Freezing Rain (NC17) OS

caskett_by_slaveformusic-d5gxm3n - Bearbeitet

Zeitrahmen: nach „Tick, Tick, Tick“ & „Boom!“    (2×17+2×18)


Blitz. Donner. Heftiger Regen ergoss sich über New York. Wie sagte man in einem kleinen europäischen Land so gerne: Und wenn es einmal regnet, dann regnet es sich ein. Das Wetter wäre auch unbedeutend gewesen, hätte es nicht um die Null Grad, würde kein Sturm toben und hätte es nicht gerade eine Meldung im Fernsehen und Radio gegeben, dass man doch bitte das Haus nicht verlassen sollte, da es lebensgefährlich wäre unterwegs zu sein.

„Das kann doch nicht wahr sein“, erklärte Kate, die wütend über die sich draußen abspielenden Umweltbedingungen war. Ein Kontrollfreak wie sie, hasste es, wenn sie Sachen zum Opfer fiel, die sie nicht kontrollieren konnte.

Donner. Blick. Donner. Es wurde einfach nicht besser.

Irgendwann fiel schließlich der Strom aus. Irgendwann hörte sie da Glas eines Fensters – Gott sei Dank keines der ihren – bersten.

Nachdem ihre Wohnung abgebrannt war, hatte sie sich aufgrund eines guten Maklers und einiger Verbindungen von Martha, ein nettes Apartment nicht weit von Castle gesucht. Die Miete war leistbar, ein Kauf in New York war beinahe unmöglich, sofern man nicht Millionär war.

Die Geräusche wurden im Laufe der nächsten halben Stunde nicht wesentlich besser. Nicht nur, dass der Strom nicht mehr funktionierte, auch die Heizung hatte irgendwann aufgehört zu arbeiten. Und so schön die Wohnung war, an der Isolierung hatte man offensichtlich gespart, somit kühlten die Räume rasch aus und mittlerweile trug Kate nicht nur ihre warm gefütterte NYPD Sweatshirtjacke, dicke wollene Strumpfhosen, eine Sweatshirthose und einen Schal, nein, sie hatte das Gefühl, dass sie ihren Atem sehen konnte.

Was sollte sie machen?

Bis zum Revier brauchte sie 45 Minuten, mindestens. Zu Lanie mehr als eine Stunde. Ihr Vater wohnte am anderen Ende von New York, also viel ihr kurzerhand nur noch Castle ein. Wie würde er reagieren, wenn sie plötzlich vor seiner Türe stehe? Wahrscheinlich wäre sie dann vollkommen durchnässt, aber die Aussicht, in einem warmen Apartment ein paar Stunden zu verbringen, war berauschend.

Ohne weiter nachzudenken packte sie Wechselkleidung in einen Plastiksack und stopfte diesen in ihren Rucksack zusammen mit ein paar anderen Kleinigkeiten, fixierte ihre Waffe, nachdem sie Jeans statt der Jogginghose angezogen hatte, ihre Marke und schloss die Wohnungstüre hinter sich ab. Sie hätte ja bei Castle oder Martha angerufen, wären die Handynetze nicht auch schon vor einiger Zeit zusammengebrochen.

Normalerweise hätte sie sich aufs Revier begeben, Hilfe angeboten, doch es wäre ein sinnloses Unterfangen gewesen dieses Mal, außerdem hatte sie drei Tage durchgearbeitet, um einen Mörder zu fassen und die Auszeit mehr als nur verdient.

Bis zu Castles Loft waren es in normalem Tempo 20 Minuten, würde sie flott unterwegs sein, wahrscheinlich nur eine Viertelstunde.



+C+C+C+



Als sie durch die beinahe einsamen Straßen der Stadt lief, kam ein Gefühl des Unbehagens in ihr auf. Niemand war unterwegs und es war nur eine Frage der Zeit, wenn dieses Wetter noch einen Tag andauern würde, dass Unruhen auftreten würden. Die Bevölkerung würde die Supermärkte stürmen und es würde zu Radau in Gewalt kommen – auch wenn dieses Verhalten vollkommen irrational war, denn wenn der Strom nicht ging, konnte man nicht kochen oder heizen, aber auch nicht kühlen. Gab es keinen Strom, dann gab es mit einer gewissen Sicherheit auch Gasgebrechen und wenn diese existent waren, dann lag New York quasi vollkommen im Dunklen.

Bereits nach wenigen Augenblicken war die Polizistin bis auf die Haut nass, sie fror. Kate zwang sich, schneller zu gehen, ihrem Körper warm zu halten. Als sie nach einer schier unendlichen Zeit, auch wenn es vielleicht nur 20 Minuten waren, spürte sie, wie ihre Zehen im Wasser standen in ihren warmen Winterschuhen, die sie sonst nur trug, wenn mindestens fünf Zentimeter Schnee lagen und die deswegen auf ihre Highheels verzichten musste.

Der Portier erkannte Kate und ließ sie durchgehen, er warf ihr sogar einen mitleidigen Blick zu, als er erkannte, dass sie eine nasse Spur am Boden des Hauses hinterließ. Der Lift funktionierte natürlich nicht, daher erklomm sie das letzte Stockwerk zu Fuß. Als sie oben angekommen war, hatte sie beinahe das trughafte Gefühl, dass ihr wieder warm geworden wäre, nur weil kein Wind um ihre Ohren blies und kein eisiger Regen auf sie hinabfiel.

Als sie vor der Türe stand, fragte sich Beckett wiederholt, ob es der richtige Schritt gewesen war, unangekündigt einfach bei ihm aufzutauchen, was waren sie denn schon zueinander? Er war ein „Kollege“, jemand der täglich ihr Nerven strapazierte und der, wenn er nicht am Revier war, dann doch eine gewisse Leere hervorrief.

Schließlich klopfte sie vorsichtig an die Türe. Dreimal. Dann wartete sie und es dauerte schier endlose Zeit, ihr gesamter Körper begann wieder zu zittern und sie war kurz davor umzukehren, als sich die Türe öffnete und Martha vor ihr stand.

„Katherine“, kommentierte sie und beäugte sie von Kopf bis Fuß, inklusive der kleinen Lacke, die sich um ihre Schuhe gebildet hatte, „komm rein.“ Die Schauspielerin half ihr aus der vollkommen durchnässten Jacke, wartete, dass sie sich die Schuhe auszog und sie auf eine bereitgestellte Abtropftasse stellte. „Mädchen, du bist ja vollkommen durchnässt. Komm mit …“

Das Apartment lag größtenteils im Dunklen. Irgendjemand hatte viele Kerzen aufgestellt, um dem Raum etwas Licht zu geben, zudem flackerte im Kamin ein großes Feuer.

Martha führte Kate vorbei an Alexis, die am Sofa vor dem brennenden Kamin saß, quer durch das Wohnzimmer, durch Ricks Büro in sein Badezimmer. Ohne viel zu sagen, entnahm die Rothaarige einem Regal ein paar große Handtücher und half Kate aus ihren durchnässten Kleidungsstücken, bis die junge Frau nur noch in Unterwäsche neben ihr stand und sie etwas schüchtern ansah. Es bedurfte keiner Worte und schon war Martha aus dem Raum verschwunden und Kate begann sich abzureiben, und dadurch kam allmählich ein wenig Gefühl in den Zehen zurück.

Als es an der Türe klopfte, erschrak Kate kurz und wickelte ein Handtuch um sich; und doch war es nur Alexis, die ihr Leggins und einen dicken Pullover reichte.

„Ich dachte mir …“, stammelte das Mädchen, scheinbar immer noch Perplex über ihren unerwarteten Besuch. Die Polizistin bedankte sich und machte sich daran, die ihr zur Verfügung gestellten Kleidungsstücke anzuziehen.

Aus dem Wohnzimmer hörte sie nur Marthas und Alexis Stimme, als sie aus dem Badezimmer kam, die sich über ein Buch das Alexis gerade lies, zu unterhalten schienen.

„Katherine“, erklärte Martha mit einem Lächeln auf den Lippen, „du möchtest doch sicherlich eine Tasse Tee?“

„Ihr habt Strom?“

„Nein, natürlich nicht, Liebes. Aber du weißt ja wie Richard ist, er liebt das Abenteuer, daher haben wir eine Camping Ausrüstung und somit können wir Wasser am Kamin heiß machen“, klärte sie die junge Frau auf und schenkte heißes Wasser in eine bereitstehende Tasse, in der ein Teebeutel hing.

„Ist Castle denn nicht zuhause?“, fragte Kate zögerlich und setzte sich auf das Mäuerchen neben dem Kamin. Normalerweise wäre ihr die Hitze, die das Feuer absonderte, zu viel gewesen, aber nach einem Marsch durch eisigen Regen konnte es gar nicht warm genug sein.

„Er sollte gleich wieder hier sein, Liebes. Er wollte vorher nur hinunter zu Mrs. Mary Hamsmith gehen. Sie ist über 90 Jahre alt und Richard machte sich Sorgen, dass sie vielleicht Hilfe benötigen würde. Sie wohnt in diesem Haus seitdem es errichtet wurde … also sofern man ihr Glauben schenken kann … aber dann wäre sie über 150 Jahre alt.“

Kaum hatte Martha ausgesprochen, hörten alle drei Frauen bereits, wie die Türe geöffnet wurde und zwei sich unterhaltende Leute eintraten, eine davon war Castle.

„Mutter, Mrs. Hamsmiths Wohnung ist einfach zu kalt, daher habe ich sie überredet, zu uns zu kommen und die Nacht hier zu verbringen“, erklärte Rick und nahm der alten Dame, die sich nur dank ihres Rollators aufrechterhalten konnte, die Tasche ab, die sie scheinbar bestanden hatte selbst zu tragen. „Oh Beckett …“, entkam es ihm dann, als er sie beim Kamin stehen sah.

„Rick …“

Ohne noch etwas zu sagen, führte der Schriftsteller die alte Dame zu einem Platz am Sofa und half ihr, Platz zu nehmen, bevor er zu Kate hinüberging, die sich wieder auf das Mäuerchen gesetzt hatte und ihn mit großen Augen, die noch größer wirkten, da ihre Haare noch nass waren und an ihrem Kopf anlagen.

Und schon begann sich Kate recht zu fertigen. „Ich dachte nicht, dass es ein Problem sei …“, sagte sie leise. Eine sonst so starke Frau, der es jetzt schwerfiel, Worte zu finden und ihren Aufenthalt zu rechtfertigen.

„Beckett …stopp! Es ist kein Problem“, erklärte er ihr mit einem Lächeln auf den Lippen. Lächelte er immer so?

Und plötzlich klopfte es abermals an der Türe und als Alexis diese öffnete, stand ein junges Mädchen davor, vielleicht mit 14 Jahren, die etwas verängstigt aussah.

„Mr. Castle …?“, formulierte sie zögerlich.

„Emily, wo hast du denn deine Schwester gelassen?“, fragte Martha und stand schon bei der Türe und den Teenager in Empfang nahm. „Ach, da ist ja Sophie.“

Kate stand auf und sah dann ein kleines, vielleicht vierjähriges Mädchen, das ihren Stoffhasen in der Hand hielt und müde aussah. Sie trug einen Pyjama und einige Schichten darüber.

„Bei uns ist der Strom ausgefallen und …“, versuchte die Ältere sich zu rechtfertigen.

„Kommt herein“; erklärte die Schauspielerin herzlich. „Ich mache euch eine heiße Schokolade.“

„Wo ist die Mutter der Kinder?“, wollte die Polizistin wissen.

„Sie ist Krankenschwester und wir haben das Arrangement, dass Emily jederzeit mit Sophie kommen kann, wenn es etwas gibt.“ Beckett nickte zustimmend. Das kleine Kind sah sich unsicher in der Gegend um, erkannte dann Mrs. Hamsmith und setzte sich neben sie. Dieses Gesicht kannte sie offensichtlich.

„Meine Kleine“, begrüßte sie sie, „hattest du Angst?“

„Nein. Aber es war kalt“, ließ sie die Dame wissen und lehnte sich an sie an.

Martha verteilte an alle beteiligten warmen Tee oder Kakao und Alexis begann aus der Küche Marshmallows zu holen, um sie an langen Spießen in den Kamin zu halten. Zuallererst wurden die alte Nachbarin und die Kinder versorgt, bevor sich Castle wieder Kate widmete, die still nahe dem Feuer saß und ihre Tasse Tee trank, alles genau studierte und erkannte, welch ein großes Herz diese Familie besaß. Sie machten keine Unterschiede, wer Hilfe benötigte, sahen nicht weg, sondern waren einfach für die Leute da.

Irgendwann führte Rick Kate in Richtung der Küche, wo er begann neben ihr kleine Sandwiches herzurichten.

„Was hat dich zu uns geführt?“, fragte er schließlich, als er Butter auf das Brot schmierte.

„Der Strom ist ausgefallen, die Heizung ging nicht und auch die Wasserleitungen …“

Castle lächelte ihr zu. „Du brauchst dich nicht rechtzufertigen“, ließ er sie wissen, „ich dachte, dich würde es eher aufs Revier treiben.“

„Vielleicht hätte ich dort von Hilfe sein können.“

„Bis du dort angekommen wärst, hättest du dir eine Lungenentzündung und sonst noch ein paar Krankheiten geholt. Mich, nein uns stört es ja nicht, dass du hier bist. Leider können wir deine Kochkünste dank des Stromausfalls nicht wirklich genießen.“

Noch bevor er den Satz vollendet hatte, war Kate schon neben ihm und begann Brote zu streichen, sie mit Schinken, hartgekochtem Ei und Salat zu belegen, bevor sie Zahnstocher in die Mitte steckten und sie halbierten.

„Hast du einen Wetterbericht gesehen oder gehört?“

„Der Eisregen soll in heftigen Schneefall übergehen und es gibt neben der Glatteiswarnung auch eine Schneewarnung für die nächsten Tage.“

„Hm …“

„Wie viele Tage hast du jetzt frei?“

„Drei.“

Es kam keine weitere Frage oder Entgegnung von Castles Seite, er kümmerte sich weiterhin um die Verpflegung seiner Gäste und sie fühlte sich, ehrlich gesagt, nicht als wäre sie ein Gast.



+C+C+C+



Sophie war auf der Couch eingeschlafen und für Mary hatte Martha rasch das Gästezimmer hergerichtet und den dort vorhandenen Kamin eingeheizt, da sich die ältere Dame zurückziehen wollte. Sie war müde, das sah man ihr an, und es vor allem auch nicht gewöhnt, so viele Menschen um sich zu haben.

Emily war noch hellwach, so war auch Alexis und der Rest der Erwachsenen, die versammelt um den Esstisch bei Kerzenlicht saßen.

„Wir sollten euch das Bett auf der Couch herrichten“, erklärte Martha Emily. „Möchtest du mir helfen, die Sachen aus dem Kasten zu holen, Alexis?“

„Muss ich schon schlafen gehen?“, fragte Emily und sah Alexis groß an.

„Lass uns das erst einmal herrichten“, schlug Castles Tochter vor. Ich hole meine Decke und alles von oben und wir können alle drei vor dem Kamin schlafen. Oder Vater? Also ein Matratzenlager ohne Matratzen, sondern mit Couchpölstern.“

Und schon waren die Mädchen spurlos verschwunden.

„Welches Lager wirst du Katherine für diese Nacht anbieten?“, fragte Martha schließlich etwas zögerlich nach und musste ein Lächeln unterdrücken.

Rick sah sie groß an, als hätte er darüber noch nicht nachgedacht.

„Ich kann bei den Mädchen schlafen“, offerierte die junge Frau, die immer noch den großen Pullover und die Leggins von Castles Tochter trug.

„Wenn du das ausdrücklich möchtest, aber …“

„Richard, habe ich dich nicht entsprechend erzogen? Junge! Er hat eine große Decke, Katherine und ich bringe dir noch etwas, indem du schlafen kannst. Richard beißt nicht, er redet nur viel. Aber er schläft wie ein Stein. Und wenn du dir mit ihm sein Bett nicht teilen möchtest, dann wird er bei den Mädchen schlafen. Natürlich.“

„Mutter“, mahnte der Autor.

„Richard“, entgegnete sie mit tiefer Stimme und gespielt ernstem Blick. „Ich habe einen Gentleman erzogen und keine Rüpel.“

Immer wenn Martha die Augenbraue hob, wusste ihr Sohn, dass jegliche Diskussion, bei dem ernsten Gesichtsausdruck sinnlos war, da sie so lange darauf beharren würde, bis er ihr zustimmte. Dies war immer schon so gewesen und würde sich im Laufe der nächsten Jahrzehnte auch nicht verändern. An und für sich war die Schauspielerin eine lockere Mutter gewesen, hatte ihm viele Freiräume gelassen, so lange er eine vernünftige Schule besuchte – und das war mit ihm nicht leicht gewesen – und sich an die Spielregeln hielt.

„Ach Castle, du hast mich ja so und so schon nackt gesehen“, versuchte Kate zu scherzen und bemerkte zu spät, dass Martha dabei hellhörig wurde, daher erklärte sie zusätzlich, „nachdem die Bombe in meiner Wohnung explodiert ist.“

Und von diesem Erlebnis und den wenigen darauffolgenden Tagen kannte sich Kate in Ricks Wohnung aus, also nicht in seinen privaten Gemächern – Badezimmer, Schlafzimmer und Ankleide – sondern in den anderen, wie der Küche und dem Gästezimmer.

Nachdem Rick sich darum gekümmert hatte, sie mit etwas Süßem und Getränke versorgt hatte, führte er Kate in sein Büro. Diesen Raum hatte sie während ihres Aufenthalts mehrfach betreten, um mit ihm über etwas zu reden.

„Es ist wirklich nicht notwendig, Rick, ich kann auf der Chaiselongue auch schlafen, der in deiner Ankleide steht.“

„Und wie soll ich das dann Mutter beibringen? Die wird mich das niemals vergessen lassen. Abgesehen davon haben wir keine Decken für ein extra Bett. Letztes Jahr, nach dem großen  Schneesturm, haben wir alle warmen Sachen für Weihnachten in die Hamptons mitgenommen.“

Beckett wusste nicht, was sie ihm entgegnen sollte. Wahrscheinlich würde sie auf der Chaiselongue kein einziges Auge zubekommen, doch ob dies neben Castle funktionieren würde, stand auch noch in den Sternen. Andererseits fühlte sie sich müde und vermutete, dass sie sich rasch in der Welt der Träume befinden würde.

Martha hatte Kate noch ein anderes paar Leggins, ein langärmeliges Flanelloberteil eines Pyjamas und ein Top mitgegeben, außerdem ein paar warme Socken. Sie konnte nicht wissen, dass egal wie kalt es war, Kate niemals mit Socken zu Bett ging, da sie so niemals Schlaf finden würde. Etwas, dass sie schon in ihrer Kindheit hatte nicht ausstehen können. Rasch wechselte Kate im Schlafzimmer, während Rick in seinem Büro wartete, die Kleidung.

„Ich habe eine Gästezahnbürste“, erklärte Rick und ging mit Beckett im Schlepptau ins Badezimmer, in dem immer noch mehrere Kerzen brannten, so wie vor Stunden, als Kate den Raum  betreten hatte.  Dicke Kerzen mit mehreren Dochten, teure Kerzen mit langer Brenndauer, die dem Raum einen angenehmen vanilligen Duft verliehen.

Rick öffnete einen Schrank, griff nach einer originalverpackten Zahnbürste und reichte sie Kate kommentarlos, die sich leiste bedankte, sie auspackte und begann, ohne auf den Autor zu warten, sich am Waschbecken die Zähne zu putzen. Wäre es eine andere Situation, würde sich Kate fragen, wie viele Zahnbürsten sich wohl in diesem Kasten befanden und wieso er diese immer parat hatte.

Innerhalb kürzester Zeit stand Rick hinter hier und war auch dabei, sich die Zähne zu putzen. Beinahe gaben sie ein harmonisches Bild ab, wenn draußen kein Sturm getobt hätte und sie beide quasi in diese Situation gebracht hätte.

Nachdem sich Kate das Gesicht gewaschen hatte, trocknete sie sich in einem Handtuch ab, dass Rick offensichtlich auch benutzte, das es mehr als nur nach ihm roch. Nach seinem Aftershave. Parfum. Was auch immer.

Im Schlafzimmer vor dem Bett wartete sie auf ihn, unsicher, wie sie dies nun angehen sollten.

„Du kannst dir eine Seite aussuchen“, erklärte Rick charmant. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so leicht sein würde, dich ins Bett zu bekommen!“ Nach Vollendung des Satzes musste Rick leise lachen, Kate hingegen verunsicherte das Statement weiter. Schließlich entschied sie sich für die linke Seite des Bettes, schlug die dicke Decke zurück und setzte sich hin.

Rick blies alle Kerzen bis auf eine aus, eine große, die in einem Glas stand, ließ er brennen. Der Himmel war immer noch dunkel, ein Sturm tobte und der starke Eisregen hatte sich in sehr starken Schneefall gewandelt, sodass man das gegenüberliegende Haus kaum sehen konnte und sich bereits Schneeberge auf der Straße vor dem Haus befanden.

Als er sich zu Beckett in sein Bett legte, hatte sie sich so gedreht, dass sie ihn ansah. Ihre großen braunen Augen, die diesen Hauch von Grün und Gold aufwiesen, sahen ihn groß an. Was ging in diesem schönen Kopf bloß vor?

Kate wusste nicht, was sie sagen sollte, als er schließlich neben ihr in seinem karierten Flanellpyjama lag, doch so oft brauchten sie keine Worte, um zu kommunizieren. Beckett rutschte in die Mitte des Bettes, drehte sich schließlich auf die andere Seite und Rick legte sich hinter sie. Von nun an konnte sie ihn spüren, von Kopf bis Fuß. Ihr Kopf rastete teils auf seinem Oberarm, teils auf dem Polster. Sein Atem berührte sie am Hals. Seine Hand lag auf ihrem Bauch und sein Bein oberes Bein schob sich allmählich zwischen die ihren. Das erste Mal an dem Tag war Kate warm.

Als sie hierhergekommen war, hatte sie nicht vorgesehen gehabt, dass sie hier im Bett mit Castle, engumschlungen, landen würde. Und es dauerte nicht lange und war eingeschlafen. Rick hingegen brauchte länger. Er fragte sich des Öfteren, was ihn dazu bewegt hatte, sich an sie zu pressen, seinen Arm um sie zu legen – war es nur die Suche nach Wärme gewesen? Wahrscheinlich nicht. Jetzt lenkte ihn ihr herrlicher Geruch ab. Ihre Haare rochen nach Kirsche, ihre Haut nach einem Kokosduschgel. Es kam der Moment an dem auch er schließlich eingeschlafen war und die nächsten Stunden von der Frau in seinen Armen auch nicht mehr ablassen würde. Eher das Gegenteil war der Fall, denn sein Gesicht war an das ihre gepresst. Seine Hand war irgendwann unter das Oberteil des Pyjamas gerutscht und lang auf ihrem entblößten Bauch und ihr Po hatte sich fester gegen sein bestes Stück gepresst.

Irgendwann in den Morgenstunden wollte Alexis ihren Vater etwas fragen und fand die beiden engumschlungen in seinem Bett vor. Beide sahen so friedlich aus. Glücklich. Nach ihrer Entdeckung schloss sie abermals alle Türen leise, dachte sich ihren Teil und half Martha, das Feuer im Kamin in Wohnzimmer wieder zu entfachen.

Kurze Zeit hatten sie im Wohnzimmer Radioempfang gehabt, bevor das Signal kurz nach 8 Uhr wieder abgebrochen war, und da hatten sie in den Nachrichten gehört, dass der Ausnahmezustand aufgrund des Wetters über die Stadt verhängt worden war und der Bürgermeister angeordnet hatte, dass alle Menschen dort verharren sollten, wo sie waren. Man arbeite an der Behebung des Stromausfalls und auch an den geborstenen Gasleitungen, aber aufgrund der Schneemassen käme man nur sehr langsam voran. Außerdem seien die Notaufnahmen mehr als nur überfüllt und nur bei absoluten Notfällen solle man diese aufsuchen, da dort auch nur die Notstromgeneratoren liefen und man ein Notprogramm fahren würde. Die Wettervorhersage prognostizierte Schnee, Schnee und einen Schneesturm.

Martha hatte einen Blick in die Vorratskammer geworden, die Richard erst letztlich wieder einmal vollkommen aufgefüllt hat, nicht ahnend, dass sie davon so viele Leute ernähren würden müssen.

Kinder, besonders solch kleine wie Sophie, konnte man nur eine angemessene Zeit ruhig halten und so kam es, dass sie durch das Loft lief, laut lachend, und irgendwann natürlich auch Castles Schlafzimmertüre aufriss, zu einer Seite des Bettes lief, die beiden Schlafenden ansah, lachte und wieder aus dem Zimmer lief. Genau dieses Geräusch, dieses freudige Lachen, war es gewesen, dass beide aufweckte und sie sich abermals ihrer Position bewusste wurden, die keiner von beiden – aus welchen Gründen auch immer – verlassen wollte. Auf der einen Seite war es sicherlich wohlig warm und sicher, auf der anderen war es diese neugefundene Intimität, die kein unangenehmes Gefühl in einem von beiden hervorzurufen schien, keine Panik auslöste oder dergleichen.

„Rick …“, murmelte Kate leise, um zu sehen, ob er bereits wach war. Seine Reaktion war eine einfache, seine Arme schlossen sich enger um sie. Leise murmelte er ihr etwas Unverständliches ins Ohr. Ob sie seine Männlichkeit an ihrem Po spürte, das stand außer Frage, denn diese war eindeutig. Und auch Castles Bein, das zwischen den ihren lag, presste angenehm an eine so sensible Stelle, dass es köstlich war. Die junge Frau war sich nicht sicher, ob sie tatsächlich aufstehen wollte, schloss noch einmal kurz die Augen, presste ihr Hinterteil etwas gegen seine Erektion, die ein leises Aufstöhnen seinerseits auslöste.

Aber es dauerte nicht lange und ein kleines Mädchen stürmte in das Zimmer, Sophie, lachend. Alexis hatte sie nicht zurückhalten können und nachdem die Stunde bereits fortgeschritten war, hatte sich auch niemand mehr im Wohnzimmer die Arbeit gemacht, sie zurückzuhalten.

Es war der Moment, an dem Kate beinahe aufschreckte, da sie abermals so tief eingeschlafen war und gar nicht bemerkt hatte, dass Ricks große Hand mittlerweile die Unterseite ihre Brust berührte – eigentlich war es nur sein Daumen.

So saß sie vollkommen erschrocken im Bett. Und so rasch, wie sie aufgeschreckt war, vermisste sie die Wärme seiner Umarmung. Die Nähe seines Körpers. Castle streckte sich hingegen und blickte Kate verwundert aus seiner liegenden Position an. Was war heute Nacht passiert?

Beckett kam sich mit beiden Händen einen Zopf bindend ins Wohnzimmer und wurde bereits von dem gesamten Castle-Rogers-Clan inklusive Hausgäste empfangen. Martha warf der jungen Frau einen Blick zu, der vermuten ließ, dass sie Details über letzte Nacht hören wollte. Alexis schien alles offensichtlich etwas unangenehm, allerdings war sogar Mrs. Hamsmith darauf erpicht, etwas zu erfahren. Kate sah sie groß an und ging in Richtung Küche, wo Brot und Käse hergerichtet war, um die Gäste zu verköstigend. Wissend, wo sie nachsehen musste, fand sie noch etwas Honig und Marmelade.

„Kennt sie sich denn hier so gut au?“, fragte Mary Martha, die gemeinsam auf der Couch saßen, Tee tranken und plauderten.

„Weißt du, Mary, du kannst dich doch sicherlich daran erinnern, dass ich dir einmal erzählt habe, dass die Wohnung einer Kollegin von Richard explodiert sei.“ Die alte Dame nickte bejahend. „Das war ihre und danach hat mein Sohn, Gentleman, der er ist, angeboten, bei uns zu wohnen, bis sie wieder ein Dach über dem Kopf hat.“

„Und damals ist nichts …?“

„Du weißt doch, wie er sein kann, Mary. Wenn um Katherine geht, ist er so unsicher wie ein Teenager. Jedes Mal, wenn ich das Thema nur anschneide, beharrt er darauf, dass sie gute Freunde seien, sie ein berufliches Band verbinde …“

Marys Grinsen ließ erkennen, wie sie über Castles Aussagen dachte. „Wenn ich ihn um sie herum tänzeln sehe – und ich muss sagen, dass sie ganz anders aussieht, als seine üblichen Frauenbekanntschaften. Sie ist selbstbewusst, aber auf eine positive Art und Weise und nicht wie diese Gina, mit der er verheiratet war.“

„Hm…“

„Ich verstehe ja bis heute nicht, wie du sie ihm vorstellen konntest. Seiner beruflichen Karriere möge es geholfen haben – ich bin aber sicher, Martha, er hätte auch so seinen Weg gemacht – aber privat war es das Gegenteil. Ich mochte sie nie.“

„Sie war mir immer lieber als Meredith“, erklärte Martha leise, sodass Alexis es keinesfalls hören konnte.

Die beiden Frauen kannten sich bereits über viele Jahre, immer wieder hatte man geplaudert und Martha hatte irgendwann herausgefunden, dass Mary, als sie jünger war, ebenso beim Theater gearbeitet hatte. Sie war am Broadway in einigen Theatern für die Kostüme zuständig gewesen, hatte sich um Accessoires gekümmert und dies bereits lange vor Marthas Zeit.

„Ich mag diese Katherine“, ließ Mary sie wissen und nahm einen Schluck ihres Tees. „Sie ist scheint Alexis zu mögen, ist nicht aufdringlich in ihrer Persönlichkeit, hat einen Job, den sie scheinbar – laut deiner Erzählungen – sehr schätzt. Und sie ist sehr hübsch, wenn auch eigentlich nicht sein Typ.“

„Wenn wir von den Frauen ausgehen, mit denen er auf den Titelblättern diverser Zeitungen auftaucht, dürfte Richard weder mit Meredith noch mit Gina verheiratet gewesen sein, da keine von beiden wirklich sein offizieller Typ ist.“ Nach dieser Analyse mussten beide etwas lachen.

Kate hingegen in der Küche, genoss ihr Marmeladebrot und hätte nur allzu gerne ein Joghurt aus dem Kühlschrank genommen, da sie wusste, dass die Castles immer einen großen Vorrat an Milchprodukten im Kühlschrank hatten, neben all den anderen Lebensmitteln, die bei ihr lediglich verdarben.

Sie sah die Mädchen, die vor dem großen Fenster saßen und ein Kartenspiel spielten. Die kleine Sofie schaute den älteren zu und hielt selbst ein paar wenige Karten in der Hand, die man ihr einfach überlassen hatte. Martha und Mrs. Hamsmith saßen am Sofa und unterhielten sich sichtbar gut. Wo war nur Castle? Sie war vor mehr als einer Viertelstunde aufgestanden.

Kate schaltete ihr Handy wieder ein und musste feststellen, dass sie immer noch keinen Netzempfang hatte, das Internet nicht funktionierte. Auf eine Art und Weise kümmerte es sie nicht und sie drehte das Gerät wieder ab, um Strom zu sparen. Auf eine andere, fragte sie sich schon, wie lange dieser Zustand wohl noch tragbar für die Stadt sein würde und wie sie erfahren sollte, dass man sie brauche, wenn es keine Möglichkeit gab, sie zu kontaktieren. Niemand wusste, dass sie bei Castle war, nicht einmal ihr Vater, der sich allerdings zum aktuellen Zeitpunkt in Europa befand und daher vielleicht gar nicht erst mitbekam, was sich in New York gerade abspielte.

Irgendwann kam Castle, sein Haar wirr, aus dem Schlafzimmer und trug frische Jogginghosen und ein anderes T-Shirt. Nachdem er kurz allen einen guten Morgen gewünscht hatte, begab er sich zu Kate, die am Tresen stand und einen aufgeschnittenen Apfel verspeiste. Kurz warf Rick ihr ein Lächeln zu, bevor er sich neben sie stellte, ihr eine Spalte vom Teller, der vor ihr stand, stahl. Als er es abermals versuchte, klopfte ihm Kate vorsichtig auf die Hände, damit er von dem Obst abließ, er nahm ihr aber trotzdem etwas weg und aß dieses genüsslich, bevor er nach einer Scheibe Brot griff, Kates Messer, sich die Marmelade nahm und begann Butter und den Obstaufstrich auf dem Brot zu verteilen, es in Stücke zu schneiden und der Frau neben sich einen kleinen Teil anbot. Zu seiner großen Verwunderung nahm ihm Beckett den größeren Teil des Brotes weg, griff nach ihrer Tasse und setzte sich mit beidem an den Esstisch, von wo aus sie alles in ihrem Blickfeld hatte.

„Richard, Liebling“, begann Martha und stand auf, „gut, dass du schon wach bist. Das Wetter ist furchtbar. Es schneit wie wahnsinnig und wir sitzen hier fest. Wir haben kurz Radio gehört in der Früh und da hat man gesagt, dass der Bürgermeister weiterhin den Ausnahmezustand als gültig erklärt habe. Wir müssen uns eine Beschäftigung finden.“

So kam es, dass im Laufe des Jahres alle Gesellschaftsspiele des Hauses zusammengetragen wurden und man spielte in unterschiedlicher Konstellation. Kate klammerte sich aus vielen Spielen aus und beschäftigte sich mit Sofie, die für all diese Spiele noch viel zu jung war und lieber mit Lego baute, Alexis Puppen um- und anzog und Kinderbücher ansah. Castles Tochter hatte aus ihrem Zimmer einen großen Sitzsack in den Wohnraum gebracht und in diesem saß nun Kate mit dem Mädchen in diesem am Fenster und studierte mit ihr ein skandinavisches Kinderbuch, in dem eine Katze und ein alter Mann die Hauptprotagonisten waren.

Diese Seite von Beckett hatte Castle bisher noch nie gesehen. Ihre Haare hatte sie locker zusammengebunden und trug immer noch das Outfit, das sie in der Nacht angehabt hatte, unter dem seine Hände gewesen waren. Es war eine andere Kate, sie brauchte nicht stark zu sein, war einfach sie selbst, musste sich niemandem beweisen. Das war die Frau, nach der er auf der Suche gewesen war, als er sie beobachtet hatte. Die echte Katherine Beckett.

„Richard, lass uns doch etwas Wasser erwärmen, damit wir uns alle etwas frisch machen können, Liebling. Ich glaube, damit wäre uns allen geholfen“, verlautbarte Martha, richtete dann ihren Blick auf ihre Enkeltochter. „Und du Emily gehst mit Alexis hinunter und ihr holt frische Anziehsachen.“

Es war eine Art Kommando, das Martha gab, und niemand traute sich zu wiedersprechen. Sie sagte leise etwas zur alten Nachbarin, die ihr willig einen Schlüssel in die Hand drückte und etwas zu erklären schien. Und innerhalb von wenigen Augenblicken war die Wohnung halb leer. Um Richard zu helfen, setzte Kate das kleine Mädchen neben Mrs. Hamsmith auf die Couch, reichte ihr das Bilderbuch und schon begann die Dame mit großer Begeisterung vorzulesen.

„Du könntest inzwischen im Badezimmer alles herrichten“, ließ Castle Beckett wissen, als wäre dies das Selbstverständlichste auf der Welt.

„Und was soll ich machen?“

„Zünde die Kerzen wieder an. Zünder liegen beim Waschbecken. Vielleicht solltest du einige aus dem Schlafzimmer dazustellen, damit man wirklich etwas erkennen kann. Handtücher sind im hohen Schrank, Seife und Duschgel ebenso. Am besten wird es sein, wir lassen etwas warmes Wasser in die Badewanne, dann können sich die Mädchen darin waschen. Und ich werde dir noch Kleidung, zum Umziehen holen.“

„Ich habe eine Jean und Unterwäsche mit.“

„Möchtest du den ganzen Tag in einer Jean herumsitzen?“ Doch die Antwort wartete er gar nicht mehr ab, denn er war schon verschwunden, füllte ein großes Gefäß mit Wasser und stellte es auf eine kleine Plattform am Kamin.

Während Kate sich im Badezimmer, wie befohlen, betätigte, holte Castle aus Marthas Kasten dunkelblaue Leggins, dicke Socken und von seiner Tochter eine einfache Sweatshirt-Jacke. Und während die beiden alles herrichteten, kamen allmählich wieder alle in die Wohnung zurück.

Die Kinderstimmen waren nicht zu überhören und als die Polizistin das Wohnzimmer betrat, merkte sie, dass sie wohl mehr als nur Kleidung mitgebracht hatten, so lagen nun zwei Puppen auf einer Decke vor dem Feuer und ein Stoffsack mit unbekanntem Inhalt, außerdem ein kleiner Schlafsack. Außerdem kam Martha zurück mit einer kleinen alten Reisetasche, die sie neben Mary stellte und ihr den Schlüssel zurückgab.

Kate meldete sich freiwillig, sich um Sophie zu kümmern und ihr beim Waschen zu helfen. Sie mochte das kleine Mädchen, sie mochte Kinder generell, weil sie unschuldige Wesen waren, die kein böses Blut in sich hatten.

„Und was machst du den ganzen Tag?“, fragte Sophie, als sie in der Wanne stand und Kate sie mit einem Waschlappen wusch.

„Ich bringe böse Menschen ins Gefängnis.“

„Also wie Onkel Rick?“

Auf dies Frage musste Kate leicht lachen. „Onkel Rick hilft mir dabei.“

„Ist er eine große Hilfe? Meine Freundin Jenny ist das nicht. Immer wenn wir in der Bauecke spielen, wirft sie alle Türme um …“

„Meistens schon“, antwortete die Polizistin. Das Mädchen sah sie etwas verwundert an, ungläubig.

„Manchmal nicht? Aber Onkel Rick kann doch alles …“

„Meistens ist er eine große Hilfe“, erklärte sie und blies ihr eine Schaumblase ins Gesicht, woraufhin das Mädchen lachen musste, „manchmal steht er aber ein bisschen im Weg herum, auch wenn er gute Ideen hat.“

Mit dieser Antwort gab sich das Mädchen zufrieden, ließ sich dann abtrocken und frisch einkleiden, bevor sie gemeinsam das Bad verließen, damit die Teenager sich waschen konnten. Als sie das Bad verließ, ging sie am Schlafzimmer vorbei, das sie in der Nacht zuvor benutzt hatte und das Bett war immer noch nicht gemacht, daher schickte sie das Kind voraus und machte sich an die Arbeit, das Bett entsprechend zu machen. Immer noch lag der Geruch von letzter Nacht in der Luft, etwas Unbeschreibliches.

Kaum hatte sie die dicke Daunendecke über das Lacken geschlagen, hörte sie schon die Stimmen der beiden Mädchen, die die Türe des Badezimmers hinter sich schlossen.

„Sind sie jetzt gemeinsam ins Bad gegangen?“, fragte Martha, die aus einem Kate unbekannten Grund dabei lachte.

„Ja?“, antwortete Kate vorsichtig und hängte die feuchten Handtücher über einen Wäscheständer, den man zum Kamin gestellt hatte. „Ich sollte einmal versuchen, ob ich es schaffe, am Revier anzurufen, um zu fragen, ob sie Hilfe brauchen.“

Und so suchte Kate ihr Handy aus der Jacke und schaltete es ein, Strom hatte sie noch, doch wollte das Gerät sich in kein Netz einwählen. Kate wartete und wartete. Irgendwann trat Rick hinter sie und führte sie wortlos die Stiegen hinauf in den privaten Bereich des Lofts, wo sich neben den Schlafzimmern von Alexis und Martha noch ein kleiner ungeheizter Yoga-Raum befand und eine Türe, die Kate noch nie geöffnet hatte. Castle öffnete diese und zum Vorschein kam eine alte Funkanlage, die scheinbar schon länger ungenutzt in diesem Zimmer stand.

Beckett sah ihn daraufhin fragend an und dann schließlich entdeckte sie den Polizeiempfänger, der oben auf dem Gerät stand.

„Wo kein Kläger, da kein Richter“, kommentierte Rick dessen Existenz und schaltete das Gerät ein, drückte auf einige Knöpfe und schon hörte man den normalen Funk.

„Und damit kann ich mich einklinken?“

„Ja. Hat das Revier nicht eine eigene Frequenz, die genutzt wird?“

„Natürlich … lass mich kurz nachdenken …“ Und sie musste einige Zeit überlegen, bis ihr wieder die altbekannte Frequenz einfiel, die sie seit Jahren nicht hatte wählen müssen, um Informationen zu erhalten oder gesichert durchzugeben, denn wer verwendete heute noch Funkgeräte?

Rick ließ sie schließlich alleine in dem kalten Raum, brachte ihr noch eine Decke aus Marthas Zimmer und ging wieder ins Wohnzimmer, um den Rest der Bande zu unterhalten. Als er die Treppe hinabstieg, blickte er aus den großen Fenstern des Lofts. Der Schneefall war nicht weniger geworden, hatte aber auch nicht zugenommen – stetig vielen große Massen Schnee auf die Straßen, die nicht geräumt waren. Kaum ein Mensch befand sich im Freien. Genaugenommen sah er einen Mann mit einer großen Dogge, die den Schnee sogar lustig fand, sonst niemanden.

Nach gut einer halben Stunde kam Kate die Treppen hinunter und suchte Blickkontakt mit Rick, ohne etwas zu sagen, folgte er ihr in Richtung Küche und schnitt, als wäre es beabsichtigt gewesen, einen Apfel auf.

„Hast du jemanden erreicht?“

Kate nickte und erklärte, dass sie sogar kurz mit Ryan gesprochen habe, der mit Esposito am Revier war. Montgomery habe ihr außerdem direkt befohlen, zuhause zu bleiben, man würde nach Ende dieses Wetterchaos noch genügend ausgeschlafene Polizisten benötigen, die dann bei den Aufräumarbeiten helfen würden. Aktuell sei die Nationalgarde mit im Einsatz, doch auch Einbrecher und anderen Ganoven hatten ihre Probleme, sich bei den Schneemassen fortzubewegen, daher kam es verhältnismäßig zu wenig Einbrüchen und Sachschäden, allerdings mache ihnen der immer noch ausgefallene Strom große Sorgen, denn selbst die Notstromaggregate würden irgendwann an ihre Grenzen kommen.

Nachdem Rick vorsichtig nachgefragt hatte, ob es allen gut ginge, ließ sie ihn wissen, dass sie die anderen habe wissen lassen, dass sie bei ihm sei und man sich keine Sorgen machen müsse. Castle fragte nicht nach, welche Reaktion darauf gekommen sei, da er die Situation nicht überstrapazieren wollte. Er fragte auch nicht weiter nach, was die anderen noch gesagt hätten, dazu kannte er Kate zu gut. Wollte sie etwas preisgeben, tat sie es, wollte sie nicht darüber reden, schwieg sie und schweigen konnte sie wie ein Grab.

Im Laufe des Tages richteten Martha und Alexis aus tiefgekühltem Hühnchen und Gemüse Spieße her, die sie über dem Kaminfeuer grillten und Kartoffel, die in Alufolie gewickelt in der Glut lagen aßen sie dazu.

„Glaubst du, es wird irgendwann zum Schneien aufhören?“, fragte Emily vorsichtig. „Und Mama wieder nachhause kommen?“

„Ach, natürlich, Kleines“, beruhigte Martha das Mädchen und zog es an sich, sodass ihr Kopf an der Schulter der Schauspielerin lag. „Natürlich hört es wieder auf, auch wenn es noch ein paar Tage dauern sollte, hier geht es euch gut und ihr müsst euch keine Sorgen machen. Es war gut von dir, meine Liebe, dass du hinaufgekommen bist. Sehr erwachsen.“ Die lobenden Worte beruhigten den Teenager etwas und es dauerte nicht lange, da war sie an der Schulter lehnend auch schon eingedöst. Ihre kleine Schwester schlief bereits seit einigen Minuten auf der Couch und Alexis war in dem Fauteuil beim Fenster, in zwei Decken gehüllt, beim Lesen eingeschlafen.

„Vielleicht sollten wir uns alle etwas ausruhen?“, sagte Rick und hob Emily hoch, legte sie auf das Matratzenlager vor dem Kamin und deckte sie zu. Martha stimmte zu und auch Mrs. Hamsmith fand keine gegenteiligen Worte.

Etwas irritiert sah Kate sich um. Eigentlich war sie nicht müde, wollte sich noch waschen, denn als einzige hatte sie dies scheinbar noch nicht gemacht, und danach, danach könnte sie sich vorstellen, die Augen etwas zuzumachen.

Rick war bereits am Weg in sein Schlafzimmer und wortlos ging die Polizistin im nach, allerdings bog sie dann ins Badezimmer ab, wo immer noch ihre Wechselsachen lagen. So zog sie sich, nachdem sie die Türe abgeschlossen und einige Kerzen erneut entfacht hatte, aus, stellte sich in die Badewanne und übergoss sich mit dem bereits reichlich ausgekühlten Wasser, seifte sich ein und wusch diese dann wieder ab, bevor sie aus der Wanne stieg, sich abtrocknete und feststellte, dass sie jetzt nach Rick roch – nach seiner Seife. In der frischen Kleidung öffnete sie mit zusammengebundenen Haaren das Schlafzimmer

Rick lag bereits am Rücken am Bett, hatte die Decke zurückgeschlagen, die Socken aus- und eine andere Jogginghose angezogen und hatte eine Zeitschrift in der Hand. Vorsichtig setzte sich die junge Frau auf die andere Seite des Bettes und cremte sich, mit der am Nachtisch stehenden Handcreme – scheinbar Ricks – die Hände nervös ein, bevor sie sich auch hinlegte, die Socken abstreifte und die Decke über sich zog. Es dauerte nicht einmal fünf Minuten und schon war sie eingeschlafen.

Ohne es beabsichtigt zu haben, konnte Castle nicht anders, als ihre feinen Gesichtszüge zu studieren. Den dichten Fächer aus dunklen Wimpern, die sorgfältig gezupften Augenbrauen, die weich aussehenden rosigen Lippen. Mit jedem Atemzug hob und senkte sich ihr Brustkorb und mit jedem Atemzug wurde Rick bewusst, dass sie so absolut nicht der Typ von Frau war, der ihn sonst interessierte. Katherine Beckett musste nicht gerettet werden, war selbstständig und stand mit beiden Beinen fest im Leben. Sie wollte keinen Deka seines Ruhmes, eher das Gegenteil war der Fall. Auch sie lebte für ihren Job und wollte ihn nicht missen, obwohl ihre Mission eine andere war als die seine – ihr ging es darum, Verbrecher hinter Gitter zu bringen, ihm aus möglichst gut konstruierten Fällen viel Profit zu schlagen. Außerdem gehörte sie nicht zu dem Teil des weiblichen Geschlechts, das mit ihrem Aussehen beeindrucken wollte, es ständig zur Schau stellte. Als er sie zum ersten Mal in einem Kleid gesehen hatte, hatte er seinen Mund kaum schließen können – hinter all den weit geschnittenen Teilen befanden sich zahlreiche weibliche Kurven, die sie gewusst nicht zu ihren Gunsten beruflich ausnutzte, denn das letzte, das Kate wollte, war, als Frau anders als all ihre Kollegen behandelt zu werden. Sie war unauffälliger, als Gina und Meredith gewesen waren. Und auch im Vergleich mit allen anderen Frauen, mit denen er in den letzten Jahren ausgegangen waren … Kate war einfach anders.

Castle legte das Magazin zur Seite, rollte sich zur Seite, legte seine Hand auf die ihre, die auf der Tuchent lag und schloss die Augen.

Stunden später, als die Stimmen im Wohnzimmer wieder lauter wurden, öffnete Rick vorsichtig seine Augen und fand Kate halb auf ihm liegend vor. Sie schien immer noch zu schlafen, hatte sich aber währenddessen so auf ihn gerollt, dass ihr Kopf und ihr halber Körper auf ihm lagen, eines ihrer Beine zwischen den seinen. Auch dass er eine Handvoll Po hielt, überraschte ihn etwas. Seine zweite Hand lag an ihre Wange.

Vorsichtig zog er beide Hände zurück, strich mit der eine Kate vorsichtig über den Rücken, um sie zu wecken. Noch zeigte der batteriebetriebene Reisewecker eine Uhrzeit an und es waren fast zwei Stunden vergangen, seitdem sie sich hingelegt hatten.

Eigentlich hätte Rick sich erwartet, dass Beckett hochschrecken würde, sobald sie realisierte, in welcher Position sie sich befand, aber dies tat sie nicht. Sie streckte sich etwas und strich mit ihren Oberschenkel eindeutig und unabstreitbar über Castles Erektion (die ebenso nicht abzustreiten war). Doch sagte sie nichts, sondern kuschelte sich noch einmal, mit geschlossenen Augen, an seine Brust, legte ihre Hand über sein Herz und schien abermals einzuschlafen.

„Katie“, murmelte Rick leise und strich ihr wiederholt sanft über den Rücken. „Katie.“ Noch nie hatte er die Verkleinerungsform ihres Namens verwendet, war diese doch den nahestehenden Familienangehörigen vorbehalten. Es dauerte einige Minuten, bis Kate ihre Augen wirklich öffnete und ihn ansahen. Waren sie immer so grün? Rick wusste nicht, was er in diesem Moment sagten sollte, daher strich er ihr weiter über den Rücken, ließ seine Finger immer wieder über den Streifen gleiten, der entblößt war, wo das Shirt hochgerutscht war und der Bund der Leggins noch nicht begonnen hatten. Sie sagte kein Wort. Rick merkte eine Sekunde später, dass ihre Finger nun über die Stelle an seinem Bauch tanzten, an der kein T-Shirt war, und sie hatte nicht die leiseste Ahnung, was sie ihm mit dieser scheinbar harmlosen – von unschuldig war hier keineswegs die Rede – Bewegung antat. Die bereits vorhandene Erektion wurde härter, beinahe schmerzhaft. Und jedes Mal, wenn ihre Finger an den Bund der Jogginghose stießen, musste er sich zügeln, nicht lauf aufzustöhnen, ebenso, wenn ihr Bein sich in die Richtung seines Geschlechtes bewegte. Konnte Beckett so naiv sein und glauben, dass ihm all dies nicht erregte? Bewegte? Aufwühlte?

„Katherine“, ertönte schließlich Marthas Stimme, „jemand ist an dem alten Gerät und möchte dich sprechen …“

Ohne zu zögern sprang Kate auf, zog das Shirt hinunter, griff nach den dicken Socken und der Sweatshirtjacke und lief die Treppe in den oberen Stock zum Funkgerät. Es war die tiefe Stimme ihres Vaters auf der anderen Seite der Leitung.

„Daddy“, antwortete Kate zufrieden, als sie ihn hörte. Er erklärte ihr, dass man ihn habe wissen lassen, dass es ihr gut gehe und man ihm diese Frequenz gegeben habe. Seit einer Stunde würde er es bereits aus der Schweiz versuchen, sie zu erreichen.

„Es geht mir gut, Daddy.“

„Bist du bei ihm?“

„Das weißt du doch. Bei mir war der Strom ausgefallen …“

„Du musst dich nicht rechtfertigen, Katie. Ich habe mir nur Sorgen gemacht und wollte deine Stimme hören. Detektive Montgomery hatte mir zwar versichert, dass ich mir keine machen brauche …“

„Es geht mir gut. Und wann planst du zurückzufliegen?“

„Die Wettervorhersage ist nicht überragend. Ich habe noch zwei Wochen hier vor mir und werde dann wohl noch eine Woche in Griechenland deine Tante Edda besuchen. Du kannst dich sicher an sie erinnern, sie ist die Tochter der Schwester deiner Großmutter mütterlicherseits. Sie arbeitet als Anwältin in Athen und hat mich eingeladen, ein paar Tage bei ihr zu verbringen.“

„Dann genieße die Tage, Dad.“

„Das werde ich und du pass auf dich auf, Kleine.“

„Ich hab‘ dich lieb, Dad.“

„Ich dich auch, Kathie.“

Und so unerwartet dieses kurze und für viele vielleicht unnötige Gespräch auch gewesen sein mag, zu wissen, dass es ihrem einzigen Verwandten gut ging und dieser sich um sie sorgte, bestärkte sie in ihrem Sein. Bevor Castle in ihr Leben getreten war, hatte sie sich ab und zu einsam gefühlt, nicht im Sinne einer Beziehung einsam, sondern wenn sie daran dachte, dass ihr Vater auch irgendwann einmal nicht mehr sein würde, dann wäre sie vollkommen alleine. Ihre Eltern hatten keine Geschwister gehabt und sie ebenso nicht. Doch seitdem er in ihr Leben getreten war, hegte sie keine Gedanken mehr an die Vergänglichkeit. Sie freute sich auf jeden einzelnen Tag, wenn er an ihrer Seite war, vermisste ihn, wenn er aus irgendeinem Grund einmal nicht am Revier auftauchte und ihr Kaffee brachte.

In Wahrheit waren es die Kleinigkeiten im Leben, die es lebenswert machten. Kein großes, teures Geschenk konnte die Worte ihres Vaters ersetzen oder all die Andenken in ihrer Mutter vergessen lassen.



+C+C+C+

Nachdem sie die Mädchen zu Bett gebracht hatten, abermals schliefen sie, vollkommen erschöpft nach einem abenteuerlichen Nachmittag am Dach des Hauses, inklusive Schneeballschlacht und Schneemannbau, vor dem Kamin, saßen die Erwachsenen am Esstisch, tranken ein Glas Rotwein und überlegten, wie es mit den Vorräten für die nächsten Tage stand. Da es keinen Strom gab, war der Kühlschrank mittlerweile abgetaut und die verderblichen Lebensmittel in einem allmählich bedenklichen Zustand. Obst und Gemüse hatte man genügend, Erdäpfel ebenso, daher würde man auskommen. Außerdem hatte Rick im Laufe des Nachmittags mittels Funk erfahren, dass die Wettervorhersage gut war. Der Schneefall würde im Laufe des nächsten Tages nachlassen und man könnte mit dem Räumen der Straßen und den Reparaturarbeiten beginnen, die bisher unmöglich gewesen waren.

Mary erzählte von einem furchtbaren Schneesturm, den sie in den 1950ern in Chicago erlebt hatte und verglich diesen mit dem jetzigen. Sie war damals eine junge Frau gewesen und man hatte tagein tagaus gezittert, dass die Häuserdächer unter der Schneelast zusammenbrechen würden. Dies war einer der Gründe gewesen, wieso sie damals von einem kleinen Vorort von Chicago nach New York gegangen sei, wo sie auch ihren Mann kennengelernt habe.

Danach war Martha an der Reihe, die aus ihrer Kindheit erzählte und dem Spaß, den sie immer im Schnee gehabt habe mit ihren Geschwistern. Selten sprach sie über diese, da die Familie ihre Entscheidung, Schauspielerin zu werden, sehr abschätzig gewürdigt hatten – kurzum man hatte sie verstoßen. Eine strengkatholische Familie konnte sich mit der Idee, dass sie als Schauspielerin, eventuell auch leichter bekleidet, arbeiten würde, nur böse Worte abgewinnen. Rick konnte sich nicht an das letzte Mal erinnern, an dem sie von Marjorie, Helena und Ramona erzählt hatte. In ihrem Zimmer hatte sie ein Foto, klein und in schwarz-weiß mit eingerissenen Ecken, in einem alten Rahmen stehen, so dass man es gut übersehen konnte.

Auch dieses Mal sparte sie alles aus, das auf den familiären Konflikt hindeuten könnte. Es klang beinahe alles perfekt, eine wunderbare Kindheit in einem ländlichen Vorort in Massachusetts. Doch dass es das nicht war, war ein gut gehütetes Geheimnis, über das man einfach nicht sprach, als wäre es niemals passiert.

Rick schnitt noch einen Apfel auf und stellte die letzten Weintrauben in die Mitte des Tisches.

„Und welche Erinnerungen hast du, Kate, an den Schnee?“, fragte Mary, unwissend, was sie damit auslösen würde.

„Im Gegensatz zu euren sind meine letzten Erinnerungen, die ich mit meiner Familie und dem Schnee verbinde, keine guten. Es sind die letzten Tage, die ich mit meiner Mutter verbracht habe. Der Baum stand noch, wir waren ein paar Tage Skifahren gewesen, als sie den Anruf bekam und wir nach New York zurückfuhren, da wichtige Informanten Informationen für sie hatten. Niemand hinterfragte dies damals. Und wenige Tage später mussten wir sine identifizieren. Schnee lag keiner mehr, der war in den Tagen zuvor getaut, aber ich sehe sie noch vor mir in ihrem dunkelgrünen Skianzug …“ Kate blickte auf ihr Glas, entschuldigte sich dann und verließ den Raum.

Manchmal gab es Momente, an denen alles noch näher war, an denen es ihr so vorkam, als wäre es gestern passiert. Oftmals waren es familiäre Momente, die all diese Erinnerungen wiederkehren ließen.

Martha erkannte, dass ihr Sohn hin und her gerissen war, ob er ihr nun nachgehen sollte oder nicht, da seine Augen ihr eindeutig gefolgt waren und er dann unsicher auf ihren Platz geblickt hatte.

„Geh schon“, forderte Mary ihn auf und dies musste man ihm nicht zweimal sagen.

Als Castle das Schlafzimmer betrat, stand Kate am Fenster und blickte hinaus, ihre Arme um sich geschlungen. Unsicher, was er nun machen sollte, trat er hinter sie und legte seine Arme vorsichtig um sie, drückte sie an sich, ließ seinen Kopf auf den ihren sinken – umschlang sie also beinahe komplett. Kate weinte in solchen Situationen nicht, so wie es Gina oder Meredith getan hätten, es war eine einzelne Spur auf jeder Wange, die sich die Tränen gebahnt hatten.

Vorsichtig küsste er sie aufs Haar und gab ihr all die Zeit, die sie brauchte, bis sie sich schließlich umdrehte und ihre Arme um ihn schlang, ihr Gesicht in seinem Shirt verbarg und nun wirklich weinte, nicht schluchzte aber weinte. Sanft strich er ihr über den Rücken, murmelte sanft beruhigende Worte auf sie ein, während draußen weiterhin dicht der Schnee fiel und die Straßen weiterhin in ein grelles Weiß hüllte.

„Ich vermisse sie manchmal so sehr.“ Ihre Stimme war leise, fast nicht zu hören.

„Das ist nur zu gut zu verstehen, Katie“, antwortete er, „niemandem würde es in deiner Situation anders gehen.“

Es war ein wunderbares Gefühl, so gehalten zu werden. Selten kam es vor, dass Beckett jemanden so nahe ließ, dabei ging es nämlich nicht um körperliche Nähe, diese stellte für sie kein Problem dar, sondern um sie selbst, den Kern, der hinter der harten Schale verborgen war. Die zerbrechliche Frau, die Angst hatte, enttäuscht zu werden und deswegen diese Mauer aus Uniform, Dienstwaffe und Abzeichen um sich aufgebaut hatte.

Castle wollte die Frau in seinen Armen gar nicht mehr loslassen, so gerne ließ er sie wissen, dass sie bei ihm immer sicher sein werde, egal was komme; sie immer eine Brust hätte, an die sie sich lehnen können würde; eine Familie, die sie aufnehmen und lieben würde. Lieben, ja, man würde sie hier lieben.

„Du riechst nach mir“, murmelte Rick mit einem Lachen in der Stimme.

„Das ist schwer zu verhindern, wenn man deine Seife benutzt.“ Die ersten Bilder, die Rick durch den Kopf schossen, waren absolut keine keuschen – er fragte sich, wo diese Seife wohl überall ihren Körper berührt habe. Überall? Hatte sie einen Waschlappen benutzt oder hatte sie die Seife direkt mit ihrer Haut in Kontakt gebracht?

Vorsichtig hob Kate ihren Kopf und blickte Rick tief in die Augen, bevor sie ihren Blick wieder senkte und ihr Gesicht in seinem Shirt verbarg.

„Lass uns noch ein Glas Wein mit deiner Mutter und Mary trinken, bevor wir zu Bett gehen“, bat Kate und Castle löste seine Arme, ließ sie gehen, doch bevor sie den Wohnraum betrat, bog sie ins Badezimmer ab und wusch sich das Gesicht. Der Autor war sich sicher, dass seine Mutter Mary inzwischen erzählt hatte, was mit Kates Mutter passiert war und sie gebeten hatte, von all dem nun nichts mehr zu erwähnen.

Martha hatte inzwischen einen Teller mit aufgeschnittenem Hartkäse auf den Tisch gestellt und eine frische Flasche Rotwein dekantiert. Beide Frauen hießen die beiden mit einem entspannten Lächeln herzlich Willkommen.

Die restliche Unterhaltung an diesem Abend war eher seichter Natur. Mary wollte alles über Frauen bei der Polizei wissen und wie man sie dort behandle. Als sie nämlich in Kates Alter gewesen sei, wäre es unvorstellbar gewesen, bei der Polizei zu beginnen. Natürlich besänftigte Martha sie, dass sie ja noch gar nicht so alt sei, woraufhin Mary sie korrigierte und wissen ließ, dass sie heuer 94 Jahre alt werden würde. Es war wahrhaftig leichte Kost, ein Geplänkel.

Als sich dann schließlich alle gute Nacht sagten, überkam Kate solch ein nervöses Gefühl, zu gut erinnerte sie sich an letzte Nacht und den Ausgang, wie sie in der Früh aufgewacht waren, nicht dass es unangenehm gewesen war, aber ungewohnt. Hatten sie eine Grenze übertreten, die nicht hätte übertreten werden dürfen? Die sie nicht hätten übertreten sollen? Wollen?

Und doch fand sie sich, trotz ihres Bauchgefühls, kurz später wieder im Bett neben Rick. Auf ihren Nachtisch hatte er ein paar große Kerzen platziert, die ein angenehmes Licht gaben und zum Lesen einluden. Nur in dicken Socken, Unterhose und einem übergroßen Shirt von Rick ging sie noch einmal zurück in sein Büro und griff nach dem neuen Manuskript, das auf seinem Schreibtisch lag. Mutig wie sie war, nahm sie es mit ins Schlafzimmer, während Castle sich noch im Badezimmer bettfertig machte.

„Was liest du da?“

„Ein Manuskript?“, antwortete Kate. Sie lag auf dem Bauch, etwas schief auf dem Bett und war bereits auf Seite 3 angelangt.

„Ich glaube nicht, dass das bereits für deine Augen …“

„Psst … Wenn ich die Muse bin, habe ich das Recht, es als erste zu lesen. Oder sprichst du mir das Recht ab?“

„Aber das Manuskript hat nichts mit Nikki Heat zu tun, Kate.“

„Den Eindruck hatte ich bereits auf Seite 1“, kommentierte sie und blätterte um. „Ich hatte auch nicht gewusst, Rick, dass du in dieses Genre abschweifst.“

Auf eine gewisse Weise war es Rick unangenehm, dass sie diesen Stapel Papier auf seinem Schreibtisch entdeckt hatte und doch konnte er es ihr nicht wegnehmen und das Entdecken ungeschehen machen. Es war eine Spielerei gewesen, ein Abschweifen in eine andere Welt. Alexis hatte für die Schule zahlreiche Jane Austen Bücher gelesen, dann hatte er sich mit ihr natürlich die Verfilmungen anschauen müssen. Hatte mitangesehen, wie Emma Thompson sich verliebte, Hugh Grant sie enttäuschte, Gwyneth Paltrow sich den Intrigen hingab und Frances O’Connor aus dem Hintergrund trat. Und dann war eines Abends an seinem PC gesessen und hatte einfach geschrieben. Innerhalb weniger Stunden war eine komplette Novelle fertig, die im frühen 19. Jahrhundert angesiedelt war, einen Hauptcharakter hatte, der Kate in jeglicher Hinsicht ähnelte – nur war sie nicht Polizistin, sondern eine junge unverheiratete Frau, Tochter eines angesehenen britischen Aristokraten, der nun drauf und dran war, sie während dieser Saison unter die Haube zu bringen. Doch wollte Catherine nicht heiraten, sie wollte die Welt erkunden, Abenteuer erleben und vor allem wissen, wer vor 10 Jahren den Tod ihrer Mutter verursacht hatte. Natürlich konnte man sich von 120 Seiten keine tiefschürfende Geschichte erwarten, aber er fand sie abgerundet, harmlos und unterhaltsam. Im Grunde war er mit ihr zufrieden, würde sich aber niemals trauen, sie an einen Verleger zu schicken. Man würde ihn auslachen.

„Ich mag es“, ließ sie ihn wissen und blätterte abermals um.

Natürlich gab es in der Novelle auch eine Liebesgeschichte – einen Witwer, der auf der Suche nach einer Frau war, um seiner Tochter eine neue Mutter zu schenken. Aber Alexander, Lord Huxley, wollte nicht irgendeine Braut und auf keinen Fall eine Debütantin – es sollte ein selbstbewusstes weibliches Wesen sein, dass das Leben in der Stadt nicht präferierte, sondern das Reisen und Leben am Land. Und vor allem müsste es jemand sein, der seine Tochter mochte und den die Tochter auch akzeptierte.

Castle legte sich neben sie und studierte ihr Profil als sie das Skript las, seine Kerze hatte er ausgelöscht.

Und so las sie und las sie, wollte gar nicht von der Geschichte ablassen, bis sie fertig war und sie wieder alle Blätter sorgfältig aufeinanderlegte.

„Wirst du sie veröffentlichen?“, fragte sie, legte die Novelle auf den Fußboden neben das Bett, blies die Kerze und sah Rick dann mit großen Augen an.

„Ich glaube, dass es meiner Verlägerin nicht gefallen wird.“

„Wie kannst du das jetzt schon wissen.“

„Ich glaube nicht, dass Gina das gut finden würde.

„Dann veröffentliche es unter einem Pseudonym.“

Kate lächelte, als sie mit ihm sprach und wie konnte er ihr eine Frage wie diese verwehren?

„Ich glaube nicht, dass das Werk eine große Lesergemeinde finden würde. Abgesehen davon war es ein reines Gedanken-frei-Schreiben, Unterhaltung. Mehr nicht.“

„Ach, wenn du wüsstest, du hättest eine große Leserschaft und genauso viel Konkurrenz wie bei der Kriminalliteratur. Immer mehr Frauen schreiben in diesem Genre.“

„Und woher weiß Kate Beckett so etwas?“

Wäre es nicht so dunkel gewesen, hätte man vielleicht sehen können, dass sie leicht errötete. „Auch ich lese nicht nur Kriminalliteratur und meine Mutter, meine Mutter hat manchmal ganz gerne diese Heftchen gelesen, wenn mein Vater nicht da war. Sie war eine heillose Romantikerin. Und diese Romane haben ihr die Möglichkeit gelassen, in eine andere, sorgenfreie Welt zu entfliehen, in der es immer ein Happyend gab, im Gegensatz zu ihrem Beruf.“

„Das hätte ich von Kate Beckett nie gedacht …“

„Du weißt, die vielen Schalen einer Zwiebel.“

Und mit diesen Worten schliefen sie ein. Es war ein zufriedenstellendes Gespräch gewesen und hatte ein Gefühl der Zufriedenheit, wohligen Wärme.

Als Rick nach Becketts Hand griff und sie umfasste, zuckte sie nicht weg, sondern streichelte mit dem Daumen über seinen Handrücken.

In den frühen Morgenstunden lagen sie abermals eng umschlungen im Bett. Die Wohnung war in den letzten Tagen, besonders die Schlafräume ausgekühlt, so hatten sie die Decke bis unter das Kinn gezogen. Rick umgab sie beinahe komplett, als Kate aufwachte. Sein Körper war überall, seine Hände ebenso. Dadurch dass sie nur einen Slip unter dem Shirt trug und dicke Socken, berührte er sie noch intensiver als jemals zuvor, vor allem war seine Hand auf ihrem Bauch, dann wieder beinahe an ihrer Brust, dann wieder auf dem Bauch und so ging es die ganze Zeit hin und her. Das Problem war nicht, dass seine Finger über ihre Haut tanzten, nein, es waren die Gedanken, die Unsicherheiten, die in ihr aufkamen und sie auch nicht wieder einschlafen ließen. Würde es allen zerstören, wenn sie seinen Berührungen mehr Beachtung schenken würde? War es nur ein Reflex seinerseits oder empfand er wirklich mehr für sie? Was fühlte er? All dies überforderte sie im Moment und so hätte sie beinahe den Augenblick verpasst, als er plötzlich ihre Brust umfasste und mit dem Daumen über ihre Brustwarze strich, bis sie ihm erregt entgegenragte. Ohne es zu wollen, presste sie ihre Brust stärker in seine Hand, wollte mehr fühlen und drückte ihren Po im Gegenzug an sein Gemächt, das sich hart und lang an ebendiesen schmiegte. Plötzlich war Kate hellwach. Ihre innere Stimme redete sich ein, dass es eine natürliche Reaktion war, er träumte und ja bei jeder Frau, die in seinem Bett schlief, so reagierte, daher sollte sie sich nun nichts darauf einreden.

Und seine sanften Berührungen lullten sie schlussendlich doch wieder ein und sie sagte sich, dass sie nur wenigen Augenblicke dieses Gefühl genießen wolle, ein paar wenige Minuten, und schon war sie abermals eingedöst.

Rick hatte gemerkt, dass sie aufgewacht war, nur war er erstens nicht willig, seine Hand von ihrer so weichen Haut weichen zu lassen und zweitens sie wissen zu lassen, dass er wach war. Allerdings, als sie ihr Hinterteil gegen ihn presste, hatte er seine Zähne fest zusammenbeißen müssen, um nicht laut in ihr Ohr zu stöhnen, so war ein nur ein leises und tiefes Murren gewesen, das ihm über die Lippen gekommen war. Da hat er dann wieder begonnen, intensivere Kreise mit seinem Finger zu ziehen und natürlich hatte er gemerkt, dass er eine sensible Gegend erreicht hatte. Nichtsdestotrotz sagte er sich, dass er nicht ablassen könne, denn ihre Brust passe so perfekt in seine Hand, als wäre sie dafür geschaffen worden, außerdem war es offensichtlich, dass sie diesen Berührungen gegenüber nicht abgeneigt war, so wie sie reagierte – Schlaf oder nicht.

Obwohl Rick sich immer wieder sagte, dass er seine Hand endlich von ihrem Körper nehmen sollte, wollte ihm diese nicht gehorchen. Allerdings war das Problem, dass sein gesamter Körper ihm in ihrer Gegenwart nicht gehorchte. Wenn er in diese grünbraunen Augen und dieses Lächeln sah, dann schmolz er dahin.

Merediths Besuch war ein einmaliger Ausrutscher gewesen, ein Ablassen seiner aufgestauten sexuellen Energie. Jedes einzelne Mal, das er mit seiner Exfrau in diesen wenigen Tagen geschlafen hatte, hatte er sich zusammenreißen müssen, nicht Kates Namen zu stöhnen, denn seit sie in sein Leben getreten war, war er fasziniert von ihr – ihrem Charakter, ihrem Aussehen, aber vor allem ihrem sanften und zugleich starken Gemüt.

Im Grunde drehte sich alles, seitdem sie in sein Leben getreten war, um sie und manchmal irritierte ihn das ein wenig, denn bisher hatte das noch keine Frau in diesem Ausmaß geschafft. Und scheinbar gab er ihr da Gefühl, dass sie bei ihm sicher war, denn sonst wäre sie – seiner Interpretation nach – niemals zu ihm gekommen, in einer unangenehmen Situation wie dieser. Außerdem hatte er es interessant gefunden, dass seine Familie so auf sie reagiert hatte – obwohl Alexis stets ein paar Vorurteile gegen sein neues Hobby hegte, war sie mit offenen Armen aufgenommen worden. Bei anderen Frauen, die er nachhause brachte, war dies nie der Fall gewesen, allerdings könnte man natürlich sagen, dass die weiblichen Wesen sonst meist nur an seinem Geld, Ruhm und Namen interessiert waren.

Und so hielt er weiterhin ihre Brust in seiner linken Hand, während seine rechte ihr als Polster diente, und desto mehr er sie streichelte, desto fester presste sie ihren trainierten Po gegen sein Glied, das mehr als nur entzückt von all der Stimulation war. Endlich traute er sich mehr, wissend, dass wenn sie aufwachte und ganz anderer Ansicht war, er nicht nur seine Muse verlieren würde, sondern mit gewisser Sicherheit auch eine Anklage wegen sexueller Belästigung am Hals haben würde; so zupfte er vorsichtig, auf eine Reaktion wartend, an ihrer Brustwarze. Kate stöhnt leise auf. Leise. Dies ermutigte ihn weiterzumachen und sie gab dasselbe Geräusch von sich. Mit der Nase schob er ihr Haar, das die Seite ihres Gesichtes verdeckte, zur Seite. Kates Blinzeln verriet, dass sie nicht mehr schlief und dies ermutigte ihn umso mehr.

Castle war sich bewusst, dass sein Dreitagebart sie kratzen musste und als er abermals mit seiner Nase über ihre Wange fuhr, war es offensichtlich, dass sie den Bart spürte, da ein kleines Lächeln über ihre Lippen tanzte und die Mundwinkel hochzog.

„Hm …“, kam es über ihre Lippen, als sein Finger abermals genau das machten, nachdem sie sich sehnte, seitdem er damit begonnen hatte und sich bewusst war, dass er nicht im Schlaf so handelte. In dem Augenblick, in dem Rick seine Hand von ihrer Brust in Richtung ihres Bauches bewegen wollte, protestierte sie ruhig und leise, forderte ihn auf, nicht damit aufzuhören. Ab genau diesem Zeitpunkt musste kein Schlaf mehr vortäuscht werden.

Innerhalb einer Sekunde lag Kate am Rücken und Rick war über ihr und endlich – nach zwei Jahren des sehnsüchtigen Wartens – waren seine Lippen endlich auf den ihren. Ob sie es sich so vorgestellt hatte? Sie wusste es nicht, nie hatte sie sich bisher träumen lassen, dass es jemals soweit kommen würde, entsprach sie doch gar nicht seinem Beuteschema.

Trotzdem lag ihr T-Shirt bereits neben ihnen am Bett und seine Lippen platzierten kleine Küsse von ihrem Gesicht, über ihr Schlüsselbein zu ihrem Busen. Kaum war er dort angekommen, liebkoste er diese intensiv, ließ nicht von ihnen ab, schenkte jeder Brust dieselbe Aufmerksamkeit. Hatte sich jemals ein Mann so viel Zeit genommen, sie zu verführen?

Ohne zu viel von ihm verlangen zu wollen, forderte Kate Rick wortlos auf, wieder hoch zu ihr zu kommen. Ihre Küsse waren intensiv und fordernd, als würden sie gerade versuchen, die aufgestaute sexuelle Energie, die sie in den letzten Jahren aufgebaut hatte, loszuwerden.

Ohne zu zweifeln war Ricks Erektion schmerzhaft, denn jedes Mal, wenn er sie gegen sie presste, verzog er das Gesicht. Kates Finger wanderten über seinen Rücken, seine Schultern und in Richtung seines Pos; sie presste sich an ihn, als gäbe es kein Morgen – und die gesamte Zeit hindurch, sahen sie einander, sofern sie sich nicht gerade küssten, in die Augen. Ein strahlendes Blau gegen ein Grünbraun, das plötzlich durch ein paar Goldflankerl geziert wurde.

„Es könnte jeden Augenblick jemand ins Zimmer kommen, um uns zum Frühstück zu holen“, erklärte Castle und seiner Stimme konnte man klar das Leid entnehmen, das er gerade empfand.

„Du hast Recht“, stimmte Kate zu, ließ von ihm an und glitt enttäuscht ins Kissen.

„Lege dich wieder auf die Seite“, murmelte Rick vorsichtig. Wenn man sie in dieser Position vorfinden würde, würde niemand etwas sagen und keiner würde dank der Decke sehen, dass sie kein T-Shirt trug, denn dieses hatte er bereits, als sie sich drehte, unter ihren Polster geschoben.

Und so lag sie da, eine Hand abermals an ihrer Brust, mit dieser spielend. Seine Erektion genau an die Stelle gepresst, wo sie sie gerade gerne – ohne die störenden Boxershorts – gespürt hätte. Ricks andere Hand lag auf ihrem Bauch, zeichnete leichte Kreise. Becketts ließ ihre Finger über seine Hüfte und Oberschenkel tanzen, nichtsahnend, dass es ihn in den Wahnsinn trieb damit.

Wahrhaftig dauerte es nur noch zehn Minuten bis Martha mit Alexis im Schlepptau mitten im Schlafzimmer standen und darauf aufmerksam machten, dass die Wasserleitung im Badezimmer komische Geräusche mache und wenig Wasser transportiere. Außerdem bräuchten sie noch Brennholz, welches jemand aus dem Lager im Keller holen müsste. Innerhalb weniger Sekunden konnte man jegliche erotische Stimmung zerstören, doch sie hatten damit gerechnet.

Rick erbat sich einen Augenblick, um sich entsprechend zu kleiden, erklärte sich natürlich bereit, sich um alle Probleme zu kümmern. Kaum war er dabei im begehbaren Schrankraum nach Jeans und frischen Boxershorts zu suchen, zog Kate die Jeans aus ihrem Rucksack an und das T-Shirt von vorherigen Tag, dazu eine Sweatshirtjacke, die man ihr geborgt hatte und ging, nachdem sie sich in Ricks Bad das Gesicht gewaschen und einmal tief durchgeatmet hatte, ins Wohnzimmer. Ihr Inneres sträubte sich heftig gegen diesen raschen Wandel, doch ändern konnte man daran nun auch nichts mehr.

Martha ahnte, als Kate den Raum betrat, dass etwas vorgefallen war, wollte es aber weder benennen noch erfragen, sondern reichte der jungen Frau eine Tasse Kaffee aus einer kleinen italienischen Espressomaschine.

„Die haben wir vorher in einem der Küchenkästchen gefunden, als wir nach einem Sieb gesucht haben“, erklärte Martha, „mir ist der Kaffee schon furchtbar abgegeben.“

Beckett bedankte sich und nahm auf einem der Sessel Platz, griff nach einem Stück Knäckebrot und strich etwas weiche Butter darauf.

„Wir könnten ein paar der Lebensmittel in einer Kühltasche aufs Dach stellen“, sagte Kate, „dort ist es wahrscheinlich kühler als hier im Kühlschrank.“

„Wenn es nicht bald wieder Strom gibt, wird es kritisch werden. Die Schlafzimmer oben sind mittlerweile ausgefroren, wir werden heute Nacht auch hier unten schlafen“, erklärte Martha. „Und ich mache mir Sorgen um Mary. In ihrem Alter ist all das sicher nicht gesund.“

Wie gut oder wie schlecht es um die alte Dame stand, wusste Kate nicht, aber sie saß gerade vor dem Kamin und erzählte den Mädchen eine Geschichte. Es musste etwas Faszinierendes sein, so wie sie an ihren Lippen hingen.

Nachdem auch Rick seinen Kaffee getrunken hatte, machte er sich bereit, in den Keller zu gehen -ahnend, dass es nicht lustig werden würde, denn das Holzlager, das er besaß, befand sich im Kellergeschoß, der Lift war außer Betrieb, also würde es bedeuten, mehrmals all die Stockwerke hinauf und hinunter zu laufen, bevor genügend Holz im Loft sein würde, um dieses zu wärmen.

„Ich komme mit dir“, stellte Kate fest und war schon dabei, sich ihre mittlerweile durchgetrockneten Schuhe anzuziehen.

„Du wirst die Jacke benötigen.“ Und ohne Marthas Aussage zu kommentieren, zog die junge Frau diese an, band sich einen Schal um, der an der Ankleide hing und mit drei großen Plastiktaschen eines schwedischen Möbelhauses gingen Castle und sie die Treppen hinab in das Untergeschoß des Wohngebäudes. Man hörte kein Geräusch, keine Stimmen, kein Murmeln, kein Knarren – nur ihre Schritte. Unten angekommen entzündete Rick eine kleine Laterne, die stets am Anfang des Kellerabganges hing und führte seine Partnerin die steile Treppe hinab. Als Kate auf der letzten Stufe stand, Rick bereits am Boden, berührte sie ihm an der Schulter und er drehte sich um.

Beckett musste sich beweisen, dass das zuvor Erlebte kein Traum gewesen war, so zog sie ihn am Kragen seiner Jacke zu sich, sah ihm tief in die Augen – sofern man dies in beinahe absoluter Dunkelheit machen konnte – und küsste ihn. Im ersten Augenblick war er von ihrem Handeln überrascht, doch das war schnell vergessen, spätestens als ihre Zunge über seine Lippen strich und von ihm verlangte, seinen Mund zu öffnen. Und schon war all die Leidenschaft wieder da, die sie vorher im Schlafzimmer erlebt hatten. Die Hoffnung. Die Gier. Die Lust. Leider war es viel zu kalt im Keller und innerhalb weniger Minuten begann Kate zu zittern, daraufhin mussten beide lachen, packten die Taschen voll mit Holz und trugen sie ins Loft. Danach gingen sie noch zweimal in den Keller und jedes Mal nutzten sie die Möglichkeit wieder sich ungestört zu küssen, sich nahe zu sein.

Allerdings war es auch für Martha offensichtlich, dass etwas geschehen war, denn sie saßen näher beieinander, sobald sie wieder in der Wohnung waren. Außerdem waren es Kleinigkeiten, Kleinigkeiten. Wenn Rick zum Tresen in der Küche ging, um etwas zu holen, war sie bereits an seiner Seite und es dauerte länger als gewohnt, bis sie zurück waren. Oder als Kate nachdem sie das Holz geholt hatten, ins Badezimmer ging, um sich frisch zu machen, konnte Rick es kaum erwarten, ihr nahe zu sein und wartete in seinem Büro, starrte die Türe des Badezimmers an. Doch es war nicht nur Martha aufgefallen, auch Mary hatte der Schauspielerin schon zugenickt und gelächelt, wenn wieder einmal eine diese bisher nicht vorhandenen Berührungen offensichtlich war.

Nachdem der Wohnraum wieder auf eine gute Temperatur gebracht worden war, saßen sie alle beisammen. Emily und Alexis spielten Scrabble und das kleine Mädchen war in Kates Armen eingeschlafen, nachdem sie zuvor Twister gespielt und sich wahrhaftig verausgabt hatten.

Mary rutschte etwas näher zu Beckett, um nicht so laut sprechen zu müssen, damit das Kind nicht aufwache und fragte schließlich, ob Beckett nicht auch Kinder wolle.

„Ach weißt du, als ich so alt wie Alexis war, dachte ich immer, dass ich eine große Familie haben wolle. Vier Kinder. Vier Jungs. Aber nachdem meine Mutter ums Leben kam, ich zur Polizei ging … irgendwann, irgendwann schien es in den Hintergrund zu rücken.“

„Und keiner deiner Freunde wollte jemals …“

„Wir waren niemals lange genug zusammen, dass es wirklich Thema wurde“, gab sie etwas schüchtern zu. „Abgesehen davon, wenn du mit einem Polizisten ausgehst, dann fragst du dich, wie man dies vereinbaren möchte und man lernt schwer andere Männer kennen, wenn man Tag und Nacht arbeitet.“

Mary nickte, nicht unbedingt zustimmend aber verstehend. „Du kannst aber gut mit Kindern.“

„Ich mag Kinder, es ist nicht so, als hätte sich dies verändert. Aber ich bin mir nicht sicher, ob die Mutterschaft wirklich etwas ist, das für mich bestimmt ist. Auf ein Kind aufzupassen, wenn es so alt ist wie sie, das ist ein Leichtes. Wenn sie aber gerade auf die Welt gekommen sind, sind sie so zerbrechlich. Ich glaube nicht, dass ich das könnte.“

„Du könntest es.“

„Wie kannst du dir dabei so sicher sein?“

„Ich dachte auch immer, dass ich Fehler machen würde und ich habe acht Kinder aufgezogen, die über die ganze Welt verstreut leben. Ich habe 15 Enkelkinder und 27 Urenkelkinder, alle haben es überlebt. Wenn man das erste Mal dieses kleine Wesen in den Armen hält, Kate, dann kommt es intuitiv.“

„Hm …. Lass uns über etwas Anderes sprechen, Mary, erzähl mir von deiner Jugend.“ Dass Kate dieses Thema unangenehm war, hatte die alte Dame nicht überrascht, besonders da es für sie so nahe in Zusammenhang mit dem Tod ihrer Mutter stand. Trotzdem war sie ein Naturtalent. Das kleine Mädchen war bereits am ersten Abend auf sie zugegangen und hatte sich an sie geschmiegt, als würde sie sie schon ewig kennen und seitdem tat sie es jeden Tag aufs Neue. Und ein ähnliches Verhalten, natürlich in abgeänderter Form, war ihr auch bei Alexis aufgefallen. Sie hatte keine Scheu, der Polizistin körperlich nahe zu kommen oder ihr etwas ins Ohr zu flüstern, das ihr Vater nicht hören sollte. Hätte Mary es von Martha nicht anders gewusst, hätte sie glauben können, dass Kate hier tagtäglich ein und aus ging, mit allen sehr gut vertraut war; obwohl dies in der Realität nicht der Fall war. Sie hatte drei Wochen bei den Castles gewohnt, nachdem ihr Apartment in die Luft geflogen war, drei Wochen. In diesen hatte sie Tag und Nacht gearbeitet und versucht, möglichst wenig Zeit im Loft zu verbringen, um niemandem zur Last zu fallen. Nur an den Wochenenden hatte sie gerne mit allen Zeit verbracht, zweimal Alexis bei einem Aufsatz geholfen und einmal war sie mit Martha ins Theater gegangen, nachdem die rothaarige Frau sie dazu überredet hatte. Stets hatte sie die Angst gehabt, sich im Loft zu wohl zu fühlen, zu wohl zu fühlen um ohne das Gefühl des Verlustes wieder ausziehen. Seit dem Tod ihrer Mutter hatte sie niemals mehr mit jemandem zusammengewohnt – damals hatte sie sich für das Studentenheim entschieden, zurück in New York hatte sie hart gearbeitet und sich ihre eigene kleine Wohnung geleistet, ein 1-Raum-Apartment, das stets nach frittiertem Hühnchen und chinesischem Essen gerochen hatte. Doch sie war so selten zuhause, dass sie das nicht störte. Alle Männer, mit denen sie verkehrt hatte, hatten maximal eine Zahnbürste bei ihr und sie hatte stets dafür gesorgt, dass niemals eine Lade, ein Teil des Kastens oder ein Regalbrett im Badezimmer besiedelt wurde. Sobald dies aufzutreten schien, beendete sie die Beziehung unter anderen Vorwänden (darin war sie stets besonders gut gewesen).

Martha kostete es viel Überwindung, ihren Sohn nicht auf die neuen Entwicklungen anzusprechen, besonders als sie im Laufe des Nachmittags begannen, Klappbetten – die aufgrund ihrer Unbequemlichkeit stets ignoriert wurden – aus dem Obergeschoß holte, um Mary und Martha ein warmes Lager für die Nacht zu ermöglichen. Mithilfe von Auflagen und Pölstern gestalteten sie eine brauchbare Lösung, die nicht nur bequem, sondern auch hoch genug war, um ein angenehmes Aufstehen und Hinsetzen zu ermöglichen.

Im Laufe des Nachmittags hörte es schließlich zu schneien auf und der Himmel zeigte sein schönes Blau, die Sonne begann etwas zu scheinen und erhellte das Wohnzimmer etwas, doch all dies änderte nichts an der bitteren Kälte. Der Thermometer am Dach des Hauses zeigte -17 Grad Celsius an. Sie hatten auch mit dem Revier kurz geplaudert und man hatte sie wissen lassen, dass es kaum Vorfälle gegeben hätte, die Spitäler voll belegt wären und es natürlich Probleme bei der Obdachlosenversorgung gäbe, die Kirchen sich aber intensiv um diese Gruppe kümmern würde. Man würde sogar für die Tiere der Obdachlosen schon Ausnahmen machen, die sonst in den Schlafstellen nicht erlaubt wären, um sie vor dem Erfrieren zu retten. Normalerweise würde Kate all dies unrund stimmen, vor allem, dass sie nicht an vorderster Front eingesetzt war; dieses Mal genoss sie die freien Tage mehr, als sie sich eingestehen wollte.

„Wollt ihr nicht endlich zu Bett gehen?“, fragte Martha und warf Mary einen eindeutigen Blick zu.

„Es ist doch erst 9“, antwortete Kate nichtsahnend.

„Alexis und Emily schlafen schon fast, die Schneeballschlacht hat sie abermals ausgepowert und auch wir würden uns gerne zu Bett begeben, Richard“, schob sie vor und Mary stimmte nickend zu. Als die beiden durch Ricks Büro verschwanden, lachten die beiden älteren Damen leise und setzten sich auf ihre nebeneinanderstehenden Betten. „Vielleicht schaffen sie es jetzt endlich“, kommentierte Martha, „Zeit würde es werden. Noch nie ist er einer Frau so lange hinterhergelaufen bzw. noch nie, Mary, hat ihn eine Frau so lange zappeln lassen.“

„Aber sie ist etwas Besonderes, nicht so oberflächlich wie Martha oder Gina.“

„Da kann ich dir nur zustimmen, deswegen wäre es ja so wichtig, dass sie endlich die Kurve bekommen, da ich nicht weiß, meine Liebe, wie lange ich noch zusehen kann, wie er sie mit diesen Kuhaugen ansieht und ihr wie ein Schoßhund hinterherläuft.“ Mary und Martha kannten sich so lange, dass die Schauspielerin die Notwendigkeit nicht sah, ihr etwas vorzuspielen. An dem Tag, an dem Rick seine erste Wohnung in diesem Apartment gemietet hatte – weit davon entfernt, sich jemals dieses Loft leisten zu können – hatte sie Mary getroffen, damals war noch ihr Mann George am Leben gewesen. George hatte Marthas exzentrische Art gefallen, ihre bunte Kleidung, ihre Mimik und Gestik und vor allem ihr relativ trockener Humor.

Am liebsten hätte Kate im Schlafzimmer, das mittlerweile unangenehm kühl war, gefragt, ob er glaube, dass Martha etwas vermute, traute sich aber nicht, um die Stimmung nicht zu zerstören. Rick war im Schrankraum verschwunden und kam mit frischer Bettwäsche hinaus.

„Normalerweise mag ich diese Flanellwäsche nicht, aber ich glaube, dass sie heute sicherlich wärmer ist als die Baumwolle, Kate“, erklärte er und legte die dunkelblaugrünkarierte Wäsche auf den Sessel neben das Bett. „Würdest du mir helfen?“

Und schon machten sie sich daran, die zwei Tuchenten, Leintuch und Pölster abzuziehen und das Bett in ein frisches und dunkleres Gewand zu hüllen, das ihm gleich eine andere Art der Wärme verlieh. Über all die Decken warf Rick noch eine alte Wolldecke, die er im Schrankraum verstaut gefunden und ihm bereits gute Dienste geleistet hatte als junger Schriftsteller.

Tatsächlich fühlte es sich auf der Haut wärmer an, als Kate in einer von Ricks Boxershorts, Socken und einem langärmeligen T-Shirt, das sie sich im Schrankraum ausgesucht hatte, ins Bett stieg. Immer noch brannten einige in einem großen Glas stehenden Kerzen, nahe dem Bett und hüllten das Zimmer in ein angenehmes Ambiente. Etwas Nervosität erwuchs in ihr. Würden sie einen weiteren Schritt wagen? Obwohl alle im Wohnzimmer, nur durch eine Türe getrennt von ihnen, schliefen?

Richard trug lange Jogginghosen und ein T-Shirt, als er aus dem Bad kam und sich zur ihr ins Bett legte. Die meisten Männer mit denen Kate jemals zusammen war, waren groß und eher schmal gebaut, also das Gegenteil von Rick, der nicht dick war, aber schon eine gewisse gemütliche Festigkeit mitbrachte. Bisher war es ein ganz anderer Typ gewesen, der sie ins Bett bekommen hatte und nun lag sie hier, neben dem Mann, der sie durch die lange Trauerphase um ihre Mutter mit seinen Büchern begleitet hatte. Hätte man ihr vor acht Jahren gesagt, dass dies jemals passieren würde, hätte sie nur gelacht und die Augen verdreht.

Castle legte sich hin und zog sie an seine Brust, machte aber keine Anstalten sie zu küssen, zu berühren oder etwas Dergleichen. Nach einigen Minuten des Wartens richtete Beckett sich auf und blickte aus ihrer Position auf ihn hinab. Seine Augen waren geschlossen, aber er schlief nicht.

„Kate?“, entkam es ihm fragend.

„War das jetzt alles?“

„Was meinst du?“

„Wir küssen uns im Stiegenhaus, befummeln uns letzte Nacht und jetzt liegen wir einfach nebeneinander? Einfach so?“ Hatte sie sich alles bisher nur eingebildet gehabt oder versuchte er gerade einen Rückzieher zu machen?

„Sind wir fordernd?“

„Fordernd? Castle …“ Es war unüberhörbar, dass sie über seine Frage -die vielleicht etwas provozierend gemeint war – erbost war. Erst spät erkannte er sie, dass er sie neckte, sie etwas aus der Reserve locken wollte. Bisher hatte er hier immer den ersten Schritt gemacht und jetzt sollte es an ihr liegen.

Es kostete ihn zwei Bewegungen oder Handgriffe und schon saß sie in seinem Schoß, die Decke hinter ihr zu Boden gleitend. Beckett kreischte kurz auf, verstummte sofort, als sie sich bewusst wurde, welch ein Geräusch sie von sich gegeben hatte. Trotz einer reflexartigen Bewegung, konnte sie die Decke nicht mehr erreichen und schon waren sie beide abdeckte. Im selben Moment glitten Ricks Hände unter ihr T-Shirt an ihren Brustkorb und zog sie zu sich hinunter, sah ihr tief in die erschrockenen Augen, grinste sie an, rollte sie unter sich und begann sie zu küssen. So baff wie sie anfänglich gewesen sein mag, war dies auch schon wieder vergessen und ihre Hände glitten durch seine Haare, ihre Zungen duellierten sich und sie rollten von einer Seite des Bettes auf die andere, keiner wollte dem anderen nun die Oberhand überlassen. So sehr sie die Zeit bei diesem Spiel vergaßen, was nicht unbemerkt bleiben konnte, war die Kälte, die ihnen langsam in die Knochen kroch. Rick löste sich von Kate, griff nach der Decke und zog alles wieder über sie, sodass sie vollkommen unter dem Konvolut lagen. Lachten.

Innerhalb von Sekunden war ihr T-Shirt ausgezogen und sein Mund war bereits, wie auch seine Hände, überall an ihrem Körper, unter all den Decken versteckt. Sie genoss sein Gewicht auf ihr, genoss jede einzelne Bewegung, Berührung – auch wenn keine Worte fielen. Worte, die alles beschönigen oder zerstören könnten.

Und dann schloss sie schließlich ihre Augen, machte leise Geräusche des Entzückens, biss sich schließlich in die Hand, um diese zu unterdrücken, als seine Lippen an ihrem Unterbauch angekommen waren, die Boxershorts aufknöpften und sie etwas hinabschoben und er auch dort mit seiner Zunge kleine Kreise zog, nippte – sie kurzerhand erregte. Da sie ihn nicht sah, Rick sich unter der Decke befand, war es vielleicht noch aufregender, da sie nicht sehen konnte, welchen Schachzug er als nächster plante. Jegliches Empfinden war verstärkt, alles war anders als jemals zuvor. Als Castle schließlich die Boxershorts entfernt hatte und seinen Mund zwischen Kates Beinen Beschäftigung fand, war es für die junge Frau immer schwerer, sich zurückzuhalten. Es dauerte nicht mehr lange und Kate griff blind unter die Decke, griff nach seinen Schultern und zog ihn wieder zu sich hinauf, starrte in seine großen blauen Augen und küsste ihn hart. Schmeckte sich selbst auf seinen Lippen.

„Ich will mehr“, murmelte sie leise und fuhr ihm mit dem Zeigefinger über den Nasenrücken. „Ich will mehr und das jetzt.“

Antwort gab es keine, nur einen harten und fordernden Kuss, der mehr als tausend Worte aussagte. Und es dauerte nicht lange und die Jogginghose lag bei den Füßen beider.

„Bist du dir sicher, Kate?“

„Sicherer als jemals zuvor.“

„Dann muss ich ins Badezimmer …“

„Nein“, erklärte sie und im selben Atemzug ließ sie ihn wissen, dass sie die Pille nehmen würde und jetzt nicht wolle, dass er sie verlasse. Normalerweise hätte sich Rick niemals auf dieses Angebot eingelassen und Kate hätte es bei keinem anderen Mann gemacht, mit dem sie das erste Mal intim wurde, nur schien es in diese Situation so richtig.

Vorsichtig und mit einem Lächeln auf den Lippen küsste er sie abermals und ihre Hände wanderten über seinen gesamten Körper, zogen ihm endlich das Leibchen aus und brachten ihn in die passende Position, um ihn endlich in sich zu fühlen. Endlich. Und es dauerte einige Augenblicke, bis sie sich an seine Größte gewöhnt hatte und die gab er ihr, bevor er sich zurückzog und abermals in sie eindrang. Es dauerte nicht lange und sie forderte ihn auf, sich schneller zu bewegen, wollte es härter – jede einzelne Minute kostete ihr viel ab, um nicht das ganze Loft wissen zu lassen, was hier hinter verschlossenen Türen gerade geschah und wie gut es sich anfühlte.

Plötzlich lag Rick unter Kate und sie grinste ihn von oben frech an, sodass er lachen musste. Aber das Lachen verging ihm rasch, als die dunkelhaarige Frau sich zu bewegen begann und selbst das Tempo vorgab. Und sie wusste was sie tat, das war ihm jetzt mehr als nur bewusst. Seine Hände glitten über ihre Brüste, stimulierten sie.

Als Kate schließlich kam, biss sie Rick fest in die Schulter, sodass sie beinahe Blut schmeckte – ein Mal würde es auf alle Fälle hinterlassen-, aber es war die einzige Möglichkeit gewesen, einen Schrei abzudämpfen. Mit diesem Biss riss sie Rick mit sich. Kate blieb einfach auf ihm liegen und er umschloss sie mit seinen Armen, wollte sie nie wieder loslassen. Nie wieder.

Und so schliefen sie schlussendlich ein. Vereint.

Für alle aus dieser Vereinigung entstehenden Probleme, sofern es Probleme werden würde, würde man Lösungen finden können – zusammen.



The End.



+C+C+C+


PS: Wenn man ein bisschen Abstand zu anderen Geschichten braucht und keinesfalls einen Mehrteiler schreiben möchte .

Advertisements

About starthebuck

Ich lese um zu träumen, träume um zu lesen. This blog about books is partly in English and partly in German mostly because I read in both languages and sometimes it makes more sense to review in the language you read even if grammer sucks!
This entry was posted in Castle:OS, Fanfiction:Castle, martha/kate-friendship, One Shot, Uncategorized. Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s