon wusste nicht recht, was er genau von ihr verlangte, ungeübt wie sie war, denn dafür hatte sie keine Schulung beim CBI oder FBI erhalten. So schloss Teresa die Augen und versuchte sich vorzustellen, wie es sich anfühlen würde, wenn er das wirklich machen würde, was er in diesem Moment nur andeutete. So ließ sie ihrem Körper freien Lauf.

Patrick hatte viel erwartet, aber nicht diese Bewegungen ihres Beckens, das leise Stöhnen und ihre Hände, die über seinen Körper glitten, während er vorgab, ihre Ohrläppchen und den Bereich zwischen Hals und Schulter mit seinem Mund zu berühren. In Wahrheit rieb er seine trockenen Lippen lediglich an ihrer Haut, der Mund geschlossen.

„Die Nudeln …“, sagte Jane dann plötzlich, löste sich von ihr und ging in Richtung des Herdes.

 

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Als Teresa im Bad stand und sich abschminkte, fragte sie sich, wie lange sie all dies durchhalten können würde – seine Nähe und die Art und Weise, wie er vorgab, Interesse an ihr zu haben, obwohl sie genau wusste, dass dies nicht der Fall war, denn in all den Jahren, seit dem Tod seiner Frau und ihrer Zusammenarbeit, war sie ihm nie aufgefallen. Und wie lang arbeiteten sie nun zusammen? 15 Jahre? Länger …

Im Schrankraum hatte sie FBI-Agentin einen Pyjama entdeckt – schwarze Baumwolle, ein Top und Shorts. Nichts Aufreizendes. Am liebsten wäre ihr eines ihrer Sportshirts gewesen, die ihren Brüdern gehört hatten. Außerdem ihr eigenes Bett und viel Abstand zwischen Jane und ihr. Doch all das sollte es nicht spielen.

Patrick trug Boxershorts und ein weißes T-Shirt, wartete förmlich darauf, ins Badezimmer gehen zu können. In dem Moment, in dem er sie und die Auswahl ihres Nachgewandes sah, war er dankbar für die konservative Wahl. Wenn er sich an den Inhalt des Schrankraums erinnerte, war dies wahrscheinlich das Konservativste und Langweiligste ausgesucht, der Rest entsprach eher dem genauen Gegenteil – wenig Stoff, verhältnismäßig viel Spitze und selten war etwas davon nicht durchsichtig.

Im Bad ließ sich Jane etwas Zeit, da er nicht wusste, wie er mit dem darauffolgenden Situation umgehen sollte, doch als er in Schlafzimmer zurückkam, war das Licht bereits ausgeschaltet, bis auf das eine neben seiner Seite des Bettes.

Kurz setzte er sich auf das große Bett und studierte ihre schlafende Form – sie war schön, das war sie schon immer gewesen. All die Sommersprossen, die sie manchmal versuchte zu verbergen, waren in dem gedimmte Licht gut zu erkennen. Fünf weitere Minuten, dann stand er auf, nahm den Morgenmantel vom Ohrensessel und ging ins Wohnzimmer. Dort bereitete er sich eine Tasse Tee, legte sich danach auf die Couch und schlief friedlich ein.

Seit langer Zeit hatte er sich kein Bett mehr mit einer anderen Person geteilt, seit langem in keinem richtigen Bett geschlafen – denn selbst in seinem Airstreamer bevorzugte er die Couch. Abgesehen von all dem, würde er neben dieser Frau kein Auge zubekommen, zumindest nicht in dieser Nacht, nicht nachdem die Erinnerung an die Reibung ihres Beckens und Bauchs an dem seinen noch so klar in seinem Kopf waren und nur Biofeedback ihn dazu gebracht hatte, seinen Körper unter Kontrolle zu halten. Wie lange war es her, dass er eine Erektion bekommen hatte, ohne psychologisch nachhelfen zu müssen – so wie bei Lorelei.

 

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Das Bett neben Teresa war am nächsten Morgen unbenutzt, die zwei darauffolgenden ebenso. Und sie sprachen nicht darüber, denn sie sprachen nie über etwas, dass sie beide betraf. Nie. Lisbon wusste aber, dass es irgendwann jemanden auffallen würde, denn die Beobachtungen würden intensiver werden.

Am Mittwochmorgen, Jane war noch nicht wach, zog sich Teresa die Laufkleidung an, die sie entdeckt hatte und machte sich auf, eine Laufstrecke zu finden, die ihren Ansprüchen genügen würde. Sie lief und lief, trackte die Route mit ihrem neuen iPhone, blickt selten auf die Uhr, trank an den Trinkbrunnen, die am Wegrand der Laufstrecke waren und lief, lief für mehr als zwei Stunden.

Als sie wieder an der Einfahrt des Hauses angekommen war, vollkommen verschwitzt, ihr Gesicht gerötet, winkte ihr die Frau von letzter Nacht zu, die auf am Eingang zu ihrer Einfahrt, also nur wenige Meter von ihrer Einfahrt entfernt, wartete. Es schien als hätte sie diese Begegnung geplant.

„Greyson, Sharon Greyson“; stellte sie sich vor und reichte ihr die Hand. „Aber sie können mich auch Ronny nennen.“

„Josey Reichs“, antwortete Lisbon.

„Ich habe gesehen, sie haben Shawn bereits kennengelernt? Ihr Mann ist auch ein Spieler?“

„Ja, er hat uns für Samstag eingeladen.“

„Wunderbar“, sagte sie etwas süßlich und enthusiastisch. Letzteres täuschte sie vor und das nicht allzu gut, denn Lisbon durchschaute es sofort. „Dann werden wir uns auf alle Fälle wiedersehen.“

 

Lisbon ging, über diese kurze Unterhaltung nachdenkend, auf das Haus zu, den  Aufgang hinauf bis ins Wohnzimmer, wohin die Stiegen mündeten und ein wütender Jane sie erwartete.

„Wo warst du?“

„Laufen.“

„Wieso hast du es mir nicht gesagt?“

„Du hast geschlafen.“

„Eine Notiz…“

Sie wusste, dass sie sich dies nicht gefallen lassen brauchte. „Ich gehe duschen“, erklärte sie über die Schulter und wollte gerade das Zimmer verlassen, als sie eine feste Umklammerung ihres Oberarms feststellte. Jane.

„Du gehst erst, wenn ich fertig bin.“

Ungläubig sah Teresa Jane an. Seine Hand lag immer noch an ihrem Oberarm und würde wahrscheinlich Male hinterlassen.

„Du kannst nicht einfach alleine das Haus verlassen.“

„Ich hatte mein Telefon mit. Du hättest mich anrufen können“, konterte sie gekonnt.

„Darum geht es nicht“, fauchte er Teresa an. „Du kannst nicht einfach alleine laufen gehen, ohne …“

„Es steht dir frei, morgen mitzugehen.“

Jane hatte Angst um sie gehabt. Er war aufgewacht und sie war weggewesen, einfach weg. Anfänglich hatte er sich nichts dabei gedacht, er hatte vermutet, dass sie wahrscheinlich am Strand sei, da sie das Meer so gerne mochte. Allerdings hatte er das gesamte Grundstück nach ihr abgesucht und sie nirgendwo gefunden. Nirgendwo.

An das neue Telefon hatte er nicht gedacht, auch nicht daran, dass sie es mithaben könnte. Ja, er war wütend, sehr wütend sogar.

„Und würdest du nicht auf der Couch schlafen, wärst du wahrscheinlich auch aufgewacht …“, mit diesem unvollständigen Satz löste sie gekonnt seine Finger von ihrem Oberarm und ging in den viel zu kurzen schwarzen elastischen Nike-Shorts und dem dazugehörigen Bustier in Richtung Badezimmer.

Lisbons Worte beschäftigten den blonden Mann, doch mehr füllte ihr Outfit seine Gedankenwelt aus. Ihr Erscheinungsbild. Wie konnte man mit so wenig Kleidung am Leib aus dem Haus gehen und erwarten, dass der Ehemann nichts dazu sagt? Am Strand einen Bikini zu tragen, das war eine Selbstverständlichkeit, schließlich ging es darum, Haut zu zeigen. Aber beim Sport?

Immer noch wütend ging Jane ihr nach ins Schlafzimmer, sah am Boden die Laufschuhe und die Kleidung liegen. Jane war erbost. Das war die dezent chaotische Private-Lisbon, die sich wesentlich von der Beruflichen-Lisbon unterschied, dem Kontrollfreak. So schienen beide mit nach Florida gekommen zu sein, obwohl es keine Zeit für Privates gab.

Teresa hatte die Badezimmertüre nicht geschlossen, sie war einen Spalt offen und Jane hörte das Wasser laufen und sie schien das Radio entdeckt zu haben – Wanda Jackson trällerte einen ihrer Oldies aus den 1950ern. Das war Lisbon und nicht Josey, die gerade duschte.

Es hätte ihr etwas passieren können. Ein Unfall. Ein Auto, hätte sie anfahren können. Jemand hätte sie kidnappen können. Sie hätte sich verirren können. Eine Schlange hätte sie beißen können. – So viele Sachen wären optional gewesen, die Jane allesamt zur Verzweiflung brachten.

Zehn Minuten später kam sie mit einem hellrosa Duschtuch aus dem Badezimmer, ihr nasses Haar tropfte auf den teuren Holzboden.

„Handtuch – Haare“, befahl Jane.

Verdutzt sah Lisbon ihn an, sie hatte nicht erwartet, dass er im Schlafzimmer auf sie warten würde. Sie wusste nicht, auf was er von ihr erwartete, bis er sie ins Bad zurückdrängte und ihr begann die Haare abzutrocknen.

„Holz und Wasser, Josey!“, war er ihr vor. Seine Stimme war hart, als würde er es ernst meinen. Dann trat Jane kraftvoll gegen die offene Türe, sodass sie mit voller Wucht in den Rahmen donnerte, die ganze Wand beinahe wackelte, drehte mit einer Hand die Dusche voll aus und drängte Lisbon mit seinem bösen Blick bis an die Waschbecken zurück, bis Teresa anstand.

„Du kannst nicht einfach wortlos das Haus verlassen, Teresa“, mahnte er abermals, die Wut in seiner Stimme war deutlich.

„Ich kann gehen, wann immer ich will“, hielt sie ihm entgegen, inzwischen funkelten ihre grünen Augen.

„Nein.“

„Oh doch. Du kannst mir nichts vorschreiben, Mr. Patrick Jane. Nichts …“

„Wir mimen ein Ehepaar …“

„Oh, das habe ich ja vergessen.“ Ihre Stimme tropfte vor Sarkasmus. „Am Strand und am Balkon sind wir ein Paar, doch dann schläft mein Ehemann jede einzelne Nacht auf der Couch. Glaubst du denn, dass ihnen das nicht auffallen wird?“ Nun warf sie es ihm förmlich vor. „Sie beobachten uns, Tag und Nacht. Und du? Du schläfst auf der Couch, weil du es neben einer Frau nicht aushältst. Weißt du Jane, das ist erbärmlich!“ Die letzten, verletzenden, Worte schrie sie ihm förmlich ins Gesicht. Teresa war nicht nur wütend auf ihn, sie war so weit, dass sie alles hinwarf und aufgab, jegliche Bestrafung Abbots auf sich nehmen gewillt war.

Sie verließ das Badezimmer, zog sich im Schrankraum Bikini, Shorts und ein Top ab, griff nach einem x-beliebigen Buch im Wohnzimmer – Jane Austens „Emma“ -, füllte einen großen Becher mit Kaffee und verließ das Haus in Richtung des privaten Strands.

An dem Teil des Ufers, wo das Grundstück an das von Sharon Greyson grenzte, standen einige Sonnenbetten mit dicken Auflagen, ein Sonnenschirm spendete den gesamten Tag über Schatten. Da Jane die Sonne zu meiden schien und nur im Fall der Fälle vor dem späteren Nachmittag ans Meer kam, wusste Teresa, dass sie hier Zeit für sich haben würde.

Zeit, all dies zu verdauen.

Zeit, sich zu beruhigen.

Zeit, über alles nachzudenken.

 

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Ende Kapitle 3

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A/N: Read and Review … Schreiben und Kommentar hinterlassen  – ich freue mich über alles.

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About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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