Going West – Kapitel 1 (P16)

caskett_by_slaveformusic-d5gxm3n - BearbeitetA/N: Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, nichts Neues zu schreiben, weil ich einfach keine Zeit für irgendwas habe und daher niemand zappeln lassen wollte und im Endeffekt lasse ich euch in der Luft hängen. Doch als ich heute im Wartezimmer gesessen bin, musste ich mir etwas die Zeit vertreiben …

Natürlich Caskett, vorerst einmal P16, ich setze dann rechtzeitig „hoch“.

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Going West

Kapitel 1

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-1855-

Der Wind fegte über den Hauptplatz und trug den Staub der letzten trockenen Spätfrühlingstage mit sich. Ein gewisses Braun erfüllte die Luft des kleinen Ortes Cort Springs. Soweit man sehen konnte Ebene. In diesem Areal von Texas gab es nicht viel mehr als Steppe, Rinder, Kakteen an manchen Orten und endlose Weite. Nichts als Prärie. Die nächste Eisenbahnstation war mehr als sechs Stunden hoch zu Pferd vom Ortszentrum entfernt und trotzdem war Cort Springs ein beliebter Ort – immerhin war es das lokale Zentrum. Drei Geschäfte für alles, das das Herz begehrte – begonnen bei diversen Lebensmitteln in Konservenform bis zu exklusiven Stoffen, Leder und Saatgut. Als ob man in diesem Areal irgendetwas anpflanzen konnte, kaum ein Feld überstand unbeschadet die heißen Sommer, die teilweise harten Winter mit den eisigen Stürmen. Was man zum Leben brauchte, schaffte man zu erwirtschaften, doch viel mehr war nicht vorhanden. Dafür gab es Rinder – soweit das Auge reichte.

Weiters gab es einen Arzt, der sich darauf verstand, Stichwunden zu versorgen, Gliedmaßen zu amputieren und manchmal, sofern er dem Alkohol nicht zu intensiv frönte, die eine oder andere Wunde zu versorgen. Doch Dr. Jester versorgte keine Frauen, Frauen griff er nicht einmal an, wenn sie sich ihm halbnackt offenbarten. Dafür gab es seiner Ansicht nach andere Personen, die sich um das schwache Geschlecht kümmerten.

Pat McCourt war ebenfalls ein wichtiges Mitglied der Gesellschaft, er war der Barbier, ein richtiger Macho mit breiten Schultern und langen braunen Haaren, der gerne vor seinem Lokal auf der Veranda lehnte und den Frauen und Mädchen nachsah. Er war es, der Zähne zog, sich über das Leid der anderen lustig machte, in Wahrheit aber ein furchtbar einsamer Mensch war.

Doch all diese Personen kannte Richard Castle nicht, als er aus der Postkutsche stieg, seiner Mutter und Tochter auf den staubigen Boden steigen half, beobachten musste, wie der Saum ihrer teuren Kleider durch den erdigen Boden beschmutzt wurde. Was nur hatte sich der Mann, den er nie kennen gelernt hatte und in seinem Testament behauptete, sein richtiger Vater zu sein, gedacht, als er ihm Grund und Boden in dieser Gegend des Landes vermacht hatte?

„Richard“, sagte seine Mutter mit kritischem Blick und beäugte den Hauptplatz, die Menschen des Ortes, die sich gerade um die Postkutsche versammelt hatten, um Post und Waren zu erhalten, die sie bestellt hatten. Zudem gierten sie, die Neuankömmlinge zu sehen.

Martha Rogers – rothaarig, mit blitzblauen Augen und einem weißen Teint, der durch das helle Grün ihres Reisekleides nur noch verdeutlicht wurde, blickte kritisch in die Menge und schob sich durch die Masse auf die Veranda des Gemischtwarenhändlers. An ihrer Hand zog sie ihre 14-jährige Enkeltochter mit sich, die ihr rotes Haar in einem langen Zopf trug und ein blaues Reisekostüm trug. Ihr Vater, der Journalist und Schriftsteller Richard Castle, trug einen edlen Anzug und fühlte sich, unter anderem bedingt durch seine Kleidung, vollkommen deplatziert.

Nachdem ihm der Notar die Urkunde des Landes überreicht hatte, inklusive aller Unterlage über den Besitz im Form von Rindern, zweier Quellen, die sich am Grund befinden sollten, einem Herrenhaus und weitere Kleinigkeiten übergeben hatte, hatte Richard Castle sein gemietetes Haus in New York aufgegeben, seine Mutter und Tochter packen lassen und ihnen eine Abenteuer versprochen. Bisher war es genau da geworden.

Nachdem sie mehrere Tage, über eine Woche, mit einigen Stopps mit der Eisenbahn unterwegs gewesen waren, waren sie in Denver in die Postkutsche umgestiegen und nun wieder mehrere Tage durchgeschüttelt worden, immerhin waren sie nicht überfallen worden. Für Castle war es das erste Mal, dass er im Westen war, im Land der Wilden. Und als Wild empfand er diese Gegend tatsächlich. Ihm waren bereits mehrere Ideen gekommen, für neue Werke. Den Koffer mit seiner Schreibmaschine hatte er die gesamte Reise wie seinen Augapfel gehütet – zu wertvoll war dieses Gerät für ihn. Fakt war aber, dass er die Mehrheit seiner Werke mit der Hand schrieb, es ging ihm einfacher von der Hand.

Als die Koffer von der Kutsche gehoben wurden, gab er dem Kutscher entsprechend Geld, um sie abseits der Masse zu seiner Mutter stellte. Castle blickte kritisch über den Hauptplatz des Ortes – im Vergleich zu New York war das ein Nichts. Nichts. Häuser mit maximal einer Etage, nur aus Holz. Keine Ziegel. Kein Lehm. Die Straßen waren nicht mit Steinen eingesäumt, doch das gab es noch nicht einmal in Denver. Keine Gehsteige. Keine Strukturen.

Wo war hier ein Hotel? Sie würden erst einmal einige Nächte in einem Hotel oder Gästehaus schlafen, bevor sie in das ihm vererbte Haus ziehen würden – zuerst einmal ankommen.

„Vater?“, fragte seine Tochter Alexis, die scheinbar Freude an dem Tumult um die Postkutsche fand. Mindestens zehn Männer und Frauen standen rund um die Kutsche und warteten auf die Verlautbarungen des Kutschers, der diverse Sachen verteilte.

Plötzlich schrie er nur laut „Kate“ – nicht Lady, nicht Miss. Einfach nur Kate. Ricks Kopf schnellte in die Richtung, in der der wildaussehende Mann blickte. Aus einem großen Haus kam eine junge Frau geschritten – enge schwarze Hosen, ein schwarzes tailliertes Hemd und um ihre Taille eine enggeschnürte Korsage, die ihre weiblichen Rundungen noch mehr betonte. An ihrer Hüfte ein brauner Gurt mit einem Revolver darin, hohe schwarze Stiefel zierten ihre langen, schlanken Beine. Ihre wallende braune Mähne fiel in wilden Locken auf ihre Schultern und Castle bildete sich ein, das eine oder andere goldene Strähnchen zu sein.

Zogen sich Frauen in Texas so an? Verwundert suchte er nach anderen weiblichen Wesen, die sich ebenso kleideten, sah aber keine. Alle anderen trugen eintönige einfache Kleider, ohne viel Wert auf einen der Gesellschaft entsprechenden Ausschnitt zu legen oder Spitze, die die Ränder der Kleider in New York zierten.

„Jefferson“, schrie sie ihm zu und er reichte ihr einen Stapel Briefe, sagte ein paar Worte zu ihr, zeigte auf zwei Pakete, die scheinbar ihr gehörten. Doch Rick konnte nicht verstehen, über was sie sprachen.

„Was für eine Erscheinung“, kommentierte Martha Rogers im Hintergrund und lachte. Sie wusste, dass diese Frau den Blick ihres Sohnes auf sich ziehen würde. Sie war zwar nicht sein Typ Frau, doch waren seine beiden Ehefrauen auch sehr unterschiedlich gewesen. Meredith – die Tochter eines einfachen Stadtrates, die sich hemmungslos in ihren Sohn verliebt hatte. Rasch nach der Eheschließung hatte sie ein Kind erwartet, noch an dem Tag, an dem sie Alexis in ihren Armen gehalten hatte, war sie an einer Infektion verstorben. War es überraschend gekommen? Nein. Sie hatte die gesamte Schwangerschaft gekränkelt und war unzufrieden gewesen. Martha erinnerte sich an den Tag, an dem ihre Schwiegertochter ihr gesagt hatte, dass sie gewünscht hätte, niemals schwanger geworden zu sein, denn ihre Figur war nun dahin. Martha hatte all dies nicht verstanden. Ein Kind war vielleicht ein unerwartetes Glück, aber es war auch Freude – wie der erste Sonnenstrahl nach einem langen schneereichen Winter, der dazu führte, dass die Leute die Häuser verließen, dass die ersten Frühlingsblumen zu wachsen und blühen begannen. Die zweite Regina, kurz Gina genannt, eine blonde Schönheit, die Castle nur geheiratet hatte, weil ihm sein Ruf als Junggeselle vorausgeeilt war und sie scheinbar gehofft hatte, dass ihre untreue Ader neben ihm untergehen würde. Um genau das seine Tochter nicht antun zu müssen, hatte er die Scheidung eingereicht – denn, ein Punkt der Martha bekannt war, im Gegensatz zu sehr vielen Frauen, die ihren Sohn in den letzten Jahren umgarnt hatten – er tat zwar so, als wäre er der große Playboy, doch hatte er selten Liebschaften, niemals mit unverheirateten jungen Frauen. Eine Witwe hie oder da, tat niemandem weh. Zudem war er clever genug, sich niemals in einer Situation erwischen zu lassen, die ihn in eine Ehe drängen würde – deswegen waren junge unverheiratete Frauen tabu, auch wenn sie noch so schön waren. Dafür war ihm seine Unabhängigkeit nach Ehe Nummer zwei viel zu wichtig.

Obwohl Richard Castle keinen richtigen Vater hatte, der ihm einen Titel oder ein Stadthaus vererbt hatte, war er trotz seiner unehelichen Geburt immer von der Gesellschaft akzeptiert worden und das hatte er auf der einen Seite den schauspielerischen Künsten seiner Mutter zu verdanken, die immer die Rollen der Naiven gespielt hatte, darauf geachtet hatte und es immer noch tat, passend gekleidet aufzutreten und niemals so zu wirken, als wäre sie eine leicht zu habende Schauspielerin, wie manch andere. Nein, sie war stets auf ihren Ruf bedacht. Auf der anderen Seite war es seine Kunst gewesen, mit Worten umzugehen – er wurde bereits als Nachfolger von Edgar Allen Poe gehandelt.

Rick studierte immer noch die dunkelhaarige Schönheit und wusste bereits, dass eine Bekanntschaft mit ihr wahrscheinlich Probleme mit sich bringen würde. Sie wirkte nicht, als ob sie sich einfach von einem Mann beeinflussen lassen würde. Castle schaute zwischen ihr – die bei der Kutsche stand – und dem Haus hin und her, aus dem sie getreten war. War es ein Saloon? Von außen machte es diesen Eindruck. Diese Frau und das lasterhafte Gewerbe?

Wahrhaftig war sie eine Augenweide. Die schmale Taille, die gerundeten Hüften, die kleine Brust, die mehr als nur betont wurde durch die Korsage. Rick versuchte an etwas anderes als das Offensichtliche zu denken. Wie lange war es schon her, dass er mit einer Frau zusammen gewesen war? Zu lange, um unbeschadet dieser Situation zu entkommen. Der erste Blick hatte gereicht um ihn zu verzaubern, er hatte gereicht, damit sie ihn in ihren Bann gezogen hatte. Ohne ein Wort mit ihm zu sprechen. Ohne ihm eines Blickes zu würdigen.

„Der Nächste, der sich die Finger verbrennen wird“, kommentierte ein Mann in Marthas Alter, der neben ihr aus dem Geschäft getreten war, um seine Waren vom Kutscher in Empfang zu nehmen, die er ihm bereits auf die Veranda gestellt hatte.

Martha sah ihn verwundert an, symbolisierte ihm, dass sie gerne mehr wissen würde.

„Jefferson Blake“, stellte er sich ihr vor und küsste ihre Hand.

„Martha Rogers“, antwortete sie entzückt. „Und das ist meine Enkeltochter Alexis und mein Sohn Richard.“

„Und sie sind neu in der Stadt?“, fragte er charmant und gesellte sich neben sie. Er trug eine einfache braune Hose, Cowboy Stiefel, ein blaukariertes Hemd und ein Gilet darüber.

„Mein Sohn hat die Townsend Farm geerbt“, sagte sie stolz und zeigte auf Castle, der immer noch diese schöne Fremde anstarrte.

„Oh, er ist der einst verschwundene Sohn des verrückten Toni“, kommentierte er und lachte. „Da passt er zu Kate.“

„Wieso sagen sie das?“

„Über Toni, Gott habe ihn selig?“

„Nein, über diese Frau.“

Jefferson schnaufte laut und blickte zu Kate, die mit dem Kutscher über etwas diskutierte, das die beiden nicht verstehen konnten. „Jeder Mann, der ihr in den letzten Jahren zu nahe gekommen ist, hat sich die Finger verbrannt. Kate ist nicht nur stur und eigenwillig, sie ist die einzige Frau im Westen, die Besitzerin eines Saloons ist. Sie hat ihre zehn Mädchen, die für sie arbeiten, schenkt an der Bar Whiskey aus und hat nicht erst einen Mann angeschossen, der bei ihren Mädchen zu weit gegangen ist. Sie hat strikte Regeln. Und sie ist die einzige im Umkreis von drei Reitstunden, die Zimmer vermietet, in ihrer kleinen, an den Salon angrenzenden Pension.“

Ob Martha wirklich schockiert war oder nicht, konnte man ihrem Gesicht nicht entnehmen, da ein Schauspiel der Emotionen sie durchflossen hatte. Eine Frau, die ein Bordell leitete? Sicherlich war ein Saloon nicht dasselbe wie ein Bordell in New York, sicher war hier alles noch wilder und gesetzloser. Alleine bei dem Gedanken, kam eine gewisse Freude in Martha hoch, ein gewisser Reiz des Ungewissen.

„Dann werden wir sie wohl bald kennenlernen. Wir haben nämlich vor die ersten Tage hier in der Stadt zu wohnen, bevor wir ins Herrenhaus ziehen.“

„Herrenhaus?“, fragte Jefferson und lachte auf. „Das Haus möge zwar groß sein, größer als manch ein Farmhaus in der Gegend, aber ein Herrenhaus ist es nicht. Es ist aus Holz und hat ein Stockwerk, vier Schlafzimmer und braucht dringend etwas Anstrich und eine Frauenhand, die für Sauberkeit sorgt. Joe und Derek haben zwar dafür gesorgt, dass es nicht auseinanderfällt, seitdem der alte Townsend tot ist, doch Wunder können auch diese keine bewirken.“

Alexis schluckte. Solch eine Bruchbude, laut der Beschreibung, hatte sie gegen ihr wunderschönes Zimmer mit angrenzendem Wohnbereich eingetauscht, hat die Schule aufgegeben, nur um der Abenteuerlust ihres Vaters zu folgen?

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Ende Kapitel 1

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About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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