Every Other Friday – Kapitel 4

caskett_by_slaveformusic-d5gxm3n - BearbeitetA/N: Because … weil es einfach nur mehr abgetippt werden musste. Leider ist mein beruflicher Stress mittlerweile etwas auf die Gesundheit übergeschwappt – ich sag nur mehrfache Infiltration im Schulterbereich, vom Arzt verschriebene Massagen (bei denen ich einfach eingehe) etc.

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Kapitel 4

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„Hast du mit deiner Anwältin gesprochen“, fragte Lanie nach und schob Kate den Teller mit dem chinesischen Nudelgericht zu, damit sie wenigstens am Wochenende keine Ausrede finden würde, nichts zu essen. Oder darauf vergas. Oder. Nach Lanies Beobachtungen und ihrer Einschätzung hatte Kate seit der Trennung bereits zehn Kilogramm verloren, seitdem sie die Hiobs Botschaft entdeckt hatte. Natürlich hatte Kate Ausreden, dass die Kilos das Gewicht wären, das sie von den drei Schwangerschaften noch auf den Hüften hätte. Allerdings wusste die Ärztin genau, dass sie nur mit Mike mehr zugenommen hatte, einiges mehr, aber auch wie bei Benjamin und Charlie hatte sie es innerhalb der ersten fünf Monate wieder verloren und ihr Normalgewicht erreicht. Natürlich war ihr Körper weicher geworden, hatten sich ihre Rundungen verdeutlicht, aber auf keinen Fall zu ihrem Nachteil. In keiner der Schwangerschaften hatte sie sich gehen lassen, aber bekanntlich war jede für sich anders.

Einmal hatte die Gerichtsmedizinerin es gewagt, Kate ins Gesicht zu sagen, dass sie nur Ricks Aufmerksamkeit bekam, wenn sie ein Kind erwartete und war dies nicht so, dann würde er alles versuchen, um ihren Zustand zu ändern. Und Kates Reaktion darauf? Sie hatte sie wütend angefunkelt und ein Monat nichts mit ihr gesprochen, war ihr aus dem Weg gegangen. Da hatte Lanie erkannt, dass sie wahrscheinlich einen wunden Punkt erwischt hatte und sie wahrscheinlich Recht haben würde – obwohl sie dies nur im Affekt gesagt hatte.

Insgeheim hoffte die Ärztin, dass es nicht zu einem weiteren Kind kommen würde, einem „Versöhnungskind“, denn ihrer Ansicht nach konnte ein Kind eine Beziehung kitten. Es führte zwar vielleicht dazu, dass man sich nicht trennte, sich nicht scheiden ließ, aber die Probleme räumte man auf diese Art und Weise nicht aus dem Weg, nein man schuf neue und trug diese dann auf dem Rücken eines unschuldigen Wesens aus. Und ein viertes Kind, so sehr sie die anderen drei auch liebte, würde keines der Probleme lösen, die die beiden zu meistern hatten.

Anfänglich hatte Lanie für eine rasche Scheidung plädiert, war der sicheren Überzeugung, dass es die einzige Lösung war, um Kate ein friedliches Leben zu ermöglichen. Mittlerweile sah sie, wie Kate an dieser Trennung zerbrach. Natürlich unterstützten sie alle – Jenny, Kevin, Esposito und auch sie selbst – aber Rick konnten sie ihr nicht ersetzen. Die beiden waren in den Jahren zu etwas zusammengewachsen, das viel mehr war, als eine einfache Ehe. Eher eine Abhängigkeit, aber nicht nur auf physischer sondern auch emotionaler Ebene. Und manchmal vermutete Lanie, dass Mike bis zu einem gewissen Punkt bereits so ein „Kitt-Kind“ war, denn geplant war sie damals nicht gewesen.

Lanie blickte auf und sah, wie Kate ihre Nudeln von einer Seite auf die andere schob. „Iss“, mahnte sie, „oder möchtest du vor Gericht den Eindruck machen, dass du es nicht schaffen kannst, für deine Kinder zu sogen?“

Sie sah Kates Gesicht noch genau vor sich, als sie ihr erzählte, dass sie abermals ein Baby erwartete. Damals hätten Außenstehende die perfekte Beziehung vermutet oder etwas dergleichen, aber der Schein trog gewaltig. Wenn man näher hinsah, erkannte man, dass es kaum Zweisamkeit gab, denn alles drehte sich um die Kinder. Wie in so vielen Familien.

Gut, bereits als sie gestand mit Charlie schwanger zu sein, war Lanie verwundert gewesen, da Benjamin solch ein kompliziertes Kind gewesen war und zu diesem Zeitpunkt an ihr klammerte, nächtens ohne seine Mama nicht schlafen wollte.

Trotz alle dem liebte Lanie diese drei Kinder als wären sie ihre eigenen und sah, wie gedankenverloren Kate auf ihren Teller starrte. Waren die Kinder nicht bei ihr zu Hause, war sie ein anderer Mensch. Kein vollkommener.

„Was hat die Anwältin gesagt?“, hakte Lanie noch einmal nach.

„Nicht viel. Sie meinte, dass er Unterhalt und Alimente zahlen müsse, und ich nur auf den Unterhalt verzichten könne, die Alimente stünden den Kindern zu und wären daher indiskutabel. Außerdem, dass es gut sei, dass er die Kinder sehen könne, auch alleine.“

„Und noch?“

Es war offensichtlich, dass Kate der Frage versuchte aus dem Weg zu gehen oder besser gesagt der Antwort. Lanie starrte sie an und es erfüllte seinen Zweck.

„Dass er Therapiestunden fordern könne, auch wenn er mich betrogen habe und das im Staat  New York ein Scheidungsgrund sei. Sie meinte, dass Richtern Lucia Stafford dazu tendiere, diesen Wünschen zuzustimmen, da sie der Ansicht sei, dass man einer Familie eine zweite Chance geben solle etc. Also wegen der Kinder.“

„Und das möchtest du nicht …?“

„Nein!“, fuhr Kate hoch.

„Wieso?“

„Ich möchte nicht in unserer Vergangenheit wühlen. Ich möchte ihn nicht sehen.“

Lanie hatte nach Kates Aussage wieder einmal sehen müssen, dass das Thema nicht so einfach zu behandeln war und auf keinen Fall zu Ende war. Emotional und physisch hing sie an Castle und das war sie schon lange, bevor sie auch nur mitsammen eine Nacht verbracht hatten. Niemals hatte Kate ihm widerstehen können, ein einziges Mal hatte ihre Wut und Enttäuschung gesiegt, als er sich in den Fall ihrer Mutter eingemischt hatte. Ansonsten war sie ihm, auf ihre eigene, etwas sture Art immer hörig gewesen. Sie hatte es geliebt mit ihm zu diskutieren und es rasch aufgegeben, ihn loswerden zu wollen.

Wenn sie von Richard Castle, dem berühmten Autor und Frauenliebhaber sprach, dann überkam Kate jedes Mal eine tiefe Traurigkeit, die unübersehbar war. Ihre Augen wurden stumpfer und verloren ihr Leuchten. Sie liebte ihn noch immer, nur hatte dieser Mann ihr im wahrsten Sinne des Wortes das Herz gebrochen.

Die Medizinerin wusste, dass Rick nicht so einfach aufgeben und alles daran setzen würde, sie zurück zu gewinnen. Aber würde sie ihm jemals vergeben können? Obwohl sie ihn am liebsten eigenhändig erwürgt, erdolcht, ihm die Hände abgeschnitten und ihn danach gevierteilt hätte, sah sie, wie Kate litt. Was er ihr angetan hatte. Sie war nicht die starke Polizistin, die stolze Mutter, die jedes Problem lösen konnte – heute war sie ein Häufchen Elend, das ihr gegenüber saß, und versuchte durch ihre Kleidung ihre frühere Dominanz zu unterstreichen. Für Fremde schien es zu funktionieren, aber die Freunde, ihr innerer Kreis, wusste, wie es um sie stand und sie standen ihr zur Seite, schützten sie vor denen, die sich lieber an ihrem Leid ergötzen wollten.

Als beste Freundin hoffte sie inständig, dass sie irgendwie wieder zueinander finden würden, zu Kates Bedingungen – und wenn das Endergebnis nur Freundschaft sein würde, eine Freundschaft, die die Grundlage für ihre Rolle als Eltern bilden würde. Nur würde er wirklich um Kate kämpfen, als Freundin und Partnerin, oder nur um die Kinder und ihre Rolle als Mutter? Wollte er sie, den Menschen, mit all ihren Plänen, Ideen und ihrer Vergangenheit, oder die Person, die sich um die Kinder kümmerte, wenn er nicht anwesend war, sein Bett wärmte und sich darum kümmerte, dass seine Hemden in der Putzerei landeten?

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„Mama … Mama“, schrie Charlie und wälzte sich im Schlaf von einer Seite auf die andere.

Rick stürmte sofort ins Kinderzimmer, in Boxershorts und einem alten einst einmal schwarzen T-Shirt bekleidet. Sein Sohn hatte offensichtlich einen Albtraum.

„Sch … sch … ich bin ja da …“, versuchte er ihn zur beruhigen und strich ihm über die Stirn.

„Mama … wo ist Mama?“, er wand sich weiter, suchte offensichtlich nach Kate.

„In der Arbeit, Charlie. Mama muss arbeiten.“ Der Junge war sichtlich aufgeregt und gab sich mit dieser Antwort nicht zufrieden, rief weiter nach Kate, bis ihm dicke Tränen die Wangen hinab liefen.

Nach einer halben Stunde gab Castle schließlich auf. Mittlerweile hatte er Charlie in sein Schlafzimmer getragen, damit er die restlichen Kinder nicht aufweckte und wahrhaftig alles versucht, das ihm eingefallen war. Alles. Doch nichts schien zu helfen. Schließlich griff Rick nach dem Telefon, es war ein schwerer Schritt, einer der ihn vielleicht noch länger verfolgen würde – wenn er abermals ihre Stimme hören würde. Ihre tiefe, hoch erotische Stimme.

Er zweifelte an sich, seinen Vaterqualitäten, an allem. Einfach an allem. Es läutete. Einmal.

„Beckett“, sagte sie und er erinnerte sich wieder an die Diskussion die sie einst geführt hatten, als er sie fragte, wieso sie nicht seinen Namen annehmen wolle. Im Endeffekt, hatte sie ihm erklärt, dass Castle nicht sein Name wäre und wenn sie Rogers annehmen würde, wäre sie auch nicht seine Frau.

„Mama …“

„Oh Charlie“, hörte er sie über den Lautsprecher. „Was ist denn los, Darling?“

„Er hatte einen schlechten Traum und nach dir gesucht“, versuchte Rick möglichst ruhig zu erklären. Sein Gegenüber war stumm. Er hörte sie lediglich leise atmen, als hätte sie das Telefon an ihrer Wange.

„Mama … sing mir etwas vor“, bettelte ihr Jüngerer.

Als der Junge sich neben Rick zurücklehnte, sein Bär dieselbe Position in Ricks Bett eingenommen hatte, lauschte der Junge dankbar Kates Stimme, die ein irisches Wiegenlied sang, eines, das bereits ihre Mutter ihr vorgesungen hatte. Es dauerte genau zwei Strophen und der Junge schlief, seelenruhig.

„Rick?“, fragte sie kurz.

Er zog die Decke über seinen Sohn und griff nach dem Telefon. „Er schläft“, sagte er leise. „Danke, Kate.“

In Wahrheit wollte Castle ihr so viel sagen, so unendlich viel. Dass es ihm Leid tat. Doch er brachte kein einziges Wort heraus, nichts.

„Kein Problem“, antwortete sie lediglich und legte auf. Rick war sprachlos und wusste natürlich nicht, dass Kate verkrampft, mit Tränen in den Augen, am Fenster ihres Büros stand und hinausstarrte, den Regentropfen beim Fallen zusah.

Es war solch ein Moment gewesen, den sie früher des Öfteren erlebt hatten. Sie war in der Arbeit, eines der Kinder wollte nicht einschlafen und sie sang ihnen vor. War Rick auf Reisen und einer der Jungs fragte nach ihm, erzählte er ihnen ein Märchen am Telefon, meist freierfunden. Es waren Erinnerungen wie diese, die es ihr schwer machten, Abstand zu gewinnen.

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Am nächsten Morgen schien alles vergessen. Charlie benötigte fast das gesamte Bett und Rick hatte sich im Laufe der Nacht auf einen Chaiselongue verzogen. Zu sehr erinnerte Charlies Schlafverhalten an Kates und zu sehr roch sein Sohn nach ihr – dieser Hauch von Kirsche und frischer Wäsche. In all den Jahren hatte er nicht herausgefunden, wieso sie einfach immer nach frischer Wäsche roch, ihre Haut diesen feinen Duft hatte. Diverse Lotionen ihres Regalbretts hatte er an sich getestet, aber niemals war er mit dem Ergebnis zufrieden gewesen. Es war auch nicht der Weichspüler, ihr Parfüm oder etwas Dergleichen – es musste einfach sie sein und nun hatte sie nicht nur die Kinder mitgenommen, sondern ihn auch noch seines liebsten Dufts beraubt.

Als er Charlie so schlafen sah, erkannte er, welchen großen Mist er gebaut hatte. Welch ein Fehler es gewesen war. Natürlich war ihm dies schon früher bewusst geworden, nur jetzt sah er, was er versäumte.

Und wie sehr ihm Kate abging. Ihr Lachen. Ihre ausdrucksstarken Augen. Dass sie immer etwas hatten, über das sie sprechen konnten. Die perfekte Art und Weise, wie sein Körper um den ihren passte, wenn sie nachts im Bett lagen.

All das hatte er riskiert und verloren, als er sich auf Gina einließ. Alles. Nichts war ihm geblieben, außer ein paar Wochenenden.

Über sich selbst verärgert, fuhr er sich über das Gesicht und hätte sich am liebsten selbst einen Kinnhaken verpasst. Wie konnte man so dumm sein? Vielleicht waren es die Jahre gewesen, in denen er all das hier als selbstverständlich angesehen hatte. Jeden Tag. Jeden Moment.

Allerdings wusste auch Rick, dass es in den letzten Jahren nicht perfekt gewesen war und dies war nicht ihre Schuld gewesen oder zumindest nicht alleine die ihrige. Er selbst hatte sein Soll beigetragen, vielleicht war es wirklich die Selbstverständlichkeit gewesen, dass sie zuhause auf ihn warten würde. Mit den Kindern.

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Ende Kapitel 4

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A/N: Ich weiß, etwas kurz, aber besser als gar nichts. Oder?

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About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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