Every other Friday – Kapitel 3

caskett_by_slaveformusic-d5gxm3n - BearbeitetKapitel 3

Vollkommen erschöpft schaffte es Rick, sich am Abend, nachdem er die drei Kinder dazu gebracht hatte, einzuschlafen, gegen 22 Uhr auf der Couch niederzusinken. Seine Anwältin Sara Drake war gekommen, um mit ihm wegen der Anhörung zu sprechen, die sie vor Gericht in der kommenden Woche haben würden. Mehrmals hatte Rick bereits wiederholt, dass er keine Scheidung wünsche sondern eine Therapie, eine Chance.

Gina hatte ihn in Europa eingelullt. Süße Worte, passende aufreizende Kleidung und sie hatte die „alte Zeiten“-Karte ausgespielt. Das erste Mal seit Benjamins Geburt war er wieder im Mittelpunkt gestanden, hatte die volle Aufmerksamkeit einer Frau erhalten. Sie hatte ihn umworben und umgarnt. Dass es ein Fehler gewesen war – alles, überhaupt ohne Kate nach Europa zu fliegen, wusste er heute. Es war mit Gina so gewesen, als hätte er Kate niemals kennengelernt, niemals mit ihre eine Familie aufgebaut oder sie geheiratet.

Er war mit Kate zusammengezogen, als Benji unterwegs war und nur deswegen. Sie wäre es mit ihnen weitergegangen, hätte Rick sie nicht geschwängert? Manchmal, fragte er sich Fragen wie diese, wenn er heutzutage einsam und alleine in seinem Bett lag und an den Plafond starrte. Vielleicht hätte sie jemand anderen kennengelernt und wäre glücklich geworden oder sie hätte schneller Karriere gemacht, als mit drei kleinen Kindern. Oder …

„Glaubst du, Rick, dass sie in die Therapie einwilligt?“

„Ich könnte Kate die Kinder wegnehmen“, rutschte es ihm heraus und es klang beinahe wie eine Drohung, „und das weiß sie.“

„Ist sie denn nicht in der Lage, für die Kinder zu sorgen?“

Rick überlegte kurz. Sie war eine gute Mutter, eine großartige sogar, mit Strukturen, eine Zeitplan und trotz ihres Jobs, brachte sie stets alles unter einen Hut. Mit Benjamin alleine war es ihr leicht gefallen, nachdem die erste, komplexe Phase vorbeigegangen war und ebenso erging es ihr mit Charlie, aber als schließlich Mike auf der Welt war, war es gekippt, kompliziert geworden. Frauen hatten nur zwei Hände, zwei Arme, mit denen sie Kinder halten und tragen konnte und wenn es dann drei kleine Kinder gab, die im selben Ausmaß Aufmerksamkeit wollten und diese meist zum selben Zeitpunkt, dann erschwerte es das Leben ungemein.

„Natürlich ist sie das.“

„Und du willst ihr die Obsorge entziehen?“, fragte die Anwältin und sah ihn verwundert an. Sara Drake hatte Rick bereits als junge Anwältin als Klienten gehabt, als er sich von Meredith scheiden ließ. Damals hatte er ihr vertraut und hatte sich niemals denken lassen, dass es drei Scheidungen wären, bei denen sie ihn betreuen würde. Vor allem nicht, das gesamte Debakel hier. „Sie ist nicht wie deine erste Frau, sie wird um die Kinder kämpfen und das sage ich dir, ohne sie wirklich zu kennen. Sie wird dir die Kinder niemals kampflos überlassen.“

Sara hatte Recht, außerdem war er keine 25 Jahre mehr und drei Kinder waren so viel mehr Arbeit als nur eines, als Alexis. Es war ein gewaltiger Unterschied.

„Ich möchte keine Scheidung, so einfach ist das. Du musst es herauszögern, sie zur Besinnung bringen. Finanziell muss man Kate immer eher etwas aufzwingen, freiwillig wird sie keinen Cent annehmen. Sie wird behaupten, dass sie es mit ihrem Gehalt schafft, die Kinder durchzubringen. Ich weiß aber, dass man auf den Kindesunterhalt als Mutter nicht verzichten kann.“

Sara nickte zustimmend, mit dem letzten Satz hatte Castle Recht. „War sie denn immer schon so?“

Beckett war es nicht gewohnt, dass sie von jemandem abhängig war und lehnte es auch kategorisch ab. Wenn man ihr etwas schenkte, bevorzugte sie Sachen und Gegenstände ohne materiellen Wert, Persönliches – erst dann strahlten ihre Augen auf diese unbeschreibbare, magische Art und Weise. Selbstgemachtes beeindruckte sie weitaus mehr als teurer Schmuck von Tiffany’s.

„Sie wird etwas für die Kinder akzeptieren“, erklärte Rick schließlich und wollte nicht weiter ins Detail gehen. „Aber ich möchte die Kinder dafür sehen.“

„Siehst du sie jetzt regelmäßig?“

„Jedes Wochenende.“

„Gut“, antwortete sie und hakte einen Punkt auf der Liste auf ihrem Tablet ab.

„Das ändert aber nichts daran, dass ich keine Scheidung möchte. Ich möchte meine Familie zurück.“

„Genau daran hättest du denken müssen, bevor du mit Gina ins Bett hüpfst bzw. in aller Öffentlichkeit Zärtlichkeiten austauscht und dich dabei fotografieren lässt“, schoss es aus Saras Mund. Auch wenn sie seine Frau nicht kannte, fühlte sie ihre Enttäuschung, als hätte sie selbst all dies erlebt. Nach all den Jahren hatte sie gedacht, dass sie Rick kannte und verstand, wie er agierte, doch dieses Mal war selbst sie überrascht gewesen. Sehr sogar.

„Nicht du auch noch“, stöhnte Castle auf. Fragend saß die Anwältin am Sofa und beobachtete ihn. „Dasselbe hat bereits meine Mutter und Alexis gesagt. Ich glaube so und so, dass wenn sich die beiden entscheiden könnten, zu wem sie ziehen, sie Kate wählen würden. Mutter meidet es sogar, mir in der Wohnung zu begegnen, in meinen eigenen vier Wänden. Und Alexis … sie ist kaum mehr zuhause.“

„Ich kann es ihnen nicht verdenken“, murmelte sie leise vor sich hin und blickte auf ihr Tablet, tat so, als würde sie sich etwas notieren. „Haben sie dir also einmal die Meinung gesagt, dir den Kopf gewaschen?“. Etwas Sarkasmus klang in der Stimme der Anwältin mit.

Sie war nicht sein Typ, so überhaupt nicht und vielleicht war es deswegen möglich, dass sie immer noch so gut zusammenarbeiteten, obwohl Jahre vergangen waren. Sara war größer als Rick, hätte blonde Locken und blaue Augen. Sie war muskulös und Rick wusste, nach all den Jahren, dass sie bei der einen oder anderen Rundung operativ hatte nachhelfen lassen, war sie in jungen Jahren immer im Bodybuilding-Bereich tätig gewesen.

„Mutter hat lediglich gewartet, bis ich realisiert hatte, was gerade passiert war, bevor sie über mich hergefallen ist. Sie ließ mich in jedem Detail wissen, welchen Fehler ich begangen habe. Dass Mutter kein Fan von Gina war oder ist, ist mir bewusst, daraus hat sie nie ein Geheimnis gemacht … und sie hat erlebt, wie Kate es quasi herausfand …“ Sara merkte, wie seine Gedanken abschweiften und er den Satz nicht mehr vollendete.

Einige Augenblicke herrschte absolute Stille im Raum.

Würde Kate ihm jemals verzeihen können? Könnte er es denn in ihrer Situation? Konnte irgendjemand ihm vergeben?

Wahrscheinlich war dies der egoistischste Schachzug in seinem gesamten Leben gewesen, unvergleichbar mit allem, das er jemals gemacht hatte. Der größte Schwachsinn. Unvergesslich. Nicht zu vergeben. Und würde sie ihm jemals vergeben, würde sie es niemals vergessen können.

„Wenn du sie wieder haben möchtest“, durchbrav Sara die Stille, „dann musst du mehr machen.“

„Was meinst du damit?“

„Überlege einmal. Wenn du sie ernsthaft wieder zur Frau haben möchtest, so dass sie an deiner Seite lebt und nicht nur die Kinder.“ Sara kannte ihn zu gut und wusste mittlerweile, welche Fragen sie zu stellen hatte.

„Ja, das möchte ich auf alle Fälle“, und seine Stimme war bestimmt und sicher.

„Dann wirst du wohl den Verlag wechseln müssen, deine Verträge mit ihnen aufkündigen. Alle Verbindungen zu Gina kappen.“

„Aber ich …“

Blicke konnten mehr sagen als alle Worte der Welt. Sara meinte es ernst. „Ich habe hier einige Dokumente vorbereitet, die sich damit beschäftigen und einiges durchgerechnet. Deine Agentin ist unabhängig und wird es leicht haben, einen anderen Verlag zu finden. Sobald man hört, dass du wieder frei bist, wirst du genügend Angebote bekommen.“ Sie nahm einen Schluck Wasser. „Abgesehen davon, wenn ich mich recht erinnere, konnte sie Gina nie leiden.“

Zustimmend konnte Rick nur nicken. Abneigung war gar nicht die passende Beschreibung, die sie für Gina empfand.

Nach diese Bemerkung plauderten sie noch ein bisschen weiter, da Sara ein Gefühl für die aktuelle Lage erhalten wollte. Kurz vor Mitternacht rutschte ihr dann die entscheidende Frage heraus.

„Willst du die Kinder, Kate oder die Ehe? Im Moment kann ich nämlich nicht eindeutig sagen, was dir wirklich fehlt. Ist es die Bequemlichkeit der Ehe, zu wissen, dass jemand zuhause sein wird? Deine Kinder, weil sie quasi dein Besitz sind? Oder die Nähe zu der Frau, der du einige Jahre hinterhergelaufen bist? Am wenigsten sprichst du nämlich von ihr. Hast du dir schon einmal durch den Kopf gehen lassen, wie es ihr ergangen sein muss, als sie diese Bilder in der Zeitung entdeckt hat? Wie ihre Welt zusammenbrach?“ Kurz hielt sie inne. „Ich kenne dich lange und ich habe viele Frauen kommen und gehen gesehen, aber dieses Mal bist du über das Ziel hinausgeschossen. Hast du dir einmal ihre Position überlegt? Sie sitzt mit den Kindern, drei davon, hier in New York und du vergnügst dich offensichtlich mit einer blonden, reizenden Schönheit in Europa!“ Richard starrte sie verwirrt an. „Hast du sie wenigstens gleich angerufen, als die Fotos in den Medien zu sehen waren und versucht, ihr zu erklären, was passiert ist? Dass alles ein Ausrutscher war? Ein Fehler?“

Sara packte, während sie ihn das wissen ließ, ihre Sachen zusammen und stand auf, strich ihre Bluse glatt. Rick schüttelte nur den Kopf. „Hast du das Thema jemals angesprochen, als du noch in Europa warst. Am Telefon?“

„Nein.“

„Du bist ein ausgesprochener Idiot. Für eine Affäre mit deiner Exfrau hast du alles aufs Spiel gesetzt und vielleicht sogar verloren. Wahrscheinlich hast du dich auch nicht bei ihr entschuldigt.“

„Sie redet mit mir nicht mehr.“

„Kannst du es ihr verdenken?“

„Bist du meine oder ihre Anwältin?“

„Wie erfährst du dann, was mit den Kindern los ist? Wie kommst du zu ihnen?“

„Mutter und Alexis.“

Sarah erkannte in diesem Augenblick, dass es hart werden würde. Die Situation war verfahren. War so verworren, dass es viel Feingefühl ihrerseits benötigen würde, Kate auch nur einen Hauch in Richtung Eheberatung zu bringen. Richard hatte sie offensichtlich nicht nur tief verletzt, sondern ihr die Illusion eines Fehlers, eines kurzen Seitensprungs genommen. Wahrscheinlich nahm sie an, dass wenn die Fotos nicht in den Printmedien oder sonst wo gelandet wären, all das niemals ans Licht gekommen wäre.

Richard konnte sich glücklich schätzen, dass er eine Mutter und Tochter hatte, die sich mit seiner Frau verstanden und zwischen den Fronten standen. Martha verstellte sich nicht.

„Du weißt genau, Sara, dass ich sie immer noch liebe.“

„Immer noch?“, fragte sie höhnisch. „Du hast sie betrogen. Scheinbar über Wochen. Und jetzt sagst du immer noch? Überleg dir bis Dienstag, was du ihr bieten kannst, das sich von ihrer aktuellen Situation unterscheidet. Abgesehen von Geld.“

Mit diesen Worten verabschiedete sie sich, nahm den Motorradhelm und die Lederjacke, schloss die Türe hinter sich, ohne ein weiteres Wort zu verlieren.

Rick saß wie angewurzelt am Sofa und starrte auf den Platz, auf dem normalerweise immer Kate gesessen hatte, wenn sie ein Brettspiel spielten oder anderen Sachen nachgingen, die kein enges Beisammensein verlangten.

Er sehnte sich nach ihr. Ihrer Wärme. Ihrer Stimme. Ihrer schieren Anwesenheit. Er vermisste ihren Geruch auf seinem Kopfpolster. Ihre Socken in seiner Schublade und dass sie im Badezimmer gerne ihr Badetuch über die Badewanne warf, obwohl sie wusste, wie sehr ihn das nervte. Auch, dass sie gerne ihre Teetasse einfach in die Abwasch stellte, anstatt sie gleich abzuwaschen oder in den Geschirrspüler zu stellen – all diese Kleinigkeiten, die immer wieder zu Diskussionen geführt hatten, vermisste er.

Nur war all das genug?

+C+C+C+

Ende Kapitel 3

+C+C+C+

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About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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