The Perfect World – Kapitel 5

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Kapitel 5

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Samstags gaben sie vor, länger zu schlafen. Sie lagen beide im Bett und lasen – Patrick einen Roman von Margaret Atwood, Lisbon einen historischen Liebesroman. Und all dies nur, um am Abend fitter zu sein. Beide waren es nicht gewohnt, länger als bis zum Sonnenaufgang zu schlafen, das brachte nun einmal der Beruf mit sich. Doch war Abend wohl der falsche Begriff, denn die Spieler waren aufgefordert worden, sich um 15 Uhr bei Roy einzufinden, um sich kennenzulernen. 



Roy hatte keine Hehl daraus gemacht am Nachmittag zuvor, als er abermals unangekündigt vorbeigekommen war, dass er erwartete, dass Josey entsprechend gekleidet war – er hatte Jane wissen lassen, dass Musen wenig trugen und sie schließlich als Animiermädchen Erfahrung haben müsste. Außerdem sollten sie Badesachen mitbringen, man würde sich abkühlen – gemeinsam. 

So stand Lisbon nervös im Schrankraum und sah sich um, begutachtete und schier unendliche Auswahl an Kleidungsstücken. 

„Josey“, sagte Jane, „hast du dich endlich entschieden?“ Seine Stimme klang leicht sarkastisch und war aus dem Schlafzimmer gekommen.

Lisbon aber murmelte nur etwas als Antwort, das nicht genauer zu identifizieren für Jane war, dabei trug sie immer noch das große Duschtuch um ihren Körper gewickelt. Als Patrick nichts hörte, öffnete er die angelehnte Türe und sah sie inmitten des Raumes stehen.

„Ich hatte noch nie so viel Auswahl!“, kommentierte sie ruhig. „Und die Mehrheit dieser Sachen würde ich niemals tragen. Mich niemals trauen sie zu tragen.“ 

„Wieso?“

„Ich bin keine 20 mehr J… Jack.“ 

Etwas verwundert sah er sie an. Im Bikini hatte sie so selbstbewusst gewirkt und jetzt war es genau da Gegenteil. Langsam ging er auf sie zu und legt seine Hand auf ihre Schulter, schob sie beiseite, zu dem großen Spiegel, der an einer Seite montiert war. Patrick blieb hinter ihr stehen, blickte ihr über die Schulter. 

„Was ist es, das dich stört?“, fragte Jane sanft und zugleich vorsichtig. 

Lisbon blickte sich von oben bis unten unruhig an, dann starrte sie auf den Boden, ihre lackierten Zehennägel. Ihre Unsicherheit übertrumpfte sie, die sie sonst so gut zu verbergen wusste – hinter den dunklen Jeans, den weißen Blusen und Sakkos, den derben beinahe maskulinen Schuhen. Sie verspürte tief in sich Angst, dass er sich über sie lustig machen könnte. 

Das Badetuch bedeckte lediglich ihren Körper von der Mitte ihrer Brust bis knapp über den Po, dabei hatte sie bereits das größte Tuch ausgewählt, das ihnen zur Verfügung stand. In diesem Moment kam sie sich nackt vor, nackter als im Bikini und dabei wusste Lisbon, wie lächerlich dies klingen musste, würde sie diesen Gedankengang laut äußern. 

„Was ist es?“, wiederholte Jane. „Die Nase? Mit der ist alles vollkommen in Ordnung.“ Er pausierte kurz. „Der Hals? Auch an diesem ist nichts auszusetzen.“

„Jack …“

„Hm …?“, fragte er und berührte ihr Schlüsselbein von hinten, zog es mit seinen Fingern nach und berührte dabei beinahe die sanfte Rundung ihrer Brust.

„Ich bin zu klein … und … und … ach, ich weiß nicht“, stotterte sie verlegen. Er hatte es tatsächlich geschafft, Teresa Lisbon in Verlegenheit zu bringen. 

„Ich suche das Outfit aus“, erklärte Jane und ließ sie nun alleine mit ihren Gedanken vor dem Spiegel stehen. 

Laden wurden geöffnet und wieder geschlossen, Kleiderhaken von links nach rechts geschoben. Zuerst einmal warf der blonde Mann ihr ein Unterwäscheset zu, forderte sie auf, es anzuziehen, während er ihr den Rücken zuwendete. Schwarze Spitz, die vieles verbarg, viel zeigte und noch viel mehr die Männer träumen lassen würde.

„Jack …“ 

„Oh … wunderbar“, kommentierte er den Anblick, der sich ihm bot. Sie trug mehr, als am Strand. Der Slip war ein French-Cut Höschen, breite Spitze, die ihre gesamte Hüfte umgab und ihrer Haut schmeichelte. Der Büstenhalter – von diesem konnte Jane seine Augen kaum abwenden.

Wie kam es, dass ihm diese Frau in den letzten Jahren niemals auf diese Art und Weise aufgefallen war? 

Seine Augen streiften mehr als nur offensichtlich über ihren Körper, ließen keinen Millimeter aus, prägten sich alles ein. Stichwort: Memory Palace! Auch wie sich ihre Brustwarzen unter der delikaten Spitze abzeichneten, blieb dem geübten Auge nicht verborgen. Der Gedanke, wie sie sich in seinen Händen anfühlen würden, würde ihn wahrscheinlich den gesamten Abend lang beschäftigen. 

In den Regalen befanden sich Röcke, Kleider, Hosen – alles was das Herz begehrte. Jane griff nach einem Tunika-Kleid – schwarz, halb durchsichtiger Stoff – ein ganz feines Leinen. Dann entdeckte er dasselbe Kleid in einem Smaragdgrün mit sehr tiefen Ausschnitt, das am unteren Teil und am Rücken einen Blumenaufdruck hatte. Dieser würde von der durchschimmernden Unterwäsche ablenken. Jane sah sie bereits in dem Kleid vor seinem geistigen Auge. 

Es passte Lisbon wie angegossen, betonte Taille und Brust. Die Farbe ließ ihre Augen reflektieren. Patrick reichte ihr ein paar hohe Sandalen, die sie allerdings ablehnte und gemeinsam entschieden sie sich für flache aber elegante Flipflops aus dem Hause Armani. 

Teresa war fasziniert, wie leicht es Jane gefallen war, etwas für sie auszusuchen – das nicht nur perfekt passte sondern auch noch ihrem Stil entsprach. Schlicht und elegant, nicht zu kurz und trotzdem sexy. 

Jane trug am Ende dunkelblaue bis zum Knie reichende Chinos und ein weißes Polo-Shirt. Als er das T-Shirt übergestreift hatte, war ihm selbst bewusst geworden, dass er sie vielleicht etwas überrumpelt hatte, mit seiner bestimmenden Art, immerhin hatte er nicht nur ihr Outfit bestimmt sondern auch ihre Unterwäsche. Immer wieder sagte sich Jane, dass es Jack gewesen war, der sich darum gekümmert hatte, nicht Jane. Auf keinen Fall war es Jane. Immer nur Jack. Jack war seine Ausrede, wenn es um Vorgänge ging, die er sich nicht erklären konnte und das wusste er nur all zu gut. 

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„Willkommen“, sagte Roy, als er ihnen die Türe zu seinem Haus öffnete, Jack und Josey hineinbat. Jane fiel sofort auf, dass der Mann seine vermeintliche Frau von oben bis unten musterte, die Augen mehrmals an den Ausschnitt gleiten ließ. Lisbons Hand ruhte die gesamte Zeit in Janes. 

Obwohl es Patricks Absicht gewesen war, Teresa als Augenweide darzustellen, so gefiel es ihm nicht, wie sie beäugt wurde – auf diese beinahe vulgäre Art und Weise, als würde man sie mit den Augen ausziehen, sich an ihr ergötzen. Als wäre sie ein billiges Modell einer Frau, die man gegen Geld zu allem bringen könnte. 

In den letzten Tagen hatte beide Farbe getankt, teils etwas unfreiwillig, und das hatte dazu geführt, dass Lisbons Sommersprossen am ganzen Körper umso deutlicher geworden waren. Mehrmals hatte er sie genau studiert und war bereits kurz davor gewesen, etwas zu sagen – doch dann dachte er sich immer wieder, dass sie eine erwachsene Frau war und wissen müsse, was sie tat. Nicht, dass es ihm nicht gefiel. Genau das Gegenteil war der fall. Die Sommersprossen und ihre rege Vermehrung waren ihm vom ersten Tag an aufgefallen –  die auf ihrer Nase und den Wangen bereits vor vielen Jahren und schon damals hatte er sie herzig gefunden, immerhin waren sie etwas an dieser Frau, das nicht kontrollierbar war. Zwanghaft hatte sie versucht sie immer und immer wieder abzudecken, aber kaum war sie in die Sonne gekommen, waren sie umso offensichtlicher geworden. Es gab Jahre, da hatte sie den „Kampf“ beinahe aufgegeben, sie sichtbar gelassen, Jahre, in denen sie besonders auf deren Abdeckung wert gelegt hatte. Lisbon halt. Ein kleiner Kontrollfreak.  

Am heutigen Tage hatte sie vom Abdecken abstand genommen, ihr Haar war glatt geföhnt und sie war dezent geschminkt. Beide trugen ihre Ringe, die sie am ersten Tag bekommen hatten. Es war ein eigenartiges Gefühl für Teresa, zwei so wichtige Goldbänder an ihrem Ringfinger zu tragen und stets daran erinnert zu werden, egal was Patrick machte, dass es alles nur Show war. 

Im großzügigen Wohnraum war ein großer u-förmiger Tisch aufgestellt mit grünem Filzbezug. Dass Lisbon sich unwohl fühlte, spürte er, tappte sie die ganze Zeit mit ihrem kleinen Finger an seine Hand, besonders als sie einige junge Frauen sah, die lasziv am Bartresen standen und Jane beäugten, sich mit der Zunge über die Lippen fuhren. Offensichtlich Professionelle. 

Eine war sicherlich 180cm groß und sehr zart gebaut. Der Minirock, den sie trug, langte gerade über ihren Po und das Tube-Top ließ ihren Oberkörper jugendlich erscheinen. Die zweite war üppiger und trug ein trägerloses Kleid, das ihre Rundungen betonte. In dieser Umgebung fühlte sich Teresa inadäquat. Weitere, nicht minder gut aussehende standen auf der Terrasse, unterhielten sich mit anwesenden Männern. Flirteten. Lachten. Tranken Champagner. 

„Jack“, sagte Rob und riss Teresa aus ihrer Trance. Er führte sie zu einem alleine stehenden Mann, der damit beschäftigt war, sein Hawaiihemd glatt zu streichen. „Das ist Morgan O’Reilly.“ Nachdem sie sich vorgestellt worden waren, kamen sie rasch ins Gespräch, redeten über Australien und die besten Riffs, das Segel. Die gesamte Zeit stand Lisbon an seiner Seite, ruhig und ließ den Arm gewähren, den er über ihre Schulter gelegt hatte. 

„Ach wissen sie, Morgan, all das langweilt meine Frau zu Tode“, kommentierte er und zog Lisbon näher an sich heran, bis ihr gesamter Körper an den seinen gepresst war. Sie hatte keinerlei Zeit gehabt, gegen diese offene Form der Zuneigung zu protestieren, ansonsten hätte sie es wahrscheinlich zumindest versucht. 

Im Laufe der nächsten Stunden lernten sie auch noch die anderen Spieler kennen. Andrew Sarandon, ein Texaner mit heftigem Akzent. Vladimir Karasoff, ein Russe, der aussah wie ein Schläger und die gesamte Zeit eines der Mädchen anstarrte, das etwas mehr Rundungen besaß. Immer wieder hatte er darauf hingewiesen, in einer eher derben Art und Weise, dass er gerne etwas zum Anfassen habe, das seine Hände fülle. Und dann war da noch Jean Rousseau, ein Kanadier. Alle hatten Lisbon unter die Lupe genommen, in ihren Ausschnitt gestarrt. Immer noch störte sich Jane an dieser Art, sie wie ein Stück Fleisch zu behandeln, auf der anderen war es doch das Ziel gewesen, sie zu einer Ware zu machen, zu degradieren. 

Aus einem Reflex heraus, oder mehreren, berührte er Teresa immer öfter und zeigte offen, dass Josephine seine Frau war, sein Eigentum. Er ahnte bereits, dass der Einsatz beim Pokern hoch werden würde und alle anwesenden Männer ihn wahrscheinlich dazu bringen wollten, einen Einsatz – Josey – ins Spiel zu bringen. Die anderen Mädchen, die anwesend waren, waren Professionelle – alle aus Graysons Etablissements – und hatten ihren Reiz, doch das Verbotene, das was Tabu war, war schließlich viel reizvoller. 

Und Teresa sah blendend aus in ihrem kurzen grünen Kleid. Die flachen Schuhe ließen sie klein und fragil wirken, doch strahlten ihre Augen und ungewöhnliche Kraft und Energie aus. 

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Nach drei Spielen, Jane hatte das zweite und dritte für sich gewinnen können, entschied Roy, dass alle hinunter ans Wasser gehen sollten, sich etwas abkühlen und frisch machen. In verschiedenen Räumlichkeiten zogen sich die Leute um und als Jane Teresas dunkelroten Bikini entdeckte, hätte er sie am liebsten darum gebeten, wieder das Kleid anzuziehen, auf das Bad im Meer zu verzichten. Er war knapp, sehr knapp geschnitten und bedeckte in seinem Triangel-Schnitt gerade das Notwendigste, betonte ihren trainierten Bauch, die wohlgeformten Läuferbeine – und ihre Brust, von der Jane nicht mehr wegsehen konnte. 

Anfänglich hatte die Agentin sich mehrmals gesagt, dass der Bikini zu gewagt war, einfach zu dick auftrug, doch als sie nun Jane sah, der in seiner dunkelblauen Badehose vor ihr stand und nicht recht wusste, wohin er als erster sehen sollte, erkannte sie, dass es wohl die richtige Entscheidung gewesen war. Lachte sogar innerlich etwas darüber, dass sie es in Frage gestellt hatte. 

Doch auch ihr erging es nicht anders. Sein Körper war trainierter, als sie es jemals erwartet hatte. Unter der Haut seines Bauches zeichneten sich deutlich die Muskeln eines Sixpacks ab, seine Brust wurde lediglich von einem feinen Flaum blonder Haare bedeckt – so mochte sie es. Ihrer Ansicht nach gab es kaum etwas weniger attraktives, als einen Mann, er am ganzen Körper stark behaart war. Unhygienisch. Es erinnerte sie zudem an ihren Vater. 

Ohne ein Wort zu sagen, griff Jane nach Lisbons Hand und gemeinsam gingen sie die Treppe hinab zum Strand und nachdem sie ein paar wenige Worte mit Andrew gewechselt hatten, schritten sie ins Wasser.

„Man redet bereits über uns“, erklärte Teresa leise, als sie außerhalb der Hörweite der anderen waren. 

„Und was?“ 

„Was für ein Paar wir sind und wie es kommt, dass wir geheiratet haben. Sie scheinen viel über uns in Erfahrung gebracht zu haben.“ 

„Etwas mehr Zuneigung von Nöten?“, fragte er bestimmt, konnte ihr dabei aber nicht in die Augen sehen.

„Wahrscheinlich“, murmelte sie verlegen. 

Jane beugte sich zu Teresa hinab, die bis zum Bauchnabel im Wasser stand, strich mit seinen Fingern, schüchtern, ihr Schlüsselbein entlang, bevor er in einem unerwarteten Moment an ihre Brust griff, doch die Hand gerade darunter liegen ließ, nicht direkt darauf. So berührte er sie kaum, erweckte bei den anderen aber den Anschein; während seine Lippen die ihren bearbeiteten. Doch Lisbon öffnete nicht ihren Mund, auch nicht, als er mit der Spitze seiner Zunge ihre Lippen nachfuhr, Einlass verlangte.

Jane oder war es doch Jack? Einer der beiden Männer hatte sie mit seinem Handeln komplett überrumpelt. Die warme, weiche Hand an ihrem Brustkorb. Ihr gesamter Körper war in Aufruhr geraten, hatte zu Kribbeln angefangen. Was war nur los mit ihr?

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Ende Kapitel 5

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A/N: Etwas Ruhe beginnt einzukehren … endlich! 

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About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
Aside | This entry was posted in Fanfiction:The Mentalist - The perfect World and tagged , , , , . Bookmark the permalink.

2 Responses to The Perfect World – Kapitel 5

  1. Kristiin says:

    Hey,
    Freut mich das du in der Arbeit über den “Berg” siehst,
    und zeit zum schreiben findest!

    Auch dieses Kapitel gefällt mir sehr gut und macht lust auf mehr,
    was wird sich wohl zwischen den beiden noch entwickeln?!

    Trotzdem freue ich mich wie ein kleines Kind auf das nächste Kapitel meiner lieblings Geschichte Dancing Queen, ich hoffe auch dafür findest du zeit!:)

    Okay, bis bald und danke!
    Grüsse
    Kristiin

    • starthebuck says:

      Man muss Zeit finden … im Moment schaffe ich es nur noch nicht, die Sache fertigzustellen, denn der neue OS ist noch in Arbeit, ein neues Kapitel zu Pills ebenso.
      Gut Ding braucht Weile 😉
      -STB

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