Mit 17 …

The Mentalist - Episode 6.16 - Violets - Promotional Photos (4)_FULLWettbewerbsbeitrag zu: „Liebe“ von Thorinstochter – http://forum.fanfiktion.de/t/25067/1

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Spoiler:  Staffel 6, nach Janes Rückkehr und ihren gemeinsamen Wechsel zum FBI

Lyrics: „At seventeen“ by Janis Ian – aber die Version, die mich inspiriert hat,  ist von Celine Dion.

 

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Mit 17 …

 

#+#+#

 

Eine laue Sommernacht, nachdem es mehr als 40 Grad hatte. Die Sonne war gerade hinter dem Horizont verschwunden. Teresa saß, mit einem Bier in der Hand und in kurzen Hosen auf der Terrasse ihres gemieteten Bungalows, blickte über den etwas verwahrlosten aber großzügigen Garten. Dieser hatte ihr sofort gefallen, obwohl sie damals bereits gewusst hatte, dass sie wenig Zeit haben würde, sich wirklich um ihn zu kümmern, doch erinnert er sie an ihre Kindheit. An die Tage als die Welt noch heil war. Bevor der alkoholisierte Lenker ihre Mutter getötet hatte.

Sie legt ihre Beine, die sie immer für zu kurz hielt, auf den gegenüberliegenden Sessel und schloss die Augen, lauschte dem Zirpen der Grillen.

Da sieht sie wieder den perfekten grünen Rasen ihrer Mutter vor sich, der von Rosen auf der einen Seite und Gemüsepflanzen auf der anderen gesäumt wurde. Mittig befanden sich Apfel und Birnbäume, die noch vom Vorbesitzer stammten und lediglich saures Obst hervorbrachten, aber die Blütenpracht im Frühjahr und das Vogelgezwitscher im Sommer hinderte Maggie, ihre Mutter, deren Name eigentlich Margerite war, doch niemand nannte sie so; sie zu entfernen. Außerdem kochte sie das Obst ein und mit genügend Zucker war Kompott oder Mus auch essbar.

Im selben Moment sieht sie ihre Mutter vor sich, wie sie, mit ihrer weißen Schürze, Äpfel sammelte, während Tommy und Adam, als Indianer verkleidet, durch den Garten liefen. Sie hingegen war mit ihren 11 Jahren damals auf der Terrasse gesessen und hatte ihre Hausaufgaben gemacht. Wenige Wochen später war sie 12 geworden, doch ihre Feier war nicht spektakulär gewesen. Wieso auch? Ihre Mutter hatte eine große Schokoladetorte gebacken, sie hatte Geschenke bekommen und ihr Vater war an dem Tag einmal nicht aggressiv gewesen. Ihre Brüder hatten sich sogar vornehmlich benommen, obwohl sie erst sieben, fünf und drei waren und immer Unfug im Sinne hatten. Ihre Mutter hatte immer ein gutes Wort für die drei übrig, die ihr ganzer Stolz waren. Teresa war auch da, aber sie war ein Mädchen. Nur ein Mädchen.

Maggie hatte ihr in diesem Jahr beigebracht, wie man kochte und Wäsche stärkte – die essenziellen Sachen, die eine Hausfrau wissen sollte und können musste, ihrer Ansicht nach. Trotz der etwas angespannten Beziehung, hatte Teresa ihre Mutter immer angehimmelt.

Sie war eine kleine Frau gewesen, eine schmale Taille, dunkle lange locken, grüne Augen und Sommersprossen, die sie immer mit Puder verdeckte. Und doch wies sie weibliche Rundungen auf, die ihr Vater stets hervorhob, wenn er angeheitert war. Maggie war dies immer peinlich gewesen, ebenso, wenn er sonntags in der Kirche einschlief, weil er am Abend zu viel getrunken hatte.

Lisbon musste bei den Erinnerungen lächeln. So viel hatte sich in den folgenden Jahren verändert!

Die zwei Polizisten, die eines Tages vor ihrer Haustüre gestanden hatten, um ihr – sie war 12 Jahre alt gewesen – mitzuteilen, dass ihre Mutter noch direkt am Unfallort verstorben wäre, weil sie von einem alkoholisierten Lenker überfahren worden sei.

Noch am selben Abend ertränkte ihr Vater sich in zwei Flaschen Bourbon, prügelte beinahe auf Adam ein, der nach seiner Mutter weinte. Ihr Vater hatte niemals eine Träne verloren – nicht am Begräbnis, nicht während der Aufbahrung und auch nicht während des Leichenschmauses.

Manchmal fragt sich Teresa, ob das wirklich Liebe zwischen ihren Eltern gewesen war. Aus Briefen, die sie Jahre später, nachdem Selbstmord ihres Vaters, gefunden hatte, hatten sie einander vor der Hochzeit kaum gekannt. Sie waren sich vorgestellt worden und die Eltern –  mütterlich portugiesischer, väterlich britischer Herkunft – beschlossen, dass rasch geheiratet werden sollte. Vor der Hochzeit hatte es einen Briefwechsel gegeben und manch eine Zeile war lieblich gewesen, die Mehrheit eher kühl, unbeholfen. Wahrscheinlich hatten beide nicht damit gerechnet gehabt, dass sie so den Bund fürs Leben eingehen würden. Eine arrangierte Ehe.

Natürlich hatten sie Kinder, vier sogar, doch hatte oftmals die liebliche Umarmung gefehlt, das tröstende Wort. Nicht, dass sie sich gehasst hätten oder einander aus dem Weg gegangen wären, doch war es mehr eine Freundschaft gewesen, die sie verbunden hatte. Oftmals hatte Teresa sich das in den folgenden Jahren gesagt, dass sie Freunde gewesen waren, Interessen teilten hatten – das Interesse für die Oper, Arien und Spaziergänge im Regen. Ihre Mutter war Krankenschwester, ihr Vater bei der Feuerwehr gewesen – es hatte Wochen gegeben, in denen sie sich so gut wie nie gesehen hatten und manchmal waren es die glücklichsten in Lisbons Kindheit gewesen, wen Maggie gegen Ende des Monats oftmals mehrere Tage in Folge frei hatte. Zeit mit ihren Kindern verbrachte, mit Teresa.

Nur kurz nach der Geburt ihrer Brüder, war Henry – ihr Vater – oft zuhause gewesen. Immerhin waren es seine Söhne. Die Erben. Dass am Ende alles anders kommen sollte, daran hatte er sich wahrscheinlich nie zu denken getraut.

Doch was war Liebe? Was machte sie aus?

Dass man sich nach jemandem verzehrte?

 

In Gedanken versunken, lauschte sie dem Radio, das im Hintergrund leise lief.

 

*I learned the truth at seventeen

That love was meant for beauty queens

And high school girls with clear-skinned smiles

Who married young and then retired

 

The valentines I never knew

The Friday night charades of youth

Were spent on one more beautiful

At seventeen I learned the truth*

 

Mit 17 hatte sie Greg kennengelernt – ein schöner Jüngling, der sich tatsächlich getraut hatte, sie anzusprechen. Getraut deswegen, weil sie zum damaligen Zeitpunkt wahrhaftig kein hübsches Wesen war.

 

*And those of us with ravaged faces

Lacking in the social graces

Desperately remained at home

Inventing lovers on the phone

Who called to say “Come dance with me”

And murmured vague obscenities

It isn’t all it seems at seventee*

 

Doch sein Bild sieht sie nicht mehr vor sich, wenn sie an den Anruf denkt. Anfänglich hat Teresa damals gedacht, dass er sich über sie lustig mache. Ihre Kleidung war abgetragen und sie besuchte lediglich ein paar wenige Kurse am Community College, ein wahrlicher Abstieg nach der katholischen Privatschule, die ihre Eltern finanziert hatten. Nach dem Tod der Mutter und dem Selbstmord des Vaters hatten die Lisbon-Kinder Stipendien von ebendieser bekommen, um zumindest ihre schulische Laufbahn abgesichert zu wissen.

Mit siebzehn hatte sie allerdings Pickel im Gesicht, ihr Haar war ständig strähnig, da sie neben dem College noch zwei Jobs meisterte – nachmittags zerlegte sie Hühner und Schweine in einer Fleischerei und abends frittierte sie in einem Imbiss. Wenn sie gegen Mitternacht nachhause kam, fiel sie tot ins Bett, kümmerte sich, noch bevor ihre Brüder aufstanden, um den Haushalt und die Wäsche, da ihre Brüder niemals einen Handgriff rührten, wenn sie nicht im Haus waren. Sie waren schließlich noch Kinder.

Und dann hatte Greg eines Sonntagmorgens angerufen und sie gefragt, ob sie nicht mit ihm auf ein Eis gehen wolle. Sie hatte Schmetterlinge im Bauch gehabt und ihr bestes Sommerkleid angezogen, es war aus der Mode aber sauber, wies keinerlei Makel auf und betonte außerdem ihre Brust und schmale Taille. Ihr frisch gewaschenes Haar hatte sie in einen lockeren Zopf geflochten. Sie waren Eis essen und spazieren gegangen – und dies taten sie über Monate hinweg, beinahe ein Jahr. Selten lud sie ihn ins Haus ein, weil sie sich dafür schämte. Den Zustand. Die Unordnung. Sie erzählte ihm auch erst viele Wochen nach dem ersten Date, dass sie drei Brüder hätte für die sorgen musste, ihre Eltern tot wären und sie nun für die drei Sorgen musste – mit 17.

Greg hatte sie bei einem Picknick nach der Kirche gesehen und sich ihre Nummer von einer Bekannten geben lassen.

Die meiste Kleidung, die Teresa besessen hatte, war aus Kleidersammlungen der Kirche, so auch das Sommerkleid, das sie bei ihrem ersten Date getragen hatte. Aber der Junge hat sich nicht daran gestoßen, ebenso nicht an ihrer Familiengeschichte. Er war lieb zu ihr, zuvorkommend. Greg hat sie in den Arm genommen und sie zu nichts gedrängt.

Eines Tages hat er sogar um ihre Hand angehalten, sie aus heiterem Himmel gefragt, ob sie ihn heiraten wolle und sie hatte mit einem Lächeln den Antrag angenommen. Eine Heirat schien die einzige, vernünftige und zukunftsträchtige Aussicht, die sie hatte.

Doch dann war ein Mädchen am Community College ihre Freundin geworden, ihre arabischen Namen hatte sie niemals aussprechen können, aber sie half Teresa, sich zu emanzipieren.

 

*A brown eyed girl in hand-me-downs

Whose name I never could pronounce

Said, “Pity, please, the ones who serve

They only get what they deserve.

The rich relationed hometown queen

Marries into what she needs

With a guarantee of company

And haven for the elderly*

 

Weil sie ihren Namen nicht aussprechen konnte, nannte sie sie Annie. Eine hübsches afghanisches Mädchen, das ohne ihre Eltern lebte, alleine – vollkommen alleine. Und sie ließ Teresa erkennen, dass eine Ehe in ihrem Alter nicht der einzige Ausweg war. Annie bewarb sich, nach ihrer Einbürgerung, beim Militär und – das wusste Teresa, da sie immer noch Kontakt hatten – hatte mittlerweile eine hohe Position bei der Airforce inne. Annie hatte sich in einer Männerdomäne behauptet. Es war diese junge Frau gewesen, die Teresa die Unterlagen für die Anmeldung bei der Polizei in die Hand gedrückt und sie ermutigt hatte, sich zu bewerben. Doch was die Afghanin nicht erwartet hatte, war, dass sich Teresa nicht in Chicago bewerben würde, sondern weit, weit weg – in Kalifornien.

 

Teresa holte sich aus der Küche eine frische Flasche Corona Bier, schnitt sorgfältig ein Stück aus der Zitrone, drückte es vorsichtig in den langen Hals der Flasche und genoss den ersten kühlen Schluck, fuhr mit der Zunge in den Flaschenhals.

 

Heute noch fragt sie sich manchmal, wie es gewesen wäre, hätte sie Greg geheiratet. Er schien, als sie ihn das letzte Mal sah, schließlich eine mehr oder weniger glückliche Ehe zu führen, hatte Kinder und ein Boot. Was konnte man sich mehr erträumen? Auch er hatte sich, kurzum, weiterentwickelt. Verändert.

Wenn sie heute an Liebe dachte, kam ihr Patrick Janes Gesicht vor ihr geistiges Auge. Wie lange empfand sie nun schon mehr für ihn? Sie konnte sich nicht erinnern, wann ihre emotionale Welt sich dermaßen verändert hatte, es musste ein fließender Übergang gewesen sein. Wenn sie morgens in der FBI Zentrale seine blauen Augen sah, dann bekam sie ein Kribbeln im Bauch, das unbeschreiblich war. Sie war nicht mehr das dünne 17jährige Mädchen mit der unreinen Haut und dem fettigen Haar – sie legt Wert auf ihr Äußeres, auch wenn es ihm nicht aufzufallen schien. Mehr als nur einmal hatte sie eine Reaktion auf ein ausgeschnittenes Top erwartet, ein spöttisches Kommentar über Unzulänglichkeiten, doch lediglich seinen Augen war ihr Dekolleté aufgefallen, seine Lippen hatten niemals auch nur einen Hauch von sich gegeben.

Und trotzdem hatte er einmal gesagt, dass er sie lieben würde – es später aber dann bestritten. Man hatte ihm weisgesagt, dass sie von ihm träume, ihn also liebe – aber es gab keinerlei Reaktion seinerseits, als wäre nie irgendwem ein Wort entkommen, das von Gefühlen zeugen würde.

Manchmal kam es Teresa vor, als würde er sie als Frau überhaupt nicht wahrnehmen. Sie war sein Boss, vielleicht noch eine Freundin. Aber Liebe? Könnte er sich vorstellen, mit ihr eine Nacht zu verbringen? Sie zu berühren?

Sie träumte von ihm, das tat sie schon seit mehr als zwei Jahren. Immer wieder sah sie sein zerzaustes blondes Haar vor sich, die strubbelige Mähne, die sie zu lieben gelernt hatte. Es waren so viele Kleinigkeiten, die in ihren Träumen vorkamen – die grazilen und doch großen Hände, die Vorliebe für Tee, die dicken Socken, die er so gerne trug, die verrückten Hemden, an denen sie keinen Gefallen finden konnte und der Drei-Tage-Bart, den sie so gerne an ihrer Brust spüren würde. Es waren Geringfügigkeiten, doch genau diese liebte sie an ihm.

Doch war es wirklich Liebe oder lediglich Gewohnheit?

Teresa nahm abermals einen großen Schluck Bier, direkt aus der Falsche, und genoss es, wie das kühle Liquid ihren Mund füllte, bevor sie es etappenweise in ihre Kehle fließen ließ.

Es war ein schöner Abend, ein herrlicher sogar. Niemals hatte sie sich denken lassen, dass Texas etwas haben könnte, das ihr gefallen würde. Die Hitze in Kalifornien war anders gewesen, feuchter, ständig wehte ein Wind vom Meer. War man an der Küste, war das Meer zu kühl, um zu baden. Blieb man zum Beispiel in Sacramento, wurde der Sommer teilweise unerträglich. Hier in Texas war es zwar heißer, aber die Luft war trockener, weniger humid. Die Sonne brannte hinab, man trug legere Kleidung, sofern möglich, trank mehr Bier, aber hatte keine Angst vor Waldbränden, da es kaum Wälder gab. Man war zudem konservativer und manchmal fragte sie sich, an was die Menschen wirklich glaubten, da es unglaublich schien. Automatisch war jeder Garten mit einer Bewässerungsanlage ausgestattet, zumindest kam es ihr so vor, die sich spät in der Nacht einschaltete.

Sie lief zuhause selten in ihren langen Hosen herum und hatte selten die Klimaanlage eingeschaltet – vielmehr liefen die großen Deckenventilatoren und man verbrachte Zeit auf der Veranda, trug Hüte und Cowboystiefel, da fast jeder, der nicht in der Großstadt lebte, ein Pferd besaß und irgendwie mit einem Rinderfarmer verwand war. Irgendwie hatte Teresa einen Weg gefunden, sich in Texas wohlzufühlen.

Vielleicht war es aber auch Janes Gegenwart gewesen, die sie nun verweichlicht hatte, die sie dazu brachte, Sachen lockerer zu sehen, eher Gefallen an dem Einen oder Anderen zu finden.

Doch die Art und Weise, wie er mit Fischer flirtete, brachte sie in Rage. Aber nur innerlich. Sie durfte nicht offen zeigen, wie es sie verletzte.

Es war erst ein paar Tage her, da hatte sie, als sie die Sachen zusammenpackte, einen Blick in den Pausenraum geworfen und Jane mit Fischer lachen gesehen. Es schien so herzlich und vertraut. Ein heftiger Stich in der Magengegend war die Antwort gewesen, als sie sich, mit Tränen in den Augen und gesenktem Blick die Räumlichkeiten des FBIs verließ, um sich auf ihrer Veranda zu betrinken. Und sie hatte ihren Frust in Alkohol ertränkt, so sehr, dass sie es am nächsten Tag bitter bereut hatte. Heute waren zwei Bier in Limit, abgesehen davon war es Leichtbier, quasi alkoholfrei. Alle härteren Sachen hatte sie aus dem Haus entfernt, nur um sicher zu gehen, nicht wie ihr Vater zu enden.

Vorsichtig strich sie sich über die Wange, fühlte die ebenmäßige Haut. Sie war keine 17 mehr. Irgendwann würde sie sich ihren Gefühlen stellen müssen. Irgendwann würde sie ihm sagen müssen, dass es für sie mehr als nur Freundschaft war, die sie verband.

Oftmals kam er spätabends vorbei, brachte etwas zu essen mit und erwartete von ihr, dass sie ihn unterhielt. Doch in letzter Zeit waren diese Besuche seltener geworden, besonders seitdem er seinen Airstreamer hatte. Er parkte ihn irgendwo und schlief dort, oder tat, was auch immer er tat. Bei Jane konnte man nie wissen.

Lisbon schloss die Augen und atmete tief durch, atmete den warmen Windhauch ein, der sich aufgetan hatte. Die Sonne war komplett untergegangen. Die Nacht war lau.

 

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„Möchtest du vielleicht in den kommenden Tagen irgendwann einmal vorbeikommen? Ich könnte etwas kochen“, sagte Lisbon leise und zwang sich dazu, ihren Satz zu vollenden. Es hatte sie große Überwindung gekostet, sich dazu durchzuringen, ihn wirklich einzuladen. Doch musste sie zumindest einen Versuch starten, bevor sie sich geschlagen geben würde.

Jane sah Teresa verwundert an und nickte. Er lag auf der Couch, ein Buch auf seiner Brust und genoss die funktionierende Klimaanlage des FBIs, denn die Lüftung in seinem Airstreamer war eher dürftig und wenn die Blechbüchse den gesamten Tag in der Sonne stand, war nächstens an Schlafen nicht zu denken. Meist lag er wach und überlegte sich, wie es wohl sein würde, nackt unter einem Deckenvenitalitor zu liegen. In einen Pool zu springen. In einem Fluss zu baden.

Als er sich am selben Abend noch auf den Weg zu ihr machte, trug er keinen Anzug, nein – es war im Airstreamer zu heiß, um seine Anzug zu verschwitzen, immerhin besaß er lediglich drei und vier Hemden. Die Socken wusch er täglich mit der Hand aus, weil sie etwas Besonderes für ihn waren. Jane hatte sich Shorts gekauft in Khaki und blau, trug sie in der Freizeit abwechselnd mit Flipflops und bunten T-Shirts.

In dem Moment, in dem Lisbon ihm die Türe öffnete, wollte sie gar nicht glauben, wer vor ihr stand  – sie erkannte ihn kaum. Die Shorts. Das Shirt. Er schien ein anderer Mann zu sein! In einer Hand hielt er eine Packung Bier, in der anderen einen Strauß Blumen – ebenso ungewohnt.

Teresa nahm die Blumen verwundert entgegen und bat ihn in ihr Haus. Die Ventilatoren liefen und ihr Bungalow hatte etwas Koloniales an sich – weitläufig, Bambus Jalousien im Wohnbereich, ein großes graues Sofa zierte die eine Ecke, eine Fernsehanlage ihr Gegenüber.

Jane saugte alles in sich auf, jede Kleinigkeit. Seine Augen wanderten über die Einrichtungsgestenstände, die sie sicherlich nicht alle selbst ausgesucht hatte, in den wenigen Wochen, die sie nun in Texas lebte. Es war elegant und klassisch. Kolonialstil, irgendwie. Irgendwie nicht so, wie ihr altes Haus gewesen war. Dort hatte man teilweise gerade Linien entdecken können, teilweise aber auch ein buntes Gemisch an Möbeln – wie in ihrem Badezimmer oder der Küche.

Für diesen Abend hatte sie Jane nicht erwartet, daher hatte sie auch nichts Spezielles geplant oder eingekauft. In ihrem Kühlschrank befand sich lediglich frisches Gemüse, das sie seit kurzer Zeit konsumierte und am Tag zuvor zubereitete Pasta-Sauce, ein Rezept ihrer Mutter. Bisher hatte sie sich selten die Zeit genommen, zu kochen oder gar das Kochbuch ihrer Mutter aufzuschlagen.

„Ich bin überrascht, dass du dich für diesen Abend entschieden hast …“

Fragend sah Jane sie an, reichte ihr die Blumen und stellte das Bier auf den Tresen in der Küche. Ohne etwas zu sagen, in der typischen Jane-Manier, ging er zu ihrem Kühlschrank, öffnete diesen und studierte den Inhalt, nahm das Tupper-Gefäß mit der Sauce heraus, öffnete dieses, roch daran und machte ein Geräusch, das Lisbon wissen ließ, dass er sie mochte.

„Hmmm … lecker!“, wiederholte er.

„Ein Rezept meiner Mutter“, sagte sie und fühlte sich etwas überrumpelt von seinem Besuch, obwohl sie ihn eingeladen hatte.

„Mit Pasta?“

„Ja, Spaghetti, Gnocchi … vollkommen gleichgültig.“

„Wunderbar!“, sagte er mit einem Lächeln, öffnete einige Schränke und wunderte sich über den vorhandenen Inhalt. In Kalifornien hatte Teresa kaum Lebensmittel zuhause gehabt. Nun stellte er Kartoffel, Mehl, Gries und Eier auf den Küchentisch, studierte noch die Gewürze etwas und griff nach Muskat, Salz und Pfeffer. Lisbon sah ihn mit einem Lächeln auf den Lippen und doch verwundert zu.

Fachmännisch stellte er die Erdäpfel auf den Herd in einem großen Topf und griff nach einer falsche gekühltem Bier, legte seine Hand auf Lisbons Schulter und führte sie, ohne ein weiteres Wort zu verlieren, auf die Terrasse.

„Was wird das nun?“, fragte sie und nahm in ihrem Stuhl platz, Jane direkt neben ihr.

„Gnocchi. Ein altes Familienrezept.“

„Ein Abend der Familienrezepte“, murmelte Lisbon und dachte abermals an ihre Mutter, ihr dunkles Haar, die großen Augen. Manchmal hatte sie die Angst, irgendwann aufzuwachen und sich nicht mehr an sie erinnern zu können.

Jane hob sein Bier an die Lippen und nahm einen Schluck, blickte in den Garten. Dann reichte er, zu Lisbons Erstaunen, ihr die Flasche. Ohne nachzudenken, nahm sie einen Schluck und gab es ihm wieder zurück.

So ging es einige Zeit. Sie sprachen kein Wort, saßen nebeneinander und blickten in den Garten, wobei sich Lisbon immer wieder dabei ertappte, wie sie auf seine Hand starrte, die nur unweit ihres Oberschenkels zum Liegen gekommen war. Sie selbst trug kurze Hosen, ein Trägertop und lief barfuß durch ihr Haus – es war viel zu warm, um lange Hosen zu tragen. Ihre Shorts waren von Nike und normalerweise waren sie für das Laufen gedacht, waren leicht und luftig, lagen nicht zu eng an, reichten beinahe bis zum Knie. Auch ihr Top offenbarte mehr, als sie normalerweise zeigte – dies erkannte sie, als sie an sich hinabsah, mit einer Hand eine Strähne wieder im Haargummi, der ihren lockeren Haarknoten beisammen hielt, verstaute.

Irgendwann ging Jane in die Küche und sie hörte ihr werken, bequemte sich aber nicht zu ihm. Als er abermals auf die Terrasse kam, brachte er ihr eine Tasse Kaffee mit und sie nahm ihn dankend entgegen.

„Bald sind sie fertig“, erklärte er und nahm ihr den Becher aus der Hand, trank etwas und verzog das Gesicht. „Ich verstehe nicht, wie du Kaffee in den Mengen trinken kannst. Er ist doch viel zu bitter.“

„Gewohnheit“, sagte sie leise und blickte auf seine nackten Zehen, irgendwo hatte er seine Flipflops stehen gelassen. Für Außenstehende musste es so aussehen, als würde er hier wohnen.

„Wahrscheinlich.“ In seiner eigenen Hand hatte Jane ein Glas Limonade aus dem Kühlschrank.

Auf eine spezielle Art und Weise kam sich Teresa wieder vor wie 17. Unsicher. Nicht feminin genug. Nicht passend gekleidet. Dabei gab er ihr nicht einmal eine Art von Zeichen, dass es so sein könnte. Jane saß einfach neben ihr, trank Limonade und starrte offensichtlich auf ihre Zehen, deren Nägel sie in einem dunklen Rot, beinahe schon Braun, lackiert hatte.

Plötzlich hatte er seine Hand um ihren Fuß gelegt. Teresa erschrak. Was tat er?

Jane war sich nicht sicher, ob er gerade zu weit gegangen war oder nicht. Er hatte einfach das Bedürfnis verspürt, ihre kleinen Füße anzugreifen.

„Jane …“

„Hm …?“

„Ich bin barfuß durch das Haus gelaufen und er ist den gesamten Tag in Schuhen gesteckt …“

„Du hast Socken getragen …. Ich werde mir die Hände waschen, bevor ich das Essen fertig mache.“

Jeglicher Protest wurde durch seine Ruhe, die er versprühte, niedergeschlagen. Einmal hatte sie kurz ersucht den Fuß an sich zu ziehen, doch sein fester Griff hatte dies verhindert.

„Du hast kleine Füße“

„Ich bin klein.“

„Nicht unbedingt.“

Fragend sah Teresa ihn an. Was wollte er mit diesem Kommentar bewirken? Erreichen? Welche Absicht hegte er?

„37?“

„Hm …“

„Ich sagte ja, kleine Füße.“ Kurz herrschte wieder komplette Ruhe zwischen ihnen. „Ich mag die Farbe, dieses dunkle Rot. Sehr edel.“

„Danke“, antwortete sie leise und gestand sich ein, dass sie Schmetterlinge im Bauch hatte und nicht wusste, was sie von all dem halten sollte. Auf der einen Seite war sie froh, dass er es endlich wagte, sie zu berühren. Auf der anderen hingegen war es eine sehr eigenartige Art und Weise sich näher zu kommen – über Füße zu sprechen.

Kurze Zeit danach ließ er wieder von ihr ab, ging in die Küche und sie hörte, wie er sich tatsächlich die Hände zu waschen schien. Dieses Mal konnte sie nicht wiederstehen und ging in die Küche, sah, wie er Gnocchi formte und sie in einen Topf kochendes Wasser gleiten ließ. Ihre Sauce stand ebenfalls am Herd und war aufgewärmt worden.

„Du scheinst ein Meister zu sein“, erklärte sie, lehnte an ein Küchenmöbel und konnte nicht anders als zu lächeln. Es war solch ein unheimlicher Anblick – heimelig, familiär beinahe. Noch nie hatte ein Mann für sie gekocht, nicht einmal Greg.

War es Janes Art zu zeigen, dass er vielleicht auch etwas empfand für sie? Aber wieso, nach all den Jahren, hatte er sich diesen Abend ausgesucht? Wieso jetzt plötzlich?

Vorsichtig seihte Patrick die Gnocchi ab, ließ sie in ein Sieb gleiten und freute sich offensichtlich über seine Kreation. Dann gab er sie zurück in den Topf, dazu die warme Sauce und mischte durch – Teresa erkannte dabei ihre schlechte Gewohnheit, fertige Saucen zu verwenden, die sie einfach im kalten Zustand über ihre Nudeln oder andere Teigwaren kippte. Schließlich portionierte er sie auf zwei großen weißen tiefen Tellern, öffnete einige Schubladen, bis er zwei Gabeln in der Hand hielt und ging wieder mit diesen auf die Terrasse hinaus, glitt abermals in dieselbe Position, in der sie zuvor gesessen hatten. Eng aneinander. Zu eng?

Lisbon ging ihm kommentarlos nach, wunderte sich immer noch über die Leichtigkeit des Seins.

„Es schmeckt köstlich“, erklärte sie und dieses Mal zeichnete sich ein breites Lächeln auf ihrem Gesicht ab.

„Du solltest öfter lächeln.“

„Jane …“

„Patrick.“

„Es schmeckt dank deiner Sauce wirklich köstlich.“

 

+#+#+

 

An diesem Abend passierte nichts zwischen ihnen. Sie waren die ganze Zeit einfach nebeneinander gesessen und hatten geplaudert. Irgendwann, kurz vor Mitternacht, hatte Jane sich schließlich verabschiedet und war gegangen, hatte sie verwirrt in ihrer Gedankenwelt zurückgelassen, die sie die gesamte Nacht beschäftigte.

In den kommenden Wochen wurden seine nächtlichen Besuche beinahe zu einer Regelmäßigkeit. Sie aßen zusammen, lachten, unterhielten sich, erzählten einander von ihrem vorherigen Leben – bevor der jeweils andere in dieses getreten war.

Im Büro hingegen flirtete er scheinbar mit Fischer und immer wieder erwischte sich Lisbon, wie sie sich fragte, was eigentlich in diesem Mann vorging. Was mit ihm los war, dass er so handelte – nächtens der gute Freund, untertags lediglich der Kollege, der sich scheinbar für andere Frauen interessierte. In diesen Momenten, wenn er mit Fischer im Aufenthaltsraum lachte, kam sie sich hilflos vor; als würde ihr jemand ein Messer in den Bauch rammen.

Nach einer ganzen Woche, in der sie nur Papierkram bearbeitet hatten, beschloss Teresa, nicht mehr schüchterne 17 zu sein und ihn wissen zu lassen – so hoffte sie zumindest –, dass sie mehr für ihn empfand.

So trug sie ein leichtes dunkelblaues Sommerkleid an diesem Abend, als er, wie jeden anderen Tag in dieser Woche, kurz nach sechs ihr Wohnzimmer betrat. Als er sie erblickte musterte er sie von oben bis unten, sah ihre schlanken, trainierten Bein in einem ganz anderen Licht – einem femininen. Der Gummizug betonte ihre schmale Taille und raffte den Stoff raffiniert. Ihr Haar war zu einem Rossschwanz zusammengebunden und der Ausschnitt war ein tiefes V. Wenn sie sich vorlehnen würde, würde er alles sehen können, schoss es ihm durch den Kopf. Er war schließlich auch nur ein Mann!

Die Tüten, die er mitgebracht hatte, brachte er in die Küche und begann sie langsam auszupacken. Sie hatten mehr als 35 Grad an diesem Tag gehabt und immer noch stand die Hitze in allen Räumlichkeiten.

Er war am Fischmarkt gewesen und hatte etwas Neues gewagt. Dass sie Fisch mochte, daran konnte er sich erinnern, doch waren Meeresfrüchte etwas Anderes. Er hatte 2kg Muscheln gekauft und Shrimps, Tunfisch. Skeptisch sah er sie an, erwartete eine negative Meldung ihrerseits, doch es kam nichts.

Abermals saßen sie gemeinsam auf der Terrasse bei einem Glas Sodawasser, für alles andere war es tatsächlich zu heiß am heutigen Abend.

„Wusstest du, dass ich Angela kennenlernte, als ich 16 war?“ Sie schüttelte nur den Kopf. „Wir haben schnell geheiratet, sind durchgebrannt und danach haben wir Jahre lang versucht ein Kind zu bekommen. Charlotte war ein Wunder. Als ich schließlich genug Geld verdient habe und wir uns die passenden Ärzte leisten konnten, erfuhren wir, dass es an ihr lag.“

„Wieso erzählst du mir das?“

„Weil ich es niemals jemandem erzählt habe.“ Jane wollte seine Geheimnisse mit ihr teilen, wusste sie dort sicher. „Außerdem ist das Kapitel nun beendet. Ich werde nie aufhören, beide zu vermissen, aber das Leben muss weitergehen. Ich muss mich neu orientieren.“

In Lisbon stieg Angst auf, große Angst. Wenn ein Mann ihr normalerweise etwas Dergleichen erzählte, dann folgten danach rasch die Worte der Trennung.

Jane hob seine Hand. Lediglich ein weißer Streifen zierte noch seine Hand, der mittlerweile auch dabei war, zu verblassen. Wann hatte er den Ring abgelegt? Wieso war ihr dies nicht aufgefallen?

„Neu orientieren?“, fragte sie schließlich vorsichtig, als Patrick schweigend neben ihr saß.

„Wie viele Abende habe ich in den letzten Monaten hier verbracht?“

„Beinahe jeden?“, stellte sie fragend fest.

Als Jane abermals nichts sagte, realisierte sie, dass er eventuell sie meinen könnte.

Er legte seinen Arm um ihre Schulter, berührte sanft ihr Schlüsselbein mit seinen Fingern, das vom Stoff nicht bedeckt wurde.

„Ich mag das Kleid. Du solltest öfter Kleider tragen.“

„Ich fühle mich so …“

„Hübsch? Weiblich?“, versuchte der blonde Mann den Satz zu vollenden.

„Patrick …“, mahnte sie ihn leise. Es war ihr merklich unangenehm, dass er ihr gerade ein Kompliment gemacht hatte.

„Es ist doch wahr. Deine schmale Taille versteckst du unter Blusen und Tops, deine zierlichen Füße in groben Schuhen. Ich mag es, wenn du barfuß durch das Haus läufst. Das locker zusammengebundene Haar. Die Sommersprossen, die du überall bekommen hast in den letzten Wochen.“ Mit diesen Worten strich er ihren Arm entlang, bis er bei der Schulter ankam und dann vorsichtig über ihr Dekolleté. Er erwartete ihre mahnenden Worte zu hören, ihn davon abzuhalten, mit seinen Fingern den Rand des Vs ihres Ausschnitts entlang glitt, bis er schließlich am Tiefpunkt angekommen und zwischen ihren Brüsten gelandet war. Es war mutig. Gewagt. Und tatsächlich war sie mehr in der Sonne gewesen in den letzten Wochen, hatte versucht ihren Garten zu revitalisieren, sobald sie frei hatte und das Ergebnis konnte sich sehen lassen.

Plötzlich stand Jane auf, griff nach ihrer Hand und zog sie die Stufen hinab auf den Rasen, lief mit ihr Hand in Hand an einen der hinteren Punkte, wo ein großer Birnenbaum stand.

Was wollte er von ihr?

„Ich möchte mich neuorientieren“, wiederholte Jane und lächelte, während Lisbon ihren Blick senkte, auf einen Knopf an seiner Brust starrte. „Du bist schön“, begann er. „Aber manchmal so unsicher, Teresa, wenn es um deine feminine Seite geht. Aber genau diese möchte ich zukünftig öfter sehen – wenn wir kochen. Ausgehen. Oder ich dich küsse.“

Lisbon schrak hoch. Wenn er sie küssen würde?

Und im selben Augenblick waren seine Lippen auf den ihren. Vorsichtig. Sie berührten sich lediglich. Zärtlich. Unschuldig. Wenige Schritte rückwärts und sie spürte die Rinde des Baumes an ihrem Rücken und wie er sein Bein behutsam zwischen ihre schob, ihr näher kam.

Abermals küssten sie sich, doch die anfängliche Unschuld war bereits verloren gegangen. War es beim ersten Kuss ein zartes Berühren gewesen, war es nun ein wilder Kampf.

„Es geht so schnell …“, sagte sie leise, als seine Lippen an ihrem Hals nippten.

„Wir haben so viele Jahre gewartet, zu lange um es langsam anzugehen.“

„Hm …“, stimmte sie zu und stöhnte leise auf, als er ihren Pulspunkt erreicht hatte. Er wusste genau, wie er sie in die Knie zwingen würde, sie dazu bringen würde, sich an ihm festzuklammern, weil ihre Knie sie nicht mehr aufrecht halten wollten. Wahrscheinlich verzerrte sie sich wirklich schon so lange nach ihm, dass sie jetzt, wo er seinen Platz in ihrem Leben gefunden hatte, nicht mehr über die Nachteile nachdenken wollte sondern es genießen.

Die Rinde war hart, die sich in ihren Rücken bohrte, doch war es ein angenehmer Kontrast zu seinen Lippen nun auch seinen Händen, die von ihrer Taille, die sie bisher umspannt hatten, seitlich ihren Brustkorb entlang wanderten. Als sie wieder hinabwanderten, griff sie ungeduldig nach den seinen und führte sie an ihre Brust. Beide. Man hörte ein leises Lachen seinerseits, das Teresa Blickkontakt suchen ließ.

„Zu langsam“, erklärte sie mit einem Lächeln auf den Lippen. Ihre grünen Augen waren mittlerweile dunkel, ihre Lippen geschwollen von seinen Küssen und ihr Hals würde am kommenden Tag rote Flecken von seine Dreitagebart vorweisen – und es kümmerte sie nicht im geringsten.

Sie glitten zu Boden, in den Rasen – als wären sie Teenager. Sie rollten auf der Wiese herum, bis sie schließlich unter ihm lag, er zwischen ihren Beinen und auf sie hinabblickte.

Es war dieses Gesicht gewesen, dass sie in den letzten Jahren vor sich gesehen hatte, wenn sie an Liebe dachte, sich selbst berührte oder daran dachte, was die Zukunft hoffentlich bringen würde. Diese blauen Augen, die rosigen Lippen, den rotblonden Bart und die blonde wilde Mähne, durch die sie ihre Hände hatte streifen lassen.

„Ich fühle mich, als wäre ich wieder 17“, erklärte Patrick Jane und sah ihr tief in die Augen.

„Damals hättest du mich nicht geküsst.“

„Doch, das hätte ich.“

„Nein“, sagte sie bestimmt, ihre Hände um seinen Hals. „Ich hatte Pickel, mein Haar – es sah immer strähnig aus und ich …“

„Du warst reizend.“

„Nein.“

„Ich habe damals Fotos gesehen, du warst hübsch.“

Etwas verwundert sah Teresa Jane an und fragte sich, was er gerade gesagt hatte. Von welchen Bildern sprach er?

„Als wir auf Greg trafen“, begann er zu erklären. „Er hat mir Bilder gezeigt und du warst damals schon schön mit deinen großen grünen Augen, den weichen Lippen und den unglaublichen weiblichen Rundungen, die du damals schon wissentlich verstecktest.“

Nun stand ihr Mund offen vor Verwunderung. Sie hatte nicht gewusst, dass Patrick damals mit Greg gesprochen hatte. Sie hätte es zu verhindern gewusst, hätte sie es irgendwann mitbekommen. Greg wusste einige Details aus ihrem Leben, die sie lieber nicht noch einmal Review passieren lassen wollte. Sie hatte ihn versucht zu lieben, Greg. Er war der erste gewesen, der jemals Interesse an ihr bekundet hatte und dies hatte sich damals gut angefühlt, doch ob sie wirklich Liebe für ihn empfunden hatte, darüber war sie sich heutzutage nicht mehr klar. Auf alle Fälle hatte sie nicht die Art von Gefühlen für ihn gehegt, wie sie sie für Jane empfand – die Schmetterlinge im Bauch, die aufkeimende Eifersucht, das verzehrende Verlangen in seiner Nähe zu sein.

„Ich hatte mit 17 keine Zeit um im Gras herumzurollen, Reeses“, sagte er und ließ seine Finger über ihre Nase wandern, „doch hätte ich nichts dagegen, es jetzt nachzuholen.“ Dann küsste er sie zärtlich. „Mit dir.“

Es war tatsächlich, als wäre sie wieder ein Teenager, doch dieses Mal ohne ihre lästigen Brüder, denen sie zwar all ihre Energie geopfert hatte, sie aber von vielerlei jugendlichen Unternehmungen abgehalten hatten. Als ihr Vater noch gelebt hatte, war es er gewesen, vor dem sie sich in Acht nehmen musste, vor dem sie die Jungs hatte schützen müssen. Danach waren es der Haushalt und die Erziehung der drei gewesen, die all ihre Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatten.

Sie lagen weiter im Rasen unter dem Baum, küssten sich, ließen Hände über Körper wandern. Als Jane begann, das Kleid vorne aufzuknöpfen, war Lisbon kurz erstarrt, doch nur für wenige Augenblicke. Dann entspannte sie sich wieder und er beschäftigte sich weiterhin mit ihren Knöpfen, bis sie bis zur Taille offen waren und er den Stoff zur Seite schob. Darunter trug sie einfache schwarze Unterwüsche. Der Büstenhalter war schlicht gehalten, wies nur am oberen Rand des Cups etwas verspielte Spitze auf.

Wie lange war es her, dass ein Mann sie auf diese Art und Weise berührt hatte? So recht daran erinnern konnte sich Teresa nicht mehr, auf alle Fälle hatte es sich niemals so angefühlt. Als er den Frontverschluss entdeckte, war er auch schon geöffnet und seine Lippen an ihrer mit Sommersprossen übersäten Haut des Dekolletés, bevor sie sich jeder einzelnen Brust widmeten – waren es einmal nicht die Lippen, waren es seine Finger.

In diesem Augenblick versuchte Lisbon keine Erwachsene zu sein sondern ihm all die Möglichkeiten zu geben, die er mit 17 haben würde – die ihr mit 17 verwehrt gewesen waren.

So sagte sie kein Wort sondern genoss seine Liebkosungen und zog seinen Mund schließlich wieder zu ihr nach oben. Küste ihn. Rollte mit ihm durch die Wiese, bis sie oben war, ihm das Shirt über den Kopf zog und den Oberteil ihres Kleides abstreifte, den Büstenhalter in die Wiese warf.

Mit Ende 30 hätte sie so etwas im Garten niemals gemacht, mit 17 hätte man sich nicht darum gekümmert, hätte man sich seinen Gefühlen hingegeben. So saß sie halbnackt auf ihm, küsste seine Brust, strich über den Flaum blonder Haare und dass er sichtlich erregt war, dies spürte sie unter sich. Obwohl sie immer wieder versuchte, seine Hände am Boden zu halten, konnten diese nicht von ihrer Brust ablassen.

Plötzlich lag sie wieder unter ihm. „Das ist besser“, kommentierte er und seine Lippen schlossen sich abermals um die Spitze ihrer Brust, sog daran, bis sie aufstöhnte. „Viel besser.“

 

An diesem Abend schliefen sie nicht mitsammen, auch nicht in der Folgenacht. Es dauerte beinahe eine Woche, bis sie diesen Schritt wagten und es war Teresa gewesen, die ihn in ihr Schlafzimmer führte, ihm die Kleidungsstücke vom Körper streifte, ihn mit Küssten bedeckte, bevor sie sich selbst entkleidete und ihn in sich aufnahm. Ihn ritt, als gäbe es kein Morgen. Durchgehend stöhnte sie seine Namen und kommentierte, wie gut er sie ausfüllte, wie sehr sie sich seit Jahren vorgestellt hatte, ihn in sich zu fühlen.

Jane hatte dieses Geständnis verwundert und zugleich erfreut. Seit Jahren war sie die einzige Frau gewesen, an der er jemals Gefallen gefunden hatte, auch wenn er lange nicht bereit gewesen war, sich dies einzugestehen. Doch nun war er bereit. Er war bereit sich wieder wie 17 zu fühlen, all da zu erleben, das ihm einst nicht erlaubt gewesen war.

„Ich liebe dich“, murmelte sie, als sie auf seiner Brust zusammensank. „Schon so lang.“

Er legte seine Arme um sie, presste sie an seinen Körper, beide schweißbedeckt.

„Ich dich auch“, antwortete er und schlang seine Arme noch enger um sie. „Ich will dich in meinem Leben nicht mehr missen. Nie wieder.“

 

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THE END

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About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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3 Responses to Mit 17 …

  1. Kristiin says:

    Ahh ist das schön wieder was von Dir zu lesen!
    Ich hoffe diese Geschichte schliesst gut ab im Wettbewerb!
    Ich finde sie sehr schön! Schön beschrieben wie sich die beiden langsam annähern, auch der anfang wo es um die Familie geht finde ich sehr gelungen!
    Grüsse
    Kristiin

    • starthebuck says:

      Danke, liebe Kristiin!
      Der Anfang war quasi etwas die Herausforderung. Ich muss immer aufpassen, dass ich da nicht in ein fest eingefahrenes Schema der Lisbon-Family verfalle, das ich mir irgendwann kreiert habe.
      Jetzt sollt es dann eh bald wieder mehr zu lesen geben, bis ich auf Urlaub fahr.

  2. Kristiin says:

    Hey,
    Ich hoffe du kannst deine Ferien geniessen, und viel schönes erleben!
    Danke noch für deine Antwort, ich mag die art wie du dir die Lisbon-Family kreiert hast!
    Eigentlich wollte dir nur schnell schöne Ferien wünschen!
    Ich beginne jetzt noch mal Dancing Queen von vorne zu lesen, bis ich durch bin wird sicher ein neues Kapi von Dir nicht mehr fern sein!:-)

    Bis bald, liebe grüsse
    Kristiin

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