Ein Blick in die Vergangenheit (Essay)

Manchmal gibt es Tage, an denen schweifen Gedanken ab, an denen überlegt man, nach der Lektüre eines Artikels, Kommentars, Buches; dem Hören eines Statements, einer Meinung, einer simplen Äußerung, wer oder was einem eigentlich zu dem gemacht hat, das man heute ist.

Und ich würde lügen, müsste ich mir nicht eingestehen, dass es die starken weiblichen Charaktere waren, die in den 1990er Jahren im Fernsehen zu sehen gewesen sind. Nur wo beginnt man? Und waren es lediglich die Figuren der damaligen Ära, oder auch die eine oder andere historische Persönlichkeit?

1103514-dana_scully_poster_card_c10230644.jpegSieht man sich die Frauen an, die diese Ära (für mich) bestimmten, dann wäre hier auf alle Fälle Dana Scully zu erwähnen. Eine Frau, die mehr Stärken als Schwächen besaß, den Krebs besiegte, ihre Schwester im Kampf gegen die Aliens verlor und niemals vergaß, dass Mulder an ihrer Seite stand. Natürlich hatte sie die Universität absolviert, ihre Ausbildung beim FBI abgeschlossen und war erfolgreiche Pathologin – dann erst wurde sie Mulder zugeteilt. Und nach beinahe 20 Jahren ist sie mit ihrem Partner immer noch auf der Suche nach der Wahrheit.

Wie kann solch ein Charakter einen nicht beeindrucken?

Abgesehen von ihr, soll nun ein komplett anderes Beispiedr-quinn-dr-quinn-rztin-aus-leidenschaft-die-kompl-13-rcm0x1920u.jpgl genannt werden, eines, das vielleicht viele bereits vergessen oder aus ihren Köpfen verdrängt haben: Dr. Michaela
Quinn. Dass sie alles erreichen konnte, verdankte sie ihrem Vater, der an sie glaubte und ihr das Medizinstudium als eine der ersten Frauen ermöglichte. Doch Akzeptanz fand sie in Boston keine, als dieser verstarb. Daher ging sie in den Westen, erbte eine Familie, verliebte sich in einen Witwer, rettete einige Male die Welt, kämpfte gegen General Custer und wilde Indianer …- im Endeffekt schaffte sie es, all ihre Ideale durchzusetzen, ihre Stieftochter weltoffen zu erziehen und die Männer wissen zu lassen, dass man mit einer Frau nicht machen könne, was man wolle. Sie stellte sich allem und jedem entgegen, der sich gegen ihre liberalen Ideale stellte, nur bei der Liebe blieb sie bis zum bitteren Ende konservativ. Aber wir sprechen immerhin vom 19. Jahrhundert.

Auch als S778665a0020444296df2e9e7c5146de4.jpgternenflottenkapitän konnte man alles schaffen – wenn man Captain Katherine Janeway war. Sie bereiste die Welt, entdeckte unbekannte Planeten und Völker, kämpfte und gewann gegen jed
es böse Schiff. Natürlich zeigte auch sie, dass man als Mädchen alles erreichen könnte, wenn man sich nur darauf einließ, denn Janeway ließ sich des Öfteren auf unbekannte Kreaturen, Völker, Rituale ein. Und wenn man von der Voyager spricht, dann darf man auf keinen Fall SevenOfNine vergessen, eine Borg, die man vom Kollektiv trennte und die ein Bestandteil der Crew wurde. Sie musste erst wieder an das Menschsein herangeführt werden, ein Prozess, der sich über Staffeln zog.

22a3041506b29c7b90d30d4be632fa33.jpgDoch Janeway war nicht die einzige Frau, die sich an Bord eines Schiffes auf zu neuen Galaxien machte – allerdings hat man Devon Adair heutzutage bereits vergessen, da von der begnadeten Serie „Earth 2“ leider nur eine Staffel existierte. Nichtsdestotrotz muss man sagen, dass Devon einer der Charaktere war, mit dem man sich als Jugendliche identifizieren konnte. Sie hatte es als Chance gesehen, ihrem Sohn die Möglichkeit zu geben, geheilt zu werden, und so machte sie sich mit einer Gruppe Unerschrockener auf den Weg, einen neuen Planeten zu kolonialisieren. Sie kämpften gegen Grendler und Terrianer; suchten nach Wasser und Essbarem. Verloren Freunde, schlossen Freundschaften mit unbekannten Wesen. Sie verliebten und stritten sich. Und Devon Adair war ihre Anführerin – was kann man sich Aussagekräftigeres und Imponierenderes vorstellen? Eine Frau, die eine Welt entdeckt und besiedelt? Eine Frau, die die Aufgabe auf sich nimmt, einen neuen Planeten zu entdecken, der die Welt und die Menschheit retten könnte?

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Um noch einen Zeitsprung in eine beinahe nicht gekannte Serie zu wagen, soll hier Kathleen O’Neil aus „Snowy River: Die McGregor Saga“ genannt werden. Eine begnadete australische Show, die im 19. Jahrhundert spielt. Ihr gelang es als Mutter eines Sohnes, ohne Ehemann, sich Respekt zu verschaffen und ihr Leben zu leben, in einer Welt, die genau das eigentlich nicht vorhergesehen hatte. Man stellte ihr Fragen und nicht jede beantwortete sie.

Auf der anderen Seite existierten Charaktere wie Roseanne, die nicht wirklich als Vorbild dienten, aber doch zeigten, dass Frauen stark sein konnten und keinesfalls von ihrem Ehemann abhängig waren.

Heute sehen wir Männer, die Zombies besiegen. Männer, die die Welt regieren. Frauen, die starken Männern zur Seite stehen und diese versuchen zu beeinflussen, zu lenken. Das sind keine Vorbilder, keine Ideale.

Wenige Serien können an diese starken Frauenideale anknüpfen und eigenständige, gebildete, starke Charaktere präsentieren, die als Vorbild dienen können und keinen Mann benötigen, der an ihrer Seite steht – sondern einen Partner, der gleichwertig ist und ihr keineswegs überlegen ist.

Über wenige Staffeln hinweg hätte man NCIS, als es von Jenny Shepard geleitet wurde, in diese Liste einfügen, bevor diese Position abermals von einem Mann übernommen wurde. Hier sei am Rande angemerkt, dass die Serie ein Problem mit starken Frauen hat, denn bisher hat man ausnahmslos alle aus dem Serie geschrieben (Caitlin, Jenny) – viele wurden erschossen, eine durfte am Leben bleiben (Ziva).

Als gleichwertige Partner seien hier auch Olivia Benson und Elliot Stabler (Law and Order SVU), Kate Beckett und Richard Castle (Castle), Patrick Jane und Teresa Lisbon (The Mentalist) – alles faszinierende Serien, faszinierende Charaktere und Schauspieler, dennoch bezweifle ich, dass sie dasselbe Bild hinterlassen, denn sie zeigen nur, dass man als Frau dasselbe erreichen kann und nicht mehr.

In einigen historischen Werken wird den weiblichen Wesen eine stärkere Rolle zugeschrieben, denke man nur an „Outlander“, „Downton Abbey“ oder „The Crown“. Alle drei zeigen Persönlichkeiten auf, die schwer zu erklären und sehr vielschichtig sind, oftmals mehr Autorität als ihre Männer besitzen, aber trotzdem müssen sie im Kontext der damaligen Gesellschaft gesehen werden, egal ob dies nun das 18. Jahrhundert in den schottischen Highlands ist oder das frühe 20. im Süden Großbritanniens.

In den 1990ern waren es Frauen, die auf der Suche nach neuen Lebenswelten waren. Egal, ob man hier an Dr. Quinn denkt, die den Westen für sich versuchte zu erobern, Devon Adair, die einen neuen G889 für die Menschheit herrichten soll oder Captain Janeway.

Man muss sich also die Frage stellen, das wollten die Medien heute? Welchen Zweck verfolgen sie und welches Bild wollen sie vermitteln? Das von starken, unabhängigen Frauen, die alles erreichen können, oder sollen Mädchen erkennen, dass sie lediglich dasselbe wie ihr menschliches Gegenstück erreichen können, aber nicht mehr?

(Ich bin mir bewusst, dass es viele Serien gibt, sehr viele und man nicht alles über einen Kamm scheren kann, doch sollte man sich das große Ganze durch den Kopf gehen lassen ….)  

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About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
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