Every other Friday – Kapitel 11

caskett_by_slaveformusic-d5gxm3n - BearbeitetAuf voneinander getrennten Sofas saßen Castle und Beckett am darauffolgenden Abend im Wartebereich des Therapeuten. Sie trug Jeans und eine hellblaue Bluse, hohe Stiefel dazu, unter der Bluse ein weißes Top, das man sah, da die Bluse nur zur Hälfte zugeknöpft war. Rick trug Jeans und ein schwarzes Rundhalsshirt. Beide machten auf James einen nervösen Eindruck, der den Warteraum mittels Kameras beobachten konnte. Keiner sagte ein Wort. Kate studierte lediglich ihren Ehering und fragte sich selbst, wie lange sie diesen wohl noch tragen werde, wenn es so weitergehe; obwohl die Scheidung eingereicht war, konnte sie ihn einfach nicht ablegen.

Schließlich bat James Bean die beiden in seinen Raum, er sah anders aus, nur noch die Couch und gegenüber ein bequemer Fauteuil. Gezwungenermaßen setzten sie sich auf das Sofa, doch so weit voneinander entfernt, wie nur möglich.

„Ich möchte einige Sachen am Anfang unserer gemeinsamen Sitzungen feststellen.

Es gibt keine Generallösung für Ehen. Jede ist anders.

Im Zentrum ihrer Ehe standen bisher ihre Kinder, wir wollen aber Beziehungsarbeit leisten, den Blickwinkel also ändern. Um das auch machen zu können, müssen sie beide offen für alle das hier sein

In unseren Einzelgesprächen, habe ich einiges über ihre Beziehung zueinander gelernt, allerdings wurden auch viele Fragen aufgeworfen.“ James studierte eingehend die beiden, ihre Mimik und Gestik. Aktuell hätte ein deutscher Kleinwagen zwischen diese beiden Menschen gepasst. James wusste, dass für rund 50 Prozent aller Paare solch eine Therapie zu spät kam, da die Probleme nicht mehr aus der Welt zu schaffen waren, zu weit hatten sie sich voneinander entfernt. Wenn sie Hilfe suchten, befanden sie sich bereits in einer Einbahnstraße. Doch sah er bei diesen beiden eine Chance, allerdings erforderte sie Arbeit beider Eheleute.

„Ich möchte, dass sie mir ihre aller erste Erinnerung an den jeweils anderen schildern. Also Rick, was ist das erste Bild von Kate, das ihnen in den Sinn kommt, ihr erstes Aufeinandertreffen?“

Rick atmete tief durch, versuchte einen schüchternen Blick auf seine Ehefrau zu werfen. „Ich präsentierte meinen letzten Derek Storm, trank Champagner und suchte für mich selbst die perfekte Ausrede, wieso ich ihn umgebracht hatte. Mutter und Alexis standen an der Bar, also Mutter war auf Männerjagd und Alexis lernte für einen Test. Ich signierte Dekolletés und plötzlich stand sie vor mir – braune Bluse, einige offene Knöpfe und ein recht weit geschnittener Hosenanzug, also die Hosen zumindest, die Jacke war auch nicht besonders tailliert. Sie wollte mich zu Morden befragen, die wie in meinen Büchern abgelaufen waren und so kamen wir quasi zum ersten Mal zusammen. Ihr Haar war noch recht kurz und meistens hatte sie es hinter die Ohren gestreift, Makeup war noch ein Fremdwort, selbst der markante Lidstrich noch nicht existent.“

James versuchte eine Reaktion Kates festzustellen, doch sie schien sich darauf zu konzentrieren, sich nichts anmerken zu lassen.

„Und wie war es bei ihnen Kate, wie war ihr erster Eindruck von Rick?“

Sie überlegte, legte ihre Stirn in Falten. Kate wusste, wenn sie dies jetzt erzählen würde, würde sie etwas offenbaren, das allen hier sitzenden, ausgenommen ihr selbst, unbekannt war.

„Ich hatte vor kurzem meine Mutter begraben, war also gerade am Anfang meines Studiums und Wochen zuvor von California wieder nach NY gezogen, um ein Auge auf meinen Vater werfen zu können und einen ganz anderen Weg einzuschlagen. Alles war im Umbruch. Castle hatte ein neues Buch herausgebracht. Mum hat seine Bücher immer geliebt und immer gesagt „Katie, eines Tages musst du sie alle lesen. Alle, Katie!“ Aus diesem Grund las ich sie schließlich nach ihrem Tod, immer und immer wieder. Aus diesem Grund ging ich schließlich zu einer Signierstunde und ließ mir eine Ausgabe signieren.“

„Kate …“ Rick war verblüfft, hatte sie ihm dies bisher noch nie erzählt.

„Damals war alles noch anders. Er trug keine Anzüge. Es fand in einem ganz kleinen Buchladen statt. „The Opium Hell“ nach Sherlock Holmes. Rick trug damals Jeans, ausgebleichte, und ein weißes Hemd mit einem T-Shirt darunter.“ Beckett drehte nervös an ihrem Ehering. „Ich war schüchtern und brachte kaum den Mund auf, als ich vor ihm stand und er sich höflich nach meinem Befinden erkundigte und meinen Namen für das Buch wissen wollte.“

„Das hast du mir ja nie erzählt“, sagte er sanft, ruhig und doch schwang eine Art der Verwunderung mit. „Damals waren kaum Leute bei den Lesungen, besonders nicht in diesem Laden … wie waren deine Haare damals?“

„Recht lang … meist zu einem französischen Zopf geflochten.“

Rick überlegte eingehend, ob er sich an jemanden erinnern konnte, ging Gesichter und Erinnerungen durch. Viele Besucher bei Lesungen hatten bleibende Eindrücke hinterlassen, doch meist anderer Art, da sie durch etwas Peinliches ausgefallen waren.

Bei diesen Events waren meist nur 15-20 Leute anwesend gewesen, besonders im „The Opium Hell“, das Geschäft hatte einem Freund von ihm gehört, daher hatte er brav seine Lesungen auch vor quasi keinem Publikum gehalten.

„Ich muss zuhause die alten Fotos durchsehen, aber wenn ich meine Erinnerungen recht sortiert habe, dann würde ich auf zwei Zöpfe tippen und eine große Handtasche, in die all die Taschentücher verschwanden, während der Lesung, die genutzt wurden, um sich die Nase abzuwischen. Du bist in der dritten Reihe gesessen, ganz seitlich, um ja nicht aufzufallen.“ Rick sah sie direkt an. „Dass mir diese Verbindung bisher nie gekommen ist … ich meine … du hast beinahe die gesamte Lesung hindurch geweint und die Leute haben damals selten bei meinen Lesungen geweint.“

Verwundert sah Kate ihn dieses Mal an. „Du hast mir eine vollkommen zerlesene Ausgabe gegeben, es sind beinahe Seiten aus dem Buch gefallen und es klebte eine schier endlose Anzahl an Post-its in diesem?“

„Meine Mutter hat bei jedem Krimi Anmerkungen gemacht und da man nicht direkt in Bücher schreibt …“

„Hast du sie noch?“

„Nein, diese Ausgabe ist damals, als die Wohnung explodierte, verbrannt.“ Kate hielt den Kopf leicht geneigt, als sie ihn studierte. „Aber wieso kannst du dich überhaupt an mich erinnern, an damals?“

„Die Ausgabe, ein hübsches Gesicht mit einer roten Nase und total verweinten Augen … das sind Bilder, die einem in Erinnerung bleiben.“ Er fuhr sich durch die Haare. „Außerdem hast du ein T-Shirt getragen mit einem Universitätsaufdruck, aber nicht Berkeley oder NYU …“

„Harvard … meine Mum war in Harvard.“

Wie konnte es sein, dass er sich an sie erinnerte, an all diese Details? Immerhin waren mehr als eine Dekade an Jahren vergangen, viel mehr sogar und viele Frauen hatten seine Lesungen besucht, sehr viele sogar. Und sie hatte furchtbar ausgesehen, aus heutiger Perspektive betrachtet. Und sollte es von damals tatsächlich auch noch Fotos geben? Sie konnte sich an keinen Fotografen erinnern, doch hatte sie sich durchgehend nur auf ihn konzentriert, die blauen Augen, die sanfte, tiefe Stimme.

James studierte noch einmal, während Stille im Raum herrschte, die Gesichter und das Verhalten seiner zwei Klienten.

„Gut, das war nun also etwas Neues für sie beide?“ Beide nickten zustimmend. „Was war das für eine Explosion?“

„Oh …ein komplexer Fall. Mein Apartment explodierte förmlich und ich überlebte es nur, weil ich mich gerade noch in die Badewanne flüchten konnte, nach Ricks Anruf.“

„Das klingt ja furchtbar. Alle Erinnerung von einer Sekunde auf die andere verloren und kein Dach über dem Kopf“, kommentierte James entrüstet.

„Es war kein Problem. Kate wohnte für sechs Wochen bei uns. Meiner Tochter und mir“, erklärte Rick und in ihm kamen zahlreiche Erinnerungen an die damalige hoch.

„Und wie war das für sie?“, fragte er Kate.

„Interessant. Martha war quasi gerade ausgezogen und ich bewohnte ihr Zimmer. Alexis war am Anfang skeptisch mir gegenüber, aber das war schon okay so, sie taute im Laufe der Zeit etwas auf.“

„Und sie kann fantastisch kochen, das hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht vermutet, ist sie doch die Königin der Take-out-Containers gewesen.“ Rick lächelte und dachte an die großartigen Brunchs, die sie gemeinsam verbracht hatten. „Man muss ihr nur einen Kühlschrank mit frischen Lebensmitteln zur Verfügung stellen.“

„Das klingt ja so, Kate, als wären sie damals gut aufgenommen worden.“

„Ja, sehr gut sogar. Am Anfang war es nicht einfach, ich hatte seit vielen Jahren mit niemandem mehr zusammengewohnt, nicht seit Berkeley, und dann gleich mit einer Familie.“

„Und hat es funktioniert? Für sie, meine ich.“

„Ja. Anfänglich musste ich mich daran gewöhnen, nicht nackt oder nur in Unterwäsche durch die Wohnung zu laufen, wie ich es zuhause machte. Zudem schließt man in einem Castle Haushalt die Türen der Zimmer nicht. Aber es war schön, jemanden zum Plaudern zu haben, wenn man nachhause kam, gemeinsam Filme zu schauen und wieder einen Grund zu haben, sich in der Küche kreativ zu betätigen.“

„Ware sie, Rick, vor der Explosion auch einmal in Kates Wohnung?“

„Hm …“, stimmte er ein. „Es war derselbe Fall.“ Kurz erzählte er von dem Fall und dass Montgomery Sicherheitsleute vor ihrer Wohnung abgestellt hatte, eigentlich.

„Er stand plötzlich mit einer Flasche Wein vor der Türe … ich hätte ihn fast erschossen.“

„Die Jungs haben uns über Tage hinweg mit dem Frühstück aufgezogen, das ich für sie gemacht habe … und all das nur, weil eine Leiche vor ihrer Türe gelegen hatte.“

„Welche Art von Frühstück war es?“

„Pancakes“, erklärte Kate. „Pancakes und als die Jungs mit dem FBI in eine Wohnung kamen, trug ich noch meinen Pyjama und Rick sah nicht gerade so aus, als hätte er frische Kleidung angezogen und schon geduscht.“

„Störte sie das, Kate?“

„Die Pancake?“, fragte sie nach.

„Nein, die Art und Weise, wie ihre Kollegen mit all dem umgingen.“

„Oh, ich habe mich irgendwann einmal, im Laufe der Jahre, daran gewöhnt. Sie haben mich ständig mit ihm und unserer Beziehung aufgezogen.“

„Wirklich?“, hakte Rick nach.

„Hm … und das weil wir die Sätze des anderen vollendeten, wir einfach ein gutes Team sind … waren. Zudem brachte er mir ständig Kaffee und Frühstück, wenn er kam …“ Kates Stimme war gegen Ende des Satzes immer leiser geworden, besonders nach dem Ausrutscher mit dem Team. James machte sich zu all dem Notizen.

„Zog man sie nicht auf, Rick?“

„Nicht die Jungs, die machten mir das Leben, wenn es um Kate ging, immer eher schwer. Aber die Autoren-Poker-Runde, meine Mutter, meine Ex-Frauen, Alexis, meine ehemalige Managerin …“

Nun saßen beide Ehepartner weitaus entspannter auf der Couch als anfänglich, trotzdem herrschte eine Art von Spannung zwischen ihnen, die schwer zu beschreiben war.  Sie war nicht mehr zum Schneiden und auch nicht elektrisch. Sie war speziell.

James setzte sich gerade auf und legte den Block mit den Notizen verkehrt auf einen Beistelltisch, auf dem auch eine Tasse Tee stand, von der er einen Schluck nahm.

„Ich habe eine Aufgabe für sie beide bis zum kommenden Termin. Jeder von ihnen muss dem anderen einen Brief schreiben und seinen aktuellen Gefühlszustand schildern. Zwei Seiten, nicht mehr und nicht weniger. Begründen sie ihre Gefühle. Bringen sie den Brief am Dienstag mit. Ab kommender Woche werden wir uns am Dienstag und Freitag treffen, ist das für sie beide möglich?“, fragte er nach, wissend, dass sie nicht aus konnten. „Ich weiß, dass Freitag nicht so vorteilhaft für sie ist, weil die Kinder entweder von Rick nachhause kommen bzw. am darauffolgenden Tag zur Rick kommen. Doch sie werden eine Lösung finden, da bin ich mir sicher. Oh und bevor ich es vergesse, die Briefe sind handschriftlich abzufassen.“

James wusste, dass diese Aufgabe mehr Arbeit erforderte als sie auf den ersten Eindruck vermittelte. Zwei Seiten waren viel und zugleich wenig. Außerdem musste man klarstellen, wieso etwas sich so anfühlte, wie es das tat. Schrieb man Tagebuch, schrieb man an sich selbst, alles erschien logisch. Schreibt man an einen Fremden, stand er einen emotional noch so nahe, musste man erklären. Abgesehen davon, erforderte Handschriftliches Konzentration und man schrieb einen Text vor, verbesserte und schrieb ihn danach noch einmal, überlegte und filterte, verbesserte und korrigierte. So würde dieser Brief in die Tiefe gehen und jedem die Chance geben, Unausgesprochenes auszusprechen.

+C+C+

Ende Kapitel 11

+C+C+

A/N Und okay für die erste Sitzung? Für mich ist das wirklich Neuland und ich taste mich langsam vorwärts.

Advertisements

About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
This entry was posted in Alexis/Kate, Beckett/Matha, caskett, Caskett Babies, Castle: Every other Friday, drama, fanfiction: castle-every other friday, Rating M and tagged , , , , , , , . Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s