Abuse – Kapitel 11

caskett_by_slaveformusic-d5gxm3n - BearbeitetKate war sich im Klaren, als sie wieder in New York ankamen, dass es auf Dauer nicht so weitergehen konnte. Daher war der erste Schritt, dass sie ins Gästezimmer zog, etwas Distanz zwischen Castle und sich brachte. In ihrem ganzen Erwachsenenleben hatte sie stets darauf geachtet, von niemandem abhängig zu sein und in einer Situation wie dieser es Gift. Sie durfte nicht in diese Falle tappen.

In den ersten beiden Tagen war Rick beruflich im Einsatz. Er hatte einige Termine bezüglich seines neuen Buches mit dem Verlag und Gina. Immer darauf bedacht, beide Frauen nicht aneinander geraten zu lassen, machte er sich alle Besprechungen mit seiner zweiten Exfrau außerhalb seines Lofts aus. Die Norm war dies nicht und Gina war die natürlich relativ rasch aufgefallen, unter anderem auch deswegen, da er alle Telefonate relativ kurz gehalten hatte. Er wollte Kate nicht damit belasten, dass er mit dem neusten Buch nicht so vorankam, wie er es sich erwartet hatte – bevor all das passiert war. Castle hatte Gina einen Termin genannt, für die Abgabe, den er aktuell unmöglich einhalten konnte. Viel zu viel ging im aktuell durch den Kopf, um einen Kriminalfall aufzubauen.

Doch der Irrglaube, dass es an Kate vorbeigegangen ist, war Martha nicht entgangen. Sie war die feinfühlige, auch wenn sie es nicht immer zeigte, doch an dem Gesichtsausdruck der jungen Polizistin hatte sie bemerkt, dass sie gehört hatte, wie Castle mit Gina telefoniert hatte, immer wieder das Wort „nein“ gefallen war und er ihr verschiedene Vorschläge für das Treffen unterbreitet hatte. Als sie am Nachmittag des vierten Tages nachdenklich auf der Couch saß, ging Martha auf sie zu, sie war gerade von einer Probe nachhause gekommen.

„Katherine? Was geht dir durch den Kopf?“, fragte sie vorsichtig und setzte sich neben sie.

„Störe ich Rick bei der Arbeit?“

Baff wegen der direkten Formulierung holte Martha kurz tief Luft. „Stören würde ich nicht sagen.“

„Sondern?“

„Sein Hauptaugenmerk ist im Moment einfach nicht Nikki Heat sondern Katherine Beckett.“

An dem Abend nahm sich Kate etwas Essen und eine Kanne Tee mit auf ihr Zimmer und war nicht mehr gesehen. Viele würden glauben, dass sie eingeschnappt reagierte, doch Martha hatte erkannt, dass es die junge Frau beschäftigte, dass sie seinem Schaffensprozess im Wege stand und dies ändern wollte. Dass es genau der falsche Schritt war, den sie gerade ging, war ein anderes Thema.

Natürlich fragte Rick nach, als er nachhause kam, wo Beckett sei und verstand nicht, wieso sie nicht mit ihnen aß oder am Abend Zeit mit ihnen verbrachte, so wie sie es in den letzten Tagen, Wochen getan hatte. Auf die Worte seiner Mutter, dass er ihr Zeit geben sollte, wollte er nicht hören und ging, ohne weiter diskutieren zu wollen, zu ihr hoch, klopfte einmal an, wartete die Antwort nicht ab und ging einfach hinein.

Kate saß mit dem Rücken zu ihm auf dem Bett, trug lediglich ein dünnes Sportbustier, ihr Haar hochgebunden. Die blauen Flecken waren vergangen, sie schimmerten nur noch in einem hellen Gelb auf ihrem Rücken. Sie schien sich eingecremt zu haben, denn ihr Rücken glänzte leicht. Als er die Türe aufgerissen hatte, hatte sie sich abrupt umgedreht und in diesem Augenblick hatte sie aufgestöhnt. Mögen ihre Rippen schon ganz gut verheilt sein, Bewegungen wie diese, waren scheinbar immer noch zu viel für ihren geschundenen Körper. Noch im selben Moment war er an ihrer Seite und versuchte ihren Schmerz zu mindern, ihr wortlos zu zeigen, dass ihm seine Taktlosigkeit Leid tat.

So kniete er schweigend neben dem Bett und starrte sie an. Wie ihre Brustkorb sich ausdehnte und zusammenzog, ihr Bauch sich bewegte – sie war viel zu dünn.

Kate saß vor ihrem Tagebuch und hatte einige alte Einträge gelesen, als Rick das Zimmer gestürmt hatte. Einträge, die ihr wieder in Erinnerung riefen, was sie alles erlebt hatte. Am Nachmittag, nach dem Gespräch mit Martha, hatte Beckett die Polizistin angerufen, von der Castle gesprochen hatte – sie hatte sich so lange weiterverbinden lassen, bis sie an der richtigen Stelle, am richtigen Revier gelandet war. Sie hatte einen sehr sympathischen Eindruck hinterlassen und für den morgigen Tag hatten sie sich einen Termin ausgemacht. Da Kate endlich die Wohnung verlassen wollte, hatte sie Martha gebeten, sie zu begleiten. Rick hatte von all dem keine Ahnung und sie wollte es ihn nicht wissen lassen, sie wollte zumindest diesen Teil selbst schaffen. Alleine. Ohne sich in ständiger Sicherheit zu wiegen. Sie musste in der Lage sein, das Haus zu verlassen, ohne panische Angst zu bekommen. Ohne eine Panikattacke zu erleben.

Castles Mutter hatte eingewilligt, mit ihr zu gehen, sich im Hintergrund aufzuhalten und dem Gespräch nicht zu lauschen – eine wahrlich schwere Aufgabe, wenn man Martha und ihre Neugier kannte. Allerdings hatte Kate mittlerweile erkannt, dass sie für sie beinahe alles tun würde. In diesem Momenten, war die rothaarige Frau für sie wie eine Mutter, ein Mutterersatz, denn die eigene kann man in solchen Momenten nicht ersetzen, die ohne Kommunikation zu handeln wusste, die Geheimnisse ihrer Kinder kannte und diese niemals gegen sie einsetzen würde und genau wusste, wann es Zeit war, jemanden in den Arm zu nehmen. Aber Martha kam all dem sehr nahe. Sie hatte ihr in den letzten Wochen so viel Aufmerksamkeit und Zuneigung geschenkt, wie Martha in all den Jahren, seit ihre Mutter ermordet worden war, nicht erfahren hatte.

Nur sollte sie ihm jetzt von ihrem Vorhaben erzählen, dann würde er darauf bestehen, mitzukommen und sie könnte es ihm nicht einmal verübeln. Aber der durfte einfach nicht dabei sein, immerhin wusste er nur von Teilen. Sie hatte ihn nichts über die sexuellen Übergriffe im Detail erzählt, ihn nicht wissen lassen, was von ihr verlangt worden war. Und er sollte es niemals erfahren. Niemals. Ansonsten würde er sie mit anderen Augen sehen, niemals würde er daran glauben, dass sie geheilt werden könnte. Niemals. Zuviel war passiert. Zuviel Grauenhaftes. Viel Unvorstellbares.

Irgendwann griff sie nach Ricks Hand, nachdem sie das Tagebuch zugemacht und unter ihren Kopfpolster geschoben hatte. Es waren die Kleinigkeiten, die ihre Tage erträglich machten, und dazu gehörten seine sanften Worte, die eine oder andere Berührung, das familiäre Zusammenleben. Es würde ihr abgehen, wenn sie in ihre eigenen vier Wände zurückziehen würde. Nur irgendwann musste es geschehen.

Vorsichtig stand er auf und setzte sich zu Kate auf das Bett und es dauerte nicht lange und er saß hinter ihr, sodass sie sich anlehnen konnte. Doch bevor sie dies machte, spürte sie, wie er mit seinen großen Fingern die Male auf ihrem Rücken nachzog. Castle griff nach der Bodylotion und wartete auf eine Reaktion ihrerseits bevor er sie öffnete und etwas davon auf seinen Händen verteilte und diese dann vorsichtig, beinahe zärtlich auf den Stellen verteilte, die sie offenbar nicht erreichen hatte können.

Vor wenigen Wochen wäre sie noch zurückgeschreckt, hätte ihn niemals ihren maledeiten Rücken sehen lassen. Als sie die Streifen im Badezimmerspiegel gesehen hatte, war ihr erster Gedanke gewesen, ob diese jemals wieder verschwinden würden. Was wenn nicht? Würde sie für immer und ewig seine Zeichen tragen müssen. Im Grunde waren sie quasi nicht mehr existent und ihr Rippen waren verheilt. Was konnte mehr verlangen. Es waren nur wenige Woche, seitdem sie wieder in Freiheit lebte, in Freiheit keine Angst haben zu müssen. In Freiheit zu wissen, dass sie nichts Falsches machen konnte, niemand erbosen könnte, der sie aus Rache verprügeln würde, von ihr sexuelle Dienste verlangte, die sie nicht willig war zu geben.

+#+

Martha und Kate betraten am frühen Nachmittag das Café Boulud in der Nähe des Central Parks, es war nicht besonders viel los und trotzdem hatte die Polizistin ihnen den privaten Raum reserviert, da sie den Besitzer der Lokalität kannte. Olivia war ihr Name.

Als sie aufeinander trafen, erkannten beide, auf den ersten Blick, dass die Chemie zwischen ihnen passte. Bereits am Telefon war eine gewisse Gesprächsebene entstanden und Becketts erste Angst, sich ihr nicht anvertrauen zu können, war abgeflaut.

Olivia, die sicherlich zehn Jahre älter war als Kate, war ein ganz anderer Typ von Frau. Sie war nicht die gertenschlanke Polizistin, sie war die gestandene Frau – sie war diejenige, die Männer vor Gericht dazu brachte, ihre grausamsten Taten zu gestehen, zuzugeben, sich an kleinen Kindern und unschuldigen Frauen vergangen zu haben. Sie war diejenige, vor denen sie nächstens Angst hatten, dieser Typus Mann. Kate konnte rasch an ihrem Verhalten, den wenigen Worten, die sie gewechselt hatten, feststellen, dass sie Trost spenden konnte, ein offenes Ohr für alles hatte und dann doch beinhart durchgriff. Für die Abteilung „Sexualverbrechen“ waren nur wenige geeignet und am Telefon hatte sie ihr erklärt, dass sie diesen Job schon mehr als zehn Jahre mache – eine absolute Seltenheit in ihrer Branche.

Sie setzten sich ins letzte Eck, Olivia bestellte zwei große Café Latte und eine Karaffe Wasser dazu und erklärte, dass sie ungestört sein möchten, so wie es mit dem Chef ausgemacht worden war.

Als alles Bestellte geliefert worden war, öffnete Olivia ihre Umhängetasche und nahm einen Block, Stift und ein ihr Mobiltelefon heraus, mit dem sie das Gespräch offensichtlich aufzeichnen wollte. Letzteres verunsicherte Kate offensichtlich.

„Sollen wir es weglassen?“

„Vorerst, wäre es mir lieber. Ist das ein Problem?“

„Nein, natürlich nicht“, entgegnete die ältere Polizistin. „Erzählen sie mir nun, wie sie Adam kennengelernt haben.“

Und so begann Kate sich allmählich zu öffnen, der quasi fremden Person zu erzählen, was in den letzten Monaten vorgefallen war – von der Bar, wo sie Adam getroffen hatte. Sie konnte sich an jedes Detail erinnern – die Jeans, die Bluse, ihre Schuhe, die sie getragen hatte. Alles war, als wäre es gestern passiert. Alles. Und so nahm sie auch sein Gesicht wahr, als sie Olivia wissen ließ, wie es zu all dem gekommen war.

„Wissen sie heute, wieso er so viel über sie wusste?“

„Von wem, das weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass alles beabsichtigt war, dass er alles geplant hatte – bis ins kleinste Detail. Allerdings bin ich mir nicht im Klaren darüber, ob er von Anfang an erkannt hatte, dass ich Rick schützen würde, egal was komme.“

„Ich will nicht indiskret wirken, aber ist es für sie normal, dass sie einen Mann so schnell mit nachhause nehmen?“

„Oh nein“, schoss es aus Kate heraus. „Genau das verwundert mich heute auch, aber ich kann die Vergangenheit nicht ändern.“ Allmählich erzählte sie ihr von der Erpressung und wie Adam allmählich Rick und seine Familie in all das involviert hat. Sie machte sich Notizen, wertete nicht, wenn sie etwas anmerkte und hörte zu.

Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem Kate nicht mehr konnte und ihr Tränen über ihr perfekt geschminktes Gesicht liefen. Mit einem Taschentuch, das ihr Olivia gereicht hatte, versuchte sie diese aufzuhalten, aber es war sinnlos. Die SVU-Ermittlerin gab dem Ober ein Zeichen und er brachte Martha in den Raum, die die Weinende in den Arm schloss und sie tröstete, leise auf sie einsprach.

„Ich weiß, Kate, dass es ganz grauenhafte Sachen sind, die du erlebt hast“, irgendwann waren sie auf das informelle Du umgeschwenkt, ohne es recht zu merken, immerhin war sie eine von Castles Bekannten. „Aber es ist sehr wichtig, dass du mir jedes noch so kleine Detail zu seinem Aussehen beschreiben kannst, noch besser wäre es, wenn wir Bildmaterial hätten oder du mit einem Polizeizeichner zusammenarbeiten könntest. Ich bin mir sicher, dass er verschiedene Namen hat. Kate nickte. Sie hatte an die Bilder gar nicht mehr gedacht. Irgendwann hatte sie ein Bild von ihm gemacht, in einem unbeachteten Moment, in einem, den er wohl nicht unter Kontrolle gehabt hatte. Seitdem sie bei Castle lebte, hatte sie ihr Mobiltelefon kaum in der Hand gehabt. Ihre Freunde hatten am Festnetz angerufen und sie war darauf bedacht gewesen, dass sie sie nicht besuchen kamen, ihren Zustand nicht sehen.

In den eineinhalb Stunden, die sie nun beisammen gesessen waren, hatte Beckett ihr diverse Eskapaden sexueller Natur im Detail geschildert, von denen sie Rick niemals berichten wollen würde und umso dankbarer war Kate nun, dass Martha keinerlei Fragen stellte.

Es waren so viele Grausamkeiten gewesen, oftmals kein körperlicher sondern psychischer Missbrauch, dass Olivia verwundert war, dass sie erst so spät zusammengebrochen war. Eigentlich war sie bereits darüber verwundert gewesen, dass so offen darüber sprechen konnte und willig war, jedes Detail preiszugeben, immerhin waren einige Sachen dabei gewesen, deren Details die erfahrende Polizistin mehr als nur verwundert hatten. Aber man lernte in diesem Beruf niemals aus.

„Würdet ihr mich kurz entschuldigen“, bat Kate und stand auf, um sich im Badezimmer frisch zu machen.

„Liv“, begrüßte Martha die andere Frau nun, immerhin kannten sie einander quasi eine halbe Ewigkeit. Einst einmal hatte Liv mit ihrer Mutter in der Wohnung neben Martha und Rick gewohnt, damals hatte die Schauspielerin mitbekommen, wie schlecht man ein Kind behandeln konnte und hatte Olivia unter ihre Fittiche genommen, sofern man das überhaupt sagen konnte, immerhin viel es ihr stets schwer, ihren Sohn und sich durchzubringen und Liv war zwei Jahre älter als ihr Sohn gewesen. Oftmals waren es Kleinigkeiten gewesen – Liv hatte auf Rick aufgepasst und mit ihm nach der Schule Hausübungen gemacht, dafür hat Martha ihr ein warmes Essen auf den Tisch gestellt, etwas das bei Serena Benson keine Selbstverständlichkeit gewesen war.

„Sie hält sich tapfer“, kommentierte Olivia.

„Wem sagst du das.“

„Und du hast sie aus seinen Fängen …?“

Martha nickte nur zustimmend. „Du kannst es dir nicht vorstellen. So etwas habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Außerdem, für mich war sie immer eine so starke und selbstbewusste Frau und plötzlich vollkommen gebrochen. Ich weiß nicht, wie es weitergegangen wäre, hätte ich meinen Mut nicht zusammengepackt und wäre in ihre Wohnung gefahren.“

„Das kann ich gut verstehen. Aber der Punkt ist, ich kann dir jetzt schon sagen, dass wir diesen Adam wahrscheinlich nicht so leicht finden werden.“

„Das ist mir bewusst, Liv.“

„Natürlich werde ich mein Bestes geben, aber Menschen wie dieser, diese haben ein Netzwerk hinter sich, in dem sie verschwinden können.“

„Ich glaube, dass sie das weiß. Aber wenn ihr zusammenarbeitet, habt ihr die Chance, diesen Mistkerl zu fassen.“

„Wir werden es versuchen. Sie braucht einen Therapeuten, Martha. Alleine wird sie das nicht schaffen. Sie ist fest darauf versessen, dass sie das – wie wahrscheinlich alles in ihrem Leben – alleine bewältigen zu können. Ich weiß nur zu gut, dass das nicht machbar ist.“ Martha nickte zustimmend. „Und wie geht es Rick?“

„Oh, er hat eine neue Aufgabe“, sagte die Rothaarige mit einem Lächeln. „Sie ist ja quasi sie neues Projekt, über dem er sogar auf das Schreiben vergisst. Aktuell wohnt sie bei uns und Richard ist jeden Augenblick für sie da, lässt sie nie aus den Augen.“

„Typisch Rick, immer der Fürsorgliche. Von wem er dies bloß hat?“

„Von mir nicht. Ich brauchte damals deine Hilfe mehr als du es dir vorstellen kannst. Er ist mir ja sogar schon in der Grundschule überall rausgeflogen und auf dich hat er immer gehört.“

„Weil er Angst hatte, dass ich nicht mehr kommen könnte“, murmelte sie etwas verlegen. Für sie war Rick immer der kleine Bruder gewesen, er hingegen hatte sie als Teenager quasi angehimmelt.

Beide lachten als Kate wieder den Raum betrat, doch dieses verstummte augenblicklich. „Möchtest du noch weitermachen?“, fragte Liv vorsichtig, ahnend, dass es noch nicht alles gewesen sein konnte.

„Nein, heute nicht mehr“, sagte Kate leise. „Ich möchte in meine Wohnung fahren“, erklärte sie Martha und hoffte inständig, dass diese nicht versuchen würde, sie von etwas Gegenteiligem zu überzeugen.

„Ich begleite euch“, ließ sie Olivia wissen. „Nur um auf Nummer sicher zu gehen. Es ist zwar nicht mein Zuständigkeitsbereich, deine Wohnung, trotzdem ist es immer gut, wenn jemand dabei ist, der sich im Dienst befindet. Wie lange bist du noch krankgemeldet?“

„Einige Tage. Wir … ich muss ein Kontrollröntgen machen lassen und mich darum kümmern, dass ich eine neue Wohnung finde. Vielleicht ein Makler …“

„Überlasse das mit der Wohnung Richard, er hat so viele Verbindungen.“

Kate nickte nur, als sie bezahlten und sich dann gemeinsam auf den Weg in ihr Apartment machten. Am Weg sprachen sie nicht viel, doch der Blickkontakt zwischen Martha und Olivia sprach bände, ebenso Becketts Körperhaltung. Umso näher sie der Wohnung kamen, umso verkrampfter wurde sie. Als das Taxi schließlich stehen blieb, war es Kate anfänglich unmöglich die sichere Umgebung des Autos zu verlassen, doch sie öffnete die Türe und ging langsam in Richtung des Eingangsportals ihres Wohnhauses, dicht gefolgt von Martha und Olivia.

An der Eingangstüre angekommen, zitterten Kates Hände, als sie aufsperrte. Nicht, dass die Wohnung verwüstet war, aber offensichtlich hatte jemand etwas gesucht. Was, war Beckett allerdings nicht klar, denn sie hatte keine wertvollen Gegenstände, die sie zuhause aufbewahrte. Ihr erster Weg führte sie zu ihrem kleinen Mörderboard im Schlafzimmer, auf dem sich alle Daten befanden, die sie zum Mord an ihrer Mutter im Laufe der Jahre gesammelt hatte. Wie in Trance, griff sie nach einer Schachtel und legte jeden einzelnen Zettel, den sie zuvor abgenommen hatte, in diese.

Währenddessen standen die anderen beiden Frauen im Wohnzimmer und versuchten sich von der eigentlich fremden Wohnung ein Bild zu machen. Pölster wurden aufgehoben, eine Decke zusammengelegt. Schließlich öffnete Liv den Kühlschrank und sah sich den Inhalt an, bevor sie einige Sachen entsorgte, die offensichtlich schon kaputt waren. Den Müllsack verschnürte sie und stellte ihn zur Türe.

„Er scheint schon länger nicht mehr hier gewesen zu sein“, sagte Liv leise zu Martha, die ihr nur zunickte und sie in Folge wissen ließ, dass Rick die Schlösser hatte austauschen lassen. Des Weiteren hatte Martha beobachtet, wie Kate sich auf ihr Bett gesetzt hatte, Tränen über ihr Gesicht strömten. Nach einiger Zeit holte sie eine weitere Schachtel unter dem Bett hervor. Beide Kartons trug sie ins Wohnzimmer.

Einige Anziehsachen hatte Rick ihr damals gebracht, doch da sie einiges an Gewicht verloren hatte, griff sie nach Sachen, die enger geschnitten waren und sie im hinteren Teil des Kastens aufbewahrt hatte. Abgesehen davon trug sie ihre Laufkleidung ins Wohnzimmer in der Erwartung endlich wieder Sport machen zu können, nachdem sie in den nächsten Tagen einige Untersuchung absolviert hatte. Es ging ihr ab, sich nicht so bewegen zu können, wie sie es gewohnt war.

„Geht dir irgendetwas ab?“, fragte Martha.

„Ich weiß es nicht. Ich …“

Abermals liefen Tränen in kleinen Strömen über die Wangen der ansonsten so taffen jungen Polizistin und Olivia verspürte mehr Mitleid als sie normalerweise in solchen Situationen empfand – immerhin hatte ihr Beruf sie gelehrt, Distanz zu den Opfern zu bewahren, damit sie sich selbst nicht in Gefahr brachte, auch wenn es in Situationen wie diesen wahrhaftig schwer war.

Beckett versuchte sich die Tränen mit dem Ärmel ihrer Jacke wegzuwischen, nicht offensichtlich am Ende ihrer psychischen Kräfte zu sein. Auch wenn Martha sie an ihrem absoluten Tiefpunkt erlebt hatte, viel es ihr immer noch schwer, ihre schwache Seite zu offenbaren. Über viele Jahre hatte sie die Fassade der taffen Polizistin aufgebaut und gehütet wie ihren Augapfel und nun, nun war alles eingebrochen. Sie hatte nicht nur ihre physische Stärke eingebüßt sondern auch ihre Würde, zumindest sagte sie sich das. Umso mehr ihre körperlichen Wunden heilten, umso mehr wurde sie sich ihrer seelischen bewusst.

+C+C+

Ende Kapitel 11

+C+C+

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Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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