Every other Friday – Kapitel 6

caskett_by_slaveformusic-d5gxm3n - BearbeitetA/N: Schuldgefühle, ja die habe ich, da ich schon so lange keine Zeile, kein Wort geschrieben habe, aber die letzten Wochen, nein Monate, waren chaotisch, arbeitsintensiv und gesundheitlich nicht immer einfach. Aber alles wird nun wieder einfacher, leichter … Zeit zum Schreiben ist wieder vorhanden.
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„Diese Summe würden sei mir für einen Wechsel bieten?“, fragte Rick erstaunt nach als er den Vertragsvorschlag bei einem der Verlagshäuser am Montag in Händen hielt. Er hatte stets eine ordentliche Summe verdient mit seinen Büchern, aber dies überragte alles Erwartete.

„Ist es nicht genug, um das Verlagshaus zu wechseln?“, fragte Jennifer DiFanzo nach. Sie war eine ältere Frau, sicherlich kurz vor ihrem 60. Geburtstag, wie Rick sie einschätzte und glich eher einer lieblichen italienischen Mama als einer harten Geschäftsfrau, die sie aber war.

In der Früh zum Frühstück hatte er bereits die andere Verlagshauschefin getroffen, der Preis hätte gestimmt, doch war sie ihm nicht sympathisch gewesen, zu sehr erinnerte sie ihn an Gina. Zwar nicht blond, sondern dunkelhaarig, doch glich sie ihr in vielen Wesenszügen, sogar ihr Gang hatte eine gewisse Ähnlichkeit.

DiFanzo schien Castle eingehend zu studieren. „Ich kann noch 10 Prozent im zweiten Jahr drauflegen, doch im ersten kann ich nicht mehr höher gehen. Schreiben sie ein neues Buch und es erlangt die Bestsellerlisten offerieren wir Prämien.“ Sie erklärte ihm weiter das Gehaltsmodell bzw. die Modelle die das Verlagshaus anbot. Es war viel Geld und es ging darum, im Endeffekt, wieder einen Bestseller zu schreiben. Einmal hatte er bereits seine Schreibblockade überwunden, ob er es ein weiteres Mal, allerdings ohne Kate an seiner Seite, schaffen würde, stand in den Sternen. Diese braungrünen Augen, das breite Lächeln, die sanfte Haut, der feine Duft ihrer Person – all diese Kleinigkeiten hatten ihn damals träumen lassen, träumen von ihr in seinen Armen, ihren Lippen auf den seinen und ihren Händen an seinem Körper. Erst dann hatte er begonnen, die Geschichten rundherum auszubauen. Wäre sie nicht so atemberaubend gewesen, hätte er den Bürgermeister nicht gebeten, sie beobachten zu dürfen, ihr zu folgen.

Rick hörte sich DiFanzos Ausführungen an, trank seinen Espresso und erhielt einen weiteren. Die Croissants, die am Tisch auf einem Teller angerichtet lagen, rührte er nicht an. Nach all den Jahren war er wieder darauf erpicht, seinen Körper in Schwung zu bekommen. Er lief, sofern es die Zeit ermöglichte in der Früh im Central Park oder fuhr zu Hause am Rad. Sogar zum Yoga machten hatte er in den letzten Wochen begonnen, seitdem Kate ausgezogen war, um seine innere Ruhe zu finden. Immer hatte Rick ihr fasziniert zugesehen, wie sie sich verbog.

„Würden sie sich auch um die komplette Abwicklung kümmern oder müsste ich mit meiner jetzigen Verlegerin die Formalitäten klären?“

„Mr. Castle, alles würde von unserer Rechtsabteilung übernommen werden. Ich würde sie anrufen, ihr die Fakten schildern und dann übernimmt es ein Anwalt. Wir haben die besten, nicht zuletzt deswegen, weil wir die populärsten Autoren in unserem Haus vereinen.“

Kurz überlegte Rick. Es war ein großer Schritt, aber eine Notwendigkeit. Würde er weiterhin mit Gina zusammenarbeiten, bestünde keinerlei Chance für Kate und ihn, keine. Nichts. Es wäre eine Unmöglichkeit, sie zu überzeugen, wieder zu ihm zu kommen, mit ihm an den Problemen zu arbeiten. Um morgen beim Gerichtstermin mit etwas aufwarten zu müssen, würde er heute seine Unterschrift unter diese Vorverträge setzen müssen. Ein Kapitel seines Lebens hätte somit ein Ende und um ehrlich zu sein, wenn er diese Summe sah, war es auch Zeit. Er schien sich jahrelang zu billig verkauft zu haben. Nicht nur, dass man ihm mehr Prozent anbot, war das Boni-System besser und im Moment ging es zwar auch um das Geld, aber vorrangig Gina hinter sich zu lassen.

Es war ein Wunder, dass es Verlagshäuser gab, die ihm so rasch einen Termin und zugleich ein Angebot hatten reichen können.

„Hatten sie damit gerechnet, dass ich auf der Suche nach einem neuen Verlag bin?“, fragte Rick schließlich nach. Das Angebot schien so vorbereitet, so überdacht und auf ihn zugeschnitten.

DiFanzo blickte ihn an, streifte ihre dunkelbraunen Haare zur Seite und nahm die Lesebrille von der Nase. „Wir sehen uns regelmäßig um … manchmal gibt es Ereignisse im Leben der Autoren, die dazu führen, dass sie einen Wechsel in Erwägung ziehen …“

„Sie kennen die Medien wohl gut?“

„Wir sind auch im Besitz einiger Boulevardmagazine.“

„Aha …“

„Es geht mich nichts an, aber mit diesem Schritt wollen sie wahrscheinlich ihre Ehe retten. Wenn ja, dann machen sie es richtig. Ich habe zwei Ehen überlebt, beide Ehemänner waren brave Katholiken … auf den ersten Blick.

Rick nickte lediglich. Wer hatte es denn nicht mitbekommen. Manchmal kam es ihm so vor, als würde man ihm im Supermarkt anstarren, sich fragen, wie man eine Frau wie Katherine Beckett betrügen konnte, wenn man drei Kinder zusammen hatte.

In der nächsten Stunde klärten sie noch ein paar wenige Details und dann unterschrieb er den Vorvertrag und ein paar Erklärungen, die DiFanzo helfen würden, seine Verträge mit Ginas Verlagshaus aufzulösen.

+C+C+C+

„Dad…“, jammerte Benjamin. „Ich möchte zu Mama.“

„Morgen Benjamin.“

„Nein, Dad. Jetzt.“

„Aber sie ist in der Arbeit.“ Als Rick nachhause gekommen war, hatte Martha den Kindern etwas zu essen gemacht und sich rasch verabschiedet, da sie zu den Proben ihres aktuellen Stückes musste, zudem ging sie ihrem Sohn so gut es ging aus dem Weg. Sich um ihre Enkelkinder zu kümmern, war eine Selbstverständlichkeit, mehr aber auch nicht.

Michaela schlief auf der Couch, umringt von Pölstern. Charlie lag am anderen Ende und Benjamin war mit gepacktem Rucksack die Stiegen hinabgekommen und forderte nun, seinem Willen Gehör zu schenken.

„Ich will mit ihr reden!“

„Sprich leiser, Benjamin, deine Geschwister schlafen.“

Benjamin stampfte wütend auf und ging zum Festnetztelefon. Der Junge kannte wenige Nummern auswendig, aber im Kindergarten hatte man ihnen beigebracht, die Nummer der Eltern zu können. Deswegen war es eine Leichtigkeit für ihn.

„Mama“, sagte er und Rick musste zuhören, wie sein Sohn seiner noch-Frau erklärte, dass er abgeholt werden wollte, sofort und keinen Moment später. Kate schien ihm etwas zu erklären, doch als der Junge zu weinen begann, willigte sie scheinbar ein und Benjamin legte auf. „Mama ist in einer halben Stunde hier und holt mich ab.“

„Nur dich?“

Die Antwort war ein schlichtes Nicken. Benjamin liebte seine Geschwister zwar über alles, doch jeder Augenblick, den er mit seiner Mutter alleine hatte, war ihm heilig. Er teilte sie ungern.

Diese Nachricht verunsicherte Rick natürlich, würde sie den Anruf am morgigen Tag gegen ihn verwenden? Würde sie versuchen, ihn als schlechten Vater darzustellen?

Als es an der Türe läutete, fragte sich Rick, ob es wirklich 30 Minuten gewesen waren, seit Benjamin aufgelegt hatte, denn es schien viel weniger gewesen zu sein. Ohne ein Wort zu wechseln, ließ er sie hochfahren und öffnete die Türe.

Kate sah müde aus, als hätte sie seit Tagen nicht geschlafen. Kaum hatte er die Türe komplett geöffnet, war Benjamin bereits mit seinem Rucksack am Rücken auf zu zugelaufen und hatte sich in ihre Arme geworfen, so als wäre es nicht drei Tage gewesen, die er sie nicht gesehen hätte, sondern Wochen, Monate sogar. Sie nahm ihn hoch, vergrub ihre Nase in sein Haar und atmete den Geruch ihres Kindes tief ein. Es war ein Vorgang, den er oft beobachtet hatte, wenn die Kinder hochgehoben wurden. Innerhalb von wenigen Augenblicken schien sie aufzuatmen und wieder etwas zu strahlen. Kate setzte Benjamin ab. Offensichtlich studierte sie Rick. Er war schmaler geworden und sein Haar war eindeutig zu lang.

„Rick.“

„Kate?“

„Charlie und Michaela?“

„Sie schlafen“, erklärte er und zeigte auf das Sofa. Ohne zu fragen, ob sie die Wohnung weiter betreten durfte, ging sie auf leisen Sohlen zu den Kindern und blickte auf sie. Beide schienen so friedlich zu schlummern, als wäre es das Normalste. Und das war es auch, bis vor wenigen Wochen hatten sie oft auf dieser Couch geschlafen. Es brach Kate das Herz abermals.

„Ist es in Ordnung, wenn ich Benjamin vornehme?“

„Er will unbedingt“, musste Rick zugegeben und es fiel ihm keineswegs leicht, dies zuzugeben, denn somit musste er sich eingestehen, dass der Junge seine Mutter wohl mehr vermisste als ihn und genau das hatte er sich selbst zuzuschreiben.

Die Jeans, die sie trug, waren ihr zu weit. Er hatte sie ihr gekauft, kannte ihre Größe in und auswendig. Das T-Shirt hatte sie bereits getragen, als sie sich das erste Mal begegnet waren und seitdem waren viele Jahre vergangen. Drei Schwangerschaften dazwischengekommen. Viel Wasser den Mississippi hinabgeflossen. Ihr dunkles Haar war locker zu einem Zopf geflochten und einige Strähnen fielen ihr ins Gesicht.

„Dann nehme ich Benjamin mit, Mike und Charlie …“

„Ich packe alles zusammen und übergebe sie dir morgen, wie ausgemacht.“

Sie nickte lediglich. Einen Augenblick mehr in seiner Gegenwart und es hätte nur zwei Optionen gegeben: Entweder sie wäre weinend an seiner Brust gelehnt und hätte ihm blind alles vergeben, aber nichts vergessen. Oder sie hätte auf ihn eingeschlagen, all ihre Wut an ihm ausgelassen.

Anfänglich nahm sie Benjamin mit aufs Revier, gab ihm etwas zu zeichnen und er beschäftigte sich zwei Stunden selbst. Seine Bilder stellten stets die perfekte Familie dar – Kate, Rick und seine Geschwister, alle zusammen mit ihm selbst in der Mitte.

Als sie nachhause kamen, richtete sei ihm ein einfaches Mal. Er liebte Würstchen, also bereitete sie ihm welche zu, schälte die Haut ab, schnitt sie in Stücke und sah ihm zu, wie er sie genoss. Eigentlich hatte sie sich um das Haushaltstagebuch kümmern wollen, doch das würde warten müssen.

Nach dem Essen badete sie ihn und währenddessen schilderte Benjamin ihr, was er an dem Wochenende alles erlebt hatte und dass Martha Shakespeare „Sommernachtstraum“ spielen würde. Kate fragte sich selbst, welche Rolle es wohl wäre, fragte aber nicht nach. So intelligent Benjamin war, er verwechselte gerne Sachen. Sie unterbrach den brabbelnden Jungen nicht, lachte, wenn es angebracht war und als sie seine Haare föhnte, sah sie wieder Rick auf dem Badewannenrand sitzen.

Die Frage, ob er bei ihr im Bett schlafen könne, etwas das er sonst sehr selten wollte, beantwortete sie mit einem breiten Lächeln und einem Wink in Richtung ihres Schlafzimmers. So schnell konnte sie gar nicht schauen, war er auch schon inmitten der Laken und Polster und hatte seine Augen bereits geschlossen.

Einige Augenblicke studierte sie ihn, deckte ihn zu und strich ihm über das Haar. So weich. Wie das seines Vaters.

Alleine saß sie schließlich noch in der Wohnküche, trank eine Tasse Tee und machte sich ein paar Notizen für den morgigen Gerichtstermin. Es würde nicht leicht werden, eher gegenteilig sogar. Aber sie würde es überstehen – mit Lanie an ihrer Seite.

Schließlich legte sie sich zu Benjamin, der sofort zu ihr rutschte, sich an ihre Seite kuschelte und weiterschlief, als wäre es das Natürlichste – und das war es auch. Mutter und Sohn wiedervereint. Er war ihr Ältester, ihr ein und alles. Er hatte ihr Leben auf den Kopf gestellt, zum Positiven verändert. Hätte Rick sie nicht dazu gedrängt, mit ihm zusammenzuleben, wäre vielleicht alles anders gekommen. Natürlich hätte sie das Baby bekommen, niemals stand etwas anderes zur Diskussion, aber sie hätte es ihn von Anfang an vielleicht niemals wissen lassen sollen, dann erst wäre alles anders gekommen.

Tief in Gedanken schlief sie ein. Egal welches „Was wäre wenn“-Spiel sie spielte, im Endeffekt lief immer alles darauf hinaus, dass sie dankbar war für ihre drei Kinder, die ihrem Leben mehr Sinn verliehen als alles andere auf der Welt. Eine Beziehung konnte ein Ende finden, auseinandergehen, aber eine Mutter-Kind-Bindung hielt mehr aus, war stabiler, widerstandsfähiger. Sie überdauerte mehr.

Ja, er hatte sie betrogen, hintergangen und schwerstens verletzt. Er hatte all das gemacht, das in einer Ehe, in einer Beziehung Tabu war. Und doch hatte er es getan. Vielleicht hätten sie nach dem zweiten Kind kein drittes haben sollen, vielleicht … vielleicht hätten sie viele Sachen anders machen können, sollen, müssen. Und doch war es seine Entscheidung gewesen, seine Zunge in den Hals einer anderen Frau zu stecken und sein Glied …

+C+C+C+

Ende Kapitel 6

+C+C+C+

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About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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