Every other Friday – Kapitel 5

caskett_by_slaveformusic-d5gxm3n - BearbeitetNachdem Kate an dem Abend, besser gesagt in dieser Nacht, nach dem Telefonat mit Charlie, aufgelegt hatte, war sie lange am Fenster gestanden und ihr war so viel durch den Kopf gegangen, dass sie die Zeit komplett vergaß. Kaum war sie in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen, immer wieder kreiste alles um ihre Kinder, ihre quasi nicht mehr existente Ehe, den Betrug. Die Situation schien aussichtslos, komplett verfahren.

Auf der einen Seite hatte Beckett erkannt, dass ihr Leben ohne Rick niemals existieren werde, da er der Vater ihrer Kinder war und diese ihn immer brauchen würden, niemals würde sie ihm diese vorenthalten. Zu sehr hatte sie unter der Absenz ihrer Mutter gelitten, dem Fakt, dass sie und ihr Vater die einzigen Mitglieder ihrer Familie waren, und sie sich zudem auf ihn nicht verlassen konnte. Egal was komme, Rick würde immer Zugang zu seinen Kindern haben. Außerdem litten die Kinder bereits unter der aktuellen Situation, dem aktuellen Arrangement, das sie getroffen hatten, um Rick die Kinder sehen zu lassen. Auf der anderen Seite wusste sie, dass es kein Vergessen gab. Zu sehr hatte Castle sie verletzt, hintergangen und nicht einmal versucht, sich bei ihr zu entschuldigen.

Es stand eine große Sprachlosigkeit zwischen ihnen. Eine undefinierte Sprachlosigkeit, die nicht näher beschrieben werden konnte.

Es war beinahe unwichtig, was Castle verlangen würde, er würde es bekommen – alles, bis auf das alleinige Sorgerecht. Jetzt vermisste sie ihre drei Kinder bereits, nach nur wenigen Stunden, wie musste es dann nur Rick gehen, wenn er sie die gesamte Woche nicht sah? Sicherlich waren ihm die Kinder abgegangen, sagte sich Kate, sehr sogar. Er hatte sie immer vermisst. Nur war sie es nicht gewesen, die ihm abgegangen war, vermisste hatte er sie offenbar nicht, denn ansonsten wäre er nicht so weit gegangen, um mit Gina ins Bett zu gehen – ihre Ehe, alles zu verraten, das sie sich über die letzten Jahre kleinweise aufgebaut hatten. Schnell hatte er Ersatz für sie gefunden und dabei hatte er seine Fühler nicht einmal ausstrecken müssen.

Alleine bei dem Gedanken an all das Verlorene, stiegen ihr Tränen in die Augen. Beckett nahm ihre Tasche und machte sich langsam auf den Weg zu ihrem Wagen. Lanie hatte ihr untersagt, am Revier zu schlafen, so wie sie es sonst oftmals tat, um der leeren Wohnung zu entgehen, zudem hatte sie ihr gedroht, ihren Vater zu involvieren und genau das wollte Kate nicht. Sie bestritt ihre Kämpfer alleine, ohne Unterstützung von außen, ohne Rufe der Anfeuerung. Sie wusste, dass sie kaum ein Auge zu machen können würde, weil ihre Kinder nicht in ihrer Nähe waren – obwohl sie sie in Sicherheit wusste. Es war einfach nicht dasselbe.

Mit dem Auto fuhr sie los. Fuhr und fuhr, bis sie sich schließlich vor Ricks Apartment wieder fand. Ricks. Einst einmal war es ihr gemeinsames gewesen. Sie hatten die Entscheidung getroffen – getrennte Schlafzimmer, getrennte Etagen. Ein gemeinsames Miteinander ohne zusammen zu sein, doch rasch war aus dieser Idee mehr geworden. Rasch hatte sie sich damals eingestehen müssen, dass sie sich verliebt hatte. Ihn liebte. Liebe, was war das schon? Wenn man liebte, lief man Gefahr, verletzt zu werden. Dass einem ein Messer durchs Herz getrieben und dann langsam gedreht wird, so langsam, dass man als Opfer spürte, wie die verletzte Lunge sich allmählich mit Blut füllte, bis man innerlich erstickte.

Baff über ihr Handeln, ihre Fahrt zu seinem Apartment, zitterte sie. Es kostete Kate alle Kraft, die Hände aufs Lenkrad zu legen, um in ihre kleine Wohnung zu fahren. Tränen hatte sie in ihren Augen. Ob sie es wollte oder nicht, musste sie sich eingestehen, dass sie sich nach ihm sehnte – seiner warmer Brust, seinen Armen, die nachts immer um sie geschlungen gewesen waren, seinen lieblichen Worten, die er ihr stets ins Ohr geflüstert hatte, die Wärme, Nähe und die endlosen Gespräche. Auch wenn sie in den letzten Jahren weniger geworden waren.

Die Kinder hatten Zeit in Anspruch genommen und nach Benjamin und Charlie hatte Kate damals eigentlich gedacht, dass sie keine Kinder mehr haben wollen würde. Mike war nicht geplant gewesen, bei Gott nicht. Aber Rick hatte sie immer dazu angeregt, es noch einmal zu versuchen und sie hatten es schneller versucht als sie zustimmen konnte.

Nach einigen Monaten Ehe hatte Rick ihren Zyklus gekannt. Die Temperaturmethode hätte es sein sollen, doch der Stress, den sie in der Arbeit erlebt hatte und die unbändige Lust, die sie eines Abends überkommen hatte, hatte jeglicher Verhütungsmethode einen Strich durch die Rechnung gemacht. Als sie Rick dann erklärte, dass sie abermals schwanger sei, war er so erfreut gewesen, dass sie nicht anders konnte, als sich auch zu freuen. Natürlich liebte sie Mike, wie ihre Söhne – Benjamin war ja auch nicht gerade geplant gewesen, im Gegensatz zu Charlie. Letzterer hingegen …. Kate erinnerte sich an den Sommer in den Hamptons zurück. Sie hatten beschlossen, Benjamin ein Geschwisterchen zu schenken, da Rick nicht wollte, dass er als Einzelkind, wie Alexis, aufwachse. Und sie hatten so viel Spaß gehabt.

Immer wieder, wenn Erinnerungen wie diese in ihr aufstiegen, stieg zeitgleich eine Wut in ihr auf. Sie hatte ihm so viel gegeben, so viel. Nicht nur, dass sie die Karriereleiter langsamer aufgestiegen war. Der Lieutenant-Titel war rasch mittels Prüfung errungen bevor Charlie auf die Welt kam. Abermals hatte sie die Höchstpunktezahl errungen und das war, so hatte man ihr damals gesagt, eine Seltenheit. Für den Captain-Rank hatte sie länger gebraucht, weil sie mit zwei kleinen Kindern einfach die Zeit dafür nicht fand. Erst als sie mit Michaela schwanger wurde, konnte sie sich durchringen, sich dem Lernen für die Prüfung Zeit zu nehmen. Beide Jungs gingen damals bereits in den Kindergarten und wenn sie später zu arbeiten begonnen hatte oder Nachtdienst hatte, hatte sie einfach ihre Unterlagen mitgenommen und am Revier gelernt. Bei jeder Prüfung hatte sie von Castle Unterstützung erhalten, dies konnte sie ihm nicht absprechen.

Aber nicht nur die Karriere. Obwohl sie es an guten Tagen anders sah, hatte sich durch die drei Schwangerschaften auch ihr Körper und vor allem ihr Körperbild verändert. Sie war weicher geworden, rund um ihre Hüften. Ihr Bauch war zwar wieder so flach wie einst einmal, aber trotzdem fühlte sich die Haut nicht mehr so straff an und das war sie auch nicht mehr. Ihre Brust, vielleicht die einzige positive Veränderung, war viel voller – drei Kinder hatte sie gestillt, teilweise bis zu acht Monaten und das bereute sie auf keinen Fall. Sie hatte es genossen, meistens. Besonders mit Michaela, da das Mädchen immer so pflegeleicht gewesen war. Jetzt sahen Männer nicht mehr nur ihre langen Beine, die sie immer noch gerne in engen Hosen und hohen Stiefeln oder Schuhen zur Schau stellte, sondern auch ihren Busen, den sie zu akzentuieren wusste. Rick hatte immer Gefallen daran gefunden.

Innerlich aufgewühlt fuhr sie nachhause, parkte das Auto eine Straße von der Wohnung entfernt und ging in die Wohnung hinauf. Alles erinnerte sie hier an ihre drei Würmer. Am Couchtisch lag eine von Michaelas Pullover. Eine Lego-Burg stand im Badezimmer am Regal neben der Badewanne, weil Benjamin ohne sie niemals in die Badewanne stieg. Charlie hatte sein Handtuch, Waschlappen und Badetuch lagen in seinem Regal. Alle in blau mit einem großen schwarzen C darauf. Er hatte sie von Lanie bekommen und hütete sie wie seinen Augapfel.

Kate ging zum Waschbecken und griff nach der Wodkaflasche, die Lanie unter der Abwasch versteckt hatte. Sie drehte eines der abgewaschenen Gläser um und füllte es. Sie war müde. Unglaublich müde. Doch sie würde nicht noch einmal ihre Sorgen, Ängste und nicht vorhandenen Hoffnungen in Alkohol ertränken. Damals war sie jünger gewesen, wusste nicht um die Konsequenzen Bescheid. Erneut würde ihr dies nicht passieren. Nicht noch einmal. Einst hatte sie ohne nachzudenken getrunken, ihre Trauer und Wut weggeschwemmt. Nun war sie erwachsen, Mutter von drei Kindern, noch verheiratet mit einem bekannten Schriftsteller, Stiefmutter für eine quasi erwachsenes Mädchen – Kate leerte das Glas in den Ausguss. Dann griff sie nach der Flasche und tat ebenso. Danach holte sie die drei anderen Flaschen mit Alkoholika in die Küche und entsorgte auch diese, nur um auf Nummer sicher zu gehen.

Mit einem Glas Wasser und einem Aspirin in der Hand ging sie ins Schlafzimmer, schlug die Decke auf und richtete die Polster. Vielleicht würde sie etwas Schlaf finden, ein paar wenige Stunden. Neben Alkohol waren Schlaftabletten ein anderes Tabu. Nie hatte sie mit Rick über die Monate nach dem Tod ihrer Mutter gesprochen, diese Geheimnisse waren immer noch die ihren. Ihr Vater war kein Zeuge der damaligen Ereignisse gewesen, zu tief hatte er tagtäglich ins Glas gesehen und sie war einfach nicht nachhause gekommen. Auf Baldrian reagierte ihr Magen schlecht und heißer Kakao war einfach zu viel Arbeit.

Sie zog sich aus und schlüpfte nackt unter die Decken, die auf ihrem Bett lagen. Ihr Polster roch nach Charlie und in ihrem Bett lag einer von Michaels Stoffhasen.

Und tatsächlich, sobald sie sich zur Seite gedreht hatte, fielen ihre Augen zu, ohne dass sie es kontrollieren konnte.

+C+C+C+

„Mutter, du kannst das nicht einfach so in den Raum stellen!“, mahnte Rick seine Mutter und hoffte inständig, dass die Kinder, die bis auf Mike auf dem großen Teppich saßen und eine Stadt aus Lego-Steinen bauten. „Du kannst nicht einfach sagen, dass alles meine Schuld war. Ja, ich habe … und das weißt du genau“, sagte er quasi durch geschlossene Zähne, „aber …“

„Du bist ein Idiot.“

„Mutter …“

„Sie ist das Beste, das dir jemals passiert ist. Nicht Meredith. Nicht Gina. Nein, Kate. Sie hatte immer Nachsicht mit dir, wollte nie im Mittelpunkt stehen und vor allem nicht im Rampenlicht. Du wolltest mehr Kinder, sie hat zugestimmt. Du wolltest den Sommer in den Hamptons verbringen, sie fuhr mit dir in die Hamptons. Egal was du wolltest, sie hat ihr Leben um dich aufgebaut und du kannst es nicht einmal ein paar Monate in der Hose behalten.“

Rick war wütend, nur war er sich nicht sicher, ob er es auf sich selbst oder seine Mutter war. Würde sie vor Gericht aussagen, wäre er nicht der Begünstigte seiner Aussage, das hatte sie mehrmals klargemacht. Sie hatte ihn wissen lassen, dass sie, sofern sie Seite beziehen musste, auf der Seite der dunkelhaarigen Frau stand.

Alexis, die neben ihrer Großmutter stand, nickte nur. Er hatte alle weibliche Unterstützung verloren, nur, nur weil er einmal einen Fehler gemacht hatte. Einmal. Wäre es nur ein einmaliger Ausrutscher in Europa gewesen, aber es war mehrmals passiert, auch wenn rückblickend sein Engagement ein geringes war, konnte er es nicht ändern. Und in Momenten wie diesen, wie auch jede einzelne Nacht, vermisste er sie. Früher hätte sie ihn mit einer Diskussion wie dieser aufgezogen, sich über seine vorherigen Beziehungen geäußert und der Sarkasmus in ihrer Stimme hätte ihn wissen lassen, dass sie ihn neckte.

Einen Polsterüberzug hatte er nicht gewaschen, nachdem sie ausgezogen war, aber allmählich verschwand ihr Geruch. Jeden Abend roch er an dem Kissen und fragte sich, wie alles gekommen wäre, hätte er nicht mit Gina geschlafen, sich nicht erwischen lassen. Und in Wahrheit war genau das sein Fehler – er fragte sich, was passieren würde, hätte die Kamera ihr Tête-à-Tête nicht eingefangen. Hätte Kate jemals davon erfahren? Wahrscheinlich, denn Gina hätte sich nicht damit abgefunden, dass in den USA wieder alles beim Alten gewesen wäre. Vielleicht war es wirklich das Beste, den Verlag zu wechseln.

Den Sonntagvormittag verbrachte er, dank der Unterstützung seiner Mutter und Tochter, mit Telefonieren. Rick kontaktierte einige Verleger, die er über die Jahre kennengelernt hatte, vorzugsweise Männer und erkundigte sich, was man ihm anbot. Zu seinem Erstaunen, bot man ihm wesentlich mehr an, als er aktuell bekam.

Niemals würde er so viel Geld machen wie Grisham oder Patterson, aber damit konnte er leben. Seine Bücher waren anders, lebendiger. Trotzdem fand er es interessant, dass sein Marktwert nicht so niedrig schien, wie es Gina ab und an dargestellt hatte. Mit jedem der Verleger ging er offen um, erklärte ihnen, dass er sich umsah und auf alle Fälle einen Wechsel in Betracht zog – aus privaten Gründen. Sobald sie dies hörten, zählten sie scheinbar 1 und 1 zusammen. Nicht, dass sie weniger boten, aber man konnte in der Stimme hören, dass sie in den Boulevardblättern gelesen hatten, was passiert war.

Für Montag machte er sich mit zwei Verlegern Termine aus, er würde sich beide Angebote vorlegen lassen. In beiden Fällen hatte man ihm bereits telefonisch zugesichert, dass man sich um den Vertrags- und Verlagshauswechsel kümmern würde, alle rechtlichen Angelegenheiten würden über die Anwälte laufen, allerdings musste er zukünftige Werke versprechen und genau dies fiel ihm im Moment schwer. Konnte er Nikkie Heat und Jameson Rook in sein privates Desaster involvieren? Würde er das Debakel in seinen Romanen verarbeiten können, egal wie es ausging?

Es war eine schwere Entscheidung, aber sie musste getroffen werden und abermals gestand er sich ein, ohne seine Mutter, wie auch seine Anwältin, auf solche Ideen gar nicht erst zu gekommen zu sein, denn sie dachten klarer als er. Jeder einzelne Gedanke, den er frei zur Verfügung hatte, verschwendete er damit, an Kate zu denken – in jedem einzelnen Stadium ihrer Ehe. Und ab und an suchte er sogar nach Fehlern, die er begangen hatte.

Wann war alles eine Selbstverständlichkeit geworden?

Wann hatte er ihre Anwesenheit in seinem Haus als normal betrachtet und sich auf die Suche nach einem Abenteuer gemacht?

Wann war er so weit gewesen, alles zu riskieren, das er so sehr liebte, um sexuelle Abenteuer mittelmäßiger Natur zu erleben?

Wann …

+C+C+C+

Ende Kapitel 5

+C+C+C+

A/N: Ein eher kurzes Kapitel, aber wir müssen die Geschichte ja vorantreiben 😉

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About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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