Die Dominanz der Frauen

caskett_by_slaveformusic-d5gxm3n - BearbeitetA/N: Mein Wettbewerbsbeitrag zu Pinkhas Wettbewerb: Die Frau an seiner Seite– Es soll dabei um die Psyche beider Hauptcharaktere gehen. In meinem Fall reflektiert nun Richard Castle, der berühmte Krimiautor, sein Leben und die Frauen, die darin eine wichtige Rolle gespielt haben. Den weiblichen Hauptcharakter kann man gegen Ende leicht erkennen … es geht ja teilweise auch um den Weg, den Weg zur richtigen Frau.
Fandom: Castle (TV-Show)
Spoiler: 1. Folge Staffel 4… der Rest ist danach angesiedelt. Doch vergesst alles nach den ersten beiden Folgen.
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Die Dominanz der Frauen

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Richard Castle, der berühmte Autor und Playboy, musste sich eingestehen, dass von Kindheitstagen an, sein Leben in der Hand der Frauen gelegen, mit denen er zusammen gelebt hatte. Anfänglich möge es nur seine sehr dominante Mutter gewesen sein, die Schauspielerin Martha Rogers, die stets das Licht der Kameras suchte und positiv in den Medien auffallen wollte – vor 37 Jahren, so wie heute.

Wenig hatte sich nur verändert. Frauen waren gekommen und gegangen, hatten sein Leben bestimmt und unterschiedlicher konnten sie gar nicht sein.

Ein Glas Scotch in der Hand, begann Richard Castle, sein Leben Review passieren zu lassen. Er hatte es sich auf der Couch gemütlich gewacht. Seine Mutter spielte heute Theater und seine Tochter war noch in der Bibliothek, um für ihre nächste Prüfung zu lernen. Er erwartete sie gegen 22 Uhr zurück und wie er seine Tochter kannte, würde sie bereits zehn Minuten zuvor die Türe aufsperren.

Ja, trotz seines Alters lebte er mit seiner Mutter zusammen. Eine rothaarige Frau mit großen blauen Augen, einer tiefen Stimme und einem schlanken Körperbau. Ob sie jemals ein Kind haben wollte, stand in den Sternen, doch geplant war er sicherlich nicht gewesen. Seinen Vater hatte er nie kennen gelernt und so war das Zentrum seiner Existenz während seiner Kindheit und Jugend stets seine Mutter gewesen.

Spielte sie damals abends am Broadway, passte eine andere Frau auf ihn auf. Heute dachte er oft daran, dass diese Frauen eher Prostituierte gewesen waren als Kindermädchen, doch hatten sie stets Acht auf ihn gegeben und niemals Harm über ihn kommen lassen. Gemeinsam waren sie durch dick und dünn gegangen, selbst als er später als Teenager aus diversen Schulen New Yorks geflogen war und schlussendlich beinahe auf einem Internat weit außerhalb gelandet wäre. Selbst während er in Schülerheimen lebte, drehte sich alles um Martha. Ihre Stücke, Filme, Serien. Die Männer.

Martha stand immer im Mittelpunkt. Sie tauchte in ihren bunten Gewändern irgendwo auf, zog sofort alle Aufmerksamkeit auf sich. Man kannte ihr Gesicht, sie war beliebt und populär, auch wenn sie niemals die großen Erfolge verzeichnen konnte. In den 80er Jahren spielte sie einige Staffeln in einer Fernsehserie, drehte in Kalifornien das halbe Jahr, doch immerhin finanzierte sie als Maggie Gioberti seine Privatschulen.

In Ricks Augen war sie immer eine unglaublich starke Frau gewesen. Sie kannte kaum Ängste, denn immer und immer wieder begann sie von neuem. Sie musste von neuem beginnen, denn oftmals war ihr nichts anderes übrig geblieben. Sie hatten während seiner Kindheit am Existenzminimum gelebt und seine Schulbildung durch reiche Liebhaber und ihre Filme finanziert, die sie während der 1980er gedreht hatte. Damals war sie für ihn da gewesen, heute war es umgekehrt.

Meist kam es Richard so vor, als wäre sie heute glücklich mit ihrem Leben. Sie spielte Theater, kannte viele Leute und mochte seine Buch-Partys, denn dort hielt sie stets Ausschau nach neuen Liebhabern und Ehemännern und heutzutage sogar meist in ihrem Alter. Es gab wenige Augenblicke, in denen sie ihm traurig erschien. Manchmal, wenn sie eine Rolle nicht bekam, war sie wütend, entrüstet – stets mit Stil. Sie schimpfte, hob dabei stets ihr Hände und dann funkelten ihre blitzblauen Augen. Wenige Momente später konnte sie aber wieder die herzliche Mutter sein, die liebende Großmutter oder auch die Kämpfernatur. Ja das war sie, eine Kämpfernatur.

Wie oft spielte Martha die Hauptrolle in ihrer eigenen Inszenierung ihres Lebens?

Obwohl Rick es sich heute schwer eingestehen konnte, war sie doch eine zentrale Figur in seinem Leben, denn Freundinnen und Ehefrauen kamen und gingen, aber sie blieb und liebte ihn mit ihrer innigen Art und Weise, die gefüllt von Sarkasmus und Ironie war und stets hatte sie einen perfekten Ratschlag parat. Liebte ihn bedingungslos, egal welche Blödheit er begangen hatte. Doch meinte sie es nie böse. Nach ihrer vorletzten längeren Beziehung, immerhin ein ganzes Jahr, in dem sie alles für ihre einzige große Liebe aufgegeben hatte, war sie wieder bei ihm eingezogen und half ihm nun, seine Tochter – Alexis – zu erziehen. In Wahrheit war es allerdings eher die Tochter, die Vater und Großmutter erzog.

Rick musste darüber schmunzeln. Denn tatsächlich ließ sich seine Tochter weniger von Emotionen leiten, ging rationaler vor.

Ja; seine Tochter. Doch die war ein eigenes Kapitel. Ihre Mutter hingegen, Meredith war so viel und doch so wenig.

Jung war er einst gewesen, als er sie kennengelernt hatte und unschuldig. Dumm. Naiv. Er war vieles gewesen, vor allem verliebt, aber intelligent nicht. Meredith Simonovic hatte er bei einer Premierenfeier seiner Mutter kennengelernt, mit gerade 22 Jahren. Sie sah Martha, ähnlich mit ihrem roten Haar, den blauen Augen und der schlanken Figur. Doch war ihr Wesen ein anderes.

Meredith war stets auf ihren Vorteil bedacht. Stets darauf aus, den größten Profit zu ziehen und ging über Leichen – so wie sein Herz. Rasch hatte sie das Potential des jungen Autors erkannt, der in allen Zeitungen für sein aktuelles Werk, den ersten Derek Storm Roman, gelobt wurde. In die Wolken hatte man ihn gehoben. Man versprach ihm große Erfolge in der Zukunft und so setzte sie, das hatte sie Jahre danach sogar zugegeben, innerhalb weniger Wochen der Liaison, die Pille ab und hatte wenige Tage später einen positiven Schwangerschaftstest in Händen. Anfänglich war Rick schockiert gewesen, hatte damals ihre Motive aber nicht hinterfragt. Sie schien ihm ehrlich und unschuldig, heute –so viele Jahre später – war er natürlich intelligenter und hatte irgendwann erkannt, dass die Schwangerschaft ihr Weg gewesen war, ihn in eine Ehe zu zwingen, denn in einer Nacht, nachdem sie mitsammen geschlafen hatten, hatte er ihr anvertraut, dass er sich nicht vorstellen konnte, sein Kind ohne einen Vater aufwachsen zu lassen, so wie es erlebt hatte.

Als Meredith im fünften Monat schwanger war, standen sie vor dem Traualtar. Er finanzierte eine große weiße Hochzeit, 140 Gäste, die Medien – alle waren eingeladen. Doch die traute Zweisamkeit war keine glückliche. Bereits nach dem Kaiserschnitt, der seine Tochter ans Licht der Welt gebracht hatte, stand bereits ihre Karriere wieder im Vordergrund. Prinzipiell war es zuvor so gewesen, denn die Geburt hatte sich bereits nach dem Drehbeginn ihres neusten und ersten Filmes gerichtet. Drei Wochen vor dem Termin war sein rothaariger Engel – Alexis-, mit den blausten Augen, die er je gewesen hatte, auf die Welt gekommen. Seine Euphorie hatte ihn so in den Bann gezogen, dass er nicht bemerkt hatte, dass Meredith weniger und weniger Zeit zuhause verbrachte, sich immer weniger in Alexis Leben involvierte.

Castle gab ihr das Fläschchen, badete sie, wechselte ihre Windeln. Außerdem wiegte er sie in den Schlaf und las ihr die neusten Kapitel seines Buches vor, als könnte der Säugling ihm weiterhelfen. Immer und immer wieder sang er ihr dasselbe Lied vor, das sie schneller einschlafen ließ.

Oftmals hatte seine Mutter ihn mit Alexis auf der Brust schlafend vorgefunden und bemängelt, dass er seine Frau nicht unter Kontrolle hatte, denn sie war selten bis nie anwesend. Eigentlich nie. Auch als er mit der drei Monate alten Tochter in die Hamptons begeben wollte, hatte sie keine Einwände, denn sie war dabei einen Film zu drehen.

Bedingt durch Alexis Husten waren sie schneller zurückgefahren und es war der Tag der Tage gewesen, denn an diesem Vormittag erwischte er Meredith mit dem Regisseur der aktuellen Produktion im Bett– dieser hatte zwar gewusst, dass sie verheiratet war, aber ein Kind war ihm unbekannt gewesen. Noch an eben diesem Tag brachte Richard ihr ihre gepackten Koffer und sie zog aus.

Die Scheidung verlief medial. Natürlich. Jede Kleinigkeit brachte Meredith in die Medien. Ihre Unzucht und ihren Verzicht auf die Obsorge ihrer Tochter, denn sie ließ die Welt in einem Interview wissen, dass es nur selbstverliebt wäre, Alexis besitzen zu wollen, denn sie würde eine Nanny einstellen müssen, wohingegen sich ihr Vater Tag und Nacht um sie kümmern könnte. Es war natürlich klar, dass nun jedermann in den USA den Namen Meredith Castle kannte. Ihr Gesicht war immerhin auf jedem Titelblatt der Boulevard Presse gewesen. Der Enquire und der Globe hatten sogar eine ganze Reportage über ihre Karriere und Ehe gebracht. Ihre einzige Angst schien darin zu bestehen, in Vergessenheit zu geraten, und einmal aufzuwachen und herauszufinden, dass niemand mehr ihren Namen kannte.

Nun, viele Jahre später, wusste Castle, dass ihre Karrierepläne nicht aufgegangen waren. Meist wirkte sie in Indie-Produktionen mit, oftmals Bollywood. Und es kam schon einmal vor, dass er die eine oder andere Person finanziell unterstützte, um Meredith zu engagieren, denn im Gegensatz zu seiner Mutter, war Meredith keine besonders gute Schauspielerin. Wusste sie zwar Männer zu betören, hatte ihrer Ausdrucksstärke einen kleinen Wirkungskreis, da ihre Mimik und Gestik lediglich laszive Rollen zuließen, das Drama war ihr schier unbekannt.

Rückblickend war problematisch, dass sie ihm keinen Tag abgegangen war, an dem sie nicht in seinem Leben gewesen war. Richard vermisste nach der Trennung den Sex, ja, dieser war gut gewesen, aber sonst hatten sie kaum Ähnlichkeiten gehabt. Beischlaf war für Meredith, wie es ihm heute vorkam, immer ein Mittel zum Zweck gewesen, denn so hatte sie stets ihre Ziele erreicht – Heiratsantrag, mediale Präsenz.

Das Strahlen in Merediths Augen sah er bis heute nicht, wenn sie einmal Alexis besuchte. Nein, erst wenn sie einen Artikel in den Medien über sich entdeckte, dann leuchteten sie, dann war ihr Lächeln ein ehrliches und kein gespieltes. Im Laufe der Jahre hatte er das wahre Ich hinter der Fassade kennengelernt. Sex mit ihr zu haben, war die eine Sache, die ihm oftmals gelegen kam und für Abwechslung sorgte, aber jegliche Ansätze, wieder einen fixen Platz in seiner kleinen Familie zu ergattern, wusste er zu verhindern. Sie gehörte einfach nicht mehr dazu.

Ob sie mit ihrer Wahl glücklich war, wusste Castle nicht, doch vermutete er es, denn sie meldete sich selten, erkundigte sich noch selten nach dem Befinden ihrer Tochter. Es gab Jahre, da musste Rick in ihrem Namen ein Geschenk an Alexis zum Geburtstag oder Weihachten schicken, weil sie darauf vergessen hatte. Ihre Prioritäten im Leben waren andere.

Martha und Meredith wiesen bis heute genügend Gemeinsamkeiten neben dem Schauspielerinnendasein auf. Sie waren exzentrisch und auch ihre äußerlichen Features waren ähnlich – groß gewachsen, schmale aber feminine Hüften, blaue Augen, rote Haare, eine Vorliebe für auffällige Kleidung.

So viele Jahre später verstand er nicht, was er damals an ihr gefunden hatte. Sie war keine Besonderheit gewesen, aber vielleicht war es die Art und Weise gewesen, die ihn an seine Mutter erinnert hatte, die ihn im Endeffekt in die Rolle des liebenden Vaters schlüpfen hat lassen. War er ohne Vater aufgewachsen, so wuchs Alexis ohne Mutter auf. Allerdings war Martha stets präsent und sorgte dafür, dass sie allerlei weibliche Vorbilder in ihrem Leben zu schätzen wusste.

Rich schenkte sich ein weiteres Glas Scotch ein und warf Eiswürfel hinzu, ließ das dunkle Liquid diese umspülen. So viel hatte sich in den letzten Jahren verändert, so sehr hatte ihn eine Frau verändert, doch dazu später. Als er am Klavier vorbei schritt, entdeckte er ein altes Foto von Martha, Alexis und Gina. Wieso stand es noch dort, waren sie doch schon mehr als vier Jahre geschieden?

Gina. Gina Cowell. Seine zweite Exfrau. Sie war optisch all das, was Meredith nicht gewesen war. Ein vollkommen anderer Typ. Selbstsicher, selbstständig und blond. Ihre körperlichen Vorzüge waren deren Merediths ähnlich – Brüste, die in eine Hand passten, eine schmale Taille, schmale Hüften und lange Beine.

Martha hatte sie ihm vorgestellt und die Affäre hatte noch in derselben Nacht ihren Anfang genommen. Die Hochzeit in Vegas kam eher überraschend aber nicht unwillkommen. Die Medienwirksamkeit, die die Hochzeitsbilder mit sich gebracht hatten, machte den einst kleinen Verlag populärer und brachte wichtige Neukunden.

Im Grunde war die Beziehung so rasch zu Ende gegangen, wie sie begonnen hatte – vor allem ohne Ehevertrag, an diesen hatte Castle in Las Vegas, der Stadt der Sünde, nicht gedacht. So kam es, dass Gina im Endeffekt viel Geld von Rick bekam, als sie die endgültigen Dokumente unterschrieben hatte.

Die Blondine war niemals daran interessiert gewesen, die Mutterrolle zu übernehmen oder auch nur eine Freundin für Alexis zu sein. In Wahrheit hatte sie keinerlei Interesse an dem Mädchen, was die Beziehung und die Stimmung im Loft äußerst verkomplizierte. Sie hatte versucht sich Alexis Lächeln mit teuren Geschenken zu erkaufen, doch meist waren diese Sachen gewesen, von denen Rick bereits im Vorfeld gesprochen hatte. Niemals war Gina selbst auf eine Geschenksidee gekommen. Die Castle Tochter war zwar nicht der Trennungsgrund gewesen, bei Gott nicht, sondern die Art und Weise in der die Verlegerin mit den Menschen um sich herum umging; und vor allem rasch kein Interesse mehr an Richard fand. Bald schliefen sie in den Hamptons in getrennten Schlafzimmern und Ricks Eifersucht war nicht unbegründet. Im Gegensatz zu Meredith hatte er sie zwar nie in flagranti erwischt, doch war es rasch offensichtlich geworden, dass ein neuer, junger Schriftsteller ihr Interesse geweckt hatte. Die Trennung viel Rick im Endeffekt emotional leicht.

Nach zwei Jahren Ehe wurde die Trennung vollzogen, ein Jahr später waren sie geschieden und ein weiteres Jahr später fragte sich Castle abermals, wie es überhaupt so weit hatte kommen können. Er war Anfang dreißig, hatte eine altkluge und sehr intelligente Tochter, die trotz diverser Frauen in seinem Leben keine Mutter kannte – sie hatte eine Großmutter, allerdings war Marthas exzentrische Ader nicht immer zielführend, wenn es um Kindererziehung ging. Eine Großmutter sollte eine andere Rolle im Leben eines Kindes spielen, sie sollte verwöhnen und alles gutheißen, viel mehr erlauben und nicht die Mutter mimen, die mit Strenge versuchte durchzugreifen und diverse Regeln einzuführen. Gott sei Dank war dies aber bei Alexis so und so nie notwendig gewesen.

Gina war eine charakterstarke Person, die genau wusste, was sie wollte und wie sie es erreichen konnte, daher konnte man ihr etwas Planung in Sachen Beziehung und Hochzeit mit Rick unterstellen. Ob der Ausgang auch beabsichtigt war, konnte man unterschiedlich betrachten.

Denn selbst als sie die Beziehung wieder aufleben hatten lassen, war der Erfolg minderwertig gewesen. Gina war schön, intelligent und wusste sich auszudrücken, doch war sie in Wahrheit rasch eifersüchtig, fürchtete sich vor der Abhängigkeit und scheute einen ehrlichen Streit. Sobald es zu Differenzen zwischen ihr und Castle gekommen war, hatte sie den Raum verlassen, nachdem sie ihm zuvor etwas Verletzendes an den Kopf geworfen hatte. Genau diese Punkte waren auch die Gründe, wieso das Revival von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen war. Allerdings musste man vorweg schicken, dass der ganze Versuch wieder mit der Verlegerin eine Beziehung anzufangen auch eine gewisse Form der Rache an Detective Katherine „Kate“ Beckett gewesen war, weil sie nach zwei Jahren der Zusammenarbeit einen anderen Mann in ihr Privatleben gelassen hatte – Tom Demming.

An dem Abend, als er diese atemberaubende Frau, vor einigen Jahren, kennengelernt hatte, war bereits einige Zeit seit der Scheidung von Gina vergangen, trotzdem war sie immer noch seine Verlegerin, denn diese Arbeit machte sie gut. Sie wusste, wie sie ihn antreiben konnte, um zu schreiben. Alleine die Art und Weise, wie sie ihm ihre Polizeimarke ins Gesicht gehalten hatte, während ihre Augen funkelten und ihre Körperhaltung ihr Autorität verlieh.

Kate war so anders, als alle anderen Frauen, die er in den Jahren zuvor kennen und lieben gelernt hatte. Bei der Bookparty, bei der sie aufgetaucht war, hatte er sich gelangweilt und in dem Augenblick, als er sie erblickt hatte, wusste er bereits, dass diese Frau sein Leben verändern würde, denn sie war anders. Speziell ihre dunklen großen Augen, die perfekten Lippen und die Art wie sie ihn angeblickt hatte, versprach bereits viel.

Wahrscheinlich war Katherine Beckett die erst Frau, die in all den Jahren eine Herausforderung dargestellte, war sie doch so vielseitig und vielschichtig wie keine andere zuvor. Als Detective musste sie sich durchsetzen und bereits ihr Auftreten unterschied sie vom Rest. Ihr Stil wurde durch High Heels in unterschiedlichen Varianten abgerundet und durch deren Höhe erlangte sie oftmals dieselbe Körpergröße wie ihre Verdächtigen, was diese einschüchterte. Abgesehen davon war sie schlank, hatte aber diese gewissen Rundungen, die Castle dazu verleiteten, ihr nachzusehen. Wenn sie wollte, flirtete sie hemmungslos – ohne ein Wort zu sagen, einfach mit ihren Augen. Diesen großen braungrünen Augen.

Hatte Kate Beckett Angst vor etwas? Das hatte er sich über viele Monate hinweg gefragt, bis er dahinter gekommen war, was mit ihrer Mutter geschehen war – Angst, den Mordfall an ihr niemals aufklären zu können, denn dies schien ihr Lebensinhalt zu sein, auch wenn sie dies lange nicht zugeben wollte. Dies trieb sie an, machte sie zu einer starken Frau – stärker als jemals vermutet, wenn man die Geschichte nicht kannte. Denn jemand,

der nach mehr als zehn Jahren immer noch alles versuchte, musste etwas Besonderes sein.

Allerdings war die Beziehung zu ihr nicht einfach, denn sie hatte zu viele negative Erfahrungen im Laufe der Jahre gesammelt. Immer wieder waren es Sackgassen gewesen, in denen sie sich wiedergefunden hatte.

Sie vertraute wenigen Menschen, nur wenige kannten ihre wahre Geschichte. Sobald sie versuchten, eine intimere, private Beziehung zu ihr aufzubauen, beendete sie diese und schuf mehr und mehr Distanz zwischen ihnen. Rasch hatte Castle erkannt, dass es nicht so einfach war, an sie heranzukommen. Es hatte Jahre gedauert, bis Kate ihn als Partner wirklich akzeptiert und auch privat etwas Vertrauen gefasst hatte.

Für Rick war es viel mehr. Er hatte sich Hals über Kopf in sie verliebt und er wusste nicht, wie er ohne sie einen weiteren Tag überleben sollte. Immer wieder kam es zu unerwarteten Vorfällen, die sie trennten. Bis vor wenigen Wochen war sie mit einem Mann liiert gewesen – Josh Davidson. Sicherlich war dieser ein guter Mensch, immerhin arbeitete er für Ärzte ohne Grenzen, aber glücklich kam sie ihm nicht vor, wenn er sie tagtäglich sah. Und jeder traurige Blick tat ihm im Herzen weh.

War sie beruflich der extrovertierte Mensch, war in ihrem Privatleben das genaue Gegenteil. Als er das erste Mal ihr Apartment betreten hatte, hatte er sich gerade Linien erwartete, eine gewisse Kälte im Stil, eventuell sogar Hochglanzmöbel. In Wahrheit waren die Möbel bunt zusammengewürfelt, sie liebte bunte Kissen und Farben. Ihre Küche war im BoHo-Stil und überall fanden sich kleine Erinnerungs- und Sammelgegenstände. Sein Loft hatte eine Innenarchitektin eingerichtet, Becketts hingegen war Kate pur. Rick konnte das erste Mal nicht genug davon bekommen. Bei jedem Zentimeter, den er erhaschte, hatte er das Gefühl, mehr über sie zu erfahren. So war bereits der Blick in ihr Schlafzimmer etwas Besonderes für ihn gewesen – blau dominiert, eher verspielt und recht feminin. Viele Regale waren mit Büchern bestückt und sie mochte es hell, mochte große Fenster. In ihrem Badezimmer fand er wenige typisch weibliche Hygieneartikel. Make-up, Parfum, Deo, Shampoo, Seife und Bodylotion. In all den Jahren hatte sie selten Parfum getragen, denn meist roch sie in seiner Gegenwart lediglich nach Kirschen. Einfach herrlich. So anders. Perfekt.

Nicht nur sie war in der freundschaftlichen Beziehung zwischen ihnen gewachsen, nein auch Rick hatte sehr viel dazugelernt. Kate war offener geworden und ein Teil seiner Familie, sie gehörte einfach dazu. Lange hatte er es sich nicht vorstellen können, doch war sie zum Beispiel eine vorzügliche Köchin, sagte aber immer, dass das Kochen für eine einzige Person keinerlei Erfüllung bringe.

Abgesehen davon hat sich die Beziehung im Laufe der Jahre verändert. Oftmals stand sie einfach vor seiner Türe, abends, um einen Fall zu diskutieren, bei einem Glas Wein. Manchmal fragte sie ihn dann nach seinen Träumen und er wusste nicht, was er antworten sollte, denn wenn er in diesem Moment auf ihren Mund blickte, dann träumte er davon sie zu küssen.

Einmal, nach einen Glas Rotwein zu viel, gestand sie ihm, dass sie sich danach sehnte, eine eigene Familie zu haben. Wie genau sie dies definierte, hatten sie an diesem Abend nicht mehr diskutiert, aber alleine der Fakt war ein Grund für Rick, sie noch mehr zu lieben. Eine starke Frau, die dazu bereit war, ihre mütterliche Seite für eine gewisse Zeit bewusst in den Vordergrund zu stellen. Allerdings waren sie momentan davon meilenweit entfernt. Vorerst musste er sie davon überzeugen, dass er sie liebte und sie dies auf eine Art wissen lassen, die sie nicht dazu bringen würde, vor Angst davon zu laufen. Also hatte sie vielleicht auch Angst vor der Liebe, vor einer fixen Bindung? Verantwortung? Richard wusste nicht, wovor sie in Wahrheit davonlief, doch meist dauerten ihre Beziehungen nicht länger als sechs Monate, das hatte er einmal aus Lanies Mund gehört, als sie ihr dies in einem Dialog in der Pathologie an den Kopf geknallt hatte – beide hatten nicht geahnt, dass Castle vor der Türe gestanden hatte.

Trotzdem wollte er sie, mit all ihren Makeln und ihrer teils komplizierten Art, unter anderem auch deswegen, weil Alexis sie liebte – als Freundin. So war es bisher niemals gewesen. Zudem suchte seine Tochter auch Rat bei ihr, seine Mutter schätzte ihre direkte Art und doch hasste Martha sie auch, denn sie hatte erkannt, wie ihr Sohn für die Brünette empfand, wie abhängig er von ihr geworden war. Ohne sie zu sehen, war er unrund, launisch, trank zu viel und schrieb wenig bis nichts. Kaum war sie existent, schrieb er abends gleich mehrere Kapitel, stand begeistert zeitig auf und kaufte mit Begeisterung Kaffee in einem speziellen kleinen Café, um sie frühmorgens strahlen zu sehen, wenn sie ihn trank. Wenn sie sich sahen, sprach er zuhause beinahe ausnahmslos von ihr – Beckett tut dies, Beckett tut das, Beckett denkt dies. Immer ging es nur um sie und manchmal ließ es Martha und Alexis schmunzeln. Im positiven Sinne.

Männer hatte er in ihrem Leben kommen und gehen gesehen – Demming und Davidson. Ihr Trainingsofficer hatte ihr das Herz gebrochen, auch wenn sie dies nicht zugeben konnte, als er sie vor all ihren Freunden und Kollegen verriet und sie ihm am Telefon gestand, dass sie in ihn verliebt gewesen wäre. Richard hatte sie nicht merken lassen, dass er die aufsteigenden Tränen in ihren Augen bemerkt hatte, denn er war der Letzte, der ihre emotionale Verfassung gegen sie verwenden wollte. An diesem Abend hatte er ihr via Textnachricht geschrieben, dass er immer für sie da sein würde, egal was komme. Castle wusste, dass er sie nie verraten könnte. Er konnte Sachen vor ihr verheimlichen, meist nicht besonders gut, aber er konnte es.

Doch wie lange konnte er noch vor ihr verbergen, dass er sie mehr als nur liebte. Er hatte in den Wochen, nach ihrem Spitalsaufenthalt, während derer sie sich zurückgezogen hatte, realisiert, dass er ohne ihre Existenz in seinem Leben nicht mehr der Mensch war, der er vorgab zu sein. Er war nicht stark und er wurde emotionaler, jede Kleinigkeit brachte ihn auf die Palme. Natürlich hatte er sich versucht abzulenken, in dem er sich mit ihrem Fall beschäftigt hatte, bis die Spuren mehr und mehr im Sand verlaufen waren. Doch all das war eben nicht dasselbe.

Dass sie nach all dem Vorgefallenen, Zeit brauchen würde, war ihm bewusst gewesen, von Anfang an. Doch hatte er ihr nicht mehr als genug davon in den letzten Wochen gegeben, seitdem sie ihn auf der Bookparty aufgesucht hatte, um mit ihm nach all der Zeit zu sprechen. Sie hatte ihm gestanden, im selben Atemzug quasi, dass sie sich von Josh getrennt hatte, weil es einfach nicht ausgereicht habe, was sie für ihn empfand. Doch die Mauer, die sie nach dem Tod ihrer Mutter aufgebaut habe, würde sie einreißen müssen, um die Beziehung führe zu können, die ihr als ideal vorschwebte.

Und doch war sie einfach perfekt. Ohne viele Worte zu verlieren, alleine wenn sie ihn anlächelte –mehr brauchte es nicht.

Plötzlich überkam es Rick. Er musste mit ihr sprechen. Vielleicht war es einfach an der Zeit, endlich noch einmal seine Gefühle zu offenbaren, ehrlich dazu zu stehen, dass er ihr einst seine Liebe gestanden hatte. Doch wahrscheinlich würde er ihr wieder gegenüberstehen und sie einfach nur ansehen. Subtilität war einfach für ihn, doch wenn es um alles oder nichts ging, dann war er nicht der große Redner.

Trotzdem schrieb er Alexis nur eine kurze Nachricht, die er auf die Rückseite der Eingangstüre klebte. Würde er sie wissen lassen, dass er sich auf den Weg zu Detective Beckett mache, hätte sie ein ungutes Gefühl. Sie war nicht glücklich darüber gewesen, dass er wieder am Revier seine Tage verbrachte, da der Teen stets Angst um seinen Vater hatte und seit dem Attentat auf Beckett fürchtete, dass er bei solch einem Vorfall sein Leben lassen würde.

Im Weg zu seinem Wagen, haderte Castle mit sich selbst, ob es tatsächlich der richtige Schritt war, sie um diese Uhrzeit zu überfallen. Was, wenn sie nicht alleine sein sollte? Vielleicht war Kate auch gar nicht zuhause.

An ihrer Wohnungstüre war Rick schneller angekommen als geplant, herrschte um diese Uhrzeit eine ungewohnte Ruhe auf den Straßen New Yorks. Zweimal überlegte er, ob er wirklich die Stiegen hinaufgehen sollte oder doch wieder nachhause fahren.

Castle klopfte an die Türe. Einmal. Zweimal. Dann blickte er auf seine Uhr. Es war bereits 22 Uhr, seine Tochter würde jetzt bereits zuhause sein. Langsam hörte er Schritte, zögerliche Schritte. Hatte sie schon geschlafen?

Ohne danach zu fragen, wer vor der Türe stand, öffnete sie verschlafen die Türe.

„Castle?“, sagte sie und sah ihn an. Ihr langes Haar war offen und schmeichelte ihren großen Augen und dem verschlafenen Blick.

„Kate … ich …“

Ohne ein Wort zu sagen, öffnete sie die Türe weiter und ließ ihn in ihre Wohnung eintreten. Sie gehörte zu den wenigen Wesen, die keinen großen Fernseher im Wohnzimmer hatten. Auf dem Couchtisch lag ein Roman und ein stand ein beinahe leeres Glas Weißwein, schlampig hatte sie die Decke, mit der sie sich scheinbar zugedeckt hatte, über die Couch geworfen. Sie hatte also wahrscheinlich geschlafen.

„Ich wollte nicht stören …“

„Du störst nicht“, murmelte sie leise und fuhr sich durch die lange Mähne. „Ein Glas Wein?“

„Hm …“, sagte er und nickte, streifte seine Lederjacke ab und stand neben ihr, während sie mit einem frischen Glas und der Flasche Wein zur Couch kam. Als sie sich auf ihren Platz auf dem Sofa setzte, ließ er sich nicht in den an der Seite stehenden Sessel nieder sondern neben ihr. Selten saßen sie so eng aneinander, wenn sie Privat beisammen waren.

„Also Castle …?“

Sie schenkte ihm Wein ein, blickte ihn nicht direkt an. War Katherine Houghton Beckett etwa schüchtern? Fühlte sie sich in seiner Gegenwart unsicher? Immerhin war es nach 22 Uhr und er war unangemeldet vorbeigekommen. Oder war sie lediglich müde?

Plötzlich brachte der große Autor, der Mann der vielen schriftlichen Worte, kaum eines hervor. Er schaute sich ihr Profil an, ihre edlen Gesichtszüge, die Haut mit den Sommersprossen. An diesem Abend trug sie Leggins und ein enganliegendes Shirt in einem dunklen Grün. Offenbar hatte sie niemanden mehr erwartet, besonders wenn er an ihre Füße blickte und die dicken schwarzen Socken sah. Er musste lächeln. Sie war eine erwachsene Frau und trotzdem erinnerte sie ihn manchmal an seine eigene Tochter – die Unschuld ihres Lächelns, das Strahlen ihrer Augen.

Er nahm ihr das Glas ab und nahm schließlich ein Schluck, ohne die Qualität des Weines zu kommentieren.

„Ich … Kate …Ich wollte ….“

Verwundert über sein Gestottere drehte sie sich zu ihm und sah ihn direkt an. Verwunderung konnte man ihrem Gesicht ablesen. Kate verbrachte gerne Zeit Castle, auch in ihrer Freizeit. Manchmal schätzte sie auch einfach seine Anwesenheit, ohne viele Worte. So kam es ab und an vor, dass er sie zum Abendessen einlud oder sie zufällig passend zum Frühstück am Wochenende vorbeikam, um ihn abzuholen. Sie wusste mittlerweile, wann sie willkommen war und wann nicht – zumindest vermutete sie dies, denn Alexis Blicke sprachen oftmals mehr als diverse Bücherbände.

Rick lehnte sich zurück, nippte an seinem Wein und studierte sie weiter. Sie arbeitete nun etwa vier Monate wieder zusammen, seit vier Monaten war sie wieder im Dienst und er war ihr kaum von der Seite gewichen.

Jetzt erst bemerkte er, dass sie vollkommen ungeschminkt war. Kein Lidstrich, kein Puder, kein Lippenstift. Eine Seltenheit. Ansonsten war sie immer perfekt, der markante Liedstrich, der Hauch von Farbe auf ihren Lippen, die sie lediglich zum Schimmern brachten, die wenigen Muttermale, die sie sorgfältig abdeckte. Das dezente Rouge an ihren Wangenknochen. Nun sagte er sich selbst, dass sie ohne all dem Makeup noch viel schöner war, ihre Natürlichkeit eine Art von Perfektionismus mit sich brachte, den er sonst bei Frauen nicht kannte. Sie war einfach wunderschön.

„Du bist wunderschön“, murmelte er plötzlich und wollte sich am liebsten auf die Hände schlagen, als die Worte seinem Mund entkamen.

Verwundert und zugleich verwirrt blickte sie ihn an, wurde rot.

„Hast du zuvor schon getrunken?“ Kates Stimme war leiser als sonst, sie sagte dies langsam, behutsam.

Rick schüttelte mit dem Kopf. „Wieso?“

„Weil du … weil du solch komische Sachen sagst.“

„Komisch? Nur weil ich ehrlich bin?“ Rick lacht leise und grinste sie an. „Darf man einer schönen Frau keine Komplimente machen?“

Kate überlegte, ob sie aufstehen, auf und abgehen sollte; und doch tat sie dies nicht, denn sie fühlte sich in seiner Gegenwart wohl. Was er für sie empfand, das wusste Beckett bereits seit beachtlicher Zeit, doch hatte sie ihn stets in dem Glauben gelassen, dass sie sich an nichts erinnern konnte. Nicht an seine Worte, dass er sie liebe, als sie angeschossen worden war und sterbend am Boden gelegen hatte. Und nun saß er neben ihr, ein Glas Wein in der Hand und machte ihr offen ein Kompliment.

Fragend sah er sie immer noch an und sie nickte nur stumm, nervös. Natürlich fühlte sie sich geschmeichelt, doch wieso hatte er gerade diesen Moment ausgewählt, in dem sie ungeschminkt, in ihrer Hauskleidung vor ihm saß. Ihr langes Haar hatte sie gewaschen und lufttrocknen lassen, ihre natürlichen Locken kamen zum Vorschein – sie lagen nicht wie sonst perfekt in Reih und Glied.

„Ich mag dein Haar auf diese Art und Weise.“

„Aber  …“

„Kein Aber, Kate. Ich wollte es dich einfach wissen lassen“, murmelte er und strich eine Strähne nach hinten, spielte dann etwas mit dieser.

„Rick …“, stotterte sie.

Fragend sah er sie abermals an. „Du bist die erste Frau, die an meinem Geld, meinem Ruhm keinerlei Interesse hat. Dir ist es egal, wie viele Millionen auf meinem Bankkonto sind.“

Nun blickte sie Rick direkt an, drehte sich zu ihm und zog ein Bein an sich. „Wieso sollte mich dein Geld interessieren?“

„Weil alle Frauen in meinem Leben bisher nur an dieser finanziellen Sicherheit interessiert waren.“

„Aber Gina …“, versuchte Kate einzuwerfen. „Gina ebenso. Genauso wie Meredith und meine Mutter. Wieso wohnt sie wohl bei mir? Wieso will sie mich auf alle Feierlichkeiten begleiten? Natürlich ist sie meine Mutter und ich schätze sie sehr, aber sie nützt diese Verbindung manchmal schamlos aus“, klärte Castle sie auf. Natürlich sagte er dies mit einem Lachen, denn Marthas Offensichtlichkeit war manchmal beinahe peinlich.

„Ja, Martha“, fügte Kate hinzu und lachte.

„Ich mag dein Lachen. Du lachst zu selten.“ Allmählich wurde sie nervös und konnte es kaum verbergen.

„Bei meinem Job gibt es nicht besonders viele Momente, in denen man lachen kann.“

„Du arbeitest aber nicht den gesamten Tag.“ Abermals griff er in ihre Haare, fuhr mit seinen großen Händen durch die dunkelbraune Masse.

Castle blickte ihr tief in die Augen und sie zuckte nicht weg, ließ ihre Blicke nicht woanders hinwandern.

„Ich will dich nicht drängen, Kate. Wenn deine Mauer …“

Doch weitersprechen brauchte er nicht, denn in diesem Augenblick hatte sie eine ihrer Hände auf seinen Oberschenkel gelegt, um sich aufzustützen und ihre Nase war jetzt ganz nah der seinen, sie berührten sich beinahe. Immer noch hielt der Augenkontakt.

„Sind denn mehr als drei Jahre nicht lang genug?“, murmelte sie noch, bevor sie vorsichtig ihre Lippen auf die seinen legte. Rick wartete darauf, dass sie sich rasch wieder zurückzog, dass sie diesen Schritt bereute, immerhin oblag es ihr, den Zeitpunkt zu bestimmen, an dem die Mauer zur Genüge eingerissen war, um eine Beziehung zuzulassen.

Mehr als dreieinhalb Jahre tänzelten sie nun schon um diesen Moment herum. Vom ersten Tag an hatte eine gewisse Anziehung zwischen ihnen geherrscht, eine Art von knisternder Stimmung. Sie vollendeten gegenseitig die Sätze des anderen. Ihre Blicke sagte mehr als tausend Worte und oftmals sahen sie einander nur an und erkannten, was Sache war. Sie hatte ihm bereits ihre Ersatzwaffe anvertraut, war mit ihm am Schießstand gewesen und hatte bei ihm gewohnt, als ihre Wohnung in die Luft geflogen war. Und dann, in ihrer schwersten Stunde, als Captain Montgomery seine Involvierung in den Mord ihrer Mutter eingestanden hatte, war er an ihrer Seite gewesen und hatte sie weggezerrt, als sie kurz davor war, ihr Leben zu opfern. Obwohl Rick ein Kind im Körper eines Erwachsenen sein konnte, war er manchmal ihre rational denkende Hälfte. War sie in Gefahr, war Richard an ihrer Seite. Litt sie, drängte er sich in ihr Leben und verhinderte es, sie alleine weinen zu sehen. Er war einfach immer da. Egal was kam.

Vorsichtig legte er seine Hand an ihre Taille, während sie in seinen Schoß rutschte.

„Ich will das“, flüstert sie ihm ins Ohr. „Ich möchte, dass du mich küsst.“

„Dann werde ich dies wohl tun.“

Seine Stimme war warm und süß, als er mit einem Finger ihre Lippen nachfuhr. Doch dann blickte er ihr noch einmal tief in die Augen. „Bist du dir sicher, dass du das möchtest, Kate. Ich will nicht, dass du es nachher bereust.“

Mehr als diese Worte benötigte es nicht und sie begann ihn zu küssen, als gäbe es kein Morgen mehr. Lippen. Zungen. Hände. Finger.

Das erste Mal in all den Jahren berührten sie sich. Bei anderen Frauen hätte er sich bereits daran gemacht, ihr das T-Shirt über den Kopf zu ziehen, sie intimer zu berühren, da es ihm bei allen anderen nur um das Eine gegangen war. Bei ihr war es aber anders. Hier wollte er genießen, spüren, fühlen. Es ging ihm nicht darum, seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen, nein, es ging darum, dass sie sich ihm öffnete und eine Partnerin wurde. Nicht eine, sondern die Partnerin. Mit Kate konnte er sich alles vorstellen – sogar ganz von neuem zu beginnen.

Irgendwann ließ sie von seinen Lippen ab, griff mit ihren zarten Händen an seine Wangen und starrte in seine blauen Augen. Sie waren so unglaublich blau. Immer waren es ihre Augen gewesen, die sie besonders angezogen haben, denn mit denen konnte er so viele unterschiedliche Emotionen ausdrücken.

Andere Frauen hätten ihn vielleicht jetzt ins Schlafzimmer geleitet, ihn gebeten die Nacht bei ihr zu verbringen, aber das wäre nicht Kate gewesen. Seine Katherine war zurückhaltender. Sie hatten drei Jahre gewartet und sie gehörte nicht zu den Frauen, die er nur für eine Nacht besitzen wollte. Er wollte alles – jeden einzelnen Tag ihres restlichen Lebens.

Eine schiere Ewigkeit saßen sie einfach so da, sahen einander an, genossen die Gegenwart des anderen. Er roch so maskulin, seine Haare waren so weich, seine Gesicht wies Bartstoppel auf, weil er sich nicht extra noch einmal rasiert hatte. Sie waren zwar kaum sichtbar, aber spürbar.

„Küss mich noch einmal“, murmelte sie und grinste. Rick brauchte keine zweite Aufforderung. Abermals waren seine Lippen auf den ihren, ihre Zunge in seinem Mund. Doch dieses Mal griff sie nach seiner bisher züchtigen Hand und legte sie an ihre Brust. Bis zu diesem Augenblick war sie an ihrer Hüfte verharrt, die andere in ihren Haaren. Er lachte während er sie küsste und zog sie enger an sich. Er sog einfach ihren Geruch in sich auf, berührte an ihre Brust, so wie sie es wünschte.

Endlich, nach all den Jahren, füllte er ihr weiches feminines Fleisch seine Hand. Unter dem engen Shirt schien sie nichts zu tragen und so fühlte er, wie sich ihre Brustwarzen unter seiner Berührung zusammenzogen. Rick wusste gar nicht, auf was er sich zuerst konzentrieren sollte – ihre Brust, ihre Lippen, ihre Augen, die Zartheit ihrer Haut? Das erste Mal in seinem Leben war er bei einer Frau überfordert.

„Ich möchte, dass du mich berührst. Ich möchte, mich wieder lebendig fühlen.“

„Ach Kate …“, murmelte er und küsste ihren Hals. Allmählich fragte er sich, um was es Kate wirklich ging. Ging es ihr darum, dass jemand sie berührte oder dass sie bei ihm besonders empfand? Er würde sie nicht drängen. Er würde abwarten, welche Schritte sie plante und dann diese mit ihr gehen.

Mit Kate am Schoß rutschte er etwas in die Mitte der Couch, streifte seine Schuhe ab. Rick berührt abermals ihre Brust durch das Shirt, danach beide und natürlich konnte er seine Erektion, die gegen sie presste, nicht in Schacht halten. Die einzige Möglichkeit, die er hatte, war sie zu ignorieren. Es war ja nicht das erste Mal, dass es ihm in ihrer Gegenwart so erging.

Sie küssten sich, berührten sich. Irgendwann lag Rick am Rücken und Kate auf ihm und sie berührte ihn, so wie sie es wollte. Immer noch war kein Kleidungsstück gefallen. Sie schmiegte sich an seine warme Brust, legte ihre Arme um ihn und schloss die Augen.

War es das, was sie suchte? Nähe, Wärme und Sicherheit? Gab er ihr Sicherheit?

Als Rick Stunden später aufwachte, lag sie immer noch auf ihm und schlief, schnarchte leise vor sich hin. Mit einer Hand zog er die Decke über sie und beobachtete sie kurz, bevor er abermals die Augen schloss und es genoss. Ihr Gewicht. Ihre Wärme. Ihre ehrliche, direkte Art.

So konnte er sich sein restliches Leben vorstellen. Kate an seiner Seite, auf ihm, neben ihm – egal wo, solang sie bei ihm war. Es fühlte sich richtig an. Vielleicht war es an der Zeit, kleine Schritte zu machen. Kleine Schritte. Rick würde ihr nicht innerhalb weniger Wochen einen Heiratsantrag machen oder sie mit anderen Veränderungen überrumpeln. Nein, sie würden es vorerst einmal geheim halten, Castle war sich nämlich sicher, dass Kate dies so haben wollte. Niemand sollte am Revier davon wissen, bis sie den richtigen Zeitpunkt auserkoren hatte. So war sie, etwas dominant, aber das gefiel ihm an ihr, weil er stets wusste, wo er bei ihr stand.

Am nächsten Morgen, als Kate die Augen geöffnet hatte, lag sie immer noch auf der harten, warmen Männerbrust ihres Lieblingsschriftstellers. Einen kurzen Moment war sie schockiert, verwundert, doch im nächsten rieb sie ihre Wange an seinem Hemd und schmiegte sich abermals an ihn.

Alle Angst, dass er es am kommenden Morgen bereuen könnte, war vergessen, denn er war immer noch da, immer noch unter ihr. Nach einiger Zeit richtete sie sich etwas auf und seine Arme umschlossen sie, pressten sie erneut gegen ihn.

„Ein bisschen noch, Katie“, murmelte er.

Und so blieben sie an diesem Samstag auf der Couch liegen. Manchmal lag er oben, manchmal sie, aber es gab keinen Moment der Reue.

Irgendwann hatten sie Pizza bestellt und vollkommen ohne sich absprechen zu müssen, war dieser Vorgang bereits möglich, da sie ein eingespieltes Team waren. Er wusste, dass sie Ananas auf ihrer Pizza schätzte, wohingegen er Salami bevorzugte. So wurde die Pizza später geteilt und man fütterte sich gegenseitig. Für Außenstehende hätte es wahrscheinlich gewirkt, als würden sie dies tagtäglich tun.

Erst Stunden später überredete sie Rick, sich von der Couch wegzubewegen. An der Hand führte Beckett ihn in ihr Schlafzimmer und begann sich und ihn am Weg zu entkleiden, vorsichtig und unter Bedacht immer wieder wartete sie darauf, dass er sich zurückzieht, sie von sich stößt, aber dies kam nicht vor. So stand sie nur noch in ihrem Slip vor ihm, er in Boxershorts und lächelten einander an.

„Sind drei Jahre denn nicht wirklich genug?“, wiederholte sie und fuhr mit ihren Fingern seine Brust entlang in Richtung Nabel. Ihr Blick war betörend.

„Kate …“, stöhnte er, als sie am Bund der Boxershorts ankam, weiter in Richtung des Knopfes glitt. Doch dann griff er nach ihrer Hand und küsste sie. Rick führte sie zu Kates blau überzogenem Bett, warf den Bettüberwurf herunter und setzte sie darauf, glitt zwischen ihre Beine und küsste sie abermals auf den Mund.

Diese Beziehung würde er nicht vorschnell auf eine neue Ebene bringen. Es dauerte nicht lange und sie lagen beiden am Bett, küssten sich und berührten sich. Als Beckett versuchte ihm die Boxershorts auszuziehen und nach seiner Erektion zu greifen, schob er liebevoll ihre Hand von sich.

„Nicht heute.“

Fragend blickte sie ihn an, sagte aber kein Wort.

Stunden später schliefen sie Arm in Arm. Sie waren tatsächlich keinen Schritt weiter gegangen. Zwar hatten sie sich berührt und einander viele kleine Niedlichkeiten ins Ohr geflüstert, aber mitsammen geschlafen hatten sie nicht. Vielleicht war dies die erste Nacht, die Richard Castle mit einer Frau verbrachte, die er liebte, und nicht mit ihr geschlafen hatte. Vielleicht war genau das der Punkt, der diese Beziehung anders machte. Vollkommen anders.

Als Rick einige Zeit später aufwachte, lag Kate nicht mehr neben ihm. Kurzzeitig kam Angst in ihm hoch, dass sie alles bereuen würde, was in der Nacht zuvor passiert war. Ihre Küsse. Ihre Berührungen. Unsicher stand Rick auf und blickte sich im Zimmer um. Seine Kleidung lag ordentlich über einem Sessel, so hatte er sie letzte Nacht sicherlich nicht zurückgelassen.

Ohne viel nachzudenken, zog sich Rick die Jeans an und hielt das Leibchen in der Hand, als er in Richtung der Wohnküche ging. Obwohl die Türe nur aus Milchglas war, konnte er nur wenig erkennen. So hatte er nicht gesehen, dass Kate am Herd stand, und gerade dabei war, Pfannkuchen zuzubereiten.

„Kate…“, sagte er mit einem breiten Lächeln auf den Lippen.

„Guten Morgen“, antwortete sie und kam ihm entgegen, verwickelte ihn sogleich in einen innigen, heißen Kuss. Erst jetzt entdeckte er, dass sie lediglich einen beinahe nicht existenten roten Kimono trug, der unglaublich kurz war und ein chinesisches Motiv aufgedruckt hatte. Gott, was hatte diese Frau für Beine, schoss es Rick durch den Kopf. Sogleich glitt seine Hand an ihren Po und ihren Oberschenkel hinab und wieder hinauf. Enthusiasmus durchströmte Ricks Körper. Er wollte mehr, jetzt und sofort. Am liebsten gleich hier im Wohnzimmer.

„Ich habe frische Pfannkuchen gemacht“, flüsterte sie ihm ins Ohr, während sie an diesem knabberte.

„Das habe ich gesehen.“

„Willst du denn welche essen?“, fragte sie und ihre Stimme war tiefer, erregter.

Beckett löste sich von ihm, griff nach einem der hergerichteten Teller, auf dem zwei Pfannkuchen lagen, der Flasche Ahornsirup und den Heidelbeeren. Sie zeigte auf einen Sessel beim Esstisch. Doch setzte sich Kate ihm nicht gegenüber, sondern rittlings auf seinen Schoß. Ohne viele Worte zu verlieren, alleine durch den Augenkontakt, begann sie ihn zu füttern, doch geriet dies rasch außer Kontrolle.

Aus Pfannkuchen mit Heidelbeeren wurden rasch innige Küsse, Zungen sensible Stellen berührten. Irgendwann war der Kimono offen und Ahornsirup auf Kates Brust. Zuerst sahen sie einander tief in die Augen, bevor er den Teller weit weg schob, Kate zurücklehnte und begann, diesen süßen Nektar von ihrer Brust zu lecken. Sie stöhnte auf und wand sich vor Erregung.

Castle wäre in diesem Moment in der Lage geschrieben, seitenlang die Perfektion ihrer Brust zu beschreiben, ihre Knospe, die Farbe, die Art und Weise wie sie sich zusammenzog. Bisher war ihm so etwas noch nie durch den Kopf gegangen. Und wie weich ihre Haut war!

„Rick?“, fragte sie plötzlich und riss ihn aus seiner Gedankenwelt. „An was denkst du gerade?“

„Oh … ich … ich meine … ich dachte … Du inspirierst mich wie niemals jemand zuvor, Kate.“

Mit einem Lachen antwortete sie: „In einer Situation wie dieser denkst du ans Schreiben?“

„In deiner Gegenwart kann ich neben dem Offensichtlichen nur an das Schreiben denken. Mir schweben dann immer diverse Szenen vor meinem geistigen Auge auf und ab. Im Moment bist du nackt in dieser, also Nikki Heat wäre es und Jameson Rooke würde gerade mit seiner Zunge ihre Brust liebkosen, sie wissen lassen, wie gut es sich anfühle, dies zu tun. Er würde saugen und sanft an ihr knabbern ….“

„Oh Rick …“

„Und du inspirierst mich noch zu viel mehr. Dazu ein besserer Mensch zu sein, ein guter Vater, aber vor allem hast du all das unter Kontrolle, also meistens. Und ich liebe es, in deiner Gegenwart zu sein. Alleine neben dir auf diesem unbequemen Stuhl zu sitzen, reicht mir aus, um mich glücklich zu machen.“

„Und deine Anwesenheit macht mich glücklich. Wenn du einmal nicht kommst … manchmal frage ich mich dann, ob ich etwas Falsches gesagt habe, getan habe. Aber dann kommst du, mit zwei Bechern Kaffee und alles ist wieder vergessen.

„Ich weiß, dass das jetzt sehr rasch kommt und du musst nicht … aber ich meine … Kate, mir ist das hier ernst. Ich … ich liebe dich.“ Seine Stimme war stark, zitterte nicht, auch wenn die Worte nicht so fließend aus ihm gekommen waren.

„Und ich liebe dich“, antwortete sie. Lange Zeit schon war sie sich bewusst, dass sie dies für ihn empfand, doch bisher waren ihr tausend andere Sachen im Weg gestanden, die sie dabei gehindert hatten, ihn das wissen zu lassen. Abgesehen davon hatte sie behauptet, sich an nichts von dem Attentat erinnern zu können. Nun hatte Rick abermals diese drei so wichtigen Worte gesagt und jetzt war sie sicher, dass sie ebenso empfand.

Sie küssten sich innig und Rick presste ihren Körper, ihre klebrige Brust, an seine bisher trockene.

Vielleicht würden sie in den folgenden Jahren nicht immer perfekte Augenblicke erleben, zu jeder Beziehung gehörten Ups and Downs, aber mit Kate stellte er sich vor, alt werden zu können. Sie war nicht jemand für einen Lebensabschnitt sondern für ein gesamtes Leben. Für immer und ewig.

„Sag es noch einmal“, flüsterte sie ihm zu.

„Ich liebe dich“, wiederholte er und rieb seinen Bart an ihrem Hals, ließ sie leise aufkreischen und lachen.

All dies hier war so natürlich, so ungekünstelt. Sie hatten viele Jahre auf diesen Moment hingearbeitet, bewusst oder unbewusst, und nun war er gekommen. Nun gehörte sie ihm und er darauf bedacht, keinen Fehler zu begehen, denn ein Leben ohne dieser Frau konnte er sich nicht mehr vorstellen.

 

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The End

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A/N: Gesamt: ca. 7600 Wörter, der längste OneShot, den ich jemals geschrieben habe.

Feedback herzlich willkommen 😉

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About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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